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WIE PEINLICH!


Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 7/2018 vom 23.06.2018

Das hilft bei Mundgeruch, Inkontinenz, Blähungen und Co.


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Bildquelle: Reader´s Digest Deutschland, Ausgabe 7/2018

Beinahe jeder kennt solche peinlichen Situationen: unbeabsichtigt Wasser lassen, extremes Schwitzen oder anhaltender Mundgeruch. Obwohl solche Beschwerden nicht lebensbedrohlich sind, können sie die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Meistens schämen sich Betroffene, deswegen zu einem Arzt zu gehen. Dabei kommen solche Probleme häufig vor und können gut behandelt werden.

Mundgeruch

Einige Patienten von Dr. Edwin Winkel, Professor am Institut für Parodontologie der niederländischen Universität Groningen und der Klinik für Parodontologie, schämen ...

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... sich so sehr wegen ihres Mundgeruchs, dass sie nur von zu Hause oder am Telefon arbeiten.

Mögliche Ursachen für Mundgeruch (Halitose) sind Zahnoder Zahnfleischerkrankungen, Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder der Verzehr bestimmter Lebensmittel wie Knoblauch. Er lässt im Körper Gerüche entstehen, die durch Mund oder Nase entweichen. Aber auch Halsund Nasennebenhöhlen infektionen, Rauchen oder Alkoholkonsum sowie Stress können Mundgeruch verursachen oder verschlimmern.

Hauptursache sind Bakterien, die vor allem im hinteren Bereich der Zunge einen Belag bilden. „In der Mundhöhle leben rund 400 bis 500 Bakterienarten“, erläutert Dr. Winkel. Einige von ihnen geben übel riechende Gase ab. Minzbonbons, Kaugummis oder Mundwasser erfrischen zwar den Geschmack, reinigen aber nicht den Atem. „Der Geschmack im Mund hat nichts mit dem Atem zu tun“, so Dr. Winkel weiter. „Man kann einen sehr schlechten Geschmack im Mund und sehr guten Atem haben oder umgekehrt.“

Für einen sauberen Atem ist eine gute Mundhygiene unabdingbar. Um den Zungenbelag gründlich zu entfernen, hilft ein spezieller Zungenschaber. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, ob er antibakterielle Mundspülungen mit Zink oder Chlorhexidin verschreibt. Es ist nicht geklärt, warum sich der Zungenbelag nur bei manchen Menschen bildet. Viele trauen sich nicht darüber zu sprechen, obwohl fast alle Fälle behandelbar sind. „Mundgeruch lässt sich meistens beseitigen“, erklärt Professor Winkel.

Inkontinenz

Marina Kaiser*, eine 62-jährige Designerin aus Süddeutschland, schämte sich sehr, als sie mitten auf einem belebten Parkplatz plötzlich einen starken Harndrang spürte. Sie schaffte es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette in einem nahe gelegenen Café. Kaisers Beschwerden begannen mit Anfang 50. Zunächst kam es nur gelegentlich zu kleinen Zwischenfällen, bis es ein-, zweimal die Woche passierte. Doch erst nach dem Vorfall auf dem Parkplatz sprach sie ihren Arzt an. „Ich hatte mich dermaßen geschämt, dass ich handeln musste“, erzählt sie.

Inkontinenz ist ein häufiges Problem. „Rund 38 Prozent der über 30-Jährigen und 77 Prozent der Bewohner von Pflegeheimen sind betroffen“, sagt die Urologin Dr. Fiona Burkhard vom Universitätsspital Bern in der Schweiz. „Doch nur ein Viertel holt sich Hilfe“, weiß Dr. Burkhard.

Hauptursachen bei Frauen sind Schwangerschaft und Geburt, bei Männern Prostatabeschwerden. Frauen sind mehr als doppelt so häufig betroffen. Chronisch erhöhter Druck in der Bauchhöhle, etwa durch Verstopfung, schweres Heben und Übergewicht können die Beschwerden auslösen. Stark gewürzte Speisen, säurehaltiges Obst, koffeinhaltige Getränke und künstliche Süßstoffe ebenfalls. Auch Schlaganfälle oder neuronale Funktionsstörungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose können Inkontinenz auslösen.

