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Wie wichtig sind Mineralstoffe?


Natural Horse - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 07.11.2019

Grundlagen & Zusammenhänge


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Bildquelle: Natural Horse, Ausgabe 4/2019

Mineralstoffe sind wichtig für den Körper und müssen immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen – so weit ist das eigentlich jedem Pferdebesitzer klar. Aber was machen die verschiedenen Mineralien im Körper? Wie beeinflussen sie sich gegenseitig? Was heißt „Bioverfügbarkeit“? Was unterscheidet Salz-und Mineralstein? Und wie stelle ich am besten sicher, dass mein Pferd gut mit allem versorgt ist?

Mineralstoffe sind für das Leben so wichtig wie Sauerstoff. Ohne sie funktionieren keine Stoffwechselprozesse im Körper, wäre keine Bewegung möglich und hätten die Knochen ...

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... keinerlei Stabilität. Wir unterscheiden dabei im Sprachgebrach meist nach Mineralien (Mengenelementen), Spurenelementen, Mikroelementen (Seltenen Erden) und Elektrolyten. Chemisch gesehen sind es jedoch alles Mineralstoffe.

Mineralstoffaufnahme im Darm wird genau gesteuert

Mineralstoffe können – im Gegensatz beispielsweise zu Proteinen – vom Körper nicht selbst synthetisiert werden, sondern müssen vom Pferd über die Nahrung aufgenommen werden. Ob sie im Grundfutter enthalten sind oder als Mineralfutter zugefüttert werden, alle Mineralstoffe lösen sich während des Verdauungsprozesses im wässrigen Nahrungsbrei. Dabei lösen sie sich von ihrem Bindungspartner, mit dem sie in trockenem Zustand verbunden sind, und liegen als freie Ionen in der Flüssigkeit vor. So wird beispielsweise aus dem Kochsalz des Salzlecksteins (NaCl) im Nahrungsbrei Na+ und Cl–.

Weidegras liefert je nach Bodenqualität und Pflanzenbewuchs ein breites Spektrum an Mineralstoffen und Spurenelementen, die das Pferd daraus verwerten kann.


Foto: Christiane Slawik

Die Aufnahme von Stoffen aus dem Nahrungsbrei in den Organismus erfolgt in der Darmwand immer aktiv und kontrolliert. Nahrungsbestandteile docken an spezialisierte Rezeptoren in der Darmwandzelle an und werden hier erkannt. Je nachdem, welcher Rezeptor aktiviert wurde, kann dieser spezielle Nahrungsbaustein aktiv von der Darmwandzelle aus dem Nahrungsbrei aufgenommen werden. Das passiert zum Beispiel bei Zuckerrezeptoren. Zucker im Nahrungsbrei wird niemals abgelehnt, sondern immer resorbiert, denn er stellt bei einem Wildpferd, dessen Nahrungsgrundlage extrem energiearm ist, einen wichtigen, schnellen Energieträger dar.

Anders ist das bei den Rezeptoren für Mineralstoff-Ionen. Diese liegen in der normalen Nahrung von Pferden in sehr unterschiedlichen Mengen vor. Calcium ist beispielsweise fast immer im Überschuss, während Phosphor fast immer im Mangel ist. Daher kommt es bei diesen Rezeptoren zuerst zu einer Rückmeldung an das Nervensystem über das im Nahrungsbrei zur Verfügung stehende Mineral. Für alle Mineralstoffe gibt es im Körper spezielle Speicher. So wird Calcium beispielsweise im Knochen eingelagert, Eisen in der Leber und so weiter. Für jeden Mineralstoff hat das System einen „Normalwert“ abgespeichert. Ist der Mineralhaushalt für diesen Stoff ausgeglichen, wird das Transportermolekül, über das das Mineral aufgenommen werden müsste, nicht aktiviert. Das Mineral verbleibt im Nahrungsbrei und wird mit dem Kot wieder ausgeschieden. Liegt hingegen ein Mangel vor, dann wird das Transportermolekül aktiviert, das Mineral-Ion wird von der Darmwandzelle aufgenommen und von ihr dann gleich auf der anderen Seite weitergegeben an das Pfortadersystem, den Blutstrom. Dieser Sortierprozess funktioniert zwar nicht perfekt, er verhindert aber weitgehend, dass bei Überangebot einzelner Mineralstoffe der Mineralhaushalt des Körpers übermäßig belastet wird. Denn zu viel aufgenommene Mineralstoffe müssen mühsam über die Nieren wieder aus dem Blut herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden werden.

