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WIE STEHT ES MIT DER DIGITALEN BILDUNG?


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schule - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 17.10.2022

Digitale Kompetenzen erhalten in unserer Gesellschaft eine immer größere Bedeutung. Arbeits- und Privatleben sind von ständigem Umgang mit Computern, Smartphones und Tablets, aber auch durch persönliche digitale Assistenten und künstliche Intelligenz geprägt.

Entwicklungen, die Bedarfe im Hinblick auf eine Digitalisierung der Bildungslandschaft wecken und Erwartungshaltungen in Richtung öffentlicher Hand formulieren. Vor diesem Hintergrund stellte die Bundesregierung im „DigitalPakt Schule“ ab Mai 2019, im Rahmen einer Bund-Länder-Vereinbarung, Finanzhilfen von fünf Milliarden Euro bereit.

Obwohl die heutige Kinder- und Jugendgeneration (Generation Z und Generation Alpha) eine Lebenswelt ohne digitale Medien nicht kennt und in diesem Sinne echte „digital natives“ sind, verläuft die Digitalisierung der Schulen nur schleppend und ungleichmäßig. Auch wenn erste Erfolge erkennbar sind, wird eine weitere ...

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Bildquelle: schule, Ausgabe 5/2022

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... Beschleunigung der Digitalisierung an den Schulen als wichtig und notwendig angesehen (vgl. BMBF-Pressemitteilung 16/22, 3.4.2022).

ANDRÉ HOLLSTEIN

Professor für Wirtschaftsinformatik an der IU Internationale Hochschule. Sein Forschungsschwerpunkt: IT-Management, Software-Engineering und Digitale Lehre

FOTOS: PRIVAT; ILLUSTRATIONEN: HOLLSTEIN/ KERZEL

ULRICHKERZEL

Professor für Data Science und Artificial Intelligence an der IU Internationale Hochschule. Forschungsschwerpunkt: Entwicklung von Methoden der künstlichen Intelligenz

Während digitale Angebote im Hochschulbereich und der Weiterbildung bereits weit verbreitet sind, werden digitale Medien in Schulen nur vergleichsweise wenig eingesetzt. Aktuelle Statistiken zeigen den Schiefstand an deutschen Schulen, wonach 92 Prozent aller deutschen Haushalte 2021 einen Internetzugang hatten, während dies nur auf 36 Prozent aller deutschen Schulen zutrifft (Forsa, vgl. Statista, 2022).

Ein ähnliches Bild zeigen Umfragen bei SchülerInnen zum Einsatz digitaler Medien an Schulen, in denen 75 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass die technischen Voraussetzungen an Schulen verbessert werden sollten. Und auch wenn Digitalisierung, insbesondere beim Lehren und Lernen, keinen Selbstzweck darstellt, bietet sie doch die Möglichkeit, ein Stück Lebenswelt in die Klassenräume zu bringen, einen reflektierten Umgang mit Technologien und Medien zu fördern und wichtige Zukunftskompetenzen aufzubauen.

Aufbau und Ablauf der Umfrage

Im Rahmen einer Erhebung wurden im Zeitraum vom 1. März bis 31. Oktober 2021 öffentliche und private Schulen aller Schulformen in zehn Bundesländern angeschrieben. Darüber hinaus wurden relevante Verbände, Zeitschriften und Jugendmagazine gebeten, den Online-Fragebogen zu verteilen. Insgesamt wurde die Umfrage im Befragungszeitraum 1744-mal aufgerufen, in 874 Fällen wurde die Umfrage vollständig beendet. Nach Konsolidierung der Antworten wurden 751 Datensätze ausgewertet. Die Stichprobe ist über alle Gruppen als qualitative Studie zu betrachten, da die Umfrage vor allem Ergebnisse aus den Zielgruppen der SchulleiterInnen und LehrerInnen enthält. Die Gruppe der SchülerInnen und Eltern ist im Verhältnis dazu eher unterrepräsentiert, soll aber ausgeklammert werden. Auch was die Schultypen betrifft, haben verstärkt Grundschulen an der Studie teilgenommen (siehe Abbildung 1).

