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WIESELFANG: Kleine Räuber mit großer Bedeutung


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 14/2019 vom 18.07.2019

Für den Jäger unscheinbar und oft aus dem Fokus geraten, sorgen Wiesel und Mauswiesel für nicht zu unterschätzende Ausfälle bei Bodenbrütern und Niederwild. Revieroberjäger Elmar Eickhoff zeigt, wie Sie die kleinen Räuber erwischen.


Artikelbild für den Artikel "WIESELFANG: Kleine Räuber mit großer Bedeutung" aus der Ausgabe 14/2019 von Wild und Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Wild und Hund, Ausgabe 14/2019

„In meinem Revier? Habe ich noch nie gesehen!“, so antworten viele Jäger, wenn man sie darauf anspricht, ob sie schon einmal ein Wiesel beobachtet oder gar gefangen haben. Tatsächlich bekommt die kleinen Räuber auch der revierkundige Jäger nur sehr selten in Anblick. „Wenn du wissen willst, ob und wie viele Wiesel in deinem Revier leben, musst du Wieselwippbrettfallen ...

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„In meinem Revier? Habe ich noch nie gesehen!“, so antworten viele Jäger, wenn man sie darauf anspricht, ob sie schon einmal ein Wiesel beobachtet oder gar gefangen haben. Tatsächlich bekommt die kleinen Räuber auch der revierkundige Jäger nur sehr selten in Anblick. „Wenn du wissen willst, ob und wie viele Wiesel in deinem Revier leben, musst du Wieselwippbrettfallen stellen“, ist ein Leitspruch erfahrener Niederwildheger.

In der Tat: Es gibt wohl keine andere Wildart, die man nahezu ausschließlich mit einer Jagdart und einem Fallentyp erfolgreich bejagen kann. Wahrscheinlich kommen 99 % der Strecke mit der Wieselwippbrettfalle zustande. Um es klar zu formulieren: Die beiden Wieselarten Hermelin und Mauswiesel sind nicht selten, sondern wahrscheinlich unsere am häufigsten vorkommenden Raubwildarten!

Gerade bei der effizienten Wieseljagd gilt die Einschätzung des Altmeisters der Fallenjagd Wildmeister Hans Behnke: Die Falle ist der Stellvertreter des Jägers im Revier – 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Mittlerweile ist das theoretisch, denn die Jagd- und Schonzeiten haben sich natürlich geändert. Aber bereits Behnke wusste aus langer Praxis und Erfahrung, dass sich säugende Wieselfähen nie fangen. Eine Kollison mit dem Muttertierschutz durch eine ganzjährige Jagdzeit konnte also nicht vorkommen!

Wiesel sind tagaktive und heimliche Gesellen. Nur weil man keine sieht, heißt das nicht, dass es keine im Revier gibt.


Foto: Reiner Bernhardt

Ein vorn an der Wippe befestigter Nagel mit Spiel hält die Falle geschlossen, sobald sich Wild fängt.


Foto: Elmar Eickhoff

Weiterhin beobachtete er, was jeder alteingesessene Wippbrettfallensteller bestätigen kann: Die Sommermonate sind die besten Fangmonate. Die heutigen Jagdzeiten, häufig erst ab August oder September, schränken den Fangerfolg also deutlich ein. Außerdem wäre es natürlich wie beim Jungfuchsfang wichtig, in der Zeit der Jungenaufzucht der Niederwildarten und Bodenbrüter für Entlastung zu sorgen.

So haben Betreuer von Brachvogelschutzgebietzen erkannt, dass nach dem Fuchs das Hermelin die höchsten Prädationsverluste verursacht. Vor allem die nicht flüggen Jungvögel sind davon betroffen. Im Niederwildrevier werden sowohl die jungen Flugwildwie auch die Haarwildarten wie Hasen im großen Umfang erbeutet. Wiesel müssen an einem Tag etwa 30 % ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen. Deshalb ist ihr Organismus empfindlich und auf Höchstleistung ausgelegt. Es ist schwer zu glauben, aber auch regelmäßig auf Fotos und Videos zu sehen: Hermeline können Beutetiere fangen, die wesentlich größer sind als sie selbst. Sogar ausgewachsene Kaninchen und Hasen werden verfolgt und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und Geschicklichkeit überwältigt.

