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WIE ENTWICKELT SICH DER MARKT FÜR …: MÜNZEN


Kunst und Auktionen - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 08.03.2019

Spektakuläre Ergebnisse sind rarer geworden, gerade im Bereich der Antike wird hochklassiges Material knapp


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Bildquelle: Kunst und Auktionen, Ausgabe 4/2019

Wie gewohnt rollte auch 2018 in den Münzauktionshäusern des In-und Auslands wieder der Rubel – allerdings sind spektakuläre Ergebnisse rarer geworden. Gerade im Bereich der Antike wird hochklassiges Material offenbar knapp. Nur Schweizer Auktionshäuser machen hier noch immer das große Geschäft – allen voran die Züricher NAC (Numismatica Ars Classica). In der Auktion 111, in der zwei bedeutende Sammlungen römischer Goldmünzen zur Versteigerung kamen, erzielten etwa 40 Objekte Zuschläge von 20 000 ...

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... Franken und mehr. Mit 160 000 Franken teuerstes Stück war ein Medaillon zu zwei Solidi des Kaisers Constantin I. Bei Leu Numismatik (Winterthur) – erst seit Mitte 2017 im Geschäft und nicht zu verwechseln mit dem nicht mehr bestehenden Auktionshaus Leu, dessen traditionsreicher Name lediglich übernommen wurde – brachte ein Aureus mit dem Porträt des Nero Claudius Drusus 40 000 Franken (Auktion 2, Nr. 232).

Da konnten die deutschen Auktionshäuser nicht mithalten, obwohl auch dort einzelne beachtliche Ergebnisse erzielt wurden. Bei Gorny & Mosch (München) beispielsweise wurde ein Aureus des Septimius Severus, der auf dem Revers eine fein ausgearbeitete Adventus-Szene zeigt, mit 55 000 Euro zugeschlagen (Abb. 5, Auktion 253, 5. / 6 März).

Auch Roma (London) konnte hervorragende 32 000 Pfund für einen Aureus des Caligula mit Agrippina vermelden. Allerdings hat man dort insgesamt schon bessere Zeiten gesehen: acht der zehn durchgeführten Auktionen waren reine E-Sales mit eher durchschnittlichem, teils zweitklassigem Material.

Insgesamt deutlich schmaler geworden ist das Angebot an Münzen der griechischen Welt. Allgemein wird beklagt, dass die Akquise von geeignetem Material im Ausland immer schwieriger wird, zweifellos eine Folgeerscheinung des 2016 in Kraft getretenen Kulturgutschutzgesetzes. Wenn es dann doch bei allen Auktionshäusern immer wieder für ein einigermaßen ausgewogenes Angebot reichte, so mag das daran gelegen haben, dass so mancher Auktionator sich entschlossen hatte, ans Tafelsilber zu gehen und auf sorgsam gehütete Hochkaräter aus seinen Beständen zurückzugreifen. Oder auch daran, dass als Geldanlage beziehungsweise Spekulationsobjekte erworbene Stücke in der Erwartung einer Wertsteigerung gezielt wieder auf den Markt gebracht wurden. Ein beträchtlicher Teil der momentan in die Auktionshäuser gelangenden Spitzenstücke dürfte aus der früheren Sammlung Shlomo Moussaieff stammen, die zwischen 1948 und 2000 zusammengetragen wurde.

Allgemeine Ebbe herrscht seit einiger Zeit bei den Großsilbermünzen der sizilianischen Städte aus der Hochklassik. Die attraktiven Tetradrachmen aus der „Periode der signierenden Künstler“ – in der Vergangenheit Glanzstücke einer jeden Auktion – sind inzwischen kaum noch zu finden. Eine der wenigen Ausnahmen war 2018 ein Tetradrachmon aus Syrakus mit dem wohl anmutigsten aller Arethusabilder, das einem mit PARME signierenden Stempelschneider zugeschrieben wird und bei Nomos (Zürich) 50 000 Franken erzielte (Abb. 2, Auktion 17, 26. Oktober, Nr. 53; s.a. H. Kreutzer,Parme … Ein Meister unter den signierenden Stempelschneidern aus Syrakus , JNG 55 / 56, 2005 / 06, S. 3 – 52). Ferner ein seltenes, ERAKLEIDA signiertes Tetradrachmon aus der Nachbarstadt Katane mit dem belorbeerten Kopf des Apollon in Frontalansicht, für das bei Numismatica Genevensis 160 000 Franken bewilligt wurden (Auktion 10, 3. November, Nr. 6). Ein anderes, durch Abrieb an Apollons Nase und Mund etwas entstelltes Exemplar brachte es bei Nomos immerhin auf 75 000 Franken (Auktion 16, 10. Mai, Nr. 34). Den spektakulärsten Zuschlag bei den Griechen aber gab es – nicht unerwartet – bei NAC: Ein Tetradrachmon von Naxos mit einem breitbeinig dasitzenden Silen auf dem Revers erzielte im Mai stolze 240 000 Franken (Auktion 106) – ein Zuschlag, den das Haus mit einem Ergebnis von 725 000 Franken für ein geringfügig besser erhaltenes Stück gleichen Typs dann sogar noch toppen konnte (Abb. 3, Auktion 110, 24. September). Kurz darauf wurde in London bei Roma dann ein fast ebenso schönes Stück mit 154 000 Pfund zugeschlagen (Auktion XVI). Ein Tetradrachmon mit ganz ähnlichem Münzbild, zeitlich etwas später anzusetzen, stieg vor wenigen Tagen (4. März, s. KUA 3, S. 9) bei Gorny & Mosch von 15 000 auf 70 000 Euro.


