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WIE FRAN KIRBY IHRE HERZKRANKHEIT BESIEGTE


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FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 11.11.2021

Kardiologie

Fran Kirbys Routine nach dem Spiel bleibt weitestgehend gleich. Egal, ob sie den Torrekord bei Chelsea bricht, vier Treffer gegen Reading erzielt oder eine weitere Auszeichnung als Spielerin des Spiels erhält, ist es immer derselbe Ablauf: Sofa, Essen, Netflix. Sie liebt vor allem Dokumentarfilme über wahre Verbrechen – und tatsächlich wurde die englische Nationalspielerin im letzten Jahr eine Woche lang selbst zur Detektivin, als sie nach einer Aufzeichnung des Notrufs suchte, den ihre Freundin nach ihrer schweren Krankheit im November 2019 getätigt hatte.

Kirby war zusammengebrochen. Sie aß zu Hause mit ihren engsten Freunden und Teamkolleginnen, Beth England und Maren Mjelde, zu Abend und fühlte sich plötzlich nicht wohl. „Die Farbe ist gerade aus ihrem Gesicht gewichen“, sagt England. Als Kirby später dem Notruf lauschte, hörte sie, wie England den Einsatzkräften erzählte, wie „sich ...

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... Frans Augen in ihren Kopf zurückdrehten“. Die Schmerzen in ihrer Brust ließen ihren Blutdruck so stark ansteigen, dass sie 10 Sekunden lang ohnmächtig wurde, dann weitere 15 Sekunden.

Eine Herzbeutelentzündung war die Ursache

Ein Elektrokardiogramm brachte schließlich die Diagnose ans Licht: Perikarditis, ein Zustand, der durch einen Virus ausgelöst wird, das den Beutel um das Herz herum entzündet. Nachdem sie 14 Tage nur geschlafen hatte, war sie schließlich wieder beim Training. „Aber ich war nur krank“, sagt sie heute. „Mein Körper war überhaupt nicht bereit.“ Sie ging immer in Hayes‘ Büro, um zu weinen. Hayes und Kirby waren sich einig, dass der Rest des Teams nichts von ihrer Krankheit wissen sollte, da Kirby als eine der älteren Spielerinnen nicht die Aufmerksamkeit ihrer Teamkolleginnen ablenken wollte. Also sagte Hayes dem Team, dass Kirby wegen eines Virus ausfallen würde. „Wir haben das Herz nicht erwähnt, denn sobald sie Herz sagen, läuten die Alarmglocken und die Leute werden verrückt“, sagt Kirby.

Inzwischen hatte der FC Chelsea Australiens Star-Stürmerin Sam Kerr verpflichtet. Kirby erinnert sich, die Kommentare in den sozialen Medien gelesen zu haben, in denen die Leute sagten, dass Kerr verpflichtet wurde, um sie zu ersetzen. „Das hat einen großen Anteil daran, wie schlecht es mir ging, zu sehen, wie Leute Dinge über dich schreiben wie ‚ah, sie ist nicht engagiert, weil sie nicht im Training ist‘ oder ‚Chelsea verpflichtet diese Spielerin, um Kirby zu ersetzen.‘“

Die wundersame Heilung

Und dann, eines Morgens, Mitte Juni, wachte Kirby auf und die Symptome hatten nachgelassen. Sie fühlte sich besser. Sie testete sich beim Joggen. Dann ein bisschen Outdoor-Training, dann zurück mit dem Ball, dann die Intensität erhöhen. „Sie war wie ein Feuerwerkskörper“, sagt Hayes. „Obwohl wir versucht hatten, den richtigen Kurs zu finden fragten alle, ob Fran wieder auf das Niveau zurückkommen würde, auf dem sie vorher war, und ich sagte: ‚Nein, sie ist noch besser.‘“

Während Kirby heute über diese beängstigende Zeit nachdenkt, lächelt sie ein wenig und überlegt, wo sie jetzt ist... und wo sie war. Am 3. März 2021 erzielte sie im Champions-League- Viertelfinale Chelseas zweites Tor gegen Atlético Madrid. Ein Jahr zuvor dachte sie zur selben Zeit noch an das Karriereende.

Zu jenem Zeitpunkt war Kirby kaum wiederzuerkennen. Sie schlief 18 Stunden am Tag – Fußball war Welten entfernt. Sie hielt ihre Diagnose zunächst geheim und zog sich zurück. Währenddessen mehrten sich in den sozialen Medien die Spekulationen über ihre Abwesenheit. Im Dezember 2019 löschte sie ihre Accounts bei Twitter und Instagram. „Ich musste nur von der Negativität und meinem Handy weg“, erklärt sie heute. Kirby begann an sich zu zweifeln, las in den Medien, dass sie fertig war und Chelsea sie durch hochklassige Neuzugänge ersetzte. „Ich saß da und dachte: ‚Haben alle Recht? Übertreibe ich das? Bin ich so krank, wie ich denke? Ist Chelsea mit mir fertig?‘“

Doch hier steht sie heute, völlig erholt und immer noch eine der talentiertesten Stürmerinnen des Weltfußballs. „Im Laufe meiner 25-jährigen Karriere habe ich noch nie eine Spielerin gesehen, die ihr Leben so verändert hat wie sie. Von einem Leben voller Schwierigkeiten, Störungen und Verzweiflung hin zu Freude, Dankbarkeit und Tatendrang“, erzählt Chelsea-Trainerin Hayes ESPN. „Also müssen wir sie feiern, aber wir müssen auch auf sie aufpassen. Sie ist ein besonderes, besonderes Talent.“

In einem Leben voller Trauer – Kirby verlor ihre Mutter, als sie 14 Jahre alt war – Verletzungen und Krankheit, hat die Fußballerin gelernt, sich in der Gegenwart zu verankern. Ihre tragische Lebensgeschichte macht sie heute zu einer bodenständigen Spielerin, die nicht in die Versuchung kommt, in den Hype um ihre siegreichen Auftritte für England und Chelsea zu verfallen. Dennoch kann sie noch immer kaum fassen, dass sie sich vollständig von ihrer Herzkrankheit erholen und zum Profifußball für Verein und Land zurückkehren konnte.

Herzprobleme im Fußball: Wieso passiert das so häufig?

Zusammenbruch von Dänemarks Christian Eriksen (Foto) bei der EM 2021, plötzlicher Herztod bei Kameruns Marc-Vivien Foé im Juni 2003, Herzrhythmusstörungen bei Ex-Nationalspieler Sami Khedira: Immer wieder haben junge, als gesund geltende Leistungssportler mit Herzproblemen zu kämpfen. Doch warum ist das so? Dass körperliche Aktivität die kardiovaskuläre Gesundheit verbessert und vor Krankheiten schützen kann, gilt als hinreichend belegt. Doch gleichzeitig ist offenbar auch Vorsicht geboten: Sport kann auch das Herz aus dem Takt bringen und, so stellten Wissenschaftler der Canterbury Christ Church University fest, zu Herzrhythmusstörungen führen. An ihren Forschungsergebnissen ist besonders interessant, dass Ballsportler offenbar gefährdeter sind als Ausdauersportler. Die Vermutung der Wissenschaftler: Weil sich im Fußballsport dynamische und statische Phasen abwechseln, wird das Herz zusätzlich belastet.