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Wie sicher sind unsere Städte?


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 44/2019 vom 24.10.2019

Gerade hat derAnschlag von Halle mit zwei Toten uns aufgeschreckt. Er zeigt wieder einmal, wie leicht wirOpfer von Verbrechen werden können … Viele Deutsche fühlen sich unsicher wie nie. Dabei war unser Leben lange nicht so sicher wie heute, sagen Statistiken. Verschweigen Behörden uns die Wahrheit?


Polizeiliche Kriminalstatistik

Artikelbild für den Artikel "Wie sicher sind unsere Städte?" aus der Ausgabe 44/2019 von Bildwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 44/2019

OFFIZIELLE STATISTIK 2018 wurden mehr als 5,5 Mio. Straftaten in Deutschland registriert – fast alle fünf Sekunden eine


Frankfurt

117.719 Fälle 2018 insgesamt. Die Aufklärungsquote bei Rohheitsdelikten, wie z. B. Schlägereien, Körperverletzung, liegt bei 81 Prozent ...

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...

Berlin:

511.677 Straftaten insgesamt 2018, mehr Rauschgift-und Sexual-Delikte – weniger Einbrüche und Auto-Diebstähle verzeichnet

München:

227.906 Straftaten insgesamt 2018, mehr Drogen, Gewalt und Sex-Delikte – dafür kommt es zu weniger Einbrüchen in der Stadt

Leipzig:

72.045 Straftaten insgesamt 2018, Fälle von Nötigung. Raub und Stalking haben zugenommen. Weniger Diebstahl

Hannover:

49.152 Straftaten insgesamt 2018, mehr Kinder werden Straftäter, Straßenkriminalität steigt an – weniger Diebstähle

AUF DEM VORMARSCH Mehr als 350.000 Drogendelikte gab es 2018 in Deutschland – die Zahl steigt seit acht Jahren. In dunklen Ecken wird z. B. mit dem synthetischen Crystal Meth (o.) gedealt

Berichte über Messerangriffe, Raub und Mord schockieren uns immer öfter – auch der jüngste rechtsextremistisch und antisemitisch motivierte Anschlag in Halle/Saale, bei dem zwei unschuldige Zufallsopfer sterben mussten. Wird unser Land denn immer krimineller? Die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik 2018 dagegen besagt: Deutschland ist so sicher wie lange nicht. Die Gewaltkriminalität sank seit zehn Jahren fast durchgehend (Grafik s.u.). Das gilt auch für die Zahl der Morde. Dennoch befürchtet mehr als jeder vierte Deutsche (28 Prozent), er könne Opfer eines Verbrechens werden (Quelle: R+V-Studie) …

Kriminalität nimmt ab, die Angst nimmt zu

Eine Befragung des Bundeskriminalamtes von 31.000 Personen ergab: 11 Prozent der Männer und 32 Prozent der Frauen fühlen sich in ihrer Umgebung unsicher – mehr als je zuvor. 60 Prozent der Frauen vermeiden bestimmte Plätze, Straßen oder Parks. Der Umfrage zufolge hat die Bevölkerung im Norden und Osten Deutschlands mehr Angst vor Überfällen und Einbrüchen als im Rest der Republik. Die größte Furcht haben Menschen in Sachsen und Berlin (je 28 Prozent) sowie in Sachsen-Anhalt (30 Prozent), wo Halle liegt …

Hohe Dunkelziffer verschleiert die Tatsachen

Axel Petermann von der Bremer Mordkommission glaubt, das liege an den Medien: „Wann immer irgendwo auf der Welt etwas passiert, habe ich das sofort auf meinem Handy. Verbrechen werden so allgegenwärtig. Das steigert das Gefühl der Bedrohung.“ Eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Strafrecht in Freiburg ergab außerdem, dass soziale Phänomene wie das Betteln in den Städten, herumhängende Jugendliche, öffentlicher Alkoholkonsum, aber auch wild herumliegender Müll und zerstörte Gebäude als Anzeichen für Kriminalität wahrgenommen würden. Auch das steigert die Furcht vieler Menschen vor Verbrechen. Und gerade in Großstädten wie Berlin, Leipzig, Frankfurt und Bremen finden sie ja statt … Fakt ist aber auch: Nicht jedes Delikt wird angezeigt und taucht in Kriminalstatistiken auf. So kommt nur jeder zweite Fahrraddiebstahl und nur jede dritte Körperverletzung zur Anzeige. André Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, äußerte in einem Interview den Verdacht, dass die tatsächliche Zahl von Straftaten deutlich höher sei als die erfasste. Grund: Weniger Kriminalität nutzen Politiker gern, um als besonders handlungsfähig dazustehen. Tatsächlich belegen die Zahlen für Rostock, dass die Straftaten dort im Gegensatz zum bundesweiten Abwärtstrend in fast allen Bereichen – Körperverletzung, Einbruch, Betrug, Ladendiebstahl – teils deutlich gestiegen sind. Lorenz Caffier (CDU), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, bereiten vor allem die Zuwanderer Sorgen, da deren Straftaten gestiegen seien. Aber: Die meisten Delikte werden von Flüchtlingen gegen andere Flüchtlinge in entsprechenden Unterkünften begangen.

Immer mehr Bürger schützen sich selbst

Trotzdem vertrauen immer mehr Bürger nicht mehr auf Schutz durch den Staat: Fast 600.000 Deutsche besitzen inzwischen einen Waffenschein (plus 140 Prozent seit 2014). Und in Görlitz an der deutschpolnischen Grenze haben Geschäftsleute einen Stammtisch gegründet, um einen privaten Wachschutz zu organisieren – der läuft nachts in der Kleinstadt Streife. Denn die Geschäftsleute sind ziemlich verärgert, wie dreist Diebe dort ihr Unwesen treiben.


Fotos: imago images (3)/Rüdiger Wölk/Christian Mang/Henning Scheffen, Istock, picture alliance (2), Tourismusamt München