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Wie lege ich Geld in DeFi an?


Kryptokompass - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 05.10.2019
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Bildquelle: Kryptokompass, Ausgabe 10/2019

Vor einigen Monaten haben wir bereits über das Thema dezentrale Finanzsysteme oder Decentralized Finance gesprochen. In der Kryptokompass-Ausgabe vom April 2019 war das Ziel, eine gewisse Helikopter-Perspektive auf das Thema zu liefern.

In den letzten Monaten hat sich das Ökosystem insbesondere auf Ethereum-Basis weiterentwickelt. Entsprechend ist es sinnvoll, einen weiteren Blick auf diesen wichtigen Use Case im Ethereum-System zu werfen. Dieser soll den ersten Artikel um einen etwas praktischeren Einblick mit einem Investment-Fokus ergänzen. Der erste Blick gilt der Basis: Wir werden den Investment ...

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... Case Ethereum im Licht von Decentralized Finance kurz diskutieren. In diesem Kontext werden wir auch auf den Wert von Ethereum Classic, Ethereums größter Fork, zu sprechen kommen.

Der Hauptteil des Artikels soll jedoch auf einige Anwendungen im Decentralized-Finance-Ökosystem eingehen. Entsprechend wird das MakerDAO-Ökosystem und Projekte wie Compound, Uniswap und InstaDapp vorgestellt.

Im Jargon der Szene spricht man hier kurz von DeFi oder #defi. Dem griffigen Begriff zuliebe passen wir uns in diesem Artikel dieser Schreibweise an.

Ethereum: Die Basis aller dezentralern Finanz-Plattformen

Zugegeben, die Überschrift ist etwas provokant. Natürlich ist Bitcoin die Basis für das Lightning Network. Ebenso haben auch andere Kryptowährungen das Potenzial für ein dezentrales Finanz-Ökosystem. Der Begriff #defi ist jedoch am meisten mit dem Ethereum-Ökosystem verbunden, so dass für einen Investor das Potenzial für den Ethereum-Kurs skizziert werden sollte.

Außerdem wird Ethereum in allen #defi-Anwendungen auf der Ethereum-Blockchain benötigt. Ob man sich über MakerDAO einen Betrag im Stable Coin DAI auszahlen, via Compound DAI verleihen oder auf Uniswap mit verschiedenen Token handeln möchte, alle derartige Prozesse benötigen Gas.

Gas ist eine andere Bezeichnung für die Gebühren im Ethereum-Ökosystem. Wer also an Decentralized Finance auf der Ethereum-Blockchain teilnehmen möchte, braucht auf jeden Fall Ethereum. Wächst die Nachfrage nach MakerDAO, Compound oder anderen #defi-Anwendungsfällen steigt auch der Bedarf an Ether.

Der Ethereum-Maximalist Ryan Sean Adams, der über seinen Newsletter „Bankless” viel Aufklärungsarbeit bezüglich #defi betreibt, stellte jüngst auf Twitter seine Vision von Decentralized Finance vor. Seiner Ansicht nach sind MakerDAOs Stable Coin DAI und so viele andere Anwendungsfälle im #defi-Bereich nichts anderes als Derivate. Ein Blick auf die Weltmärkte zeigt: Das Potenzial für Derivate ist gewaltig:

Geht diese Rechnung auf, könnte das die Ether-Kursentwicklungen im Zuge des ICO-Booms 2017 in den Schatten stellen.

Ethereum selbst kann, ganz unabhängig von DeFi, ein interessanter Investment Case werden. Mit der geplanten Einführung von Ethereum 2.0 soll der Konsensmechanismus von Proof of Work auf Proof of Stake wechseln. An diesem Konsens teilnehmen - und profitieren - können jene, die in einer Wallet 32 ETH halten. Bei einem aktuellen Ether-Kurs von rund 200 US-Dollar ist also ein Investment von 6.400 US-Dollar notwendig. Nicht wenig, aber eine durchaus realistische Summe.

David Hoffmann von Coinmonks konstruierte eine Analogie zum klassischen Anleihenmarkt. Während man am klassischen Markt Staatsanleihen oder ähnliches erwirbt und auf dieser Basis Gewinne macht, können das Staker tun, indem sie 32 ETH zur Seite legen. Auch hier scheuen Freunde von Ethereum keine großen Vergleiche wie obige Tabelle zeigt.