Urologen unterscheiden zwischen Belastungsinkontinenz, bei der durch Husten, Niesen, Springen oder Heben Harn abgeht, und der Dranginkontinenz, die durch unkontrollierbare Blasenkontraktionen verursacht wird. Beckenbodentraining, Gewichtsabnahme, die Vermeidung von Blasenreizmitteln sowie Medikamente können das Problem lindern. Bei Belastungsinkontinenz raten Ärzte in einigen Fällen zur Operation, um die Harnröhre zu stabilisieren.

Marina Kaiser, die keine Kinder hat, erfuhr beim Arzt, dass sie einen Hydrozephalus hat. Dabei sammelt sich zu viel Flüssigkeit im Gehirn an, was unter anderem zum Verlust der Blasenkontrolle führt. Zur Behandlung wurde ihr ein sogenannter Shunt im Gehirn eingesetzt, der dafür sorgt, dass das überschüssige Hirnwasser in den Bauchraum abgeleitet wird. Von dort gelangt es in den Blutkreislauf. Seitdem macht Kaiser täglich Beckenbodenübungen, ihr Zustand hat sich erheblich verbessert. „Ich bin so froh, dass ich wieder ein normales Leben führen kann“, sagt sie. „Es gibt Therapien für Inkontinenzbeschwerden. Deshalb lohnt es sich, einen Arzt zu konsultieren“, rät die Urologin Dr. Fiona Burkhard.

Übermäßiges Schwitzen

Heidi Barton, eine 43-jährige Hausfrau aus Southport in Großbritannien, musste sich mehrmals täglich um ziehen, legte ständig Deo nach.

Manchmal trug sie einen Badeanzug unter ihrer Kleidung, der den Schweiß aufsaugen sollte, den ihr Körper im Übermaß produzierte. Sie hatte immer das Gefühl, dass andere Menschen sie für ungewaschen hielten. Schwitzen wird durch Wärme, Angst, Stress oder körperliche Anstrengung verursacht. Verstärkend wirken Koffein und scharf gewürzte Speisen. Männer neigen dazu, etwas mehr zu schwitzen als Frauen. Während der Menopause schwitzen Frauen oft aus hormonellen Gründen stark.

„Das Schwitzen ist eine normale Reaktion des Körpers, das ihn abkühlt“, erklärt Dr. Anton Alexandroff, ein in Leicester ansässiger Dermatologe, der auf Hyperhidrose – also krankhaftes Schwitzen – spezialisiert ist. Aber einige Menschen besitzen ungewöhnlich viele Schweißdrüsen. Ihnen ist es oft peinlich, dass sie ständig schwitzen, deshalb verbergen sie es vor Familie und Freunden.

Eine Behandlungsmöglichkeit sind medizinische Antitranspirante, die allerdings nur auf den aufgetragenen Stellen wirken. Mitunter führt der Gebrauch zu Hautirritationen, zudem kann der Körper die Antitranspirante durch sein Bedürfnis zu schwitzen ausschalten. Für Patienten, deren Schweißausbrüche durch Ängste ausgelöst werden, eignet sich eine Therapie mit Betablockern. Ein anderes bewährtes Mittel ist die Iontophorese: Dabei werden Gleichströme durch die betroffenen Hautareale geleitet.

In jüngster Zeit haben sich Botox-Injektionen als äußerst wirksam erwiesen. Das Verfahren ist jedoch kostspielig und schmerzhaft, zudem muss es alle vier bis sechs Monate wiederholt werden. Eine neuere Methode „verbrennt“ mithilfe von Mikrowellentechnologie die Schweißdrüsen. Über die Langzeitwirkungen ist jedoch noch nichts bekannt. In extremen Fällen können die Nerven verbindungen zu den Schweißdrüsen chirurgisch durchtrennt werden.

Für Heidi Barton, die seit ihrem 14. Lebensjahr an Hyperhidrose leidet, hat sich die Botox-Behandlung als ideal erwiesen. „Es hat mein Leben komplett verändert“, erzählt sie. „Ich bin offener geworden und gehe wieder aus.“ Derzeit denkt sie über einen chirurgischen Eingriff nach.

