Lesezeit ca. 7 Min.
arrow_back

Wie baut man das perfekte Insektenhotel?


Logo von Land & Berge
Land & Berge - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 13.04.2022

Artikelbild für den Artikel "Wie baut man das perfekte Insektenhotel?" aus der Ausgabe 3/2022 von Land & Berge. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Land & Berge, Ausgabe 3/2022

Konrad Spindler, Landwirt und Gärtner mit einem großen Herzen für kleine Flügelwesen, wurde zum ?Insektenhotelier?

Bei aller guten Absicht“, sagt Konrad Spindler und zeigt auf das Foto eines Insektenhotels: „Schade um die Mühe! Auch was es in Bau-und Gartenmärkten zu kaufen gibt, ist oft mehr Dekoration und wenig nützlich.“ Vor 13 Jahren hat der „Insektenhotelier“ sein erstes Hotel gebaut, das sich dann ebenfalls eine Weile durch Leerstand auszeichnete. So begann er, Erfahrungen zu sammeln. Im Thüringer Schiefergebirge, genauer gesagt in Friesau, einem kleinen Dorf in der Nähe von Schleiz, befindet sich heute ein wahres Paradies für kleine Flügelwesen. Hier hat der Gärtner und Landwirt etwa ein Dutzend fantasievoller Konstruktionen aus Holz, Lehm, Sand, Steinchen, Stängeln und Gräsern gebaut – Insektenhotels: einige gemeinsam mit seinen Enkelsöhnen, andere mit Schülern eines Gymnasiums. „Der Begriff Insektenhotel“, sagt der 72-Jährige, „ist eigentlich zu groß. Vorrangig meinen wir damit Bruthilfen für ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Land & Berge. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Liebe Leserinnen, liebe Leser!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Neue Architektur in den Bergen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Architektur in den Bergen
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Warum macht der April einfach, was er will?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Warum macht der April einfach, was er will?
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Wo der Spötter ins Schwärmen geriet. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wo der Spötter ins Schwärmen geriet
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Der Wiedehopf ist wieder da!
Vorheriger Artikel
Der Wiedehopf ist wieder da!
Termine im Mai
Nächster Artikel
Termine im Mai
Mehr Lesetipps

... Wildbienen. Die Fachwelt bezeichnet sie als Solitärbienen, weil sie keine Staaten bilden.“ Doch diese Unterkünfte werden meist zu Insektenhotels, weil sie vielen Arten Behausung und Schutz bieten. Mittlerweile finden sie sich allerorten an Wegesrändern, in Vorgärten und auf Schulhöfen – dekorativ und farbenfroh. Nicht immer sind sie aber bewohnt.

Auf das Material kommt es an

Was also ist beim Bau eines Insektenhotels genau zu beachten? Welche Ansprüche haben die Gäste? Was sollten Insektenhoteliers wissen und was unbedingt vermeiden?

Bitte umblättern

Zuerst geht es um die Wahl des richtigen Materials. Für Bruthilfen, also Röhren, die später in ein Gehäuse geschichtet werden, nimmt Spindler entweder von Natur aus hohle Zweige oder gerade gewachsene Äste aus hartem Holz von Ahorn, Buche, Flieder und von Obstbäumen, in die er lange „Tunnel“ bohrt. Hohle Halme und „Tunnel“ verschließt er stets am hinteren Ende sorgfältig. Aber auch die „Haustür“, das Einflugloch zur künftigen Brutröhre, ist wichtig. „Als ich mein erstes Hotel baute, hatte ich Halme von Chinagras en masse vorrätig und schnitt sie mit der Kreissäge auf Länge: zack, zack!“ Durch das schnelle Sägen fransten die Halme aus, die Eingänge zu den Brutröhren waren viel zu rau – für zarte Bienenflügel eine große Verletzungsgefahr. „Das ist, als ob an unserer Haustür links und rechts Sicheln und Sensen herabhingen. Da geht doch auch keiner rein. Ich wunderte mich, dass keine Bienen kamen, hatte aber nicht bis zu Ende gedacht. Der nächste Fehler: Ich hatte keine Obacht auf die Knoten in den hohlen Halmen gegeben. Was nützt das schönste Haus, wenn solch ein Knoten gleich vorne am Eingang der Brutröhre sitzt? Die ‚Tür‘ ist zu. Da zahlt man anfangs Lehrgeld“, weiß Spindler.