Zusätzlich könnte der Übergang von Ethereum 1.0 auf Ethereum 2.0 für Ethereum Classic eine Wertsteigerung bedeuten. Alex Van de Sande postulierte jüngst, dass beim Update von Ethereum einige #defi-Anwendungen auf Ethereum Classic weiterleben können. Auch wenn das bisher sehr spekulativ ist, sollte man diese Möglichkeit, falls manche Anwendungen nur auf dem bisherigen Ethereum-Protokoll funktionieren können, im Hinterkopf behalten.

MakerDAO: Der erste Schritt in die DeFi-Welt

MakerDAO ist ein dezentrales Lending-Protokoll mit den Token MKR und DAI als nativen Token. Während der Fokus des aktuellen Altcoin des Monats auf erstgenannten liegt, fokussieren wir uns hier auf den DAI-Token, wie man ihn erhält und warum der Kauf von DAI-Token sich lohnen könnte.

Handelt es sich bei Ethereum selbst noch um das Rückgrat oder das Öl im Defi-Ökosystem, ist MakerDAO für viele der erste Schritt in diese Welt. Und dieser Schritt beginnt mit einem Kredit. Genauer gesagt mit einercollateralized debt position oder kurz CDP: Für einen bestimmten Betrag an Ether kann man einen Stable Coin namens DAI erhalten. Bei einer CDP handelt es sich also um einen abgesicherten Kredit.

War es früher noch notwendig, bis zum Erhalt von DAI mehrere Token-Tauschs händisch auszuführen und sich mit obskuren WETH- und PETH-Token zu beschäftigen, ist es inzwischen recht einfach geworden. MakerDAO selbst bietet dafür eine Plattform, die den Weg vom Ethereum bis zum DAI automatisiert.

Wie komme ich zu DAI?

„Ohne Moos nix los” sagt der Volksmund. Ähnlich gilt im DeFi-Ökosystem „Ohne Gas verpasst du was”. Anleger, die von DeFi profitieren wollen, brauchen etwas Ethereum in einer zugänglichen Wallet. Zwar existieren noch andere Lösungen wie die Nutzung der eigenen Hardware Wallet, aber gerade für die ersten Schritte bietet sich eine Browser Wallet an. Nutzer von Chrome-basierten Browsern wie Google Chrome oder Brave sind dabei im Vorteil: Hier lässt sich die bekannte Ether-Wallet Metamask schnell als Plugin installieren.Hat man dies getan und einen kleinen Betrag an Ether in der Wallet, kann man eine CDP eröffnen. Der Debitor in spe muss dabei angeben, wie viel Ether er als Kollateral ablegen und wie viel DAI er dafür bekommen möchte:

Es wird automatisch berechnet, wie stark der Kredit abgesichert ist. Eine Absicherung unter 150 Prozent wird nicht akzeptiert, je höher die Absicherung ist, desto sicherer ist der Kredit.

Die DAI stehen dann frei zur Verfügung. Anleger können damit tun was sie wollen. Ihnen muss jedoch klar sein, dass das Ausleihen nicht kostenlos geschieht: Debitoren haben eine Stability Fee zu zahlen. Die Stabilitätsgebühr wird seitens MakerDAO erhoben, um so den DAI-Kurs stabil zu halten. Aktuell entspricht diese einem effektiven Jahreszins von 12,5 Prozent. Debitoren sollte also immer bewusst sein, dass sie mehr DAI einzahlen müssen als sie erhalten haben.

Da die Stabilitätsgebühr als ein effektiver Jahreszins angegeben ist, können Anleger schnell ausrechnen, mit welchen Zusatzkosten sie zu welchem Zeitpunkt rechnen müssen. Die Formel hierfür ist:

Wenn also ein Investor eine CDP eröffnet und 1.000 DAI entnimmt und diese nach einem Monat zurückgeben möchte, muss er bei der aktuellen Stabilitätsgebühr ungefähr 1.010 DAI zurückzahlen.

Investoren sollten aus einem anderen Grund noch vorsichtig sein: Sollte der Wert der CDP den Wert der geliehenen DAI nicht mehr zu über 150 Prozent überschreiten, wird die gesamte Position liquidiert. Als Beispiel: Ein Anleger legt 10 Ether in MakerDAO ab und eröffnet so eine CDP. Bei einem Ether-Kurs von aktuell 216 US-Dollar könnte er theoretisch 1.440 DAI aus dem System ziehen - Gas-Kosten für die Transaktion nicht beachtet. Fällt der Ether-Kurs auf 215 US-Dollar, bedeutet das, dass die CDP nur noch zu 149 Prozent abgesichert ist. Es kommt dann zu einer Liquidation: Die eingelagerten Ether werden verkauft, sofern man nicht innerhalb kürzester Zeit die DAI plus eine Liquidations-Gebühr sowie die schon angefallene Stabilitätsgebühr zahlt. Die Liquidations-Gebühr beträgt aktuell 13 Prozent. Über zehn Prozent Verluste muss ein Anleger im Liquidationsfall auf jeden Fall verkraften.

