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Wie aus einem Stück


HolzWerken - epaper ⋅ Ausgabe 82/2019 vom 18.10.2019

Wer viel sägt, viel leimt, wieder sägt und wieder leimt, scha_t an der Bandsäge faszinierende Kästchen, die wirken, als wären sie aus einem einzigen Block.


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Bildquelle: HolzWerken, Ausgabe 82/2019

Haben Sie eine Bandsäge? Dann wagen Sie sich doch mal an die Herstellung von „Bandsäge-Schatullen“. Das Prinzip ist relativ einfach und für die unterschiedlichsten Materialien geeignet. Im Wesentlichen werden aus einem Holzblock eine oder mehrere Öffnungen herausgesägt. Aus dem herausfallenden Stück entsteht anschließend der kleine Schubkasten. Das fertige Werkstück sieht dann nach wie vor aus wie aus einem einziges Stück und wird viele Blicke auf ...

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... sich ziehen.

Material – der Mix machts´s

Bandsäge-Schatullen sind keine großvolumigen Projekte. Prinzipiell eignet sich für die meisten Modelle die Verwendung von Restholz. Das kann ein Stück einer dicken Bohle oder ein Reststück eines Balkens, ja sogar ein kleiner Baumstamm sein. Sie können die Blöcke aber auch selber anfertigen: Interessante und dekorative Ergebnisse erzielt man durch das Verleimen unterschiedlicher Hölzer. Da eignen sich viele kleine Teile, die sich in der Restekiste angesammelt haben und die man bisher zum Wegwerfen zu schade fand. Stellen Sie aus solchen Brettchen und Leisten circa 100 mm dicke Holzblöcke her. Die Schichten können entweder parallel laufen oder abwechselnd um 90° gedreht sein, wie bei der Herstellung von Sperrholz. Mischen Sie unterschiedliche Werkstoffe: Eines der hier gezeigten Modelle besteht aus fünf 18 mm dicken Birke-Multiplexplatten. Zwischen den Platten wurden dünne Brettchen aus Nussbaum gelegt. Nach demAussägen der runden Form, dem Schleifen und Ölen der Oberfläche kam die lineare Struktur, unterbrochen von den dunklen Bändern des Nussbaums, beeindruckend zur Geltung. Die Bandsäge-Boxen sind also eine willkommene Gelegenheit, mit verschiedenen Holzarten, ihren Farben und eigenen Formen zu experimentieren.

Entwurf der Form

Die Form der Schatulle wird entweder auf Papier oder direkt aufs Werkstück gezeichnet. Als Hilfsmittel zum Zeichnen eignen sich – neben Bleistift und Lineal – Zirkel, ein biegsames Lineal und ein weißer Farbstift für Linien auf dunklem Holz. Die Papierzeichnung kann auch direkt aufs Werkstück geklebt werden und dient 1:1 als Sägevorlage. Als Klebemittel ist mit viel Wasser verdünnter Weißleim gut geeignet. Die Papierreste lassen sich dann später leicht wieder entfernen. Bei der Form und Gestaltung gibt es eigentlich keine Grenzen, mit einer maschinentechnischen Ausnahme: Beachten Sie den minimalen Säge-Radius ihrer Bandsäge und des eingespannten Sägebandes, damit dieses nicht klemmt. Für das einfachere Schleifen haben wir bei unseren Modellen außerdem darauf geachtet, dass Höhe und Tiefe der Holzblöcke zur Höhe der Spindel unserer Schleifmaschine passen. Dadurch lassen sich die Flächen versatzfrei schleifen.

Vorbereitung und Sägetechnik

Vor dem Aussägen muss sichergestellt sein, dass das Sägeband exakt rechtwinklig zum Maschinentisch steht. Die hier gezeigten Modelle wurden mit einem Sägeband 6 x 0,65 mm mit 6 Zähnen pro Zoll gesägt. Stellen Sie die obere und untere Sägebandführung ein und senken Sie die obere Bandführung bis knapp über das Werkstück ab. Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung des Schnittbereichs. Das verwendete Sägeband muss scharf und geschränkt sein. Die Arbeiten gelingen nur, wenn der Sägeschnitt nicht verläuft. Testen Sie unbedingt mit einem Restholz, das der Dicke des vorbereiteten Holzblockes entspricht, den Schnitt. Alle runden und geschwungenen Formen sind Freihandführungen. Bleiben Sie bei den Bogenschnitten möglichst immer in Bewegung.