Ergebnisse Schulische Ausstattung

Auf Basis der Umfrageergebnisse entsteht ein sehr heterogenes Bild. Die Schulen befinden sich in unterschiedlichen Zuständen im Hinblick auf die Digitalisierung, was sich bei Themen wie Internetzugang, Ausstattung, Zugang zu Mediatheken und anderen Aspekten zeigt.

Während viele Schulen bereits über einen Internetzugang verfügen, ist die Bandbreite der Internetanbindung in vielen Schulen kaum ausreichend, dass mehrere Klassen gleichzeitig Anwendungen, die eine hohe Bandbreite erfordern, nutzen können. Dazu zählen z. B. Zugriffe auf Mediatheken und Videos, aber auch Videokonferenzen. Während in den Verwaltungsbereichen und Klassenzimmern ein Internetzugriff weitgehend möglich ist, ist dies außerhalb dieser Orte nur bedingt möglich.

Bei der Beschaffung neuer Geräte im Rahmen der Digitalisierung der Schulen werden bevorzugt Klassensätze an Tablets angeschafft, selten Geräte individuell an SchülerInnen vergeben.

Eine Vielzahl von Schulen besitzen bereits Internetzugänge mit Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s, andere Schulen sind hingegen noch mit langsameren Verbindungen bis hin zu 100 Mbit/s angebunden (siehe Abbildung 2).

Während gerade in der Zeit der Covid-19 Pandemie synchrone Elemente wie Videokonferenzen genutzt wurden, werden eher asynchrone Lehrmethoden wie Online-Chats, digitale Medienbibliotheken und Bücher kaum genutzt.

Literatur

BMBF-Internetredaktion. (n. d.). Mit dem DigitalPakt Schulen zukunftsfähig machen. Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF. Yurtseven, N., Karadeniz, S. (2020): An Overview of Generation Alpha. In: Yurtseven, N. (ed.): The teacher of Generation Alpha. Verlag Peter Lang, Berlin.

BMBF-Pressmitteilung 16/22 (2022-03-04). Stark-Watzinger/Prien: Weitere Beschleunigung des Digitalpakts nötig.

Statista (2022).

A ) Anteil der Haushalte in Deutschland mit Internetzugang von 2002 bis 2021. Veröffentlicht von F. Tenzer, 24.01.2022.

B) Statista-Dossier zu digitaler Bildung.

Hinsichtlich der fest installierten Ausstattung ergibt sich ebenfalls ein heterogenes Bild. Smartboards, Computer oder Laptops sowie Projektoren sind alle teilweise in den unterschiedlichen Schultypen vorhanden, es zeichnet sich aber kein eindeutiger Trend hinsichtlich der Ausstattung ab (siehe Abbildung 3).

Positiv zu vermerken ist, dass ein Großteil der Schulen bereits mit einem Schulserver ausgestattet ist (möglicherweise ein Effekt der Corona-Krise), der Einsatz eines Learning Management Systems (LMS) hängt dagegen sehr vom Schultyp ab.

Eine „Bring your own device“-Möglichkeit wird jedoch nur selten erlaubt oder genutzt.

Wenn wenig Geräte (Tablets, Laptops) in den Schulen vorhanden sind, bietet es sich an, den SchülerInnen zu erlauben, eigene Geräte mitzubringen, um auf diesem Weg doch mit digitalen Medien im Unterricht zu arbeiten. Eine solche „Bring your own device“-Möglichkeit wird jedoch nur selten erlaubt oder genutzt. Hier ist ein deutlicher Unterschied zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen zu beobachten. Während in Grundschulen eigene Geräte so gut wie gar nicht verwendet werden, ist dies insbesondere in Gymnasien und Fachschulen öfter möglich.

Weiterbildung und Digitalisierungsstrategie an den Schulen

Nicht immer sind alle Lehrkräfte sicher im Umgang mit der digitalen Infrastruktur. Daher ist es wichtig, dass regelmäßige Weiterbildungen für Lehrkräfte angeboten werden sowie Fachkräfte technisch unterstützen können. Beides ist jedoch nur in unzureichendem Maße vorhanden. Der Kompetenzerwerb der Lehrkräfte erfolgt hauptsächlich durch Austausch innerhalb des Lehrkörpers oder per „Trial & Error“ (siehe Abbildung 4). Zentral organisierte Schulungen oder die Auseinandersetzung mit entsprechenden Fachartikeln spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Insgesamt ist daher festzustellen, dass es wenig strukturierte Angebote gibt, die die LehrerInnen auf die Digitalisierung des Bildungsbereichs vorbereitet und diese sowohl technisch als auch didaktisch vermittelt. Entsprechend können die LehrerInnen digitale Kompetenzen nur bedingt an die SchülerInnen vermitteln.