Auch bei besser abgesicherten Kollateralen sollte man immer die Volatilität Ethereums berücksichtigen. Um beim obigen Beispiel zu bleiben nehmen wir an, dass der Anleger nur 1.000 DAI entnimmt und als Kollateral 10 Ether hinterlegt. Sein Kredit wäre also zu 216 Prozent abgesichert. Sollte es jedoch zu einem Kurssturz kommen, der den Ether-Kurs unter 150 US-Dollar drückt, würde es auch wieder zu einer Liquidierung kommen. 31 Prozent Kursverlust sind viel, aber im Krypto-Markt durchaus möglich. Erst im Juli 2019 brauchte der Ethereum-Kurs für einen derartigen Dump nur fünf Tage.

Warum sollte ich MakerDAO nutzen?

Fassen wir zusammen: MakerDAO ist ein Lending-Protokoll, ein Protokoll zur Kreditvergabe. Gegen Einlage eines Kollaterals in Ether erhält der Debitor einen Stable Coin namens DAI. Der Wert dieses Stable Coins entspricht einem US-Dollar.

Nun erscheint auf den ersten Blick das Prinzip hinter MakerDAO wie ein merkwürdiger Tausch: Debitoren müssen zum Erhalt eines Stable Coins Ether mit einem deutlich höheren Wert als Kollateral ablegen. Zusätzlich haben sie für die Dauer der geliehenen DAI-Token beim Schließen der Position eine Stabilitäts-Gebühr zu zahlen. Schließlich riskiert der Anleger seine Ether im Fall eines Kurssturzes. Mit der bullishen Ethereum-Prognose von weiter oben stellt sich noch mehr die Frage: Wieso sollte ich Ether für DAI tauschen?

Natürlich kann DAI zum einen als Zahlungsmittel Verwendung finden. Für Händler könnte die Akzeptanz von DAI zusätzlich wegen der geringen Volatilität interessant sein, für Anleger stellt sich jedoch weiter die Frage, warum er Ether-Token gegen DAI auf eine komplizierte Art tauschen sollte. Die Volatilität von DAI liegt unter der von üblichen Kryptowährungen, ist jedoch höher als die von Tether:

Für Investoren lohnt sich dieser Tausch aus verschiedenen Gründen: Zum einen ist DAI, ähnlich wie das Tauschen von Kryptowährungen in eine Fiat- oder Stable-Coin-Position eine Absicherung in bärischen Zeiten – ganz ohne die Angst vor dem Damoklesschwert namens Tether.

Margin Trading dezentral: Dank DAI die Ether-Position aufbessern

Interessanter ist es gerade in bullishen Zeiten: Wenn ein Anleger seine Ethereum-Position ohne weiteres Frischkapital stärken möchte, bietet DAI eine Art Margin-Trading-Möglichkeit. In dem Fall legen Anleger eine CDP an, leihen sich so einen bestimmten Betrag DAI und kaufen für diese DAI weitere Ether-Token. Die lassen sich freilich wieder für eine CDP verwenden, so dass man sukzessive seinen Bestand an Ethereum erhöhen kann.

Wenn wir das weiter oben zitierte Beispiel nutzen, kann ein Anleger, der einen Kollateral von 10 ETH als Einlage hinterlegte und 1.000 DAI dafür entnimmt, bei einem aktuellen Ether-Kurs die DAI in weitere 4,62 ETH investieren. Diese kann er nun wieder nutzen, um eine weitere CDP zu eröffnen. Er kann maximal 666 DAI auf diese Weise erhalten - mit einer Absicherung von 150 Prozent.

Wenn der Anleger wie im oben vorgerechneten Beispiel wieder eine Absicherung von 216 Prozent wählt, würde er weitere 462 DAI erzeugt haben. Aus 10 ETH hätte er auf die Weise - auf den ersten Blick 14,62 ETH und 462 DAI generiert. Die 462 DAI kann der Anleger nun wieder in knapp 2,14 ETH investieren.