Das Angebot an Münzen der griechischen Welt ist schmaler geworden


Immer noch mit einiger Regelmäßigkeit waren syrakusanische Dekadrachmen in den Auktionen vertreten, fast ausschließlich Exemplare des Euainetos-Typs, der die Nymphe Arethusa mit offenem, schilfgeschmücktem Haar zeigt. Die Zuschläge fielen zwischen 20 000 und 70 000 Euro. Auch weniger gut erhaltene Exemplare fanden ihre Käufer – natürlich entsprechend preisgünstiger. Ein durch Korrosion etwas angegriffenes Dekadrachmon brachte bei Hess Divo (Zürich) sogar 80 000 Franken, wobei möglicherweise die entscheidende Rolle spielte, dass die Signatur EYAINE unter dem Halsabschnitt vollständig und deutlich zu lesen ist. Seltener zu finden – und daher allgemein teurer – sind Dekadrachmen mit der Signatur KIMΩN, auf denen Arethusa das Haar in einem Haarnetz trägt. Ein besonders schönes Exemplar wurde im Mai bei Hess Divo für 160 000 Franken zugeschlagen (Abb. 1, Auktion 334, 29. Mai), wobei sich der Käufer offenbar nicht an der über das Gesicht verlaufenden Spur eines feinen Stempelrisses störte. Ein stempelgleiches Stück hatte im Januar bei CNG (Classical Numismatic Group) in den USA 150 000 Dol lar gebracht (Auktion Triton XXII).

Bei den neuzeitlichen Münzen hat Künker in Osnabrück seine internationale Dominanz weiter ausgebaut. In 21 Einzelauktionen (fünf Internetauktionen eingeschlossen) beliefen sich die Zuschläge 2018 auf insgesamt mehr als 40 Millionen Euro. Wie schon in den Jahren zuvor konnten wieder viele hochkarätige Spezialsammlungen zur Versteigerung gebracht werden, darunter „Ausgewählte Brakteaten aus der Sammlung Professor Helmut Hahn“ mit 65 exzellenten Exemplaren dieser auch als „Hohlpfennige“ bezeichneten Münzen (Auktion 301). Offeriert wurden hier beispielsweise drei besonders schöne Prägungen der Grafen von Falkenstein aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, die als „redendes Wappen“ einen Falken zeigen – ein Exemplar davon brachte erstaunliche 26 000 Euro. Übertroffen wurde der Zuschlag nur von den 36 000 Euro, die ein überaus seltener und historisch bedeutender Hohlpfennig mit ausgezeichneter Provenienz erzielte, der unter König Konrad III. (1138 – 1152) in Hildesheim geprägt worden war. Aus einer Spezialsammlung mit bayrischen Goldprägungen stammte ein im Oktober versteigertes Goldstück zu 20 Dukaten, das Herzog Maximilian I. (1598 – 1651) anlässlich seiner Huldigung 1598 prägen ließ (Abb. 4, Auktion 315, 11. / 12. Oktober). Der Revers zeigt den Bayernherzog Heinrich II. (995 – 1024), der 1014 zum deutschen Kaiser gekrönt und – nachdem er schon zu Lebzeiten den Beinamen „der Fromme“ getragen hatte – 122 Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen wurde (s. KUA 15 /2018, S. 6). Das seltene Stück wurde mit 140 000 Euro zugeschlagen. Ein halb so schweres, ähnlich seltenes Exemplar dieses Typs war schon für 10 000 Euro zu haben, wobei ein gestopftes Loch den Preis erheblich gedrückt haben dürfte. Dass sich ein auf die Antike spezialisiertes Auktionshaus wie Gor ny & Mosch aber auch im Bereich Neuzeit nicht zu verstecken braucht, zeigen die 75 000 Euro, die in der Herbstauktion ein prachtvolles Goldstück zu 10 Dukaten aus dem Fürstentum Siebenbürgen erzielte.