Aus Sicht der Schulleitung wird die Digitalisierungsstrategie der Schule in den meisten Fällen durch Diskussionen im Kollegium erarbeitet, wobei auch in mehr als 60 Prozent die VertreterInnen der Schulleitung externe ExpertInnen hinzuziehen.

Die direkt „betroffenen“ SchülerInnen und Eltern werden selten in die Erarbeitung der Digitalisierungsstrategie eingebunden. Entsprechend merken insbesondere die Eltern an, dass sie starke Bedenken hinsichtlich des pädagogischen Konzeptes der digitalen Lehrmedien haben (siehe konkret Abbildung 5).

Datenschutz, Kompetenz der LehrerInnen und die Ausstattung der SchülerInnen sind aus Sicht der Schulleitungen die größten Hürden bei der Digitalisierung.

Bei der Beschaffung der Ausstattung sowie bei der Weiterbildung geben SchulleiterInnen und LehrerInnen an, dass besonders die Anschaffung mit hohen bürokratischen Hürden verbunden ist und die Ausschreibungen hauptsächlich auf die Erstbeschaffung abzielen, nicht jedoch auf Aufbau, Betrieb, Austausch oder benötigte Softwarelizenzen.

Auf der anderen Seite spielt beispielsweise die Sicherheit der zu verarbeitenden personenbezogenen Daten der SchülerInnen und LehrerInnen aus der Perspektive der Befragten nur eine untergeordnete Rolle.

Zusammenfassung und Ausblick

Im Rahmen der Erhebung „Digitale Bildung“ zeigt sich als Ergebnis ein heterogenes Bild an deutschen Schulen. Auch wenn der „Digital-Pakt“das Ziel hat, Schulen zukunftsfähig zu machen, ist dies aus der Perspektive der Umfrageteilnehmenden bisher noch nicht in dem Umfang erfolgt, wie es vielleicht gewünscht ist. Die Ergebnisse der Befragung unterstreichen damit die Einschätzung der Bundesbildungsministerin (vgl. BMBF-Pressmitteilung 16/22, 3.4.2022), wonach eine Beschleunigung der Digitalisierungsaktivitäten erforderlich wäre. Dennoch ist erkennbar, dass einzelne Schulen und Lehrkräfte mit großer Intensität dabei sind, den Digitalisierungsanspruch an sich und die Schülerschaft voranzutreiben.

Im Hinblick auf einen Reifegrad der digitalen Bildung an den betrachteten Schulen zeigt die geografische Verteilung kein ausgeprägtes Muster hinsichtlich des Schultyps oder des Bundeslandes bzw. der Kommune. Vielmehr scheint der Stand der Digitalisierung von den Möglichkeiten der einzelnen Schule abzuhängen.

Da in den jeweiligen Bundesländern alle Schulen, unabhängig von den Schultypen, mit der aktuellen Situation kämpfen, wären möglicherweise eine systematischere Zusammenarbeit und ein Wissensaustausch sinnvoll.

Weiterhin wäre von Interesse, genauer zu erfragen, warum Eltern und die SchülerInnen in den Digitalisierungsprozess der Schulen nicht stärker eingebunden werden.

Im Rahmen zukünftiger Befragungen sollte stärker berücksichtigt werden, worin die Digitalisierungshürden begründet liegen, da dies aus der Befragung nicht klar hervorgeht. Außerdem sollte zwischen Erstausstattung und weiterem Betrieb unterschieden werden, da angeschaffte Geräte, Medien oder Software nach der Anschaffung nicht adäquat weitergenutzt werden. Weiterhin wäre von Interesse, genauer zu erfragen, warum Eltern und SchülerInnen in den Digitalisierungsprozess der Schulen nicht stärker eingebunden werden. Eine Ergänzung durch repräsentative Paneldaten wäre zudem sinnvoll, um eine größere Reichweite zu erzielen und ein klareres Bild zu erhalten.