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Wie ein kostenloser Haarschnitt Melanie (39) von der Straße holte: Mehr als eine neue Frisur. Ein neues Leben!


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 20/2018 vom 11.05.2018

Melanie Bauer aus München hatte alles verloren: Ihr Kind, ihre Wohnung, ihr Selbstvertrauen. Erst „Barber Angel“ Tina Flohr (33) gab der Obdachlosen den Glauben an sich selbst zurück. Eine Geschichte wie ein kleines Wunder


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 20/2018

Ein Foto vom Tag, der Melanies Leben veränderte: Tina (stehend) macht ihr die Haare


Der 26. März 2017 ist der Tag, an dem Melanie Bauer ins Leben zurückgeschubst wird. Die Sonne scheint an diesem Tag in München, Frühling liegt in der Luft. Melanie sitzt ganz still auf einem Stuhl im Hinterhof des Frauenobdachlosenheims „Karla51“. Völlig in sich versunken. Ihre Haare sind lang, spröde ...

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... und verfilzt, ihre Hände zittern.

Tina Flohr sieht und spürt die Verzweiflung der damals 37-Jährigen. Behutsam legt sie Melanie den Umhang um: „Was für eine Frisur wünschst du dir denn?“
Melanies Antwort kommt leise, nach ihren Wünschen hat schon so lange keiner mehr gefragt: „Ach bitte, mach einfach.“ Tina Flohr, Vereinsname „Barberlady“, lächelt und legt mit Shampoo, Kamm, Schere und Föhn los: Haare waschen, schneiden, stylen. „Sie hat mich wie eine normale Kundin behandelt“, staunt Melanie bis heute. „Mit Respekt. Ich habe mich wieder wie ein Mensch gefühlt, der etwas wert ist. Zum ersten Mal seit so langer Zeit.“
Vier Jahre zuvor war Melanie mit ihrem vierjährigen Sohn Dominik vor ihrem Mann geflüchtet: „Er war gewalttätig.“ Ein paar Monate lebt sie im Frauenhaus. Später, in ihrer Wohnung, greift sie aus Kummer und Einsamkeit zu Drogen: Kokain, LSD, Crystal Meth. Sie lässt sich mit den falschen Leuten ein, verpasst Termine beim Jobcenter, kann ihre Miete nicht mehr zahlen.

Immer weiter rutscht sie ab. Als sie die Wohnung verliert, gibt sie ihren Sohn in eine Pflegefamilie. „Das hat so unfassbar wehgetan! Aber ich wollte, dass er behütet aufwächst, ich konnte ihm in der Situation einfach keine gute Mutter sein.“ Melanie lebt auf der Straße, bis sie Anfang 2017 ein Zimmer im Obdachlosenheim „Karla51“ bekommt.

Dieses Foto, das sie mit Sohn Dominik zeigt, trägt Melanie immer bei sich. Der Kleine lebt heute in einem Kinderhaus im Allgäu


Sie lächelt wieder! „Barberlady“ Tina hat Melanie mit einem Schnitt neues Selbstvertrauen geschenkt


Wieder ein Job! Melanie arbeitet bei der Allianz-Versicherung


„Als wäre ich eine normale Kundin“


„Ich hatte wirklich alles verloren“, gibt sie zu. „Lange fehlte mir jeder Antrieb, Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. 40 Euro für einen Friseurbesuch? Das war seit Jahren nicht drin und so sah ich auch aus.“ Endstation Hoffnungslosigkeit – bis sie Tina begegnet.
Tina Flohr ist Gründungsmitglied und Vizepräsidentin von „Barber Angels Brotherhood“, einem Verein von Friseuren, die Obdachlosen kostenlos die Haare schneiden. Mit 17 Kolleginnen und Kollegen ist sie an jenem Märztag ins „Karla51“ gekommen.

Melanies Verwandlung dauert nicht mal eine Stunde. Als sie sich das erste Mal traut, in den Spiegel zu schauen, kommen ihr die Tränen: „Das bin ich?“ Ihre Haare glänzen wieder, sie hebt das Kinn, lächelt, strahlt. „Für genau dieses Lächeln sind wir unterwegs“, sagt „Barberlady“ Tina. „Es geht um mehr als nur eine neue Frisur.“

Für Melanie wird der Schnitt zum neuen Lebensabschnitt. „Es war wie ein Energieschub“, sagt sie heute. „Die neue Frisur, die steht ja für so vieles: sich selbst zu achten, sich nicht weiter zu vernachlässigen, endlich aktiv zu werden. Irgendwas hatte in mir klick gemacht. Ich fühlte mich tatsächlich wieder in der Lage, um mein Glück zu kämpfen.“

Melanie spricht endlich mit ihrer Sozialbetreuerin und ruft beim Jobcenter an. Innerhalb weniger Wochen findet sie ein Zimmer in einer WG und einen festen Job bei der Allianz-Versicherung. Dort nimmt sie heute am Telefon Schadensfälle auf. „Ich helfe anderen! Ich werde gebraucht – das ist eine so wunderschöne Erfahrung.“

Und vergangene Woche hat sich für Melanie ein weiterer, großer Traum erfüllt: BILD der FRAU ist in München dabei, als sie den Mietvertrag für eine eigene kleine Wohnung unterschreibt. 34 Quadratmeter, Küche, Bad, Wohnzimmer, ein winziger Balkon. „Im Juni kann ich einziehen!“ Ganz fest drückt die Ex-Obdachlose Tina an sich, ihren Friseur-Engel: „Dass ich wieder an mich glaube, das verdanke ich dir.“

Wer Melanie helfen möchte

→Die 39-Jährige sucht noch nach Möbeln für ihre neue Bleibe: „Vielleicht sortiert jemand im Raum München gerade welche aus?“ Einfach melden bei: melanie.m.bauer79@gmail.com

Das sind die „Barber Angels“ (= Friseur-Engel)

» Im November 2016 hat Friseurmeister Claus Niedermaier aus Biberach den Verein gegründet. 152 Friseure aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Mallorca schneiden Armen und Obdachosen einmal im Monat kostenlos und ehrenamtlich die Haare. Nicht wundern, dass die „Barber Angels“ so handfest aussehen: Sie arbeiten in Lederkluft – auch, um den Menschen in Not Berührungsängste zu nehmen. Info: Barber Angels Brotherhood e.V., Tel.. 0735175553, www.b-a-b.club


Fotos: Marion Vogel (2), Daniel „Monsieur“ Müller, privat