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WesterwaldSteig – 235 Kilometer auf 6 Pfoten


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 09.11.2022
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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 12/2022

Seit acht Jahren ist der Westerwald in Rheinland-Pfalz meine Heimat. Und fast genauso lange wundere ich mich, dass dieses landschaftlich herrliche Gebiet als Urlaubs- und Wanderregion in Deutschland immer noch ziemlich unterschätzt und wenig bekannt ist. Dabei liegt der Westerwald nicht nur verkehrsgünstig zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und der Metropolregion Köln/Bonn, sondern hat vor allem jede Menge schöne Wanderwege zu bieten – unter anderem auch den WesterwaldSteig. Und genau den habe ich mit meinem Rhodesian-Ridgeback-Rüden Dayo bezwungen.

„Mutprobe“ mit Hund

Ich gehe gerne mit meinem Hund wandern und mittlerweile am liebsten auch ganz allein. Dann kann ich meinen Gedanken nachhängen, in meinem Tempo gehen und muss – abgesehen von meinem vierbeinigen Partner – auf niemanden Rücksicht nehmen. Gelernt habe ich das Alleine-Wandern tatsächlich erst auf dem WesterwaldSteig. Aber bis Dayo und ich ...

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... unsere erste Etappe gegangen sind, hat es fast drei Jahre gedauert, bis ich mich überwunden und meiner persönlichen Mutprobe gestellt habe: den WesterwaldSteig zu wandern. Nur Dayo und ich. 16 Etappen. 235 Kilometer. Und was soll ich sagen? Auch wenn ich mich anfangs ein wenig seltsam und unwohl gefühlt habe, ohne weitere zweibeinige Begleitung – relativ schnell habe ich begonnen, das Alleine-Wandern zu genießen.

Mit Dayo durch den Westerwald zu spazieren, war und ist bis heute etwas ganz Besonderes für mich: Er hörte ausgesprochen gut, verschmähte die Jagd und ließ für einen leckeren Snack alles stehen und liegen. So war er oft ohne Leine unterwegs und bewegte sich dabei selten mehr als zehn Meter von mir weg. Außerdem war er das perfekte Fotomodell. Geduldig blieb er auf Baumstämmen sitzen, vor bizarren Basaltblöcken stehen oder ließ sich brav im Wasser in Szene setzen.

Der WesterwaldSteig

Der WesterwaldSteig ist mit dem Schwierigkeitsgrad „mittelschwer“ eingestuft und verläuft vom hessischen Herborn über viele idyllische Städtchen und Dörfer bis ins rheinland-pfälzische Bad Hönningen am Rhein. Er gehört zu den „Top Trails of Germany“, ist als Qualitätswanderweg ausgezeichnet und belegt Platz 5 bei der Wahl zu „Deutschlands schönstem Wanderweg 2022“ in der Kategorie „Mehrtagestouren“. Trotz all dieser Auszeichnungen, seiner abwechslungsreichen Natur und den zahlreichen Sehenswürdigkeiten in unmittelbarer Nähe ist der WesterwaldSteig vor allem eines: ein ziemlich einsamer Fernwanderweg!

Rund um die Sehenswürdigkeiten und Naturattraktionen war natürlich immer etwas los. Aber kaum tauchten Dayo und ich etwas außerhalb in die Wiesen- und Waldlandschaften ein, waren wir quasi allein auf weiter Flur. Uns begegneten nur wenige Menschen und noch weniger Wanderhunde. Das änderte sich erst auf den letzten Etappen, die durch das Wiedtal führen. Die Nähe zum Rhein, bekannte Kurorte und vielleicht auch das berühmte Weihnachtsdorf Waldbreitbach sorgen hier offenbar auch für mehr Wanderer.

Die Länge der einzelnen Etappen liegt durchschnittlich zwischen 13 und 17 Kilometern, wobei Etappe 7, die von Nistertal nach Bad Marienburg führt, mit einer Streckenlänge von sechs Kilometern extrem kurz ist. Auf dem längsten Streckenabschnitt geht es von Westerburg nach Freilingen (Etappe 5). Dayo und ich sind diese 23 Kilometer im Sommer bei 25 Grad gelaufen. Danach haben wir dann erst einmal eine längere Wanderpause gemacht.

