Lesezeit ca. 4 Min.

WIE DER 911 VON WHITNEY HOUSTON INS AMMERLAND KAM


Logo von Auto Bild
Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 05.01.2022

FÜR UNGEWÖHNLICHE Geschäfte ist Rolf Hilchner immer zu haben. 2011 wollte der umtriebige Softwareunternehmer aus dem Ammerland (Niedersachsen) mal zwei Berggipfel in Tirol erwerben – um sie nach seiner Firma zu benennen: „Ashampoo 1“ und „Ashampoo 2“. „Hat leider nicht geklappt, der österreichische Staat legte sein Veto ein“, sagt Hilchner.

Und bereits 2008 hatte er sich einen Gumpert Apollo besorgt. Jenen Supersportwagen, von dem im thüringischen Altenburg nur rund 20 Stück entstanden sind. Hilchner warb damit für seine damalige Neuwagenvermittlung Netcar.de – bis er nach einer Runde auf der Rennstrecke selbst einen Neuwagen brauchte.

Vor ein paar Wochen nun rief ihn ein befreundeter Gebrauchtwagenhändler aus NRW an. Er habe da einen Porsche mit (Musik-) Geschichte: ein weißes 911 Cabrio von Whitney Houston.

Nun ist es nicht so, dass Hilchner gerade knapp an Autos wäre. Ein gutes Dutzend befindet ...

Artikelbild für den Artikel "WIE DER 911 VON WHITNEY HOUSTON INS AMMERLAND KAM" aus der Ausgabe 1/2022 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Vierstufen- Tiptronic, die 1990 mit dem 964 kommt. Davor etwas verdeckt: der Schalter für den Heckspoiler
Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Auto Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2022 von MOBILITÄT WIRFT FRAGEN AUF, WIR GEBEN ANTWORTEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MOBILITÄT WIRFT FRAGEN AUF, WIR GEBEN ANTWORTEN
Titelbild der Ausgabe 1/2022 von KLASSIKER IN DER ZUKUNFT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KLASSIKER IN DER ZUKUNFT
Titelbild der Ausgabe 1/2022 von DER TAUSENDSASSA. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DER TAUSENDSASSA
Titelbild der Ausgabe 1/2022 von ZIEL ERREICHT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ZIEL ERREICHT
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
ER KNIPST BEI BENTLEY DIE LICHTER AUS
Vorheriger Artikel
ER KNIPST BEI BENTLEY DIE LICHTER AUS
CLEVER LADEN
Nächster Artikel
CLEVER LADEN
Mehr Lesetipps

... sich in seinem Besitz, im Alltag chauffiert er eine S-Klasse. Aber als großer Fan von „Bodyguard“ („Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich weine im Alter häufiger“) musste er einfach zuschlagen.

! Whitney Houston starb vor zehn Jahren. Ihr Porsche Cabrio, ausgeliefert im April 1991, hat überlebt

Zur Person

ROLF HILCHNER

Aufgewachsen in Mettmann (NRW), Abitur auf zweitem Bildungsweg. Erst Sport, dann BWL studiert. 1999 Gründung der Software-Firma Ashampoo. Lebt in der Nähe von Bremen mit Frau und Autos.

Statt New York jetzt also der Nordwesten von Niedersachsen.

Der 964 war am 26. April 1991 ausgeliefert worden – an die Firma Nippy Inc. mit Sitz in New Jersey, direkt an der George Washington Bridge, die rüber nach Manhattan führt. Das Unternehmen gehörte Whitney Houston, „Nippy war ihr Spitzname“, sagt Hilchner. Die Jahre vergingen, 2004 wurde der Porsche verkauft, kam erst nach Florida, dann nach Louisiana, 2012 tauchte der Wagen in Texas in einer Auktion auf. Und 2021 nun noch einmal, der Zuschlag lag bei 49 500 Dollar. Von dort ging’s nach Deutschland, hier bekam er neue Blinker, eine Motorüberholung – und ein stattliches Preisschild.

