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Wie die BMW Group ihre Supply Chain optimiert hat


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 30/2021 vom 19.07.2021

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Für einen global aufgestellten Automobilhersteller wie BMW sind Versorgungsengpässe bei Bauteilen ein teures Ärgernis. Da das bisherige Kapazitätsmana ­ gementsystem nicht nur veraltet war, sondern auch nur sporadisch genutzt wurde, entschieden sich die Münchner bereits Mitte 2017 dafür, ein neues Tool zu diesem Zweck einzuführen. Der Name Kamäleon steht für „Kapazitäts-Management mit Lieferanten online“. BMW schaffte es mit diesem Projekt unter die Finalisten im Wettbewerb Digital Leader Award 2021, den COMPUTERWOCHE und CIO-Magazin gemeinsam ausrichten.

Den Bayern ging es einerseits darum, aufwendige Engpässe zu erkennen und teure Nachlieferungen zu vermeiden. Andererseits hatte BMW auch vor, einen neuen Standard in Sachen Supply-Chain-Transparenz zu setzen. Die Vorgabe dabei war, die Resilienz der Lieferkette und ihre ...

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... Qualität insgesamt zu steigern, um nachhaltig leistungsfähiger zu werden und in Zukunft nicht mehr auf Probleme zu reagieren, sondern diese proaktiv zu erkennen und zu lösen.

Dynamisches Change-Programm

Dieser Aufgabe widmeten sich Alexander Scholz, Leiter Digital Supply Chain, und sein Team. Die Arbeitsgrundlage bildete ein kollaborativer Ansatz, schließlich sollten alle Beteiligten auf Supply-Chain-Ebene von der übergreifenden Transparenz profitieren und gemeinsam auf Augenhöhe agieren können. Zudem war vorgesehen, alle Partner so früh wie möglich in die neuen Abläufe miteinzubeziehen, um die Anforderungen sämtlicher Nutzer abbilden zu können. Das machte vor allem gegenseitiges Vertrauen unabdingbar.

Das Team setzte auf frühzeitige und breit angelegte Informations- und Kommunikationsmaßnahmen, um offen mit Vorbehalten und Einwänden umzugehen. Diese sollten im Rahmen einer konstruktiven Herangehensweise als Diskussionsgrundlage für die Konsensfindung dienen. Bei der Etablierung von Kamäleon standen Design Thinking und Co-Creation im Fokus. Finanziert wurde das Projekt über ein Accelerator-Modell.

Viel mehr als nur ein Tool

Im ersten Schritt der Umsetzung wählte BMW 15 Partner aus unterschiedlichen Bereichen der Lieferkette aus, um einen Piloten auf die Beine zu stellen. Entscheidendes Auswahlkriterium war dabei, dass die Partner sich offen gegenüber dem neuen kollaborativen Ansatz zeigten. So konnte die richtige Dynamik für die erfolgreiche Umsetzung entstehen. Bis Ende 2017 stand das Minimum Viable Product (MVP) von Kamäleon, Ende 2018 erfolgte der internationale Rollout. Seitdem wird das System ständig weiterentwickelt und optimiert.

BMW hat sein Ziel erreicht: Das System schafft durchgängige Transparenz in der Lieferkette und wird sowohl intern als auch extern genutzt. Weltweit arbeiten zirka 6.000 User damit. Auch dank eines integrierten Frühwarnsystems konnten die Versorgungsengpässe und die mit deren Beseitigung verbundenen Arbeiten drastisch reduziert werden.

Laut BMW ist Kamäleon mehr als nur ein kollaboratives Kapazitätsmanagement-System. Die global verfügbare Lösung konnte sowohl die kollaborative Zusammenarbeit – intern wie extern – als auch den Einsatz agiler Methoden im Konzern entscheidend voranbringen. Letztlich zahlt die Lösung auf das übergreifende Ziel der BMW Group ein: individuelle Kundenwünsche flexibel zu erfüllen.

Nicht nur BMW, sondern alle global aufgestellten Konzerne, die auf eine funktionierende Logistik und Supply Chain angewiesen sind, dürften in den nächsten Jahren zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen haben. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) hat sie gemeinsam mit der Management-Beratung Ginkgo in der Studie „Supply Chain Management 2040“ herausgearbeitet. In Zeiten, in denen die Kundenanforderungen steigen und individueller werden, in denen außerdem die Auflagen in Sachen Politik und Umwelt zunehmen, sei es essenziell, den Status und Verbleib von Gütern in der Lieferkette schnell nachvollziehen zu können.

Laut Studie wird Geschwindigkeit in der Supply Chain wichtiger, weil Kunden schnelle Reaktionen und kurze Durchlaufzeiten erwarten. Das Tempo lasse sich vor allem durch gezielten IT-Einsatz erhöhen, indem Prozesse durch KI und Automatisierungslösungen beschleunigt und Daten besser genutzt würden. Auch die Planungsgenauigkeit und die Vorhersagemechanismen ließen sich verbessern. Chancen biete etwa eine IoT-gestützte, echtzeitnahe Datenübertragung anstelle der manuellen. Einen großen Mehrwert sollen auch automatische Empfehlungen bringen, wie sich Teilnehmer in der Supply Chain in bestimmten Situationen verhalten sollten.

Herausforderungen in der Logistik

Laut Studie wird auch Flexibilität zu einem entscheidenden Faktor, da immer neue innovative IT-Lösungen herauskommen und digitale Plattformen für den Datenaustausch an Bedeutung gewinnen. Fraunhofer IPA empfiehlt daher eine IT-Architektur, die sich serviceorientiert an den Geschäftsprozessen ausrichtet und für die Anbindung von Partner offen ist. Auch die Datenkultur werde zu einem wichtigen Faktor, wobei Unternehmen zunehmend auch Daten aus vor- und nachgelagerten Prozessen nutzen könnten. Die Studienautoren empfehlen ferner die Auseinandersetzung mit dem 3-D- und 4-D-Druck, um Produkte und Ersatzteile dezentral an beliebigen Orten produzieren zu können. Digitale Zwillinge könnten helfen, komplexe Supply Chains zu simulieren und proaktiv zu überwachen.

(hv)