Eine immer größere Bedeutung für den Münzhandel gewinnen Internetportale wie Immer mehr Versteigerer stellen dort virtuell ihre Kataloge ein (aktuell sind es mehr als 170, im Vorjahr waren es noch rund 130) und eröffnen dem Kunden die einfache Möglichkeit zum virtuellen Direktbieten – ohne Registrierung beim jeweiligen Auktionshaus. Zunehmend finden sich dort auch Anbieter aus dem Bereich des früheren „Ostblocks“ und Ostasien. Erstaunlich ist, dass trotz der Möglichkeiten des Internets auch kleinere Auktionshäuser immer noch gedruckte Kataloge versenden. Anscheinend macht sich diese kostenaufwendige Form der traditionellen Kundenpflege doch immer noch bezahlt. Allenfalls für Münzliebhaber mit bescheidenen Ansprüchen und Spezialsammler interessant ist der Internetmarktplatz eBay, wo in aller Regel mindere Qualität zu finden ist, ganz zu schweigen von den vielen, oft plumpen Fälschungen.

Das 2016 in Kraft getretene Kulturgutschutzgesetz hat offenbar seinen Schrecken verloren. In derMünzenwoche vom 6. Dezember ist erstaunlicherweise von einem „großen Erfolg für den deutschen Münzenhandel und Sammler im Hinblick auf das KGSG“ zu lesen – nur weil die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) einen von den Münzhandelsverbänden ausgearbeitetenLeitfaden für den Münzhandel zum Umgang mit dem Kulturgutschutzgesetz in ihren Internetauftritt eingestellt hat. Eigentlich sollte gerade dies misstrauisch machen, hat man doch im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens leidvoll erfahren müssen, dass die Behörde dem Münz-handel alles andere als freundlich gesinnt ist. Für sie kann es jetzt nur höchst willkommen sein, dass in demLeitfaden wichtige Rechtspositionen kampflos aufgegeben worden sind. So wurde beispielsweise die Möglichkeit vergeben, klar herauszustellen, dass Münzen eben nicht grundsätzlich Kulturgut im Sinne des Gesetzes sind, sondern nur im Ausnahmefall! Nicht verständlich ist auch, wieso die Rechtsauffassung der BKM – nach der Münzen nicht als archäologisches Kulturgut gelten, wenn es sie in großer Stückzahl gibt und sie für die Archäologie keinen relevanten Erkenntnisgewinn aufweisen – als „großer Erfolg“ gefeiert wird. Denn genau so steht es schon im Gesetz (§ 24 Abs. 2 Satz 2 KGSG). Von einem Entgegenkommen der BKM kann also keine Rede sein, und die Einschätzung, die BKM folge den in demLeitfaden vertretenen Thesen, ist eine glatte Umkehr der Tatsachen, bestätigt doch derLeitfaden in allen wesentlichen Punkten die Rechtspositionen der BKM bei der Gesetzesauslegung.


Eine immer größere Bedeutung für den Münzhandel gewinnen Internetportale


Abgesehen davon wird sich derLeitfaden für die Praxis wohl als wenig hilfreich erweisen, weil kein Versuch unternommen wurde, das Ganze für den juristischen Laien gedanklich und sprachlich verständlicher zu gestalten. Wenn man sich also über die Gesetzeslage informieren will, greift man besser gleich nach der von der BKM herausgegebenen, inhaltlich übereinstimmendenHandreichung . Bei Unklarheiten kann man dann versuchen, Aufklärung in dem kürzlich erschienenen Kommentar zum KGSG zu finden.

An dieser Stelle finden Sie in jeder Ausgabe einen marktbezogenen, jährlich wiederkehrenden Rückblick auf die vergangenen 365 Tage in einem Sammelgebiet. In der kommenden Nummer schreibt Michael Lassmann über „Das 19. Jahrhundert“.

1 Syrakus, Dekadrachmon, 410 – 400 v. Chr., 42,78 g,
Hess Divo, Zürich, 29. Mai 2018
(Zuschlag 160 000 CHF)

2 Syrakus, Dionysios I. (405 – 367 v. Chr.), Tetradrachmon, um 395 v. Chr., 17,41 g,
Nomos, Zürich, 26. Oktober 2018
(Zuschlag 50 000 CHF)

3 Naxos, Tetradrachmon, um 460 v. Chr., 17,25 g, NAC, Zürich, 24. September 2018
(Zuschlag 725 000 CHF)

4 Herzog Maximilian I. (1598 – 1651), 8 Dukaten, 1598, München, auf seine Huldigung,
27,57 g, Künker, Osnabrück,

11. / 12. Oktober 2018 (Zuschlag 140 000 €)

5 Septimius Severus (193 – 211), Aureus, 196 n. Chr., 7,37 g,
Gorny & Mosch, München,
5./ 6. März 2018 (Zuschlag 55 000 €)


Abb.: NAC, Zürich; Künker, Osnabrück; Gorny & Mosch, München