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Wie viel E darf es sein?


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Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 21.12.2022

Vergleichstest · Kompaktklasse-Kombis

Artikelbild für den Artikel "Wie viel E darf es sein?" aus der Ausgabe 1/2023 von Auto Zeitung. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 1/2023

MG

Connectivity

Beim Infotainment macht MG keine Kompromisse: Alle MG5 sind ab Werk mit teildigitalen Instrumenten und einem 10,25-Zoll-Touchscreen ausgestattet. Das iSmart getaufte System kann selbst, allerdings ohne intelligente Ladeplanung, navigieren und versteht sich kabelgebunden via Apple Car-Play und Android Auto mit entsprechenden Smartphones. Es gibt insgesamt vier USB-Anschlüsse, kabelloses Laden bietet MG nicht an. DAB gehört wie auch sechs Lautsprecher zum Serienumfang. Zudem spendiert MG dem 5 eine App-Anbindung für Remote-Funktionen, darunter etwa eine terminierte Aufladung oder die Programmierung der Klimaanlage.

Bevor Peugeot und andere Marken ihre Elektro-Kombis in die Schauräume der Händler stellen, ist der MG5 ein konkurrenzloses Produkt auf dem deutschen Markt. Die chinesische Marke mit englischer Historie schickt ihren Lademeister mit großer ...

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... 61,1-kWh-Batterie und Luxury-Ausstattung in den Test. Zumindest auf kurzen Strecken stromern kann der Peugeot 308 SW Hybrid 180, der in der getesteten Allure Pack-Ausstattung aktuell nicht mehr konfigurierbar ist, wohl aber vergleichbar ausgestattet noch bei dem ein oder anderen Händler zu finden sein soll. Den Platzhirsch VW Golf Variant gibt es hingegen nur als Mild-Hybrid. Der 130 PS starke 1.5 eTSI setzt als R-Line samt Sportfahrwerk auf die dynamische Karte. Aber reicht das, um die stromernde Konkurrenz in Schach zu halten?

Karosserie

Fangen wir beim Herausforderer aus Fernost an, der sich auf 4,60 Meter streckt und seinen elektrischen Antrieb optisch nicht in Szene setzt. Die klassischen Kombi-Proportionen versprechen genügend Platz für fünf Passagiere samt Gepäck. Allerdings fällt der MG im Innenraum eine Nummer kleiner als die Konkurrenz aus. Zudem sitzt man sehr hoch. Die Bedienung des übersichtlichen Cockpits gibt nur wenige Rätsel auf, allerdings ist der mit Funktionen überfrachtete Touchscreen ab und an ein Ärgernis – besonders dann, wenn das Bild einfriert und nach einem Neustart verlangt. Mitreisende in Reihe zwei freuen sich über einen großzügigen Knieraum, stoßen ab einer Körpergröße von rund 1,80 Metern mit ihrem Kopf aber schnell ans Dach. Auch der Kofferraum geizt mit Platz, ist aber immerhin gut nutzbar, sobald man die hohe Ladekante überwunden hat.

Dass auch der Peugeot 308 SW kein Raumwunder ist, deutet seine dynamische Linienführung samt abfallendem Heck an. Umso bemerkenswerter ist, wie groß und erfreulich eben sein Ladeabteil ausfällt. Zudem lässt sich die dreigeteilte Rücksitzlehne per Fernentriegelung aus dem Kofferraum umlegen. Grund zur Klage haben da schon eher die Passagiere, besonders die im Fond. Die Knie kommen schnell mit den Vordersitzen in Kontakt und die Füße finden nur mit Nachdruck unter den Sitzen Platz. Mehr Platz gibt es in der ersten Reihe, wo das Raumgefühl allerdings unter dem hochbauenden Cockpit leidet. Wenn man sich mit den ungewöhnlichen Instrumenten anfreunden kann, findet man allerdings schnell Gefallen an der sportlich integrierten Sitzposition. Dass der Peugeot den MG in der Bedienung nicht deutlicher überflügelt, liegt an gleicher Problematik: Klimaautomatik und weitere wichtige Funktionen verlangen auch hier nach dem Berühren des Touchscreens. Gut gelöst sind dafür die konfigurierbaren Direktwahltasten unter dem Bildschirm.

