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Wie der WALD sich auf den WINTER vorbereitet


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 47/2021 vom 19.11.2021

NATUR

Artikelbild für den Artikel "Wie der WALD sich auf den WINTER vorbereitet" aus der Ausgabe 47/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 47/2021

» BÄUME WERFEN ihre Blätter ab, um mehr Regen für den Boden durchzulassen. So können sie im Winter auftanken für den Sommer.“

PETER WOHLLEBEN Forstwirt und Bestsellerautor

GSommer vor. Die Blätter leuchten in der Sonne. Gelbgrün, orange. Man könnte fast meinen, dass „der Herbst mehr die Jahreszeit der Seele als der Natur“ sei, wie der Philosoph Friedrich Nietzsche einst sagte.

Der bunte Laubwald – er verspricht jetzt Ruhe, Linderung, inneren Frieden. Selten geworden ist er unterdessen in Deutschland. Doch das Glück, ihn zu erleben, haben an diesem Tag 30 Leserinnen und Leser. Auf Einladung von HÖRZU nehmen sie an einem Waldseminar mit Peter Wohlleben teil und bekommen dabei Überraschendes über Bäume erklärt. Wohlleben ist es zu verdanken, dass es in Wershofen in der Eifel das „Buchen- Urwaldprojekt“ gibt. Als Förster ist der 57-Jährige für einen Wald verantwortlich, der sich seit vielen Jahren ...

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... selber entwickeln darf. Sein Credo: „Die Natur einfach machen lassen.“ anz langsam löst sich der zarte Morgennebel auf. Die Luft wird klar, der Himmel blau. Warme Temperaturen gaukeln an diesem Oktobertag noch

Bevor es in den Wald geht, hält Wohlleben in dem lichtdurchf luteten Tagungsraum seiner Waldakademie einen Vortrag. Zunächst steht die Sorge um den Zustand des Waldes in Zeiten der Erderwärmung im Mittelpunkt. „Als effiziente Sozialgemeinschaften können unsere heimischen Bäume die aktuellen Klimaveränderungen gut verkraften. Sie sind außerdem in der Lage, das lokale Klima stark herabzukühlen und sogar die Regenmengen signifikant zu erhöhen“, sagt der Bestsellerautor, dessen aktuelles Buch nicht umsonst „Der lange Atem der Bäume“ (Ludwig, 256 S., 22 €) heißt. „All dies machen Bäume übrigens nicht für uns, sondern für sich selbst. Auch sie mögen es nicht zu heiß und nicht zu trocken.“

Wenn also unsere Laubbäume gerade ein f lammendes Feuerwerk der Farben veranstalten, dann sicher nicht uns zuliebe. Wohlleben kennt den Grund: „Sie bereiten sich auf den Winterschlaf vor.“ Doch woher wissen die Bäume, dass es Winter wird? „Sie wissen es nicht, sie spüren es auf ihrer ‚Haut‘, ihrer Rinde, wenn es kühler wird, die Tage kürzer werden“, sagt der Experte. „Dann fangen sie an, die Reservestoffe aus den Blättern zu ziehen, das Chlorophyll, den grünen Farbstoff. Sie zerlegen ihn und lagern zudem Zucker für das kommende Jahr in den Zweigen, dem Stamm und den Wurzeln ein – als Winternahrung. Dadurch werden die gelben Farbstoffe sichtbar: die Karotinoide.“ Und warum haben manche Bäume rote Blätter? „Um Blattläuse abzuwehren“, weiß Wohlleben. „Die Bäume pumpen rote Farbstoffe in die Blätter – und tarnen sich damit. Denn, so zeigen neueste Forschungen, Blattläuse können die Farbe Rot nicht sehen, sehr wohl aber Gelb oder Grün.“ ergebnisse aus der Schweiz zeigen jedoch: Laubbäume brauchen den Niederschlag aus dem Winter und lassen deshalb mehr Regen auf den Boden durch, wenn ihre Äste nackt in den Himmel ragen.“ So füllt sich ihr Speicher, auf den sie im Sommer zurückgreifen: bis zu 200 Liter pro Quadratmeter. Dass Bäume im Winter für die kommende Saison volltanken, funktioniere jedoch nur bei intaktem Boden. „Wo schwere Holzerntemaschinen fahren, sind die Poren verdichtet, der Boden speichert fast nichts mehr“, sagt Wohlleben. Mehr als 50 Prozent der Waldböden hierzulande seien bereits verdichtet. „Und die speichern im schlimmsten Fall nur noch fünf Prozent der Niederschläge. Dass die Bäume im Sommer vertrocknen, liegt zum Teil auch an der heftigen Forstnutzung.“

Eine einzige

Buche verliert

500.000

Blätter

Am Fuß ihres Stamms bilden diese eine bis zu zehn Zentimeter hohe Schicht

»BÄUME pumpen rote Farbstoffe in die Blätter, um sich zu tarnen – und damit Blattläuse abzuwehren.“

PETER WOHLLEBEN Förster und Autor

Ebenso überzeugt ist er davon, dass „alte Buchenwälder die Flutwelle im Sommer zumindest gemindert hätten“. Sein Forst in Wershofen liegt in der Nähe der Gemeinde Schuld, die bei der Flutkatastrophe an der Ahr verwüstet wurde. „Wir haben das im direkten Einzugsgebiet überprüft. Im Buchenwald ist der größte Teil des Niederschlags im Boden versickert, während auf

Etwa zwei Wochen dauert es, bis nach der Laubfärbung die Blätter fallen. Schon eine einzige Buche wirft laut Wohlleben eine halbe Million Blätter ab, die eine bis zu zehn Zentimeter hohe Schicht bilden. Nur so überleben Laubbäume die nächsten Monate. Sie müssen Vorkehrungen treffen. „Bisher dachte man, die Gründe für den Laubfall seien, dass die Bäume zu schwere Lasten etwa von nassem Schnee auf den Ästen vermeiden und kaum noch Angriffsfläche für heftige Winde bieten wollen“, erzählt der Förster. „Aktuelle Forschungsden Kahlschlägen der Forstwirtschaft richtige Abf lussrinnen zu erkennen waren.“

Geht es um Verstöße von Forstwirtschaft und Waldlobby, nimmt der Waldschützer kein Blatt vor den Mund: „Die illegalen Holzeinschläge in Schutzgebieten durch staatliche Aufsichtsbehörden in Deutschland müssen angezeigt werden. Deshalb haben wir vor Kurzem eine gemeinnützige GmbH gegründet, die sich darum kümmern wird.“ In der Runde kommt eine Frage auf: „Warum machen die Behörden das?“ Wohllebens Antwort: „Weil sie es immer schon so gemacht haben.“ Wenn jemand im Juni seine Gartenhecke schneide, komme das Ordnungsamt und kassiere eine Strafe. Werden dagegen im Wald zur Brutzeit Bäume abgesägt, nenne man das „Waldpf lege. Halt Pech für die Brutvögel“.

ACHTSAMER IM WALD

„Jetzt gehe ich achtsamer durch den Wald“, sagt eine Teilnehmerin beim anschließenden Spaziergang. Sie entdeckt ein Blatt mit Gallen, zeigt es Patrick, dem Waldguide. „Darin überwintern Mückenlarven“, erklärt er. „Jede hat mit ihrem Speichel dafür gesorgt, dass das Buchenblatt einen Zipfel um sie bildet und sie vor Vögeln geschützt ist, sodass sie sich im Frühjahr verpuppen und später als Gallenmücke ausschlüpfen kann.“ So bereiten sich also auch Insekten auf den Winter vor.

ANJA MATTHIES