Mit derartigen Rechnungen muss man freilich vorsichtig sein. Anders als die 10 ETH gehören ihm die übrigen Beträge nicht, sondern sind ihm - gegen eine Absicherung - geliehen worden. Für die CDPs wird der Anleger eine Stabilitätsgebühr zahlen müssen. Er schuldet MakerDAO also 1.462 DAI zuzüglich der genannten Stabilitätsgebühr. Wie oben erwähnt, entspricht diese einem effektiven Jahreszins von aktuell 12,5 Prozent. Nach einem Monat muss er also immerhin schon 1.477 DAI zurückzahlen, um seine 1.462 ETH zu erhalten. Sollte der Investor neben den oben erwähnten 2,14 ETH keine weiteren Einlagen besitzen, muss der Ether-Kurs auf 690 US-Dollar steigen, damit er diese gegen 1.477 DAI einlösen kann. Es bräuchte also einen Preisanstieg um rund 320 Prozent. Ein derartiger Monats-Gewinn ist auch im Krypto-Markt eher selten, der Anleger sollte sich bezüglich eines Bull Runs also wirklich sicher sein. Sollte dies passieren, hätte er aus einem Investment von 2.160 US-Dollar satte 10.087,80 US-Dollar erwirtschaftet. Im Vergleich zum einfachen Halten der 10 Ether wäre das ein Gewinn von 46 Prozent – ganz ohne ein Vertrauen auf zentralisierte Börsen, die Margin Trading anbieten.

#DeFi – mehr als nur MakerDAO

Besonders interessant für Anleger ist jedoch die Welt, die auf MakerDAO und DAI aufbaut. Verschiedene Apps bilden insgesamt ein miteinander verwobenes Netzwerk an Finanz-Anwendungen, die allesamt auf DAI (und natürlich auf Gas) aufbauen. Eine Auswahl dieser dApps möchten wir jetzt betrachten.

Compound – das dezentrale Tagesgeldkonto

Eine einfache Art, die DAI zu Geld zu machen, ist, nun auch diese zu verleihen. Compound bietet das an. Anleger können in diese dApp Geld einzahlen und für die Zeit, die man das Geld in Compound lagert, Zinsen erhalten. Decentralized Finance bietet so jedem eine Art dezentrales Tagesgeldkonto. Bei Compound handelt es sich nicht um ein Staking-Protokoll, sondern um einen Kredit-Marktplatz. Anders als bei MakerDAO, in der der Kreditor immer das Projekt selbst ist, kann hier ein Anleger diese Rolle einnehmen. Zwar können sich Anleger auch als Debitoren auf Compound Geld ähnlich wie bei MakerDAO leihen, jedoch ist die Kreditvergabe für Investoren besonders attraktiv. Er lagert dabei beispielsweise DAI in Compound Finance. Das tut er, um einige Zinsen zu erhalten. Im Fall einer DAI-Einlage auf Compound sprechen wir hier immerhin von einem effektiven Jahreszins von immerhin 7,3 Prozent. Zwar ist das im Vergleich zu den Bull Runs, die Krypto-Enthusiasten kennen, eher wenig, aber dafür eine sichere Wertsteigerung.

Wie kommt es nun zu der Zinsausschüttung? Zur Erklärung ist es wichtig, zu betonen, dass Anleger für die eingelagerten Token Compound-eigene Token erhalten. So kann sich ein Anleger nach Einlage von DAI, über cDAI-Token in seiner Wallet freuen. Der Kurs von cDAI oder Compound-DAI unterscheidet sich dabei von dem DAI-Kurs. Aktuell erhält man pro DAI knapp 48 cDAI. Der Wert von cDAI steigt mit jedem Block, sodass Anleger, wenn sie die cDAI-Token wieder in den Compound Smart Contract zahlen, mehr DAI erhalten.

cDAI kann jedoch auch weitergegeben werden. Sie können als geldwerte Token Anwendung finden. Für jene, die cDAI akzeptieren, ist der Gedanke des Wertgewinns doch sehr attraktiv.

Auch wenn in diesem Artikel der Fokus auf MakerDAO und damit DAI liegt, ist zu betonen, dass Compound auch für andere Assets derartige Zinsen bietet. Diese Zinsen liegen jedoch für Assets wie Ethereum oder 0x deutlich unter denen für DAI, so dass dies für Investoren deutlich attraktiver ist.

Eine CDP dafür zu eröffnen, um auf Compound via Lending Geld zu erhalten, kann ein schlechtes Investment sein. Wenn die Stability Fee bei MakerDAO größer ist als das, was über Compound zu erwirtschaften ist, sollte man eher überlegen, auf dezentralen Börsen DAI zu erwerben und sie zu verleihen.