Unterscheidung der Mineralstoffe

Mineralien: werden in großen Mengen (Gramm, g) aufgenommen und vom Körper benötigt; sie sind normalerweise im Grundfutter und im Mineralfutter enthalten. Dazu gehören Calcium, Magnesium, Phosphor, Natrium, Kalium, Chlorid, Schwefel.

Spurenelemente: werden in kleinen Mengen (Milligramm, mg) aufgenommen; sind normalerweise auch im Grundfutter und im Mineralfutter enthalten. Dazu gehören üblicherweise Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Kobalt, Jod, Selen.

Mikroelemente: werden in winzigsten Mengen (Mikrogramm, μg, oder Nanogramm, ng) benötigt und normalerweise ausreichend über das Grundfutter aufgenommen. Sie dürfen Mineralfuttern nicht zugesetzt werden. Zu ihnen gehören Fluor, Molybdän, Chrom, Silicium, Vanadium, Nickel und viele andere. Einige Pferderassen wie Isländer haben hier einen deutlich höheren Bedarf, der nicht immer über das Grundfutter gedeckt werden kann.

Elektrolyte: gehören zu den Mineralien (Mengenelementen), werden aber übermäßig über den Schweiß oder bei Durchfall ausgeschieden. Daher sollten Elektrolyte in diesen Fällen zugefüttert werden, zusätzlich zum Mineralfutter. Dazu gehören beim Pferd: Natrium, Kalium, Chlorid, Magnesium.

Die Mineralstoffversorgung macht sich in der Qualität von Fell, Mähne und Schweif bemerkbar.


Foto: Christiane Slawik

Organische Mineralstoffe sind Trojanische Mineralpferde

Bei dem Begriff „organisch“ denken die meisten zuerst an „natürlich“, vielleicht weil dieser Begriff häufig im Zusammenhang mit biologischer Landwirtschaft verwendet wird. Im Fall der Mineralstoffe hat „organisch“ aber nichts mit „biologisch“ oder „natürlich“ zu tun. Die meisten Mineralstoffe liegen in der Natur in anorganischer Form vor. Organische Formen kommen nicht oder nur in sehr kleinen Mengen vor. Die Namensgebung erklärt sich daraus, dass die „organische Chemie“ sich mit allen Molekülen beschäftigt, die in der einen oder anderen Form aus Kohlenstoffatomen aufgebaut sind. Wird jetzt synthetisch ein Spurenelement wie Zink an ein organisches Molekül, beispielsweise eine Aminosäure, gebunden, spricht man von einem „organischen Zinkchelat“ – das so in der Natur aber überhaupt nicht vorkommt. Auf synthetisch hergestellte, organische Mineralstoffe ist der Körper von der Evolution her gar nicht angepasst. Die „anorganische Chemie“ beschäftigt sich mit allem, was nicht mit Kohlenstoffatomen zu tun hat, also allen rein mineralischen Stoffen. Die meisten Mineralstoffe liegen in der Natur in anorganischer Form vor – sei es in Pflanzenzellen oder auch in rein mineralischen Formen, die der Mensch in Salzbergwerken, Kalksteinbrüchen und so weiter abbauen kann. Auf diese anorganischen Mineralstoffe ist der Organismus des Pferdes vorbereitet.

Bei organischen Mineralstoffen sind also Mineralien oder Spurenelemente an organische Moleküle gebunden, meistens Aminosäuren. Da sie im Nahrungsbrei nicht dissoziieren und zu Ionen werden, kann die Darmwand sie auch nicht über den natürlichen Sortierprozess der Mineralstoff-Ionen-Rezeptoren aufnehmen. Stattdessen binden sie an die Aminosäure-Rezeptoren der Darmwandzellen. Da Aminosäuren in der natürlichen Ernährung immer tendenziell Mangelware sind, werden Aminosäuren recht zügig und in großem Maß vom Nahrungsbrei durch die Darmwandzellen in den Körper geschleust. Der Mineralstoff, in unserem Beispiel das Zink, kommt dabei als blinder Passagier – gebunden an die Aminosäure – mit in den Körper.

Für die Bildung von gesundem Hufhorn benötigt der Körper ausreichend Schwefel und Zink.


