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WIE GEFÄHRLICH SIND E-AUTOS?


electricar - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 20.08.2021

Artikelbild für den Artikel "WIE GEFÄHRLICH SIND E-AUTOS?" aus der Ausgabe 3/2021 von electricar. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: electricar, Ausgabe 3/2021

Egal ob Elektroauto oder klassischer Verbrenner: Sämtliche Fahrzeuge, die eine Straßenzulassung erhalten sollen, müssen ein gewisses Maß an aktiver und passiver Sicherheit sowohl für die Passagiere als auch für die Unfallgegner bieten. Deshalb sind Elektroautos und Hybridfahrzeuge mit sämtlichen gängigen Sicherheitstechniken wie beispielsweise Notbremsassistenten, Spurhaltesystemen, Airbags usw. ausgestattet. Sie stehen somit in diesem Punkt einem Benziner oder Diesel definitiv in nichts nach.

Einen wesentlichen Unterschied zwischen elektrisch betriebenen Fahrzeugen und Verbrennern stellen die Batterie und die dazugehörigen elektrischen Komponenten dar. Letztere müssen eigensicher konzipiert sein. Das bedeutet, dass der Stromfluss im Falle eines Defekts sofort unterbrochen wird. Die Gefahr eines Stromschlags wird dadurch innerhalb von Sekundenbruchteilen gebannt, da keine Spannung mehr anliegt. ...

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Aufgrund der sofortigen Unterbrechung des Stromflusses ist das Leisten von Erster Hilfe auch bei einem Elektroauto im Falle eines Unfalls ohne eine erhöhte Eigengefährdung oder der Gefahr eines Stromschlags möglich. Darüber hinaus sind die Batterien so im Fahrzeugunterboden verbaut, dass sie gut vor schädlichen Einflüssen in Folge eines Zusammenstoßes geschützt sind.

Äußert geringes Brandrisiko

Mehrere Untersuchungen von Unfallforschern belegen zudem, dass das Risiko eines Fahrzeugbrands bei elektrisch angetriebenen PKWs grundsätzlich nicht höher als bei Verbrennern ist. Dies liegt vor allem an den bereits erwähnten Schutzmechanismen. Eine kritische Situation kann den Untersuchungsergebnissen zufolge nur dann entstehen, wenn infolge eines massiven Unfalls diese Mechanismen beeinträchtigt werden und zugleich die Batterie in Folge eines Unfalls verformt wird. Unter Umständen kann eine solche Verformung zu einer Hitzeentwicklung führen, die eine oder mehrere Batteriezellen entzündet. Eine mögliche Folge ist der sogenannte „Thermal Runaway“, bei dem eine Zelle die nächste entzündet. Der daraus entstehende Brand kann dabei nicht einfach gelöscht, sondern die Batterie muss von außen gekühlt werden. Dafür ist sehr viel Wasser nötig, um die chemischen Prozesse durch Kühlung in den Batteriezellen zu stoppen und schließlich das Feuer erfolgreich zu bekämpfen.

Zum Vergleich: Bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor werden in etwa 2.000 Liter Wasser benötigt, um einen Brand zu löschen. Bei einem Elektroauto hingegen sind bis zu 11.000 Liter Wasser notwendig.

Obwohl brennende Elektroautos mehr Löschzeit in Anspruch nehmen, beschränkt sich der Brand oftmals nur auf das Fahrzeug selbst. Ganz im Gegensatz zu Verbrennern, bei denen eine höhere Brandlast durch den eventuell auslaufenden Treibstoff besteht und sich die Flammen großflächig ausbreiten können. Somit sind beide Fahrzeugtypen in etwa vergleichbar, was die Gefahren bei Unfallsituationen betrifft. Hinzu kommt, dass im Fall eines Brands die gleichen Löschmethoden bei beiden Fahrzeugtypen angewandt werden können. Allerdings stellen verunfallte Elektroautos für die Einsatzkräfte im Moment noch eine Herausforderung dar, da es bislang nur wenige Erfahrungen mit Unfällen und Bränden von Elektrofahrzeugen gibt.

Crashtests mit tollen Ergebnissen

Die von Euro NCAP durchgeführten Crashtests zeigen, wie sicher entsprechend konstruierte Elektrofahrzeuge sein können. So erzielten beispielsweise der Jaguar I-Pace, der VW ID.3 sowie das Model 3 von Tesla die Maximalwertung von fünf Sternen.

Während der umfangreichen Tests konnten bei diesen und zahlreichen anderen Modellen keine Schäden an dem Akkugehäuse und den Batteriezellen verzeichnet werden, die einen Brand des Energiespeichers hätten verursachen können. Im Vergleich mit herkömmlich angetriebenen Pkws stellte sich zudem heraus, dass die Sicherheit von Elektroautos wegen der optimierten Crashstruktur im Fahrzeug sehr oft sogar besser ist.

