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Wie Corona uns verändert


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 06.05.2020

aktuell

Das Covid-19-Virus setzt uns zu Hause fest und trennt uns von unseren Angehörigen. Es macht uns Angst. Aber es zeigt uns auch, was im Leben wirklich zählt, meint Autorin Claudia-Marie Dambacher

Artikelbild für den Artikel "Wie Corona uns verändert" aus der Ausgabe 6/2020 von plus Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 6/2020


„Im Ernstfall zählt der Respekt vor einer Natur, die viel älter ist als wir, ohne die wir aber nicht leben können. Das sollten wir nie wieder vergessen


Harald Lesch (59), Astrophysiker, Naturphilosoph und Fernsehmoderator („Leschs Kosmos“)

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Für alle, denen der zwischenmenschliche Austausch fehlt, hat das Diakonische Werk Hannover die Aktion „gutzureden“ ins Leben gerufen. Über eine Hotline ...

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Seltsam, wie normal sich das Unnormale anfühlt. Weltweite Pandemie. Ausgangsbeschränkung. Lockdown. Begriffe, die ich bis vor Kurzem nur aus Geschichtsdokus und Katastrophenfilmen kannte, bestimmen plötzlich meinen Alltag. Und ich habe mich schon fast gewöhnt an diesen Zustand. Nicht einmal meine Schwiegereltern - geboren in den letzten Kriegsjahren - können sich an Ähnliches erinnern.

Allein meine knapp 100-jährige Oma dürfte schon einmal eine Ausgangssperre erlebt haben. Mit ihr würde ich in diesen Tagen gern sprechen. Dass ich sie in ihrem Pflegeheim nicht besuchen darf, ist eine Sache, an die ich mich nicht gewöhnen kann. Wie es ihr wohl geht? Die Pflegerin sagt, an guten Tagen verstehe sie, warum kein Besuch mehr kommt. Andere, demente Patienten verstehen das nicht. Sie werden nervös oder aggressiv. Wie kleine Kinder brauchen sie körperliche Nähe.

Auch meine Mutter leidet sehr unter der Situation. „Nicht nur, dass ich eure Oma nicht mehr besuchen darf“, beklagte sie sich vor ein paar Tagen. „Ich darf auch meine Enkel nicht mehr sehen und meine Kinder nicht mehr unterstützen!“ Mein Mann und ich haben zurzeit alle Hände voll zu tun, die Schularbeiten der Kinder zu betreuen, während unsere Jobs von zu Hause aus weiterlaufen. Entlastung durch die Großeltern bräuchten wir im Moment dringender, als wir zugeben wollen. Doch gerade jetzt dürfen wir sie nicht annehmen.

Meine Mutter ist eine Zupackerin. Eine, die man gern in seiner Nähe hat, wenn Unvorhergesehenes passiert. Und jetzt? Halte ich ihr am Telefon Vorträge über die Situation in Italien, ruft mein Bruder an und macht ihr Vorschriften: „Ihr bleibt jetzt zu Hause! Wir kaufen für euch ein.“ Was für eine Nummer! Eine Freundin von mir ist Krankenhaus- Seelsorgerin. Sie meinte neulich: „Ich habe großen Respekt vor allen, die es schaffen, sich helfen zu lassen.“

Gibt es meinen Job noch?

Wir alle stehen gerade vor den unterschiedlichsten Herausforderungen. Die einen kämpfen im Homeoffice mit der Technik oder damit, sich selbst eine Tagesstruktur zu geben. Viele müssen um ihre berufliche Existenz fürchten. Kurzarbeiter fragen sich: Gibt es meinen Job nach der Krise überhaupt noch? Und dann sind da die anderen, Paketboten, Apothekerinnen, Kassiererinnen, die in der ständigen Gefahr leben, sich mit dem Virus anzustecken. Ganz zu schweigen von allen, die unser Gesundheitssystem am Laufen halten.

Ein Bekannter, der als Intensivpfleger in Zürich arbeitet, erklärte mir kürzlich, dass für ihn alle Regelungen zu Ruhezeiten und Arbeitszeitbegrenzung außer Kraft gesetzt wurden. Ob in der Pflege, im Einzelhandel oder in der Kinder(not)betreuung: Ausgerechnet die Berufe, die wir in der Krise als „systemrelevant“ erkennen, werden viel zu gering geschätzt. War mir das bisher eigentlich klar genug?

Eine Zeit der Entschleunigung

„Hier haben wir den Effekt, den fast jede Krise hat: Das Virus legt Probleme offen, die wir sowieso schon hatten“, erklärt mir der Sozialpsychologe und Soziologe Harald Welzer. Ich habe mich an ihn gewandt mit der Frage, was die Corona-Zeit mit unserer Gesellschaft machen wird. „Dass die Leute, die den Laden zusammenhalten, zu schlecht bezahlt werden, wissen wir alle schon lange“, stellt er fest. „Es hatte aber immer den Anschein: Irgendwie funktioniert es ja.“ Und doch kommt es mir so vor, als wäre nicht nur ich gerade sensibler für solche Themen. Wer ist wirklich wichtig in unserer Gesellschaft, in unserem Leben? „Wir erleben zurzeit eine unglaubliche Entschleunigung“, so Welzer. Weniger Termine, weniger Menschen auf den Straßen, weniger Verkehr: „Alles, was unseren Alltag so hektisch macht, wird gerade heruntergefahren. Vielleicht werden wir daraus nach der Krise die Lehre ziehen: Wir brauchen diese ganze Hyperstress- und Aggressionskultur nicht.“

Was könnten wir sonst noch aus der Krise lernen? Vielleicht, dass es nicht unsere Lebensversicherung und die gehorteten Nudeln waren, die uns in der schwierigen Zeit Mut gemacht haben. Es war die Musik auf den Balkonen, die Nachbarschaftshilfe, die Solidarität. Es waren die vielen Menschen, die bei strahlendem Wetter zu Hause geblieben sind, um andere nicht in Gefahr zu bringen. Das ist es, was mir im Moment Mut macht: Dass wir in der Lage sind, uns als Gesellschaft weiterzuentwickeln. Und dass wir das gerade jeden Tag unter Beweis stellen dürfen.

Claudia-Marie Dambacher (37) ist Journalistin und Mutter von vier Kindern (1, 5, 7 und 9 Jahre)

Nachbarschaftshilfe, Solidarität mit anderen - schön, wenn wir uns das aus der Krise bewahren



„Die Pandemie zeigt uns weltweit auf, wohin die wirtschaftliche Optimierung unsere Gesundheitsversorgung gebracht hat”


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„Wo ich hinschaue, sehe ich zurzeit Menschen, die helfen, ohne zu zögern. Sie gehen neue Wege, die vor Kurzem noch nicht denkbar waren”


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