Foto: Christiane Slawik

Laubfütterung hat noch bei unseren Großvätern zur Pferdefütterung dazugehört als Mineralversorgung, bevor es synthetische Mineralfutter gab.


Foto: Christiane Slawik

Im Fellwechsel verbraucht der Körper vermehrt Mineralstoffe, die über ein Mineralfutter ausgeglichen werden sollten.


Foto: Christiane Slawik

Organische Mineralstoffe belasten die Entgiftungssysteme

Alle Nahrungsbestandteile, auch die organischen Mineralstoffe, werden vom Darm über das Pfortadersystem zuerst zur Leber transportiert. Hier stellen die Leberzellen jetzt fest, dass diese Aminosäure „defekt“ ist, weil dort ja ein Zink gebunden ist an einer Stelle, wo keines hingehört. Also wird diese Aminosäure abgebaut. Beim Abbau der Aminosäure wird Harnstoff frei, der über den Blutstrom zu den Nieren transportiert und dort ausgeschieden werden muss, also eine Belastung für die Ausscheidungsorgane darstellt. Das abgelöste Zink wird ebenfalls dem Blutstrom mitgegeben, um über die Nieren ausgeschieden zu werden. Den dadurch entstehenden Anstieg von Zink im Blutbild bezeichnet man als „Bioverfügbarkeit“. Diese hat also nichts damit zu tun, wie gut die Zellen die eine oder andere Zinkform verwenden können, denn dort kommen sie gar nicht unbedingt an. Die „Bioverfügbarkeit“ beschreibt einfach, welchen Anstieg man im Blut provozieren kann nach der Fütterung eines Mineralstoffs. Da die meisten anorganischen Mineralstoffe beim Pferd aus gutem Grund schon im Darm vorsortiert werden, haben sie entsprechend eine schlechtere „Bioverfügbarkeit“ als die Mineralstoffe, die huckepack mit organischen Molekülen wie Aminosäuren in den Körper geschmuggelt werden. Im Fall eines nachgewiesenen Zink-oder Kupfermangels ist das Füttern organischer Chelate dieser Spurenelemente durchaus ein sinnvoller Weg, um die Speicher möglichst schnell wieder aufzufüllen. Ist aber kein Mangel nachgewiesen oder kann eine übermäßige Aufnahme aufgrund mangelnder Ausscheidungsfähigkeit wie bei Eisen oder Selen tendenziell zu Vergiftungen führen, dann sollte man sich davor hüten, organische Verbindungen dieser Spurenelemente zu füttern.

Nachweis des Mineralstatus

Ob ein Pferd einen Mineralmangel hat oder ausreichend versorgt ist, ist eine der Kernfragen, die sich jeder Pferdehalter stellt. Das Blutbild ist denkbar ungeeignet für eine Antwort, da der Körper immer bemüht ist, die Bluthomöostase so lange wie möglich konstant zu halten. Das heißt, wenn die Werte im Blutbild aus den Grenzwerten rauslaufen, ist es eigentlich schon zu spät. Lediglich Eisen, Zink und Kupfer sind hier zuverlässig auszuwerten, und bei einem im Blutbild nachgewiesenen Mangel sollte man diese gezielt zufüttern. Für alle anderen Mineralstoffe lassen sich beim Pferd Mangelzustände nicht zuverlässig im Blut nachweisen.

Viele Labore bieten daher mittlerweile Haarmineralanalysen an. Hier muss man immer unterscheiden, ob es sich um eine energetische (Bioresonanz-)Analyse handelt oder um eine chemische. Bei der chemischen Analyse würde man denken, dass sie zuverlässig sein muss, schließlich kann man beim Menschen auch Drogenkonsum im Haar nachweisen – warum also nicht auch Mineralien?Das Pferdehaar ist in der Tat recht mineralreich, allerdings schwanken die Mineralgehalte schon von Natur aus zwischen 5 und 35 Prozent. Dazu kommt, dass die Gehalte und Verhältnisse der verschiedenen Mineralstoffe beim selben Pferd im Verlauf der Jahreszeiten extrem schwanken können, auch bei konstanter Mineralversorgung. Darüber hinaus hat man auch noch unterschiedliche Mineralgehalte gefunden, abhängig von Rasse, Alter, Haarfarbe, dem Ort, wo das Haar entnommen wurde, wie hoch über der Haut es abgeschnitten wurde und teilweise sogar zwischen Stuten und Hengsten/ Wallachen. Aus diesem Grund sind Haarmineralanalysen leider überhaupt nicht aussagekräftig. Selbst wenn man von seinem Pferd immer an derselben Stelle immer auf dieselbe Weise Proben entnimmt, schwanken die Gehalte bei konstanter Mineralversorgung zwischen Sommerund Winterfell und sehen noch mal ganz anders aus während des Fellwechsels.