Tipps und Infos rund um den WesterwaldSteig

▷ Auf der Website der Westerwald Touristik-Service unter//www. gibt es ausführliche Informationen rund um den WesterwaldSteig. Hier werden auch Wanderpauschalen mit Gepäcktransport angeboten.

▷ Leider haben die Dürre in den Sommermonaten der letzten Jahre sowie der Borkenkäfer im gesamten Westerwald starke Schäden hinterlassen. Es wurden zum Teil erhebliche Waldflächen abgeholzt. Die Auswirkungen sind auf vielen Etappen deutlich zu sehen.

▷ Auch wenn der WesterwaldSteig grundsätzlich sehr wasserreich ist, sollte immer daran gedacht werden, ausreichend Wasser für den Hund im Rucksack zu haben(undfürdieZweibeinernatürlichauch).

▷ Der Fernwanderweg ist auch für Wanderanfänger*innen geeignet.

Allerdings sollten Hunde eine gewisse Grundkondition haben. Für Hunde(undnatürlichMenschen),die ansonsten nie längere Wanderungen bzw. Spaziergänge machen, ist das ohne vorheriges Training nicht empfehlenswert.

▷ Viele Etappen führen durch Naturschutzgebiete, in denen Hunde an die Leine gehören. Deshalb neben einer kurzen Leine auch immer eine lange Leine einpacken,, damit der Vierbeiner auch ein bisschen schnüffeln und erkunden kann.

▷ Manchmal ist es leider um die Infrastruktur im WesterwaldSteig(noch)nicht so gut bestellt. Es gibt keine Wanderbusse, die die Start- bzw. Zielpunkte anfahren. Hier muss in Eigenregie organisiert werden. Zu jeder Etappenbeschreibung gibt es aber auch immer Taxiempfehlungen (bitteimVorausklären,obHundemitgenommenwerden!).Außerdem sind die öffentlichen Verkehrsmittel gelistet (dieaberinsbesondeream

Wochenende nur zu bestimmten Zeiten fahren).

▷ Es ist sinnvoll, immer ausreichend Verpflegung im Rucksack mitzunehmen. Zwar gibt es für fast jede Etappe auch Einkehr-Empfehlungen, aber die Öffnungszeiten stimmen nicht immer mit den Wanderzeiten überein. Grundsätzlich sind die Restaurants und Gaststätten im Westerwald hundefreundlich. Es gibt aber auch Ausnahmen!

▷ Wer für ein Wochenende in den Westerwald kommen möchte, findet viele Unterkünfte, die auch Hunde willkommen heißen. Meine persönliche Hotelempfehlung: das relativ neue und moderne Parkhotel Hachenburgwww.. Das 4-Sterne-Hotel liegt in einem wunderschönen Park (idealfüreinenschnellenGassigang)und unweit des Stadtzentrums mit vielen hübschen Fachwerkhäusern. Gehobene Preisklasse.

Mit am schönsten sind jene Etappen gewesen, die ich im Herbst erwandert habe. Oftmals bin ich morgens bei Nebel und grauem Himmel los, um dann gegen Mittag nach einem Anstieg aus dem Wald zu spazieren und bei strahlendem Sonnenschein sowie blauem Himmel einen grandiosen Blick über den Westerwald zu erleben.

Das Gold des Westerwaldes

Ruppige Felsen, plätschernde Bäche, malerische Seen, viel Wald und herrliche Wiesenlandschaften prägen das Bild des WesterwaldSteigs. Während sich mein Wanderhund bei jeder Wanderung eher für die zahlreichen neuen Düfte interessierte, die unter Steinbrocken, auf schmalen Waldpfaden oder unter knorrigen Holzbrücken auf ihn warteten, habe ich mich an der abwechslungsreichen Natur mit ihren vielen Attraktionen am Wegesrand erfreut.

