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WIE TÖTET MAN SEINEN EHEMANN?


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 35/2022 vom 25.08.2022
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Bildquelle: Grazia, Ausgabe 35/2022

FRÜHESTENS IN 25 JAHREN DARF SIE ERSTMALS UM VORZEITIGE ENTLASSUNG BITTEN. Dann wäre Nancy Crampton-Brophy allerdings schon 96. Es spricht also einiges dafür, dass die US-Schriftstellerin hinter Gittern sterben wird. Denn Mitte Juni verurteilte ein Gericht im US-Bundesstaat Oregon die grauhaarige ältere Dame, die während der Verhandlung so harmlos wirkte wie eine Bilderbuchoma, zu lebenslanger Haft. Wegen der Ermordung ihres Ehemanns – eine Tat, die sie bis zuletzt bestritt. Sie habe ihn „abgöttisch geliebt“, beteuerte Nancy, und also keinen Grund gehabt, ihn zu töten; auch in finanzieller Hinsicht habe sie von seinem blutigen Ableben kein bisschen profitier t.

Das sah die Staatsanwaltschaft allerdings anders, und ihrer ...

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... Argumentation folgte schließlich auch die Geschworenen-jury: Dan Brophy († 68), von Beruf Küchenchef und Kochlehrer, habe seiner Frau Nancy nach 27 gemeinsamen Ehe-jahren im Weg gestanden. Sie wollte das gemeinsame Haus verkaufen und die Welt bereisen, während er mit seinem ruhigen Provinzleben zufrieden war. Außerdem kassierte sie nach Dans Tod eine Lebensversicherung in Höhe von 1,5 Millionen Dollar. An Motiven, ihren Mann vorzeitig unter die Erde zu bringen, mangelte es also nicht. Was der 71-Jährigen – neben all den Fehlern, die sie beging, und den vielen verräterischen Indizien – mit das Genick brach, war eine kuriose Tatsache, die in den Annalen des Gattenmords wohl einzigartig sein dürfte: Sie kündigte ihre Tat im Vorfeld quasi an.

Tatsächlich veröffentlichte Nancy Crampton-Brophy lange vor dem gewaltsamen Ableben ihres Mannes etliche Kriminalromanzen, die – zumindest in der Rückschau – nichts Gutes ahnen lassen. In „The Wrong Husband“ täuscht die Heldin ihren Tod vor, um einem Ehemann zu entkommen, der sie misshandelt. In „The Wrong Cop“ malt sich die Heldin aus, wie sie ihren Mann umbringt. Und schließlich das Highlight: ein Essay auf Nancys Facebook-Seite, den sie mit „Wie bringt man seinen Ehemann am besten um?“ betitelte. Es habe sich, zwinkerzwinker, lediglich um Hilfestellung für angehende Schriftsteller gehandelt, sagte sie später der Polizei. „Als Autorin spannender romantischer Kurzgeschichten nehme ich mir nun mal viel Zeit, um über einen Mord, seine Folgen und die polizeilichen Untersuchungen nachzudenken.“

Irgendwann hatte Nancy Crampton-Brophy sich offenbar den Kopf genug darüber zerbrochen, wie sie ihren Dan ins Jenseits befördert, ohne dass man ihr auf die Schliche kommt. Vor vier Jahren, so die Staatsanwaltschaft, schritt sie deshalb zur Tat. Unmittelbare Zeugen gibt es zwar nicht. Aber fest steht, dass Dan Brophy am Morgen des 2. Juni 2018 mit einer Pistole der Marke Glock in den Rücken und ein weiteres Mal in die Brust geschossen wurde, als er sterbend auf dem Boden lag. Seine Leiche entdeckten Studenten und Ausbilder, die wenig später zum Unterricht ans Oregon Culinary Institute kamen. Überwachungskameras zeigten außerdem einen Minivan in Tatort-Nähe, der große Ähnlichkeit zu Nancys Transporter aufwies.

Als die Ermittler sich routinemäßig mit den Lebensverhältnissen des Mordopfers befassten, fanden sie schnell heraus, dass es in der Ehe der Crampton-Brophys schon länger gekriselt hatte. Nancys Bücher, die sie im Selbstverlag herausbrachte, verkauften sich nur schleppend. Das Paar häufte Schulden an, lebte oft von der Hand in den Mund und kam nicht mit dem Abzahlen des Hauskredits hinterher. „Als Nancy finanziell immer mehr in Bedrängnis und ihre Schriftstellerkarriere ins Stocken geriet, blieben ihr nur wenige Möglichkeiten“, argumentierte Staatsanwalt Rod Underhill vor Gericht. Oder anders ausgedrückt: Mord war ihr Ausweg!

Untersuchungen ihres Computers ergaben, dass sie den Begriff „Geisterwaffe“ gegoogelt und online einen Glock-Waffenbausatz ohne Seriennummer von einer „Geisterwaffen“-Website sowie einen Glock-Schlitten und -Lauf bei Ebay gekauft hatte. Schlitten und Lauf aus ihrer Pistole baute sie aus und die Ebay-Teile ein, erschoss ihren Ehemann – und setzte anschließend die ursprünglichen Teile wieder ein. So konnte sie laut Staatsanwalt Underhill „der Polizei eine völlig intakte Waffe präsentieren, die nicht zu den Patronenhülsen passte, die sie am Tatort zurückgelassen hatte“. Dass sie nur Tage nach dem Mord ihr Ebay-Konto löschte, war hingegen ein kapitaler Anfängerfehler.

In ihrem Mords-Essay hatte Nancy ihren Lesern verraten, dass Overalls und die Farbe Orange ihr nicht gut stehen würden. Allein schon deshalb sei es, haha, in ihrem ureigenen Interesse, den perfekten Mord zu begehen. Der ist ihr, aller Akribie zum Trotz, am Ende nicht gelungen. Doch im Gefängnis von Portland, Oregon, wo sie einsitzt, hat Nancy Crampton-Brophy nun reichlich Zeit, sich an ihre wenig schmeichelhaften neuen Klamotten zu gewöhnen…

Sie kündigte den Mord sogar an