Abnormes Fressverhalten wie Erde-oder Kotfressen ist bei Fohlen normal. Bei erwachsenen Pferden kann es auf einen versteckten Mineralmangel hinweisen.


Foto: Christiane Slawik

Raufutter ist üblicherweise reich an Calcium und Eisen


Foto: Christiane Slawik

Mineralmängel sind bei unseren Pferden selten

Die gute Nachricht ist, dass in unseren Breitengraden Mineralmängel ohnehin eher selten vorkommen. Die Pferde gewinnen Mineralstoffeaus dem Grundfutter, also aus Heu und Gras, wobei Gras immer mineralreicher ist als Heu aus Bodentrocknung. Je kräuterreicher das Heu oder die Weide, desto höher der Mineralgehalt und desto breiter das Mineralportfolio, das Pferde aus den Pflanzen gewinnen können. Bietet man zusätzlich zum Grundfutter dann noch regelmäßig und kurweise ein gutes Mineralfutter an, können sich die Pferde ihre Mineralspeicher füllen, um in den Pausen zwischen den Kuren davon zu zehren. Auf diese Weise wird die Speicherregulation trainiert und die Pferde managen aktiv ihren Mineralhaushalt. Eine ständige ausdosierte Mineralfütterung ist gar nicht sinnvoll, da die Forschung immer mehr darauf hindeutet, dass die in der Literatur beschriebenen Bedarfswerte für normale Freizeitpferde vermutlich viel zu hoch sind. Der eigentliche Mineralbedarf ist also bei den meisten Pferden, vor allem solchen mit artgerechter Ernährung, weit geringer als die ganzen Bücher glauben machen. Außerdem verlernt der Organismus bei der permanenten Überdosierung, seine Mineralspeicher selbstständig und aktiv zu regulieren. Setzt man dann das Mineralfutter ab, kann es tatsächlich übergangsweise zu Mangelproblemen kommen, bis der Organismus sich wieder an die neue Situation angepasst hat.

Blätter und Rinden sind sehr mineralreich und liefern Wildpferden einen großen Anteil der benötigten Mineralstoffe.


Foto: Christiane Slawik

Woran erkennt man „gutes Mineralfutter“?

Zunächst einmal sollte ein Mineralfutter einen Rohasche-Gehalt von über 50 Prozent haben. Diesen Wert findet man auf dem Etikett unter „AnalytischeBestandteile und Gehalte“, sofern das Futtermittel als „Ergänzungsfuttermittel für Pferde“ bezeichnet wird. Liegt der Rohasche-Wert über 50 Prozent, darf der Hersteller das Futter alternativ auch als „Mineralfuttermittel für Pferde“ bezeichnen und muss den Rohasche-Wert nicht mehr separat ausweisen. Der Rohasche-Wert beschreibt den Gesamt-Mineralgehalt. Daher sollte er bei einem Mineralfutter möglichst hoch sein. Je niedriger, desto mehr „Füllstoffe“ enthält das Futter.

Die Spurenelemente sollten aus den oben beschriebenen Gründen möglichst in anorganischer Form enthalten sein. Üblich sind beispielsweise Eisen-, Zink-und Kupfersulfat. Bei Mangan wird meist die Oxid-Form eingesetzt. Jod ist in den meisten Mineralfuttern als Calciumjodat enthalten und die anorganische Form von Selen heißt Natriumselenit. Sind die Spurenelemente als Chelate bezeichnet (zum Beispiel Zinkchelat) oder aus Hefen (zum Beispiel Selenhefe), sind es organische Varianten, die man im Mineralfutter eher nicht verwenden sollte, sofern kein nachgewiesener Mangel vorliegt. Die Spurenelemente sind auf dem Etikett immer unter den „Zusatzstoffen“ aufgelistet und müssen in ihrer chemischen Form deklariert werden. Dazu muss die Menge pro Kilogramm angegeben werden. Hier verfolgt jeder Hersteller eine etwas anderePhilosophie, in welchen Verhältnissen er die Spurenelemente mischt. Dabei werden viele Faktoren mit einbezogen, unter anderem auch die gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Mineralstoffe im Verdauungstrakt, sodass letztlich das Pferd mit allem gut versorgt ist und kein Mineralstoff die anderen zu sehr behindern kann in der Verwertung. Bei anorganischen Mineralstoffen sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Mineralfuttern in der Praxis kein Problem, da das Pferd diese im Darm „vorsortiert“ und somit seinen Mineralhaushalt problemlos regulieren kann.