Das war Hilchner bewusst, aber es störte ihn nicht. Er hat im Leben schon sehr viel Geld für Autos ausgegeben. „Ich hatte auch mal einen Ferrari 328 GTS, aber das war nicht meine Welt.“ So eine Höllenmaschine könne den Fahrstil des Fahrers völlig umkrempeln, er habe das an seinem Bruder gemerkt. „Eigentlich ein verantwortungsbewusster Lehrer mit einer eher auf Sicherheit bedachten Fahrweise, aber als er den gefahren ist – das hätten Sie mal sehen sollen!“

Rolf Hilchner mag es lieber etwas zurückhaltender und, nun ja, bescheidener. Ihm gehe es nicht darum, was der Nachbar denke. Sondern um besondere Stücke. „Gerade habe ich zwei Audi A2 von 2001 mit 1,2-Liter-TDI gekauft.“ Und dann habe er noch einen VW XL1, der aber zum Verkauf stehe. Das Auto ist sparsam, der Käufer sollte es nicht sein: 84 500 Euro ruft Hilchner für den Zweisitzer auf.

Nach mehreren Ferrari kaufte sich Hilchner 1993 als Sportwagen einen jungfräulichen Honda NSX, Neupreis 172 000 Mark. „Es war eines der schönsten und besten Autos, die ich in meinem Leben gefahren bin.“ Vier Stück hatte Hilchner im Laufe der Jahre. Darunter den letzten für Deutschland produzierten.

„Insgesamt sind wohl an die 100 Autos gekommen und gegangen“, sagt Hilchner, der Ende der 1980er-Jahre damit begonnen hat, Anti-Viren-Programme zu vertreiben (von dem Geld kaufte er sich einen Jaguar E-Type).

Apropos Virus: Wie kommt ein Softwareunternehmer zum Autovirus? „Ich bin 1972 nach dreimaligem Sitzenbleiben vom Gymnasium geflogen und habe dann bei Walther Hofsommer in Mettmann auf seiner Tankstelle gearbeitet. Walther hat mir einen Käfer be- sorgt und ihn mit einer Farbe lackiert, die er noch übrig hatte – so kam ich zum froschgrünen VW.“ Und außerden habe er als Caddy auf einem Golfplatz in Düsseldorf gearbeitet und Wilhelm Becker von Auto Becker immer die Golfschläger getragen.

Aus dem Käfer sind heute ein SL, ein Z4, ein Karmann-Ghia und noch ein paar Schmuckstücke mehr geworden. Ach, und ein halber Fiat 500, Sondermodell Riva. Und das kam so: „Ende 2019 hat mich ein befreundeter Unternehmen gefragt, ob ich nicht die Hälfte einer älteren Riva-Jacht erwerben wolle, die auf Mallorca liegt.“ Und da Hilchners Frau leider die Leidenschaft für Autos „null“ teile, sich aber vielleicht mit einer kleinen Jacht anfreunden könne, habe er zugeschlagen. Der halbe Fiat 500 war inklusive.

Das Schiff verbraucht je nach Fahrweise zwischen 50 und 500 Liter die Stunde. „Daher tuckern wir nur“, sagt Hilch ner und lacht. „Im Grunde ist das gar nicht meine Welt.“ Aber Spaß macht’s dann doch.

Aus dem operativen Geschäft seiner 130-Mitarbeiter-Firma, die Hilchner zusammen mit einem Freund gehört und die vor allem E-Mail-Marketing macht („Clever- Reach“), hat sich der Selfmademillionär inzwischen zurückgezogen. Da bleibt dann mehr Zeit für andere Dinge.

Mit dem Boot tuckern, Whitneys Porsche kaufen, Flugzeuge fliegen (die Firma hat drei kleine Maschinen). Aktuell plant der kreative Kopf eine „Kloster-Garage“. Einen Bau aus alten roten Backsteinen mit drei Meter hohem Holztor, Innenhof und Kreuzgang. Und Wassertretbecken im Klostergarten. „Dort, wo normalerweise die Mönche übernachten würden, stehen in diesem Fall meine Autos.“ Die Pläne sind schon fertig, Baubeginn soll 2023 sein. Klingt verrückt? Zuzutrauen ist Rolf Hilchner alles. Auch der Bau einer Carthedrale – nur so aus Gaudi.

Holger Karkheck