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Wie interagieren Pferde und Wölfe?


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 24.05.2018
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Dieser Frage wollen Wissenschaftler der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HFWU) Nürtingen auf den Grund gehen. Und zwar, indem sie gemeinsam mit dem „Arbeitskreis Pferd und Wolf“ eine Studie durchführen, in der das Reaktionsverhalten von Pferden dokumentiert wird, wenn Wölfe in der Nähe sind. Was genau dahintersteckt, berichtet Hannelore Martin im Gespräch mit Reiter Revue International.

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Hannelore Martin
Hannelore Martin züchtet selbst Trakehner und ist Sprecherin des Arbeitskreises „Pferd und Wolf“, einem Zusammenschluss von Pferde- und Naturschutzverbänden ...

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Hannelore Martin
Hannelore Martin züchtet selbst Trakehner und ist Sprecherin des Arbeitskreises „Pferd und Wolf“, einem Zusammenschluss von Pferde- und Naturschutzverbänden sowie Naturwissenschaftlern.

Was genau geschieht bei der Studie, die in einem großen Pferdebetrieb in der Nähe von Celle ab Mitte August durchgeführt werden soll?

Die Pferde werden mit GPS-Sendern ausgestattet, die laufend den Standort der Tiere mit Uhrzeit aufzeichnen. Damit lässt sich das Verhalten der Tiere sowohl während des Tages als auch nachts feststellen. Anhand einer statistischen Auswertung lässt sich schnell herausarbeiten, wie sich Pferde im Normalfall verhalten. Abweichungen werden dann abgeglichen mit Aufzeichnungen von Kamerafallen, die an der Weide aufgehängt werden. Diese fotografieren automatisch Wildtiere beim Betreten der Weide und speichern dazu die Uhrzeit. Anhand dessen können wir die Ursachen für Aufreger filtern, denn auch Insektendruck kann zum Beispiel ein Auslöser sein.

Die Weide liegt in einem Wolfsterritorium, das seit sechs Jahren existiert. Aufgrund der Lebensweise der Wölfe – dem ständigen Durchstreifen ihres Revieres bei der Jagd – ist davon auszugehen, dass sie diese Pferdeweiden schon mehrfach besucht haben, beziehungsweise an ihnen vorbeigelaufen sind.

Was ist denn der Hintergrund der

Studie?

Nach 150 Jahren leben erstmals wieder Wölfe in Deutschland. Pferde könnten Nahrung des Wolfes sein, sind es aber nicht: Abgesehen von einem Einzelfall in Sachsen-Anhalt ist es in 18 Jahren und bei inzwischen 60 Rudeln zu keinem weiteren Übergriff gekommen. Was also passiert, wenn nachts ein Wolf eine Pferdeweide betritt?

Wie genau eine Begegnung zwischen Wolf und Pferd verläuft, dazu gibt es bisher keine belastbaren wissenschaftlichen Untersuchungen aus Deutschland. Konkrete Einschätzungen wären auch hilfreich, um bei der Frage weiterzukommen, ob und wie Pferdeweiden gegen Wölfe eingezäunt werden müssen. Mit unserem Projekt erhoffen wir uns darauf Antworten.

Wie oft kommen Begegnungen denn nach aktuellem Wissensstand im Durchschnitt vor?

Die unmittelbare Begegnung auf wenige Meter ist generell sehr selten. Für Wölfe stellen Pferde aufgrund ihrer Größe sehr wehrhafte Tiere dar. Wölfe sind Sicherheitsfanatiker. Ihre Gesundheit ist ihr Kapital. Da sie sich über den Geruchssinn orientieren, können sie Pferde weitläufig umgehen. Am häufigsten laufen sie an den Weiden vorbei, denn heimische Wolfsrudel nutzen in bestimmten Jahreszeiten häufig die gleichen Laufwege, um von A nach B zu kommen.

Wir haben mehrere Untersuchungsgebiete – eines noch in der Lausitz. Dort sind die Weiden riesig, sodass die Wölfe auch die Weiden durchqueren. Aber nur an bestimmten Stellen. Es ist eindeutig nicht so, dass sie die Weiden gezielt aufsuchen.

Haben Pferde denn von Natur aus eine große Scheu und Panik vor Wölfen?

Es gibt die Vermutung, dass Pferde durch Wolfsgeruch aufgescheucht werden und dann panisch reagieren oder flüchten. Dazu gibt es Untersuchungen aus Dänemark. Professorin Janne Winther Christensen von der Universität in Aarhus hat die Wirkung von Wolfsurin, Haaren, Blut und einer Mischung aus allem auf Pferde getestet. Die Reaktionen waren sehr gering. Auch eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover hat gezeigt, dass Pferde vor allem auf ihren Sehsinn vertrauen, dann auf den Hörsinn und dann erst auf ihren Geruch. Ich glaube aber schon, dass Pferde Wildtiere und Hunde unterscheiden können. Wie sehr es sie stört, wenn Wölfe oder anderes Wild über ihre Weide laufen, versuchen wir mit unserer Untersuchung zu beantworten.

Mit welcher Erkenntnis rechnen Sie durch die Studie nach zwei Jahren?

Vermutungen gibt es viele. Da muss man die Ergebnisse abwarten. Die Erwartung geht im Moment in die Richtung, dass sich Pferde der neuen Situation anpassen werden. Solange in einem Gebiet genug Wild ist, werden Wölfe Beute jagen, die leichter zu erlegen ist. Auch Fohlen sind nach den Erkenntnissen aus Beobachtungen in Italien bei ihrer Mutter relativ sicher. Pferde gehören aber natürlich zum Beutespektrum des Wolfes, das ist nicht abzustreiten. Alles, was mehr Klarheit in das Verhältnis von Pferd und Wolf bringt, wird helfen, dass Pferdehalter ruhiger schlafen können.

DAS INTERVIEW FÜHRTE SARAH SCHNIEDER.

Das ausführliche Gespräch lesen Sie auf www.reiterrevue.de.