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WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT: Aus und vorbei


Deutsch perfekt - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 04.09.2019

Wer nicht mehr verheiratet sein will, muss durch eine schwere Zeit. Der komplexe juristische Prozess dauert – und kann viel Geld kosten.


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Bildquelle: Deutsch perfekt, Ausgabe 11/2019

Nach 15 Jahren ist Schluss: So lange bleibt ein verheiratetes Paar in Deutschland durchschnittlich zusammen, bis es sich scheiden lässt. Das passiert bei etwas mehr als jeder dritten Ehe: Im Jahr 2017 hat es rund 153 500 Scheidungen gegeben.

Ein bekannter Spruch im Deutschen sagt: Scheiden tut weh. Das stimmt nicht nur bei den Emotionen, sondern auch bei den Finanzen. Denn eine Scheidung kann viel Geld kosten. Sie ist außerdem ein komplexer juristischer ...

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... Prozess. Sich einfach so schnell scheiden zu lassen – das ist in Deutschland juristisch nämlich kaum möglich.

Sich scheiden zu lassen soll ein Ehepaar sich gut überlegen. Dafür gibt ihm der Staat deshalb zuerst einmal Zeit. Die Logik dabei: Die Justiz scheidet ein Paar erst dann, wenn die Ehe wirklich kaputt ist. Das wird deutlich, wenn die beiden mindestens ein Jahr lang getrennt gelebt haben. Eine frühere Scheidung ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Nach dem Trennungsjahr können beide Ehepartner einen Scheidungsantrag stellen. Es kann auch nur ein Partner den Antrag stellen. Dann muss der andere dem Dokument offiziell zustimmen. Einen Anwalt brauchen die Eheleute aber immer. Denn auch das ist eine Regel: Nur ein Anwalt darf den Antrag bei einem Familiengericht einreichen.



Für binationale Paare ist eine frühe juristische Beratung in der Krise besonders wichtig.


Wenn es so etwas wie eine ideale Scheidung gibt, dann sieht sie so aus: Beide Partner wollen die Trennung wirklich. Und sie streiten nicht über die Details. In so einem Fall reicht es, wenn nur einer der Partner einen Anwalt nimmt. So können beide viel Geld sparen – oft mehrere Tausend Euro.

Aber auch mit nur einem Anwalt kann eine Scheidung teuer werden. Die Kosten orientieren sich vor allem am Einkommen und am Vermögen der Ehepartner. Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest illustriert das mit einem Beispiel: Wenn der Ehemann 3000 Euro und die Ehefrau 2000 Euro netto im Monat verdienen, kostet die Scheidung inklusive Gerichtskosten rund 4500 Euro.

Wenn nur ein Partner einen Anwalt nimmt, sind es circa 2500 Euro. In speziellen Fällen bezahlt der Staat die Kosten für Anwalt und Gericht. Dazu muss man aber beweisen, dass man für die Scheidung selbst nicht genug Geld und Einkommen hat. Wenn die Ehepartner nicht streiten, wird ihre Scheidung nicht nur günstiger. Sie geht dann auch schneller. Ab dem Antrag bei einem Familiengericht kann der Prozess zwischen sechs und zwölf Monate dauern. Wenn daraus aber ein juristischer Streit wird, sieht es anders aus.

Nur ist das mit Konsens und Harmonie bei einer Trennung nicht so einfach. Darüber kann Sybill Offergeld viel erzählen. In der Kanzlei Rose & Partner in Berlin arbeitet Offergeld als Anwältin für Familien- und Erbrecht und ist außerdem Mediatorin. Sie sagt: „Am meisten Streit gibt es um die Kinder, den Unterhalt und das Vermögen.“

Beim Geld gilt nach dem Gesetz die Regel: Es gibt einen Vergleich des Vermögens der Partner am Anfang und am Ende der Ehe. Wenn es am Ende mehr geworden ist, bekommt der andere die Hälfte der Differenz. Auch bei Aspekten wie der Altersvorsorge regelt das Gesetz die Kompensation zwischen den Partnern.

Das deutsche Recht gilt auch für binationale Ehepaare, wenn sie in Deutschland leben und sich dort scheiden lassen. Aber es gibt ein paar Ausnahmen und individuelle Regelungen. Binationale Ehepaare sollten sich deshalb so früh wie möglich zu der Scheidung juristisch beraten lassen.

Paare können bei ihrer Heirat auch eigene individuelle Regeln vereinbaren. Dafür brauchen sie einen Ehevertrag. „In manchen Situationen und für manche Menschen ist das sinnvoll“, sagt die Anwältin Offergeld. „Das Gesetz passt nicht immer für jeden.“ Mit dem Dokument als Basis kann eine Scheidung leichter werden. Aber natürlich sollte man Informationen sammeln und sich darüber beraten lassen, ob ein Ehevertrag das Richtige ist.

Bevor sich ein Ex-Paar um Kinder, Haus und Hund vor Gericht streitet, gibt es noch eine andere Option: die Mediation. „Das empfehle ich auf jeden Fall“, sagt Offergeld. „Man muss aber trotzdem realistisch sein: Wenn die Eskalation des Konflikts schon sehr groß ist, funktioniert dieser Weg auch nicht immer.“

In einer Mediation versuchen die zwei Parteien, ihre Konflikte bei der Scheidung mit der Hilfe eines Mediators zu lösen. Das ist eine neutrale Person mit einer speziellen Ausbildung. Offergeld erzählt: „Als Mediatorin frage ich viel, darf aber keine eigenen Vorschläge machen. Ich helfe den Ex-Partnern, ihre Interessen zu formulieren. Meine Aufgabe hat definitiv auch eine psychologisch-therapeutische Komponente.“

Alle diese Aspekte zeigen, wie komplex eine Scheidung ist. Und trotzdem gibt es zum Schluss eine gute Nachricht. Denn auch wenn das Ende einer Ehe wehtut, verlieren viele geschiedenen Frauen und Männer in Deutschland nicht die Hoffnung. Mehr als 50 Prozent von ihnen sagen: Sie können sich eine neue Heirat vorstellen.


Foto: Sohl/iStock.com