Eine dieser Naturattraktionen – das sogenannte „Gold des Westerwaldes“ – ist der Basalt. Er zieht sich wie ein roter Faden über den gesamten Fernwanderweg. Auf vielen Etappen gibt es nicht nur spektakuläre Felsformationen zu bestaunen, sondern auch jede Menge Informationen über Entstehung, Entwicklung und Verwendung dieses Gesteins. So waren Dayo und ich beispielsweise von der wildromantischen Holzbachschlucht auf Etappe 4 begeistert. Hier hat sich der Holzbach in vielen tausend Jahren beharrlich einen Weg durch den Basalt gegraben. Entstanden ist eine bis zu 30 Meter tiefe und etwa 1,5 Kilometer lange Schlucht, die weit über die Grenzen des Westerwaldes bekannt und ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist. Da wir früh am Vormittag dort waren, hatten wir die Schlucht fast ganz für uns allein. Wirklich romantisch und fast ein bisschen magisch!

Eine der schönsten Passagen war für mich die Strecke, die über einen Teil des sogenannten „Naturpfad Weltende“ in der Kroppacher Schweiz führt (Etappe 10 von Limbach nach Marienthal). Dabei handelt es sich um einen bergigen Pfad, der sich abenteuerlich über Baumwurzeln und schroffe Felsen nach oben schlängelt. An besonders steilen und rutschigen Stellen ist der Weg mit Stahlseilen abgesichert (zum Festhalten und als Schutz vor dem Abrutschen). Für Dayo war das ein großer Spaß. Auf vier Beinen klettert es sich schließlich auch ganz bequem nach oben. Ich habe hin und wieder doch mal die Luft angehalten und war froh, dass ich mich an einem Stahlseil festhalten konnte. Für Menschen, die nicht schwindelfrei und nicht wirklich trittsicher sind, ist das allerdings nichts. Für die gibt es aber eine ausgeschilderte Alternativroute.

Zu den Höhepunkten auf dem WesterwaldSteig zählte der Besuch im Stöffel-Park. Er ist am Ende der Etappe 6 zu finden, die von Freilingen nach Nistertal führt. In diesem Tertiär- und Industrie-Erlebnispark spielt neben dem Basalt (bis Ende 2000 wurde aktiv Basalt abgebaut) auch eine kleine Maus die Hauptrolle. Sie lebte hier vor rund 25 Millionen Jahren in der erdgeschichtlichen Epoche des Tertiärs, wurde in den 1990er-Jahren als Fossil ausgegraben und als Stöffel-Maus (ähnlich wie das Urpferd aus der Grube Messel) berühmt. Mit vielen anderen Tier- und Pflanzenfossilien ist sie im Museum TERTIÄRUM zu bestaunen.

Und das Beste am Stöffel-Park? Hunde haben hier überall Zutritt! Sie dürfen in alle Gebäude mitgenommen werden und sind auch auf den Führungen willkommen. Hundefreundlichkeit wird übrigens auch im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg (Etappe 8 und 9) großgeschrieben. Auch in diesem Museumsdorf, in dem über das Leben und Arbeiten im landwirtschaftlich geprägten Westerwald in früheren Zeiten informiert wird, dürfen Vierbeiner ebenfalls mitgenommen werden Natürlich gibt es auf dem WesterwaldSteig noch viel mehr zu erleben – von der Tropfsteinhöhe „Herbstlabyrinth“ bei Breitscheid und dem Basaltsteinbruch in Bad Marienberg über den Wallfahrtsort Kloster Marienstatt bei Streithausen und die Geschichte von Raiffeisen in der Gegend rund um Flammersfeld bis hin zum Weihnachtsdorf Waldbreitbach im Wiedtal, dem Limes bei Bad Hönningen am Rhein und vielen zauberhaften Sagen und Märchen aus den unterschiedlichen Regionen.

Wer die eine oder andere Etappe im Herbst wandert, der erlebt den Westerwald oft in einer magischen Atmosphäre – wenn Nebelschwaden durch den Wald wabern, das bunte Herbstlaub in der Sonne leuchtet oder ein strahlendblauer Himmel bei Zwei- und Vierbeinern für ideale Wanderbedingungen sorgt.

MARTINA ZÜNGEL-HEIN