Als erste Maßnahme empfiehlt Dr. Anton Alexandroff, ernährungsbedingte Auslöser zu meiden und medizinische Antitranspirante zu verwenden. „Falls das nicht ausreicht“, fügt er hinzu, „wenden Sie sich an einen Allgemeinarzt oder Dermatologen.“

Schweißfüße

An den Füßen befinden sich rund 250 000 Schweißdrüsen, die in der Lage sind, täglich etwa eine Tasse voll Schweiß zu produzieren. Manche Menschen stellen aber noch wesentlich mehr her. Dabei spielt die genetische Veranlagung, das Maß an körperlicher Aktivität sowie physiologische und hormonelle Faktoren eine Rolle, so Veera Keltanen, Podologin am Fußzentrum im finnischen Helsinki. Der Geruch wird von Bakterien auf der Haut verursacht, die den Schweiß aufspalten und dabei übel riechende Abfallprodukte erzeugen.

Glücklicherweise helfen bereits einfache Maßnahmen: Waschen Sie die Füße täglich mit einer milden, basischen Seife, trocknen Sie sie gründlich ab – auch zwischen den Zehen – und tragen Sie Socken aus Synthetik, da Baumwolle Feuchtigkeit zehnmal länger speichert als Acryl.

Keltanen empfiehlt, geruchsabsorbierende Schuheinlagen zu tragen und Einlegesohlen aus Silikon zu vermeiden. Weite Schuhe sind besser, darin haben die Füße genug Platz zum Atmen. „Vielleicht probieren Sie einmal Barfußschuhe aus. In solchen oder auch sehr leichten Schuhen funktionieren die Füße normal und schwitzen weniger“, erklärt Keltanen. „Und gehen Sie möglichst oft barfuß.“ Genügt das nicht, kann der Arzt auch Medikamente verschreiben.

Blähungen

„In der Regel geben Menschen achtbis 20-mal pro Tag Darmgase ab – das gilt als normal“, so Jonna Jalanka, die an der Universität Helsinki das Darmmikrobiom erforscht. „Wie viel Darmgas jeder produziert, hängt von der Darmflora ab, und die variiert täglich.“ Über 25-mal könnte ein Hinweis auf ein gesundheitliches Problem sein. Darmwinde entstehen aus der Luft, die wir beim Essen oder Trinken kohlensäurehaltiger Getränke schlucken, sowie während des Verdauungsprozesses. Dabei spalten Darmbakterien unsere Nahrung auf. Stoßen wir auf, entweicht die Luft, die wir durch zu schnelles Essen oder Trinken, beim Kaugummikauen oder Rauchen geschluckt haben. Die Ursache der Blähungen ist das von den Darmbakterien produzierte Gas, darunter Methan und Wasserstoff, die geruchlos sind, sowie Schwefelwasserstoff, der nach faulen Eiern riecht. Die Verdauung bestimmter Nahrungsmittel wie Bohnen, Getreide, Rosenkohl, Zwiebeln, Äpfel oder Bananen verstärken die Blähungen. Der Grund: Sie enthalten viele komplexe Kohlenhydrate, die von den Darmbakterien fermentiert werden, wobei sie Gase abgeben.

Noch ist nicht eindeutig geklärt, weshalb manche Menschen eher Blähungen bekommen als andere. Bereits der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel reduziert diese jedoch. Krampflösende Arzneimittel und Pfefferminztee können das Problem ebenfalls beheben, so der Gastroenterologe Giles Major von den Nottingham University Hospitals in Großbritannien. Gelegentlich deuten Blähungen auf eine Erkrankung hin wie das Reizdarmsyndrom. In diesen Fällen braucht man verschreibungspflichtige Medikamente.

„Darmgase bilden sich durch die normale Darmfunktion, und die Bakterien gehören dorthin. Die Tatsache, dass Sie Darmgase abgeben, zeigt, dass die Bakterien ihre Aufgabe erfüllen“, so Jalanka. „Wenn Sie sich allerdings krank fühlen oder starke Schmerzen und Blähungen haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.“ Vertrauen Sie sich Ihrem Arzt an. Lassen Sie sich nicht durch Scham davon abhalten, Ihr Leben in vollen Zügen zu genießen!

Betrachte einmal die Dinge von einer anderen Seite, als du sie bisher sahst, denn das heißt, ein neues Leben zu beginnen.
MARC AUREL, römischer Kaiser (121-180)