Beim Bremsen geben sich die Familienkombis keine Blöße

Die würden auch dem Golf-Cockpit guttun, an dessen Bedienung sich schon zahlreiche Kollegen abgearbeitet haben. Dass man ständig unbeabsichtigt Funktionen über das Lenkrad aktiviert oder etwa die Heckscheibenheizung suchen muss, ist nicht der Bedien-Weisheit letzter Schluss. Über alle Zweifel erhaben ist das gute Raumangebot des Variant, das sowohl in Reihe eins und zwei als auch im Kofferraum die Spitze in diesem Vergleichstest markiert. Bei der Qualität schenken sich Peugeot und VW nichts. Während der Franzose mit den feineren Materialien aufwartet, präsentiert sich der VW bis ins kleinste Detail routiniert zusammengebaut. Viel überraschender ist da der MG, der so ziemlich alle Vorurteile gegen-über chinesischen Autos Lügen straft. Die Materialien gehen in Ordnung, schicke Stoffelemente werten das Ambiente wie im Peugeot auch optisch auf. Dass der MG nicht ganz den Reifegrad der etablierten Konkurrenz erreicht, offenbart sich erst auf der Straße, wo seine Karosserie nicht ganz so verwindungssteif und solide auftritt. Die wichtigsten Assistenzsysteme und Sicherheitsfeatures bieten alle drei Kombis – bei Peugeot und VW sind sie aber teilweise aufpreispflichtig. Der serienmäßige Spur- und Abstand-haltende „MG Pilot” irritiert allerdings mit teils harschen Eingriffen.

Peugeot

Connectivity

Die Active Pack-Ausstattung bringt bereits ein digitales Cockpit sowie den multifunktionalen Touchscreen mit. Alle Hybride sind mit der „Connect Box” samt integrierter Sim-Karte ausgerüstet, die kostenlose Telematikdienste ins Fahrzeug bringt. Apple CarPlay und Android Auto gehören ebenfalls zum Serienumfang, was die 650 Euro teure Navigations-Software obsolet macht. Ab Werk ist der 308 mit DAB+, zwei USB-Anschlüssen und sechs Lautsprechern ausgestattet. Induktives Laden ist ab der Allure Pack-Ausstattung möglich, ein Focal-Soundsystem (650 €) bedingt mindestens die GT-Ausstattung. Konfigurierbare Direktwahltasten gibt es ab Allure.

VW

Connectivity

Der VW Golf Variant 1.5 eTSI kommt ab Werk mit dem Radio Composition, 8,25-Zoll-Touchscreen und 4+1 Lautsprechern. DAB+, Apple CarPlay und Android Auto übernehmen die Medienwiedergabe, Smartphones lassen sich serienmäßig kabellos laden. Alle Golf Variant sind für die Internet-Funktionen We Connect und We Connect Plus vorbereitet. Ein integriertes Navi mit 10,0-Zoll-Touchscreen und Verkehrszeichenerkennung kostet mindestens 1115 Euro Aufpreis. 1950 Euro kostet das Topsystem Discover Pro, dessen Sprachsteuerung sich allerdings auch separat für 225 Euro ordern lässt. Für 680 Euro extra gibt es ein Harman Kardon-Soundsystem.

Der Golf Variant bringt im R-Line-Trimm Härte ins Spiel

Fahrkomfort

Die Sitze des MG sind vergleichsweise klein dimensioniert und geizen sowohl mit Seitenhalt als auch mit Verstellmöglichkeiten. Üppiger dimensioniert, aber auch weicher gepolstert fallen die Fauteuils des 308 aus. Von ganz anderem Naturell sind die stark ausgeformten Sportsitze des VW, die sehr viel Seitenhalt bieten.