Die Bewohner

Wildbienen sind die Hauptmieter in den Insektenhotels. Hautflügler wie die Töpfergrabwespe nutzen ebenso gern freie Brutröhren. Aber es kommen auch Schmarotzer wie beispielsweise Gold-oder Schlupfwespen, Kuckucksbienen, Trauerschweber und andere, die durch ihre räuberische, parasitäre Lebensweise die Bienenlarven dezimieren

So baut man Lehmkästen für Wildbienen

Für Lehmkästen braucht man einen Kasten aus Holz (z. B. eine ausrangierte Schrankschublade), Lehm aus dem Baumarkt (z. B. Lehmputz in Säcken) oder vorhandene alte Ziegel (klein zerstoßen). Die Lehm-Menge ist abhängig von der Größe des gewählten Kastens. Lehm-oder Ziegelmasse mit Wasser zu einem dickflüssigen Brei anrühren (kleine Steinchen herauslesen). Zur Stabilisierung zwei, drei Hände voll zerkleinertes Stroh, Holzwolle oder Heu unterheben. Die Masse soll knetbar und nicht zu flüssig sein. In den Behälter einfüllen, glatt streichen und in noch feuchtem Zustand mittels Stöckchen im Abstand von etwa drei Zentimetern Löcher eindrücken. Den Stock (oder einen Bleistift) vorab vorn mit einer Markierung versehen, damit man nicht zu tief einsticht, und ihn immer wieder in Öl tauchen, damit nichts festklebt. An der Rückseite sollte eine intakte, feste Lehmschicht von etwa einem Zentimeter stehen bleiben. Trocknen lassen.

Während er erzählt, hantiert er in seiner Werkstatt mit Kisten und Kästen, Brettern und Blechen. Denn auch die Stabilität des Ganzen ist wichtig. Am besten, das komplette Bauwerk besitzt eine Rückwand und hat zudem eine feste Unterlage. Dann braucht es nur noch einen sonnigen, eventuell sogar überdachten Standort: Ausrichtung Südsüdost. So bleibt das Hotel warm und trocken.

Was ist da drin eigentlich los?

Konrad Spindler zeigt Fotos seiner Erstlingsbauten und erklärt, was er heute anders macht und warum: „Holzwolle und Tannenzapfen sind dekorativ und werden gern für Insektenhotels genommen, sind allerdings für Wildbienen ungeeignet. Mit Holzwolle oder Heu gefüllte Blumentöpfe aus Ton hänge ich in Bäume. Dort ziehen dann Ohrenkneifer ein, und die vertilgen Blattläuse.“ Wir verstehen: Keiner wird als „Insektenhotelier“ geboren. Und wem Zeit, handwerkliches Geschick oder das nötige Werkzeug fehlt, der besiegt im Garten einfach mal die Ordnungsliebe. Auf unbearbeiteten Beeten, Sand-und Kiesflächen, in Totholzhaufen und morschen Baumstämmen entwickelt sich erstaunlich schnell neues (Bienen-)Leben.

Und manchmal braucht es eben auch Geduld und Gelassenheit. Nämlich dann, wenn Wildbiene und Co. die noch so sorgfältig vorbereiteten Kämmerchen und „Suiten“ eines neuen Insektenhotels ignorieren.

Purer Luxus für Bienen und Insekten

In seiner Werkstatt baut Konrad Spindler Luxus-Insektenhotels, die wirklich keine Wünsche offen lassen. In der Regel haben seine Kreationen ein Dach, eine feste Rückwand und mehrere Etagen, die mit unterschiedlichen Dingen (siehe „Materialien“ unten) gefüllt werden. Das Insektenhotel sollte außerdem an der Vorderfront mit einem Drahtgeflecht vor Vögeln und Kleinsäugern gesichert werden (siehe Foto unten). Die Hotels können auf einer Unterlage oder an einem Stamm befestigt werden. Rückwand und Dach mit Dachpappe, Blechen, Ziegeln oder Steinen vor Nässe schützen.

Material – darauf sollte man beim Bauen achten

● Hartholz: Stämme und Stängel vorzugsweise von Ahorn, Buche, Flieder und Obstbäumen. Hartes Holz garantiert beim Bohren glattrandige Löcher. Andernfalls verletzen sich die Bienen.

● Abgestorbenes Holz eignet sich besser als frisches, das rissig wird. Nur bei abgelagertem Holz die Löcher für die Brutröhren in die Stirnseite bohren, bei frischem quer zur Faser.

● Größe der Brutröhren: Sie sollten einen Durchmesser von 3 bis 8 mm und eine Länge von 8 bis 10 cm haben. In jedem Fall müssen die Röhren hinten geschlossen bleiben (nicht durchbohren).

● Pflanzenstängel mit oder ohne Mark. Geeignet sind gerade gewachsene Zweige von Bambus, Chinaschilf, Zebra-gras, Karde und Schwarzem Holunder. Das Mark ausbohren. Natürlich hohl sind Zweige von Schneeball und For-sythie. Wichtig: beim Zuschneiden der Stängel darauf achten, dass Knoten nicht am Eingang der Röhre sitzen.

