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Wetterkapriolen und ein Rekord


Sportschipper - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 28.06.2019

„Das ist eben Nordseewoche – jedes Jahr anders“, resümierte Wettfahrtleiter Albert Schweizer (Bremen) nach den Wettfahrten zu Pfingsten um Helgoland. Die 85. Auflage der Traditionsregatta war in diesem Jahr sehr durchwachsen – was das Wetter und auch die Meldezahlen anging. Das tat aber der guten Stimmung unter den Seglerinnen und Seglern keinen Abbruch. Der ungeplante Hafentag auf Helgoland wurde zum Bummeln, Shoppen und Ausspannen genutzt. Ganz entgegen dem früheren Motto: Nordseewoche hat mit Erholung nichts zu tun.


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Nach knapp 40 Stun den im Zielhafen Granton: die Crew der Bremer Jacht „Sunbird“ mit Nils Neugebauer, Julian Bisgwa, Thomas Mühlmeister, Skip - per Norbert Drücker und Michael Korn (hinten von links) sowie Christian Nieder, Bernd Oltmann und Tim Oltmann (unten von links).


(Foto: Team Sunbird)

Schon der Start in die Regattaserie war verkorkst: Am Freitag vor Pfingsten konnte das erste Rennen auf der Elbe wegen totaler Flaute vor Wedel bei Hamburg nicht gestartet werden. Selbst ein zweiter Versuch bei Glückstadt brachte nichts. So dampfte die Flotte der Hamburger Jachten mit „arabischem Wind“ gen Cuxhaven. Keine 24 Stunden später fielen fast alle Regatten des Sonnabends bei Böen bis 45 Knoten (Windstärke 9-10) aus.


Nordseewoche: Von Flaute bis Starkwind alles dabei – Norbert Drückers „Sunbird“ hat in Edinburgh den Bug vorn


Bei den Zubringerregatten am Samstag wurde lediglich in Cuxhaven mit nur 16 Teilnehmern gestartet. Alle erreichten sicher die Ziellinie vor dem Helgoländer Südhafen. Als erstes Schiff traf die „Amuse-Bouche“ mit Steuermann Klaus-Thomas Krüger vom Altonaer Segel Club ein und gewann damit auch ein nagelneues Fernglas als Sonderpreis des Minox Cups. Erstes Schiff nach berechneter Zeit ORC international und damit Träger des Rubinpreises der Nordseewoche 2019 wurde die von Daniel Baum gesteuerte Yacht „Elan“ unter dem Stander des Hamburger Segel Clubs.

Durch die Absage des Hummer-Cups am Samstag reduzierte sich die Early-Bird-Serie auf den Sundowner am Freitag. Schnellstes Schiff nach berechneter Zeit über alle Rennen wurde damit die „static electric“ mit Steuermann Heiko Päsler von der Segler-Vereinigung Cuxhaven. Er gewann damit den Hummer Cup und wurde am Ende sogar noch als Gewinner des Nordsee Cups zum Gesamtsieger der Nordseewoche. Die Zubringerregatten von Bremerhaven, Hooksiel und Hallig Hooge wurden wegen des Starkwinds nicht gestartet. Die meisten Teilnehmer segelten bei guten Bedingungen bereits am Freitagabend zum Felsen, um im geschützten Südhafen der Insel den Starkwind am Sonnabend abzuwettern.

Der Sonntag zeigte sich genau von der gegenteiligen Seite. Im Laufe des Vormittags flaute der Wind bereits wieder ab, bot aber zu Beginn des Hauptrennens „Rund Helgoland“ noch perfekte Segelbedingungen. Früher als von Nordseewoche-Wetterberater Meeno Schrader (Kiel) vorhergesagt, schlief dann aber der Wind gegen Mittag so weit ein, dass die langsameren Boote auf der Bahn keine Chance mehr hatten, das Ziel gegen die einsetzende Tide zu erreichen. Die Bigboats waren dagegen schon nach knapp drei Stunden im Ziel. Hier wurde Kritik an der Bahngestaltung laut, die auch im Team gehört wurde und in Zukunft berücksichtigt werden sollte. Nachdem die ersten großen Boote allerdings schon vor der Flaute das Ziel der Regatta erreicht hatten, waren Wettfahrtleiter Albert Schweizer die Hände gebunden, für die verbleibenden Schiffe eine Bahnverkürzung auszurufen. Gewinner des Capitell Cup Rund Helgoland Sonderpreises für das schnellste Schiff in der Gruppe ORCi nach gesegelter Zeit wurde die „Almost Nothing“ mit Steuermann Steffen Müller vom BSV

Auch zum Ende der Nordseewoche forderten die abgesagten Regatten des Sonnabends und die frühe Flaute am Sonntag noch ihren Tribut: Keine der teilnehmenden Yachten am Family Cruiser Cup konnte sich für den Hauptpreis der Klasse qualifizieren, für die laut Ausschreibung mindestens drei Rennen erfolgreich gesegelt werden müssen.

Am Montag wurde nach der Regatta Helgoländer Acht auch die einzige Rückregatta zum Festland gestartet. Hier zeigte sich Helgoland von seiner gnädigen Seite und ermöglichte den Teilnehmern bei stabilem Segelwind zwischen vier und fünf Windstärken noch einmal eine traumhafte Regatta. In der Gruppe der Doublehand Challenge erreichten leider nur zwei der Teilnehmer das Ziel des Capitell Cups. Den Gruppensieg konnte damit die „halbtrocken“ mit Steuermann Dr. Knut Freudenberg für sich und seinen Mitsegler einfahren. Er setzte sich gleichzeitig an die Spitze der Gesamtwertung für die erstmals auf der Nordseewoche vergebene Nordseewoche Doublehand Challenge. Den Preis übergab noch am Abend die Präsidentin des Deutschen Segler Verbands, Mona Küppers, unter tosendem Applaus der anwesenden Segler. Ursprünglich waren vier Regatten für die Doublehand Challenge angesetzt, von denen jedoch wetterbedingt nur zwei gesegelt werden konnten.

Am Pfingstmontag fiel um 16.30 Uhr der Startschuss zur Langstreckenregatta von Helgoland nach Edinburgh. Viel Taktik brauchten die Teilnehmer in diesem Jahr allerdings nicht anzuwenden: Bei kräftigen und leicht raumen Winden aus Nordost folgte das Feld beinahe einer direkten Kurslinie über die Nordsee und segelte bei sechs bis sieben Windstärken in Rekordzeit. Nach 39 Stunden, 44 Minuten und 04 Sekunden erreichte die „Sunbird“ mit Steuermann Norbert Drücker (Verein Bremer Segelfreunde) und seiner rein Bremer Crew als erste Yacht die Ziellinie und ist damit die schnellste Yacht seit zehn Jahren. Den 2009 aufgestellten Streckenrekord nach gesegelter Zeit hält zwar weiterhin die „Hexe“ mit 37 Stunden, 04 Minuten und 50 Sekunden. Angesichts des Größenunterschiedes des 80 Fuß langen Maxi zur 53 Fuß langen „Sunbird“, können die zweieinhalb Stunden Differenz jedoch durchaus als Rekordzeit gewertet werden. (tk)

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