Bei der Geräuschmessung bietet sich schließlich ein kurioses Bild: Peugeot und MG sind trotz flüsterleiser E-Motoren im Innenraum deutlich lauter als der Golf. Subjektiv sind es verschiedene Geräuschquellen, die den Aufenthalt an Bord hier wie dort trüben. Beim MG sind es starke Windgeräusche von fast jeder Ecke der Karosserie, die ihn hinter den Peugeot zurückwerfen. Dieser wiederum hat zwar einen angenehmen, aber stets präsenten Motorklang, während der Golf besonders auf holprigem Geläuf mit lauten Fahrwerksgeräuschen aufwartet, die bei der Geräuschmessung aber keine Rolle spielen.

Es sind die Fahrbahnverwerfungen, die in diesem Vergleich große Unterschiede aufdecken. So absolviert der 308 SW im unbeladenen Zustand die Teststrecken angenehm straff und komfortabel. Seine Federelemente sprechen sensibel an und verarbeiten Stöße schnell und ohne starke Rollbewegungen. Das Bild ändert sich allerdings beladen. Hier wird deutlich, dass der 308 unterdämpft ist und hochstehende Fugen kaum noch parieren kann. Auf groben Verwerfungen kommt der Franzose so schnell an seine Grenzen.

Der Golf zeigt sich in beiden Beladungszuständen von der sehr straffen Sorte. Das in der R-Line serienmäßige, nicht adaptive Sportfahrwerk muss man haben wollen. Pluspunkt für den VW: Da seine Dämpfer straffer und die Federn härter sind, kommt er nicht so schnell an seine Grenzen – komfortabel ist das allerdings nicht. Wie es besser geht, zeigt der MG5. Besonders mit Gewicht an Bord spielt das hochbeinige Fahrwerk seine Stärken aus. Querfugen und Verwerfungen aller Art pariert der Chinese trotz straffer Hinterachse gekonnt, einzig die stärkeren Aufbaubewegungen trüben hier das Bild ein wenig.

Motor / Getriebe

Das ungleiche Trio deckt konsequent die Stärken und Schwächen des jeweiligen Antriebs auf. Maximal komfortabel und mit angemessenen Fahrleistungen ausreichend flott, macht der MG5 Lust auf die E-Zukunft. Knackpunkt ist aber die Reichweite, zumal ihm das winterliche Wetter nicht in die Karten spielt. Mit einer realistischen Winter-Reichweite von rund 250 Kilometern ist er auf der Kurzstrecke zuhause. Sollte es doch mal auf große Reise gehen, helfen ihm seine konditionierbare Batterie und eine ausdauernde Ladekurve, die erst ab einem SOC von 80 % nachlässt. Das macht Ladepausen trotz der eher geringen maximalen Ladeleistung von 87 kW erträglich. Das Laden anderer Gerätschaften über den Ladeanschluss ist ebenso möglich.

Der Peugeot 308 Plug-in-Hybrid versucht das beste aus zwei Welten zu verbinden. Das gelingt ihm – eine entsprechende Nutzung im Alltag vorausgesetzt – gut. Doch wirklich punkten kann der 308 nur, wenn man ihn ständig nachlädt und die elektrische Energie maximal oft einsetzt. Schnellladen ist nicht möglich, dafür aber das Einfrieren der Energie auf Knopfdruck, etwa für spätere Fahrten im urbanen Raum.

Der Mild-Hybrid-Antrieb des Golf leidet in diesem Test unter seinem Leistungsdefizit. Der Starter-Generator kann den stärkeren E-Motoren der Konkurrenz nicht das Wasser reichen, was sich in den schlechtesten Fahrleistungen niederschlägt. Dass er dennoch einen Zweck erfüllt, zeigt die Verbrauchsrunde: Glatte sechs Liter auf 100 Kilometern sind für ein Auto dieser Größe sehr respektabel. Der technisch deutlich aufwendigere Peugeot fährt auf ähnlichem Niveau – einen vollen Akku vorausgesetzt.