Uniswap – dezentrale Börse meets Lending

Uniswap ist eine solche dezentrale Börse und kann, wie auch dex.blue, Eth2DAI oder Kyberswap eine Alternativquelle für DAI sein. „Dezentrale Börse” trifft dabei jedoch nicht exakt zu. Wie der Name Uniswap suggeriert, ist Uniswap eine Plattform für den schnellen Tausch - Swap - zwischen verschiedenen ERC-20-basierten Assets. Insgesamt erinnert die Plattform entsprechend eher an einen Broker denn eine offene Börse mit Order Books und ähnlichem.

Wie kommt Uniswap zu Einlagen für interessierte Kunden? Dies geschieht über einen dezentralen Liquidity Pool. Der Liquidity Pool ist eine Einlage, die für Liquidität auf der Börse sorgt. Anleger können hier, ähnlich wie bei Compound, Geld einzahlen und so den Liquidity Pool aufbessern. Im Gegenzug profitieren sie von den Handelsgebühren. Auch ähnlich wie bei Compound erhält jemand, der sich am Liquidity Pool beteiligt, einen Token hierfür. Der Uniswap Token ist jedoch ein rein innerhalb der dApp genutzter Token und wird nicht auf externen Marktplätzen gehandelt. Er stellt ein Maß dafür da, wie viel Liquidität der Anleger dem Markt zur Verfügung gestellt hat und bietet damit eine Basis dafür, wie stark Anleger von Handelsgebühren profitieren.

InstaDapp – #defi unter einer Haube

Man sieht, dass #defi-Lösungen häufig mit denselben Token arbeiten. Irgendwo spielt beispielsweise immer DAI eine Rolle. Entsprechend bietet es sich an, verschiedene Anwendungen in einer Plattform zu vereinen. InstaDapp bietet genau das. Anleger können über InstaDapp ihre CDPs in MakerDAO wie auch ihre Einlagen bei Compound oder Uniswap verwalten. Ebenso können sie via Uniswap neue Token erwerben oder verkaufen. Auch jenseits der hier besprochenen DeFi-dApps bietet InstaDapp Anwendungsmöglichkeiten. Eine dApp namens „Lend and Earn” ist wieder eine Art Liquidity Pool, den Anleger nutzen können, um für eine Kreditvergabe Zinsen zu erhalten. Eine weitere interessante Funktion von InstaDapp ist die „Protocol bridge”. Wie der Name andeutet, handelt es sich dabei um eine Brücke zwischen dem MakerDAO- und dem Compound-Protokoll. Über diese Funktion kann eine CDP auf MakerDAO in einen Kredit auf Compound verwandelt werden. Da in beiden Protokollen andere Leihgebühren zu zahlen sind, kann es sinnvoll sein, den Kredit zu verschieben. MakerDAO, Compound, Uniswap und InstaDapp sind nur ein erster Schritt. Im DeFi-Ökosystem existieren viele weitere Anwendungen. Mit Set existieren beispielsweise erste dezentral verwaltete Trading-Bots. dYdX ist auf den ersten Blick eine übliche dezentrale Börse, ermöglicht jedoch Dinge wie Shorting, Trading mit Hebel oder den Handel mit Krypto-Derivaten. bZx geht in eine ähnliche Richtung: Auch hier sind Dinge wie Margin Trading möglich.

Risiken

Soviel zu den Möglichkeiten. Investoren sollten sich jedoch immer auch der Risiken bewusst werden. Ein wenig haben wir dieses Thema bezüglich der MakerDAO angeschnitten. Liquidierungen sollte man vermeiden, ebenso sollte einem immer klar sein, dass die Anzahl der DAI, die man zahlen muss, mit der Zeit ansteigt. All in zu gehen und kein Geld zum Nachschießen zu haben, kann bei dramatischen Kursstürzen eine Gefahr sein.

Anleger sollten immer genügend Geld in der Hinterhand haben, um eine CDP mit frischem Ether zu verbessern und so einer Liquidation entgehen.

Wie viel DAI sollte man einer CDP entnehmen?

Als konkretes Investment-Beispiel betrachteten wir, inwiefern Anleger über eine CDP in MakerDAO eine Art Margin Trading durchführen können. Dazu würden Anleger die DAI, die sie aus einer CDP erhalten haben, wieder investieren. Als einfaches Investment-Schema überlegten wir, die DAI in Ethereum zu tauschen und durch eine Zweite CDP (oder eine Aufbesserung der bestehenden Position) weitere DAI zu erzeugen. Diese tauschten wir wieder in Ethereum - in der Hoffnung auf einen dramatischen Kursanstieg.

