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Wie wir uns STrESs zum FREUND machen


Für Sie - epaper ⋅ Ausgabe 23/2019 vom 07.10.2019

Alle kennen ihn, jeder hat ihn, keiner will ihn. Doch ganz ohne wären wir ziemlich gekniffen. Warum wir den Druck aus unserem Leben streichen und Spannung sinnvoll nutzen sollten


Artikelbild für den Artikel "Wie wir uns STrESs zum FREUND machen" aus der Ausgabe 23/2019 von Für Sie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Für Sie, Ausgabe 23/2019


88 % der unter 60-Jährigen berichten von stressassoziierten Beschwerden in den letzten zwölf Monaten. 64 Prozent waren gereizt, 47 Prozent hatten Kopfoder Rückenschmerzen, 40 Prozent waren nervös.


Eine Welt, in der alle Menschen freundlich, gechillt und zufrieden lächelnd durch die Gegend spazieren. Kein Hupen. Null Anspannung. Niemand pöbelt … Klingt nach einer tiefenentspannten und kerngesunden Gesellschaft. Doch wie die ...

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STRESS HINTERLÄSST SPUREN

Vieles muss schnell gehen, alles irgendwie unter einen Hut passen. Die Anforderungen sind hoch. Schon Kinder berichten, sie seien im Stress. Ständige Erreichbarkeit, wirtschaftliche Unsicherheit, daraus resultierende Zwänge und Ängste, lange Arbeitstage und -wege. Woher der Druck? „Bestimmte Unterstützungsquellen wie Eltern oder Großeltern in der Nähe sind oft nicht mehr so vorhanden wie früher“, sagt Prof. Schwabe. „Auch eigene Erwartungen spielen als Stressauslöser eine große Rolle. Die interagieren mit Erwartungen, die zusätzlich an einen herangetragen werden.“ Kurz: Der Druck, der heute auf kleinen und großen Seelen liegt, ist groß. So fühlten sich im Jahr 2018 laut repräsentativer forsa-Umfrage 57 Prozent aller Deutschen etwa aufgrund von Überlastung im Beruf oder Studium, aber auch durch die Unvereinbarkeit von Job und Familie sehr gestresst. Mit gravierenden Folgen für die Gesundheit: Knapp 50 Prozent der unter 60-Jährigen litten unter Schlafstörungen. 45 Prozent unter Kopfweh und Rückenschmerzen. Jeder Zweite sieht sich sogar vom Burnout bedroht. Prof. Schwabe: „Stresshormone und Stressempfinden wirken sich negativ auf unsere kognitiven Fähigkeiten aus, auch weil sich dadurch das Denken und Lernen verändern.“ Auch beeinflusst Stress unsere Entscheidungs-und Gedächtnisabruf-Prozesse maßgeblich, etwa in Form von Konzentrationsstörungen. Fluten zu viele Antreiberhormone wie Cortisol den Körper, steigt laut dem Wissenschaftler mitunter auch unser Aggressionslevel. „Neigt jemand dazu, sich mit anderen zu vergleichen, kann es sein, dass dies unter Stresseinfluss stärker wird – und zu noch mehr Stress führt“, weiß der Kognitions-Psychologe. Und nun?

FRÜHER WAR (NICHT) ALLES ENTSPANNTER

Fakt ist zwar: Stress begünstigt – mehr denn je vielleicht – die Entstehung von Krankheiten wie Herzinfarkt und psychischen Leiden. Doch ganz ohne natürliche Antreiber-Botenstoffe würde so gut wie nichts passieren. Leidenschaft gäbe es nicht, auch keine persönlichen Erfolge. Klingt komisch, doch: Wir würden uns weder verlieben noch Sex haben. Ganz einfach, weil unser Herz als ein Muskel nun einmal auf Impulse des ältesten Teils unseres Gehirns, die Amygdala, reagiert. Und die interessiert nur die Arterhaltung. Heißt: Sehen wir etwas, das uns gefällt, schüttet die Amygdala jede Menge Rauschhormone aus, von denen vor allem Adrenalin schnell an die Herzmuskelzellen andockt. Der Blutdruck schnellt hoch. Das Herz fängt an, schneller zu schlagen. Damit steht dem Körper die Energie zur Verfügung, die er für das Umwerben des bzw. der Angebeteten – und den Liebesakt – benötigt. Stress grundsätzlich zu verteufeln macht also wenig Sinn. Vorschnell eine Lanze für ihn zu brechen allerdings auch. Schließlich wirken Stresshormone wie Peitschenhiebe auf den Herzmuskel. Und dummerweise bemerken wir das nicht einmal. Doch selbst ein ständig nur leicht erhöhter Blutdruck (über 140 mmHg) steigert das Risiko für Herzerkrankungen wie Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) und Herzinfarkt. Was hilft, um Stress sinnvoll zu nutzen, ist laut Wissenschaft und Medizin vor allem eines: Achtsamkeit.

UNSER EXPERTE

PROFESSOR DR. LARS SCHWABE
leitet den Arbeitsbereich Kognitions-Psychologie an der Universität Hamburg und erforscht die Auswirkungen von Stress auf unsere Psyche

48 % der Deutschen schalten den Fernseher ein, surfen im Internet oder in sozialen Medien, um den Stress in anstrengenden beruflichen oder privaten Phasen zu reduzieren. 39 Prozent verbringen Zeit in der Natur.

ABGRENZEN UND FÜR SICH SORGEN

Für 41 Prozent der Deutschen sind die hohen Ansprüche an sich selbst ein Stressfaktor. Woran wir inneren Druck merken und umkehren können: Wir verhalten uns rigider und gewohnheitsbasierter als sonst. Was hilft? In solchen Situationen sollten wir uns öfter auch für weniger als 100 Prozent Leistung loben. Und körperlich aktiv bleiben! „Insgesamt hat sich Stress nicht verstärkt“, sagt Prof. Schwabe. Es gab schon früher lange Phasen mit existenziellen Bedrohungen. „Stress wurde noch vor einem halben Jahrhundert stärker ausagiert, etwa über körperliche Arbeit. Heute sitzen wir bei vielen Tätigkeiten, gehen viel stärker kognitiv mit ihm um.“ Zudem fehlte Menschen früher mitunter die Zeit zu reflektieren, wie gut oder schlecht es ihnen geht, weil existenzielle Dinge erledigt werden mussten.“ Darüber sollten wir vielleicht auch einmal nachdenken …

UNTER DRUCK Überlastung im Beruf und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zählen zu den häufigsten Stressfaktoren