● Lehm: Mit Lehmziegeln ein Mäuer-chen aufbauen oder mit Lehmstampf einen Wildbienenkasten anlegen (siehe Kasten links).

Da kommentiert der passionierte Gärtner schmunzelnd: „Man muss etwas anbieten. Das muss nicht kompliziert sein, aber es bleibt den Bienen überlassen, was sie nutzen. Auch Insekten haben ihren eigenen Kopf.“

Keiner kann vorab wissen, welche Tierchen überhaupt kommen. Schließlich gibt es über 500 Wildbienenarten, zu den häufi gsten zählen Mauer-, Furchen-, Masken-, Blattschneider-, Löcher- und Zottelbienen. Experten erkennen sie an ihren Bauwerken und den unterschiedlichen Materialien, die sie nutzen. In den Röhren hohler Äste oder Pfl anzenstängel, in Mauerritzen und verlassenen Schneckenhäusern legen sie ihre Brutzellen an. Für die Trennwände, quasi die Paravents zwischen den Kinderzimmern, nutzen sie Wachs, Blattsowie Holzstücke, die sie mit ihrem Sekret mischen. In jedes Zimmerchen legen sie ein Ei und platzieren dazu Pollen und Nektar als Nahrungsvorrat. Danach verschließen sie die Kammer und ziehen weiter: die nächste Kammer, das nächste Ei. Nach vier bis elf Tagen entwickelt sich aus jedem Ei eine Larve. Diese frisst in zwei bis vier Wochen den Vorrat, verpuppt sich, ruht sich aus und entwickelt sich schließlich zu einer schönen Biene. Immer achtet Mutter Biene darauf, dass die Töchter in den geschützten hinteren Brut-zellen heranwachsen, während die Söhne in den vordersten Zimmern der Röhren logieren und demzufolge diese auch zuerst verlassen.

Bitte umblättern

WEITERE TIPPS & INFOS

● Natürlich vorkommende Bruthilfen: Lehmwände an alten Gebäuden zum Beispiel nicht verputzen. Abgestorbene Bäume nicht fällen, nur die Krone absägen und die Schnittstelle abdecken. Danach in den Stamm Löcher (von unten leicht schräg nach oben) bohren.

● Einfache Insektenhotels bauen: Mit Ziegeln: Hohlräume von Loch-und Hohlziegeln im Insektenhotel sind an sich wirkungslos. Sie können jedoch mit Zweigen und Stängeln befüllt werden. Strangfalzziegel werden auch pur angenommen. Konservendosen mit Zweigen und Stängeln von Sträuchern füllen, mehrere Dosen neben-und aufeinanderlegen. Links und rechts mit einem Stein fixieren. Leere Schneckengehäuse (nicht die der geschützten Weinbergschnecke) sammeln und reinigen. In Abständen und mit der Öffnung zur Seite auf einer sandigen Unterlage auslegen. Regenwasser sollte abfließen können.

● Kontakt: Interessierte können nach Anmeldung den Privatgarten von Konrad Spindler mit seinen Insektenhotels besuchen. Der Experte lädt darüber hinaus ein zu gemeinsamer Beobachtung nachtaktiver Insekten: Mai bis September (freitags bei Einbruch der Dunkelheit). Kontakt: Friesauer Gartenoase, Friesau 70, 07929 Saalburg, Telefon: 03 66 51/8 71 67, www.friesauer-gartenoase.de

„Aber in der Insektenwelt gibt es nur fressen und gefressen werden“, zerstört Konrad Spindler das schöne Bild vom kuscheligen Hotel. „Wildbienen sind als Einzellebewesen nicht sehr sozial. Da passt nicht etwa die eine Nachbarin auf die Brut der anderen mit auf. Die Wildbiene ist Alleinunterhalterin, sie muss bauen, Futter ranschaffen und die Eier ablegen. Deshalb sind die Löcher oft unbewacht. Das nutzen Räuber und Schmarotzer. Auch die wunderschönen blau und golden schimmernden Goldwespen liegen gnadenlos auf der Lauer, schleichen sich ein, legen ihr Ei zu einem vorhandenen und verschwinden wieder. Diese Larven fressen das Futter der Wirtin oder gleich die ganze Brut.“ In Spindlers Garten wird jedes geflügelte

Wesen geduldet. Schließlich sorgen alle mit für eine gute Ernte, bestäuben Wildpflanzen und sind selbst Nahrungsgrundlage. „Weil alles mit allem zusammenhängt“, sagt der Gärtner. „Das ist der Kreislauf der Natur.“

Steffi Schweizer