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Wie geht es unserem WALD?


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 29/2022 vom 15.07.2022

REPORT

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 29/2022

ZAUBER Wo die Natur walten darf, wie sie will: der Buchen-Urwald von Wershofen in der Eifel, den Peter Wohlleben (Foto) als Förster betreut

Wenn er sich Sorgen um den Wald macht, geht Peter Wohlleben in die Knie. Wortwörtlich. Beim Streifzug durch „seinen“ Forst schiebt der 58-Jährige dann das Laub zur Seite und greift in die Erde. Was er dabei in diesem Sommer wahrnimmt, verblüfft selbst ihn. „Obwohl unser Frühjahr viel zu trocken war, ist der Boden nass und kühl“, sagt Deutschlands bekanntester Förster und Bestsellerautor („Der lange Atem der Bäume“, 2021, Ludwig, 256 Seiten, 22 Euro). „Das signalisiert, dass der Wald sehr lange mit dem Niederschlag auskommt, den er in einem feuchten Winter gespeichert hat, und dass er für eine nächste Hitzeperiode gewappnet ist.“ Wenn Wohlleben von einem Wald spricht, meint er einen intakten Laubwald wie den in Wershofen in der Eifel, für den er zuständig ist. Alles gut also?

Ortswechsel. Der Blick vom Brocken, dem höchsten Berg im Harz, ...

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... führt über dunkelbraune Hänge. Weit und breit ist kaum noch etwas Grünes zu sehen. Allenfalls abgestorbene Bäume. Ein Schreckensszenario nach jahrelanger Dürre und massivem Borkenkäferbefall. Hier zeigt sich deutlich, welche verheerenden Folgen es haben kann, wenn Laubwälder zugunsten des finanziellen Ertrags in Monokulturen umgewandelt werden.

GEFAHR FÜR DEN FORST

Feuer, Trockenheit, Wind und Schädlinge ruinieren den Wald immer mehr, belegt eine siebenjährige Analyse des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung. Patient Wald: Drei Viertel aller Bäume in Deutschland leiden laut aktueller Waldzustandserhebung unter Nadel- oder Blattverlust in der Baumkrone. Vor Kurzem hat die Naturwald Akademie in Berlin die erste frei zugängliche Baumartenkarte Deutschlands präsentiert. Sie dokumentiert anhand von Aufnahmen aus dem All, wie die häufigsten Baumarten verteilt sind: So dominieren etwa Fichten die Gebirgs- und Mittelgebirgsregionen, Kiefern den Nordosten und Laubbäume Gebiete im mittleren und westlichen Teil des Landes.

„Die Karte macht deutlich, dass nicht, wie bisher von der Forstwirtschaft verkündet, nur drei, sondern bereits fünf Prozent des Waldes hierzulande abgestorben sind“, sagt Wohlleben. Dass der Kimawandel daran schuld sei, höre er häufig. „Doch diese Behauptung stimmt so nicht. Der Klimawandel löst nur aus. Die Ursache liegt woanders. Der Wald ist massiv vorgeschädigt, indem zum Beispiel schwerste Maschinen den Boden zusammengedrückt und die Wasserspeicher dadurch stark reduziert haben.“ Folge: Unsere Nadelwälder enthalten im Schnitt nur noch ein Drittel der Biomasse eines natürlichen Waldes. Und je weniger Biomasse, desto weniger Wasser können Bäume speichern.

»DIE WIDERSTANDS-FÄHIGKEIT des Waldes ist sehr viel höher, als wir glauben.“

Peter Wohlleben, Förster

Wald ist nicht gleich Wald. „Fichten- und Kiefernplantagen sind so viel Wald wie eine Mahagoniplantage Regenwald ist“, sagt Wohlleben. Man könne einen Wald nicht pflanzen. Er sei ein Organismus, in dem Zehntausende Arten zusammenwirken. Der Förster ist überzeugt: „Es gibt nirgendwo auf der Welt einen einzigen künstlichen Wald, der so gut ist wie das Original.“

Unstrittig ist: Ökologisch intakte Baumverbände sorgen für saubere Luft, Trinkwasser und Artenvielfalt. Und ja, Wälder ohne menschliche Eingriffe sind die größ- ten Kohlenstoffspeicher. „Ein gesunder Wald, das wusste schon Alexander von Humboldt, kann für sein Klima selbst sorgen“, sagt der Experte. „Er kühlt die Landschaft um bis zu zehn Grad herunter, lässt es sogar regnen. Denn über ihm bilden sich Tiefdruckgebiete mit Regenwolken.“

WALD DER ZUKUNFT

Wohlleben plädiert für mehr Waldf läche in Deutschland: „Bislang sind es 32 Prozent, unter drei Prozent naturnah. Gut wären 50 Prozent. Und mehr natürlicher Wald.“ Statt Bäume zu pflanzen, sei es billiger und ökologisch sinnvoller, die Natur den Wald der Zukunft selbst gestalten zu lassen. Was passiert, wenn man der Natur freien Lauf lässt, zeigt das Forschungsprojekt „Pyrophob“ unweit vom brandenburgischen Treuenbrietzen. Dort gab es im Sommer 2018 einen der größten Waldbrände hierzulande. 400 Hektar Kiefernwald wurden zerstört. Wo die Stämme abgeholzt, mit schweren Maschinen die Wurzeln aus dem Boden gezerrt wurden, blieb eine Mondlandschaft zurück. Trocken wie Staub. „Wo man dagegen verkohlte Baumleichen stehen ließ, wächst ein junger Laubwald mit Pappeln, Birken, Weiden in einer irren Geschwindigkeit – mit inzwischen bis zu zwei Meter hohen Bäumen“, weiß Wohlleben.

Im Juni brannte es dort wieder. Leider waren auch Flächen des Projekts von dem Feuer betroffen. Doch die Experten sind zuversichtlich und wollen auf diesem Gebiet weiterhin erforschen, was Wälder im Klimawandel stärkt.

ANJA MATTHIES

DÜRRE IM WALD Unter anhaltender Trockenheit leidet vor allem die Fichte, die dann von Borkenkäfern befallen wird. Doch wenn sie in einem bewirtschafteten Wald steht, kann auch die Buche mal empfindlich reagieren

In 10 JAHREN wird es nur noch die Hälfte unserer Wälder geben

»Man sollte der Natur die Chance geben, AUF IHRE WEISE ZURÜCK ZUKOMMEN.“

Peter Wohlleben, Förster