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WIE BLÜTENBLÄTTER AUF EINEM FLUSS


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Bücher - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 25.05.2022
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Als Martina Gedeck den „Alten Dorfkrug“ in Dahlem betritt, erkenne ich sie zunächst nicht. Sie setzt die Maske ab und wir nehmen an einem der Holztische Platz. Während ich erzähle, wie beeindruckend ich „Das Leben der Anderen“ fand, mustert sie mich aufmerksam mit ihren wachen, braunen Augen. In dem oscarprämierten Film ist sie in der Rolle der Schauspielerin Maria zu sehen. Dann unterhalten wir uns kurz über ihre Sicht auf Ulrike Meinhof, die sie hinreißend in dem Film „Der Baader Meinhof Komplex“ spielt. Eigentlich war Meinhof ja eine intelligente Journalistin, die empathische Sozialreportagen schrieb und dann in die Radikalität und den bewaffneten Kampf der RAF abdriftete. Die Schauspielerin erzählt, dass die Episode, in der sich Meinhof im palästinensischen Lager von PLO-Kämpfern zum Guerillakampf und Schießen ausbilden ließ, in Marokko gedreht wurde. Gedeck hat mit ihren Rollen das deutsche ...

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... Kino geprägt, ist ein internationaler Filmstar, sie drehte u.a. mit Robert De Niro und Bille August. Journalist:innen bezeichnen sie als „schwierig“ und „zurückhaltend“. Davon kann in unserem zweistündigen Interview nicht die Rede sein. Sie zeigt sich völlig unprätentiös, offen und interessiert an der Gesprächspartnerin.

Sie zählen zu den prägenden deutschen Schauspielerinnen unserer Zeit. Gerade haben Sie den diesjährigen Deutschen Hörbuchpreis als beste Interpretin für ihre Lesung des Romans „Nastjas Tränen“ gewonnen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Sie bedeutet mir sehr viel. Ich habe das Sprechen und die Stimme immer sehr hochgehalten. Ursprünglich habe ich ja am Theater gearbeitet. Auf der Bühne ist die Stimme das Hauptinstrument, im Film steht die Sprache, das Sprechen ein bisschen im Hintergrund.

Beim Filmen stehen Ihnen nicht nur die Sprache, sondern auch Ihre Gestik und Mimik zur Verfügung. Letztere Mittel fehlen beim Einsprechen eines Hörbuchs.

Ja, aber es geht in beiden Metiers um die innere Empfindung. Auch beim Hörbuch geht es darum, die Vorstellungswelt entstehen zu lassen. Wenn ich die Geschichte laut lese und sie mir einverleibe, ist dies ein lebendiger Prozess, der ganz stark mit der eigenen Empfindung und Wahrnehmung zu tun hat. Dabei lebe und erlebe ich was ich lese und spreche. Das ist genauso, als wenn ich eine Figur im Film spiele und aus ihr heraus agiere. Auch beim Lesen eines Hörbuchs bin ich in diesem Raum oder bin diese Person. Im Gegensatz zum Filmdreh habe ich beim Hörbuch-Sprechen die große Freiheit, nirgendwo hingehen oder mich kostümieren zu müssen. Ich bin völlig frei mit meiner Fantasie. Die habe ich auch beim Spielen vor der Kamera, aber da gibt es doch bestimmte Einschränkungen.

Inwiefern?

Beim Dreh werde ich unterbrochen, muss eine Szene zehn oder 20-mal wiederholen. Beim Hörbuch kann ich zehn, 20 Seiten am Stück lesen – wenn ich mich verspreche, wiederhole ich einfach den Satz. Ich bleibe in der Empfindung der Figur, begleite sie und führe sie langsam, aber sicher von Passage zu Passage immer weiter. Das heißt, ich wachse ganz natürlich in den Rhythmus, in die Melodie der Sprache, in den Erzählraum hinein. Und das ist etwas Wunderschönes, dieses Fallenlassen, das ich total genieße. Man kann sich bis zu einem gewissen Punkt vorbereiten, aber vieles entsteht auch spontan. Wie bei Musikern: wenn du mit einer Jazzband auf der Bühne stehst, mit Deinem Instrument gut zuhause bist und dann improvisierst, entsteht etwas aus dem Moment heraus, was Du Dir vorher gar nicht hast ausdenken können. Beim Hörbuch gibt es zum Beispiel Passagen, da werde ich beim Lesen emotional, ich werde wütend oder traurig. Das kommt von selbst. Und ist ein besonders schönes Erlebnis, wenn der Körper mit dem Gefühl verschmilzt.