Außerdem haben Elektroautos aufgrund der im Unterboden verbauten Akkus einen sehr tiefen Schwerpunkt und dadurch in weiterer Folge eine bessere Straßenlage. Dies macht sich vor allem bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar und das Elektroauto verhält sich in Kurven sehr stabil.

Keine Gefahr bei Pannen

Bei einer Panne besteht in der Regel keine Gefahr durch die Stromspannung, da die Elektroautos systembedingt und durch Maßnahmen der Hersteller abgesichert sind. Die Fahrzeugbesitzer sollten jedoch Hochvoltkomponenten und alle orangefarbenen Stromleitungen auf keinen Fall berühren. Aus Sicherheitsgründen gilt des- halb, dass Arbeiten an Elektroautos nur von Personen ausgeführt werden sollten, die speziell für diese ausgebildet wurden wie beispielsweise Mechaniker oder Pannendiensthelfer.

Unbegründete Sorgen während der Ladung

Aber auch rund um das Thema Aufladen kursieren zahlreiche Mythen, die für Vorbehalte gegenüber Elektroautos sorgen. Generell gilt: Solange das Laden sachgemäß erfolgt, besteht keinerlei Brandgefahr. Wichtig ist hierbei vor allem, dass die Ladestation fachmännisch installiert wurde und regelmäßig gewartet wird. Anderenfalls kann es unter Umständen zu einem erhöhten Widerstand innerhalb des Stromkreises kommen, der eine erhöhte Brandgefahr darstellen kann.

Der Ladevorgang selbst lässt sich aufgrund eines Verriegelungsmechanismus nicht durch Unbefugte unterbrechen. Das Kabel kann während des Aufladens weder vom Fahrzeug noch von der Ladesäule ungewünscht entfernt werden. Zudem ist in der Regel ein Schutzmechanismus verbaut, der eine Überladung der Batterie verhindert.

Potenzielle Gefahren für den Fahrer oder die Fahrerin des Elektroautos sind beim Laden ebenso ausgeschlossen. Moderne Ladestationen verfügen über mehrere Schutzmechanismen. So können aufgrund dessen beispielsweise Nässe oder Schnee keinen Stromschlag hervorrufen, da der Strom erst dann fließt, wenn das Fahrzeug mit der Ladesäule verbunden ist.

Warnsystem für Fußgänger

Ein zusätzliches Warnsystem, dessen Einführung sogar durch eine Verordnung der Europäischen Union geregelt ist, soll das Sicherheitsrisiko für Fußgänger deutlich reduzieren. Eine Studie aus den USA hat erwiesen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Fußgängerunfalls bei Elektrofahrzeugen in etwa doppelt so hoch ist wie bei Autos mit Verbrennungsmotor. Der Grund: Elektroautos werden aufgrund ihres leisen Antriebs schlichtweg nicht gehört.

Die bereits im Jahr 2014 erlassene Verordnung sieht vor, dass Elektro- und Hybridfahrzeuge mit einem akustischen Warnsystem ausgestattet sein müssen. Ab Juli 2019 musste das so genannte „Acoustic Vehicle Alerting System“ - kurz AVAS - ein fester Bestandteil aller neu entwickelten Fahrzeugmodelle sein. Seit Juli 2021 ist dieses Warnsystem bei jedem neu produzierten Hybrid- und Elektrofahrzeug zwingend erforderlich.

Aber auch die Geräuscherzeugung ist geregelt: So muss das System zwischen dem Anfahren und einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Stundenkilometern und auch beim Rückwärtsfahren ein gut hörbares und permanentes Geräusch von sich geben. Ab höheren Geschwindigkeiten sollen die Abrollgeräusche der Reifen für die akustische Wahrnehmung der Elektrofahrzeuge sorgen.

In den USA wiederum gilt diese Signalpflicht bis zu einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde. Hier gibt es demnach keine einheitliche Regelung, so dass es letztlich auch dazu kommen kann, dass ein und dasselbe Automodell in unterschiedlichen Ländern einen anderen Warnton von sich gibt.

Fazit

Im direkten Vergleich mit Verbrennern gelten Elektroautos als mindestens genauso sicher. Dies beweisen die durchwegs guten Ergebnisse bei den Euro NCAP Crashtests. Zusätzlich sorgen Technologien wie das akustische Warnsystem AVAS dafür, dass Unfällen vorgebeugt werden kann. Durch die so genannte Eigensicherung der Hochvoltkomponenten und der speziellen Fahrzeugkonstruktion, die die Batterien im Unterboden besonders schützt, sind Fahrzeugbrände oder Stromschläge so gut wie ausgeschlossen.