Die Zusammensetzung macht’s aus

Die „Zusammensetzung“ auf dem Etikett weist die Mineralien aus, die eingesetzt wurden, also Calcium, Phosphor, Natrium, Chlorid, Kalium und Magnesium in ihren chemischen Verbindungen, zum Beispiel Calciumphosphat – die Verbindung aus Calcium und Phosphor – oder Magnesiumoxid – anorganisches Magnesium. Die Mengen dieser Mineralien findet man unter den „Analytischen Bestandteilen und Gehalten“. In der Zusammensetzung sind außerdem alle Einzelfuttermittel aufgeführt, die die Basis für die Zumischung der Mineralien bilden. Hier finden sich auch Futterbestandteile, die die Futterakzeptanz verbessern, wie Apfeltrester oder Sojaschrot. Im optimalen Fall enthält das Mineralfutter so wenige Trägerstoffe wie möglich und keine zucker-, stärke-oder ölhaltigen Produkte. Diese motivieren das Pferd nämlich dazu, das Mineralfutter aufgrund des leckeren Geschmacks zu fressen, auch wenn es gar keine Mineralversorgung benötigt. Je „mineralischer“ ein Mineralfutter schmeckt, umso eher funktionieren die natürlichen Instinkte des Pferdes, Mineral nur dann aufzunehmen, wenn es benötigt wird, beziehungsweise es zu verschmähen, wenn es nicht gebraucht wird. Genauso, wie ein gesundes Pferd auch seine Salzzufuhr instinktsicher über den Salzleckstein regulieren kann.

Zu den „lecker“ schmeckenden Bestandteilen in Mineralfuttern gehören Futtermittel wie Apfeltrester, Dextrose, Apfelsirup, Sojaschrot, Weizenkleie, Weizengrießkleie, Öle, Leinextraktionsschrot und viele andere. Sie sollten so sparsam wie möglich eingesetzt werden und möglichst weit hinten in der Deklaration – hinter den Mineralien – aufgelistet sein. Eine Ausnahme bilden Ergänzungsfuttermittel, die der konzentrierten Gabe einzelner Spurenelemente dienen. Hier sind vom Futtermittelgesetz her enge Grenzen vorgegeben, wie viel von einem Spurenelement pro Kilogramm Futter zugesetzt werden darf. Bei Zink sind das beispielsweise 15.000 Milligramm, also 15 Gramm pro Kilogramm Futter. Die restlichen 985 Gramm müssen über Trägerstoffe aufgefüllt werden. Aber auch dabei sollte man darauf achten, dass die Trägerstoffe das Pferd so wenig wie möglich belasten. Vor allem bei stoffwechselempfindlichen Pferden oder solchen mit Insulinresistenz ist darauf zu achten, dass hier nicht versteckte Zucker in Form von Stärke, Obst-oder Gemüsetrestern oder direkt als Dextrose oder Saccharose enthalten sind.

Zusammengefasst sollte man bei der Mineralversorgung seines Pferdes darauf achten, dass das Mineralfutter möglichst anorganische Mineralstoffe enthält, so wenig Trägerstoffe wie möglich und immer kurweise gegeben wird. Damit ist bei einem gesunden Pferd die Mineralgrundversorgung sichergestellt.

Dr. Christina Fritz studierte Biologie mit anschließender Promotion. Nach vielen Aus-und Weiterbildungen im alternativtherapeutischen Bereich führt sie seit über zehn Jahren eine Praxis für integrierte Pferdetherapie. Darüber hinaus hält sie Vorträge und Fortbildungen über artgerechte Pferdefütterung und -haltung. Sie ist Autorin mehrerer Fachbücher wie „Zivilisationskrankheiten bei Pferden“ und „Kinesiologie am Pferd“.www.christinafritz.de