Und wie gestalten Sie eine Figur mit Ihrer Stimme?

Die Stimme ist ein Instrument, das gepflegt werden muss. Beim Film oder bei einer Höraufnahme, wird die Stimme mikrofonisch verstärkt. So bleibe ich als Filmschauspielerin in der natürlichen Sprechweise, auch wenn ich dezidiert, klar und artikuliert spreche. Aber mein natürlicher Sprachmodus bleibt erhalten und suggeriert: Das, was gesprochen wird, fällt der Figur gerade erst ein. Ich spreche die Texte, als kämen sie aus meinem Inneren heraus, sie liegen auf meinen Emotionen, wie Blütenblätter auf einem Fluss. Bevor ich ein Hörbuch einspreche, mache ich mich mit dem Text wochenlang vertraut. Zunächst lese ich den Roman mehrere Male laut. So lerne ich die Figuren genau kennen und stelle eine Verbindung her zwischen meinem inneren, emotionalen Haushalt und dem Sprechwerkzeug, meiner Stimme.

MARTINA GEDECK HÖREN

VERLOSUNG

NATASCHA WODIN: Nastjas Tränen Argon (2021), ungekürzte Lesung, 312 Min./1 MP3-CD, 24,95 Euro

HÖRBUCHmagazin und Argon verlosen fünfmal „Nastjas Tränen“. Teilnahmebedingungen auf S.3. Viel Glück!

NATASCHA WODIN: Irgendwo in diesem Dunkel Argon (2018), ungekürzte Lesung, 396 Min./6 CDs, 24,95 Euro

JULIA MAY JONAS: Vladimir Random House Audio, ungekürzte Lesung, 548 Min./8 CDs, 24 Euro

CHRISTIANE HOFFMANN: Alles, was wir nicht erinnern C.H.Beck, ungekürzte Lesung, 499 Min./1 MP3-CD, 21,95 Euro

Auf diese Weise finden Sie den Ton der Figur wie in „Nastjas Tränen“. Welches Bild haben Sie sich von der gleichnamigen Figur in Natascha Wodins Roman erschaffen?

Es gibt ja zwei Figuren in dem Hörbuch, das eine ist die Erzählerin, Natascha Wodin selbst, die eine etablierte, bürgerliche Existenz in Berlin Prenzlauer Berg führt. Sie nimmt sich der Ukrainerin Nastja an, wegen ihrer eigenen Vergangenheit, denn ihre Mutter stammte selbst aus der Ukraine und musste während des Krieges als Zwangsarbeiterin in Deutschland arbeiten. Diese Traumatisierung innerhalb ihrer eigenen Familie hat Natascha Wodin ihr Leben lang beschäftigt. Als Erzählerin in ihrem Roman hat sie aufgrund ihrer Herkunft sofort eine Verbindung zu Nastja und stellt sich eine Freundschaft mit ihr vor.

Nastja, eine Tiefbauingenieurin, konnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos ihrer Heimat nicht mehr überleben − ihr letztes Gehalt bekam sie in Form eines Säckchens Reis ausgezahlt. Da sie ihren kleinen Enkelsohn und sich selbst nicht länger ernähren kann, steigt sie, auf etwas Einkommen hoffend, in einen Zug von Kiew nach Berlin.

Sie gerät in die Situation, als Putzfrau Geld verdienen zu müssen. Ich habe Nastja als eine zarte, sehr selbstbestimmte Frau wahrgenommen. Sie ist ein Mysterium, jemand, der sich nicht unbedingt mit Worten mitteilt, sondern sie erklärt sich durch ihr Tun und durch ihr Lassen. Deswegen erscheint mir Nastja auch als eine renitente Person, die auf stille Art ihr Recht einfordert. Dabei hat sie eine gewisse, innere Wut, zugleich kann sie nachgiebig sein, denn sie nimmt die Dinge so, wie sie sind und ist dankbar für das, was sie bekommt. Das ist ihre besondere Haltung. Ihr Besitz ist nur ein Rucksack und eine kleine Matratze – mehr will sie auch gar nicht. Sie betrachtet sich als Gast in Deutschland, als eine Nomadin, die irgendwann in ihre Heimat zurückkehren wird. Natascha Wodin beschreibt dies mit unglaublich klaren, genauen, prägnanten und schnörkellosen Sätzen. Das Interessante an einem Buch ist immer die Sprache. Der Stil hat natürlich unmittelbare Auswirkungen. Du musst der Sprache folgen und die Sätze wirklich auf den Punkt sprechen.