Fahrdynamik

Ein Familienkombi muss fahrsicher sein und gut bremsen – und alle drei Kontrahenten liefern. So-gar der hochbeinige MG bleibt frei von Tücken und schiebt im Grenzbereich sanft über die Vorderräder. Ganz ähnlich verhält sich der straffere Peugeot. Seinem dynamischen Design wird er allerdings trotz besserer Handling-Zeit wenig gerecht. Dafür schiebt er auch zu früh über die Vorderachse. Gewöhnungsbedürftig ist zudem das Pedalgefühl des 308 SW – sowohl Gas als auch Bremse lassen sich unabhängig vom Fahrmodus nur schwer dosieren.

Alle Abmessungen im Überblick

Alle Maße in cm

Wer Fahrspaß sucht, ordert den Golf. Sein Sportfahrwerk, die Bridgestone-Bereifung sowie die Progressivlenkung sind auf dem Handlingkurs ein unschlagbares Team. Dass auch der VW Golf nur eine einfach konstruierte Verbundlenker-Hinterachse hat, verheimlicht er gekonnt.

Umwelt / Kosten

Liegt der Peugeot in der Eigenschaftswertung noch vor dem MG5, muss er ihn bei den Kosten schließlich vorbeiziehen lassen. Während dem Plug-in-Hybrid ab dem 1. Januar 2023 keine Prämie mehr zusteht, drückt der (zwar reduzierte) Zuschuss für E-Autos den Preis des ohnehin fair eingepreisten MG weiterhin. Zudem leidet der Franzose unter der schlechten Restwert-Prognose sowie den höchsten Versicherungsund Kraftstoffkosten. Und: Wer aktuell einen 308 SW 180 Hybrid konfigurieren will, muss mit dem deutlich teureren GT vorliebnehmen – Grundpreis 44.500 Euro. Angesichts der deutlich schwächeren Motorleistung kann auch der VW Golf Variant 1.5 eTSI nicht als Schnäppchen gelten. Wer auf die R-Line-Zutaten verzichten kann, muss mindestens 33.555 Euro nach Wolfsburg überweisen. Während Peugeot und VW mit lebenslangen Mobilitätsgarantien werben, aber auf die Technik jeweils nur zwei Jahre Garantie geben, versucht sich MG in vertrau-ensbildenden Maßnahmen, die auch schon Marken aus Korea das Image fördernd einsetzen: Ganze sieben Jahre (oder über eine Distanz von 150.000 Kilometern) bürgen die Chinesen für die Qualität ihres Produkts.

FAZIT

Sven Kötter

Der zweite Platz des MG5 Electric ist ein voller Erfolg für die Chinesen. Sie haben nicht nur ein günstiges, sondern ein durchweg überzeugendes Produkt konstruiert. Die Nachteile bei Reichweite und Platzangebot machen der komfortable Antrieb und der faire Preis wett. Dass 2023 ein schwieriges Jahr für Plugin-Hybride werden könnte, deutet der letzte Platz des Peugeot 308 SW Hybrid 180 an. Der Franzose gefällt mit Charme und einem gut nutzbaren Kofferraum, ist ohne Prämie aber teuer. Zudem ist er nicht so dynamisch, wie er aussieht. Hier heißt die Messlatte einmal mehr VW Golf Variant 1.5 eTSI – dem R-Line-Paket sei dank. Unabhängig davon ist der Variant der beste Kombi mit den universellsten Talenten – ihm gebührt Platz eins.

Den bepunkteten Test-Verbrauch pro 100 km ermitteln wir auf einer standardisierten, 108 km langen Route (Stadt, Land, Autobahn). Die EU- und WLTP-Verbräuche dienen nur als Orientierung und werden im Vergleichstest nicht bewertet.