Das Werkstück wird gleichzeitig geschoben und gedreht, der Vorwärtsdruck geht immer in Richtung Sägezahn. Drücken Sie das Sägeband nicht nach rechts oder links, da jeder Stopp eine Kerbe auf der Schnittfl äche hinterlässt. Das Werkstück darf beim Bewegen deshalb auch nirgends anstoßen. Problematisch sind manchmal die Tischeinlagen: Sind diese nicht plan, stößt das Werkstück an und bleibt hängen. Eine absolut plane Tischfl äche erhält man mit einer beschichteten Spanplatte auf dem Maschinentisch. Sie wird am Parallelanschlag entlang in die laufende Säge eingeschoben. Zwei am Plattenrand angeschraubte Stoppklötze fi xieren die Platte. Das Sägen wird nun einfacher, die Absaugwirkung wird dabei allerdings deutlich reduziert.

Testen Sie, wie schnell oder langsam die Vorschubbewegung sein darf. Je dicker das Werkstück ist, desto langsamer muss der Vorschub sein. Das feinzahnige Sägeband braucht Zeit zum Zerspanen des Holzes. Trainieren Sie so lange mit Restholz, bis Sie sich eine sichere Freihandführung zutrauen.

Ein Schnitt nach dem anderen

Bevor die Öffnungen in den Holzblock gesägt werden, sägen Sie von der hinteren Seite des Blockes ein dünnes Brettchen am Parallelanschlag ab. Damit erhalten Sie eine perfekte Rückwand. Sie wird nach dem Aufsägen des Blockes wieder an der gleichen Stelle angeleimt. Das Brettchen verschließt so die entstandene Öffnung rückseitig wieder. Am ausgesägten kleineren Holzblock werden vorne und hinten ebenfalls je ein dünneres Brettchen abgesägt. Diese bilden später die Vorder- und Rückwand des Schubkästchens. Der übrig gebliebene, jetzt noch kleinere Holzblock wird U-förmig aufgesägt. Auf die U-Form leimen Sie die zuvor abgesägten Brettchen wieder an. Damit ist der kleine Schubkastenkorpus – bis auf das Schleifen – fertig. Mit der Bandsäge wird der Schnitt am Holzblock natürlich von außen angesetzt, wenn man eine Innenform heraussägt. Dieser Trennschnitt kann aber einfach wieder fest verleimt und verpresst werden; so entsteht der Eindruck des Kästchens aus einem Stück. Nun sollte das Schubkästchen in die ausgesägte Öffnung des Holzblockes passen. Am Ende kommt noch ein kleiner Griff auf die Schubkastenfront – das klappt ebenfalls ganz einfach mit Leim.

Die Außenform des Holzblockes kann sehr unterschiedlich gestaltet werden. Sie kann parallel zur Form des Schubkastens verlaufen oder völlig unabhängig davon frei gestaltet sein. Mit dieser Methode lassen sich auch Schatullen mit abnehmbarem Deckel herstellen. Wird der Maschinentisch schräg gestellt, lassen sich auch konische Formen realisieren.

Nach dem Sägen

Ganz offen: Die Nachbearbeitung ist relativ arbeitsintensiv. Es bleibt leider nicht aus, dass das Sägeband einige Spuren hinterlässt, dann ist intensives Schleifen angesagt. Ein kombinierter Band-Spindelschleifer reduziert den Schleifaufwand auf ein erträgliches Maß. Die Schleifzylinder mit unterschiedlichen Durchmessern sind zum Bearbeiten der konkaven Innenbögen sehr hilfreich. Die geraden und konvexen Außenflächen lassen sich alternativ zum stationären Bandschleifer auch mit dem handgeführten Schwing- oder Exzenterschleifer bearbeiten. Stellen, die maschinell nicht erreichbar sind, werden händisch mit Raspel, Feile und Schleifmittel bearbeitet. Auch wenn es dauert: Schleifen Sie alle Sägespuren sehr gründlich weg. Die Kanten können Sie am Frästisch noch mit einem Abrundfräser fein gestalten. Die Belohnung für ihre Mühe kommt nach der Oberflächenbehandlung, wenn die auf den ersten Blick fast unmöglich zu gestaltenden Stücke große Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Unser AutorRoland Heilmann ist Möbeltischler und Kursleiter in München. Er benutzt seine Bandsäge immer häufi - ger für kreative Holzarbeiten.

1 | Modell I. Mehrere Brettreste werden zu einem Holzblock (240 x 100 x 100 mm) übereinander verleimt. Für ein interessanteres Muster wird der Block aufgesägt und die Anordnung der Bretter zueinander verändert.

2 | Zwei Bretter sind halbiert, werden gedreht und neu miteinander verleimt. Die drei Längsholz- und zwei Querholzbrettchen bilden nun verleimt einen neuen Block: Dazu alle Flächen gleichmäßig mit Leim bestreichen und zügig verleimen.

3 | Die Längsholzleisten bleiben überstehen und bilden drei Füße. Mit Lineal und Zirkel werden direkt auf dem Block die Konturen der Schubkästchen aufgezeichnet. Anschließend wird an der Rückseite ein 7 mm breites Brett abgesägt.