Was ich beim Hören als sehr angenehm empfunden habe ist, dass Sie sich mit ihrer Stimme nicht in den Vordergrund drängen und den Text dominant interpretieren. Damit lassen Sie dem Hörer Raum.

Das ist die große Herausforderung und ich würde sagen, die Kunst beim Einsprechen. Ich arbeite schon sehr lange in dem Bereich Hörbuch und habe erst im Laufe der Jahre herausgefunden, wie ich mich zurücknehmen kann. Wenn ich meine frühen Hörbücher höre, merke ich, dass da zu viel Gestaltungswille drin ist. Ich habe gelernt, mich auf den Text, auf das, was da geschrieben steht, zu verlassen. Da muss ich nicht jede kleinste Nuance zusätzlich mit meiner Stimme gestalten. Das wäre zu viel und würde den Hörer stören. Von guten Sprechern kann man lernen, dass sie ihre Stimme mit der Sprachmelodie mitschwingen lassen.

Sie haben das wunderbare Buch „Alles, was wir nicht erinnern“ eingelesen. Macht es einen Unterschied, wenn Sie ein Sachbuch einlesen?

Ich muss Ihnen ehrlich sagen, das Buch von Christiane Hoffmann war das erste Sachbuch, das ich eingelesen habe. Und ich habe es überhaupt nicht als ein Sachbuch empfunden, es ist ja auch eher ein Memoir.

Ich war überrascht über die poetischen Bilder, diesen Stil hätte ich von einer Spiegel-Redakteurin, die im nüchternen Politikressort zuhause ist, nicht erwartet.

Es ist ihre Familiengeschichte, sie erzählt sehr persönlich von sich selbst, von ihrer Kindheit, von ihren Eltern, Großeltern, Verwandten.

Auch in diesem Buch geht es wie in „Nastjas Tränen“ um Verlust der Heimat. Diese Thematik erfährt plötzlich eine Aktualität, dass es einem die Schuhe auszieht. Frau Gedeck, wir sind ja dieselbe Generation. Hätten Sie sich zu Ihren Lebzeiten jemals Krieg in Europa vorstellen können?

Nein, ich bin fassungslos. Christiane Hoffmann erzählt in ihrem Buch sie habe die irrationale Angst, dass der Krieg wiederkommen könne, aufgrund ihrer Herkunft und Kindheit. Die Fluchterfahrung ist in ihren Genen, aufgrund ihrer eigenen Erfahrung und der ihrer Eltern. Als ich das gelesen habe, dachte ich: so ein Blödsinn! Wieso soll denn jetzt ein Krieg kommen? Das ist eine irrationale Angst! Während ich das Buch im Studio einlas, begannen schon die Kriegsvorbereitungen. Als Putin die Ukraine überfiel, konnte ich es nicht glauben.

Damit stehen Sie nicht allein, anfangs wollte es so gut wie niemand im Westen wahrhaben.

Ich bin auch jetzt noch fassungslos. Ich sitze des Abends vor dem Fernseher und denke: Das glaube ich nicht, wie es inzwischen in der Ukraine aussieht. Mariupol, ich hatte von dieser Stadt noch nie gehört bis ich Natascha Wodins fantastisches Buch „Sie kam aus Mariupol“ gelesen hatte. Und jetzt sehe ich jeden Tag Mariupol im Fernsehen, eine zerstörte Stadt. Es ist einfach nur grauenvoll und unerträglich.

Und unfassbar.

Die Generation unserer Eltern hat diese Kriegserfahrung gemacht. Wir sind in einer relativen Sorglosigkeit groß geworden in Frieden und auch in Wohlstand.

Engagieren Sie sich für die Flüchtlinge in irgendeiner Form?