Was für eine Kollateral-Höhe wäre hier das optimale Verhältnis zwischen Risiko und Profit? Zwei Größen machen den Kredit unsicher:

• Die Gefahr einer Liquidierung

• Die Schwierigkeit, mit dem akquirierten DAI aus der zweiten CDP gekauften Ether die Gesamtschuld zu begleichen

Ein gutes Gesamtmaß für das Risiko wäre also das Verhältnis zwischen nötigem Profit und Liquidationsgefahr. Das Minimum wäre dabei das optimale Verhältnis, welches Anleger bei dieser Investment-Strategie nutzen sollten:

Eine CDP sollte gemäß dieses Modells zu 340 Prozent abgesichert sein. Das bedeutet, dass man bei einer Einlage von 10 Ether beim aktuellen Kurs von 216 US-Dollar 635,29 DAI entnehmen könnte. Zur Liquidation kommt es erst bei einem Kursverlust von 56 Prozent. Dafür müsste er auch auf einen Kursanstieg von Ethereum von 440 Prozent setzen. Sollte es jedoch dazu kommen, hätte er, abzüglich der Stabilitätsgebühr, sein Vermögen mehr als verfünffacht.

Jenseits des eigenen Kredits – auf welche Größen Anleger achten sollten

Unabhängig davon, ob Anleger via MakerDAO eine Leverage-Position aufbauen wollen, in bärischen Zeiten einen gewissen Werterhalt erhoffen oder via anderen dApps selbst Kredite verleihen wollen: Sie sollten den Markt in seiner Totalen wahrnehmen. Größen, die ein Investor anschauen sollte, kann man aufteilen in Ethereum-spezifische, DeFi-spezifische und dApp-spezifische.

Auf Ethereum bezogen sind die aktuellen Bewegungen vom Ether-Kurs eine Größe, die man im Auge behalten sollte. Dramatische Kursstürze können zur Liquidierung von Krediten bei MakerDAO führen – was für das gesamte DeFi-Ökosystem schlecht wäre. Anleger sollten außerdem die aktuelle Gas-Nutzung betrachten. Mit dem Spekulationsboom von Ende 2017 kam auch Cryptokitties auf und legte das gesamte Netz lahm. Sollte etwas Derartiges passieren, können ebenfalls im DeFi-Bereich negative Auswirkungen auftreten.

Den DAI-Kurs sollten DeFi-Anleger ebenfalls im Auge behalten. Zwar ist im DeFi-Ökosystem die US-Dollar-Kopplung unabhängig und MakerDAO-Nutzer müssen auf die entnommene DAI-Menge ihre Zinsen zahlen. Dennoch sind starke Abweichungen von der Kopplung an den US-Dollar immer ein Zeichen für seltsame Entwicklungen im Ökosystem: Dass Anleger ihre DAI nicht mehr zurückzahlen oder dass es zu einer großen Menge an Liquidierungen kam.

Die Nutzung einzelner dApps ist gerade im Rahmen von #defi eine wichtige Größe. Handelsvolumen auf dezentralen Börsen, eingelagertes Kapital und, speziell im Fall der MakerDAO, Absicherung der Kredite wären weitere Größen, die Anleger im Auge behalten sollten. Wenn ein Großteil der Kredite schlecht abgesichert ist, kann es zu einer großen Liquidierung kommen, die einen negativen Einfluss auf das gesamte System hat. Die Höhe des eingelagerten Kapitals ist für Lending-Protokolle eine Größe, die die tatsächliche Nutzung misst und damit ein gutes Pendant zum Handelsvolumen auf (dezentralen) Börsen.

Schließlich ist zu betonen: #defi ist Neuland. Die Smart Contracts sind zwar nachhaltig überprüft und werden konstant weiter auditiert. Dennoch zeigen Fälle wie The DAO oder die Parity Multisignature Wallet, dass selbst bei genauester Überprüfung Fehler geschehen können. Wie in jedem Investment gilt auch hier: Investiere nur das, was Du auch verlieren kannst.

Weitere Lese-Empfehlungen

• David Hoffman – Ethereum: the digital finance stack

• Awesome MakerDAO | DAI

• Edwin Ong – Awesome Decentralized Finance

• DeFi Weekly

• The Defiant

• Bankless