4 | Nun erfolgen die Innenausschnitte für die Schubkästchen. Jetzt ist eine ruhige Hand und gutes Augenmaß erforderlich. Je präziser die Schnitte ausgeführt werden, desto gleichmäßiger sind die Schnittkonturen.

Fotos: Roland Heilmann

5 | Ein Keil dehnt die Schnittflächen vorsichtig auf. Den Leim dann auf den Schnittflächen zu verteilen ist etwas knifflig, sollte aber möglichst gleichmäßig erfolgen.

6 | Achten Sie beim Ansetzen der Zwingen genau darauf, dass die Schnittfugen dicht verpresst werden und die Teile flächenbündig zueinander liegen.

7 | Sägen Sie an den Längskanten der herausgesägten Klötzchen vorne und hinten je ein 6 mm breites Brettchen ab. Diese Arbeit kann am Parallelanschlag erfolgen.

8 | Am verbliebenen Holzklötzchen wird das Mittelstück des Schubkästchens U-förmig ausgesägt. Die Seiten werden ebenfalls 6 mm dick. Der Boden kann dicker bleiben. Das Reststück wird für dieses Projekt nicht mehr benötigt.

9 | Hier sehen Sie die Anordnung der Teile für das Schubkästchen. Schleifen Sie die Innenflächen vor dem Verleimen.

10 | Achten Sie beim Verleimen auch hier wieder darauf, dass die kleinen Teile auf keinen Fall verrutschen. Die Schubkästchen würden nicht mehr exakt in die Öffnung des Gehäuses passen

11 | Während der Leim trocknet, kann die obere Außenform des Gehäuses angesägt werden. Auf dem Maschinentisch liegt jetzt eine beschichtete Spanplatte auf. Damit wird auch die Auflagefläche deutlich erweitert.

12 | Der Spindelschleifer hilft beim Schleifen der Innenausschnitte im Gehäuse. Halten Sie das Werkstück sicher mit beiden Händen und führen Sie es vorsichtig an die Spindel: Die Schleifhülsen hinterlassen sehr rasch Rillen in die Fläche.

13 | Nach dem Anleimen der Rückwand können die Kanten des Gehäuses und Schubkästchen abgerundet und kleine Griffe befestigt werden. Kleben Sie auf die Auflageflächen der Schubkästen noch einen 0,5 mm dicken Holzstreifen, damit diese absolut mittig sitzen.

14 | Modell II. Der Block (190 x 105 x 105 mm) besteht aus fünf 18 mm dicken Birke-Multiplexplatten, verleimt mit vier 4 mm dicken Nussbaumbrettchen. Die Kontur wird im Maßstab 1:1 auf Papier gezeichnet und mit stark verdünntem Weißleim aufgeklebt.

15 | Die Herausforderung bei diesem Model liegt in der nur 5 mm dicken umlaufenden Stärke des Gehäuses und der Füße. Die halbkreisförmigen Seiten müssen exakt gleichmäßig dick werden. Die Schubkastenkontur darf keine Dellen haben.

16 | Die Schubkastenfront soll aus Nussbaum sein. Deshalb wird der ausgesägte kleine Block neben den Schnitten für Rückwand und Front ein drittes Mal parallel aufgesägt neben einer Nussbaumlage. Dieses Stück wird auf die Frontfläche des Blocks geleimt. Danach wird verfahren wie bei Modell I beschrieben.

17 | Beim Schubkasten bei Modell II bleibt ein Mittelstück stehen. Die Innenflächen müssen vor dem Zusammenbau geschliffen werden. Anschließend die Fronten anleimen, die Außenflächen schleifen und aus einem Reststück einen kleinen Griff herstellen.

18 | Auch am Gehäuse werden zuerst die Innenflächen und, nach dem Anleimen der Rückwand, die Außenflächen geschliffen. Führen Sie anschließend die Oberflächenbehandlung aus; bei dieser Struktur hebt Holzöl die Kontraste besonders hervor.

19 | Modell III. Der Block (170 x 140 x 93 mm) besteht aus vier 15 mm dicken Nussbaumbrettchen und drei 11 mm dicken Brettchen aus Birke. Die freie Form wird mit einem biegsamen Lineal direkt auf die Frontfläche gezeichnet. Das Sägen erfolgt wie bei Modell I gezeigt.

20 | Bei einem Spindelschleifer mit auswechselbaren Schleifzylindern ist es vorteilhaft, wenn sich schon beim Entwurf die Rundungen des Werkstücks am die Zylinderdurchmesser orientieren. Das erleichtert nach dem Sägen das Schleifen von konkaven Rundungen.

21 | Nach dem Aussägen des Schubkastens wird auch hier die Rückwand angeleimt, und anschließendd die Außenform gesägt. Abweichend vom ursprünglichen Entwurf ist das Gehäuse rechts offen. Die Kanten werden noch abgerundet und die Oberfläche behandelt.