Wir haben natürlich sehr viel gespendet in letzter Zeit. Meine Familie, meine Schwester und mein Schwager sind sehr involviert. Ich und mein Mann (der Schweizer Regisseur Michael Imboden, Anm. Red.) sind nur sporadisch zu Hause, deshalb haben wir bisher niemanden aufgenommen, aber es ist durchaus vorstellbar, wenn ich längere Zeit in Berlin wäre. Ich finde es toll, wenn man den Ukrainern die Hand reicht und auch ein wenig zurückgibt – wir haben, historisch gesehen, dort einiges verbrochen.

Die Nazis, die das Land überfallen haben. „Nastjas Tränen“ beginnt mit der Besatzung der Nazis, nach dem dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Ukraine zu einem großen Teil zerstört. Mir als Leserin wurde mit diesem Roman deutlich, die Ukraine des 20. Jahrhunderts ist ein geschundenes Land.

Natascha Wodin nimmt auch kein Blatt vor den Mund, was die heutige Ukraine angeht. Sie beschreibt, wie korrupt dieser Staat gewesen ist.

Nachdem die Sowjetunion zerfallen ist, haben sich die Oligarchen am Volkseigentum bereichert. Entlarvend, diese Szene in Berlin, als Nastja, die Ingenieurin, das palastähnliche Haus in Charlottenburg des ukrainischen Oligarchen putzen muss. Dessen Frau arbeitete früher in der Heimat selbst als Putzfrau und mimt heute die Lady. Neureich ist sie. Manieren hat sie nicht. Dies hat Natascha Wodin sehr fein beobachtet.

Ja, Frau Wodin ist eine fantastische Schriftstellerin. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als ich sie kennengelernt habe. Sie wohnt ja hier in Berlin.

Sie können sich als Star sicher aussuchen, welche Hörbücher Sie einlesen wollen. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für ein Projekt?

Es ist eigentlich ganz einfach. Zum Beispiel das Hörbuch „Vladimir“. Ein intelligentes Buch, das auch komische Elemente hat. Es ist nicht politisch in dem Sinne, sondern eher frauenpolitisch. Mir gefiel schon der Einstieg gut, als die Erzählerin, eine Literaturprofessorin an einem kleinen College an der amerikanischen Ostküste beschreibt, was sie an den alten weißen Männer geliebt hat und dass sie alles liebt, was alte weiße Männer lieben. Diese Haltung empfinde ich als kontrarevolutionär. Sie ist eine coole Frau, die ihren Studentinnen auf eine geschickte Weise verklickert, was eine 30jährige Ehe bedeutet. Sie geht ganz eigene Wege und trickst ihren Mann mit ihrem Verstand aus. Das hat mir unheimlich gut gefallen an dem Buch.

Manchmal denke ich, die armen, alten weißen Männer! Sie müssten mal eine Streicheleinheit kriegen. Damit meine ich nicht, dass ich die MeToo-Debatte nicht für absolut notwendig halte. Wie sehen Sie die Auswirkungen?

Ich finde es gut, dass man ein stärkeres Bewusstsein bekommt, wenn Frauen solche Missstände zur Sprache bringen. Auch wenn es manchmal in dieser Debatte ein wenig fanatisch zugeht.

Die berühmte Besetzungscouch auf der Regisseure versuchten, Schauspielerinnen flach zu legen – haben Sie solch‘ unangenehme Situationen erlebt?

Ich bin mit der Emanzipation groß geworden. In den 70er, 80er Jahren gab es eine große Frauenbewegung. Wir hatten ein klares Bewusstsein, dass wir Frauen uns männliches Dominanzgebaren nicht gefallen lassen müssen. So habe ich das jedenfalls in meinem Beruf gelebt. Die Konkurrenz zwischen Mann und Frau ist im Schauspielerberuf per se nicht so gegeben. Wir leben nicht im England zu Zeiten von Shakespeare, dort spielten Männer auch die Frauenrollen. Im 21. Jahrhundert haben Schauspielerinnen ihren eigenen Raum.

Aber es gab auch Übergriffe, Motto: Du bekommst die Rolle, wenn …

Ich habe es in dieser Form nicht erlebt, aber es wird wohl so gewesen sein. Und natürlich gibt es auch Machtstrukturen, die ich erlebt habe, sie hängen damit zusammen, dass Frauen überhaupt keine oder kaum Regie geführt haben. Als ich am Theater anfing zu spielen, war Ariane Mnouchkine natürlich ein Begriff, ansonsten gab es allenfalls zwei, drei Frauen an deutschen Theatern, die Regie geführt haben. Heute ist dies kaum mehr zu glauben.