Meine ersten Wiesel fing ich vor 30 Jahren als Berufsjäger-Azubi in einem oberschwäbischen 1 000 ha großen Revier auf über 600 m Höhe. Auf den vorderen und hinteren Gepäckträger meines Dienstfahrrads passten jeweils zehn Wieselwippbrettfallen aus Plastik. Mit Rucksack und Flinte auf dem Rücken, suchte ich in einem 50 bis 100 ha großen Revierteil im Feld die besten Fangplätze. Weil Wieselterritorien klein sind, muss der Fallenjäger eine spezielle Strategie anwenden: Viele Fallen auf kleiner Fläche fangen die meisten territorialen Wiesel innerhalb von zwei Wochen. Dann werden die Fallen in einen anderen Revierteil umgestellt.

Ideale Fangplätze sind Wegdurchlässe und Drainagen aus Betonrohren. Sie ermöglichen ein gedecktes Bewegen der Wiesel zu den Gräben und werden deshalb sehr gern angenommen. Die Wippbrettfallen werden in die Rohreingänge eingebaut und mit Steinen und/oder Grassoden verblendet und gleich fängisch gestellt. Weitere gute Fangplätze sind Lesesteinhaufen, trockene Gräben und Ackerfurchen zwischen zwei Ackerfrüchten. Auch hier sollte der Fallenjägerleitspruch „glatter Gang, glatter Fang“ befolgt werden. Mit einer Hacke wird ein leichter, schmaler Fangsteig zur Falle hin angelegt.

Sobald die letzte Wieselwippbrettfalle eingebaut war, habe ich bei der als erstes gestellten Falle mit der Kontrolle begonnen. Meistens konnte ich dann bereits die ersten Wiesel aus der Falle entnehmen. Keine andere Wildart lässt sich so schnell und leicht mit einer frisch aufgestellten Falle an einem neuen Fangplatz fangen. Die ausgeprägte Neugier lässt die Wiesel die stets unbeköderte Falle in deren gewohnten Lebensraum auf Beute untersuchen. Dabei sollte die Falle so gebaut sein, dass durch einige kleine Löcher auf der Rückseite oder im Fangraum immer ein leichter Windzug durch die Falle weht.

Ackerfurchen (o.), Steinhaufen (M.) und Durchlässe (u.) sind ideale Fallenstandorte. Diese Falle (o.) sollte noch verblendet werden.


Wichtig: Kleine Löcher in der Rückwand sorgen für Durchzug und machen die Falle fängischer.


Wiesel sind tagaktiv. Deshalb ist die erste Fallenkontrolle zur Mittagszeit und dann abends sinnvoll (Länderregelungen beachten!). Auf jeden Fall muss der Fallenjäger dafür sorgen, dass durch seine Kontrollintervalle die kleinen Räuber nicht zu lange in der Falle bleiben, weil sie sonst schnell verenden. Auch größere Fangräume tragen zu einer längeren Überlebenszeit bei.

Wiesel aus der Falle zu entnehmen, scheint kompliziert, ist aber mit etwas Übung gut zu schaffen. Es hat sich bewährt, einen Kunstdüngersack aus fester Plastikfolie oder Kunststoffgewebe zu verwenden. Man legt den Arretierungsbolzen des Wippbrettes zum Falleneingang an, wickelt den Sack fest um den Fallenkörper – ohne eine Lücke. Mir ist am Anfang meiner Wieselfang-Karriere ein Wiesel durch einen kleinen Spalt zwischen Falle und Sack entwischt und über den Ärmel am Kopf vorbeigesprungen.

Dann wird das Wiesel aus der Falle geschüttelt. Sobald es in den Sack rutscht, wird er schnell mit beiden Händen verschlossen und zweimal kräftig auf harten Boden geschlagen. Jutesäcke haben sich übrigens nicht bewährt. Die Wiesel können sich mit ihren Krallen in den Maschen verhaken und fallen nicht in den Sackboden.

Der Wieselfang wird heute leider nur noch in wenigen Revieren aktiv betrieben. Durch eine Schonzeit für Mauswiesel in vielen Bundesländern muss ein Gewicht von circa 100 Gramm am Wippbrett befestigt werden, damit sich das in der Regel leichtere Mauswiesel nicht fängt. Das vermindert natürlich den Fangerfolg. Nach ungefähr 1 000 gefangenen Wieseln in meiner Berufsjägertätigkeit habe ich festgestellt, dass sich zu ca. 90 % Mauswiesel fangen.

Das manchmal noch empfohlene Bohren eines zwei Zentimeter großen Loches durch die Fallenwand, um Mauswieseln das Entkommen zu ermöglichen und deren Fang auszuschließen, hat sich übrigens nicht bewährt. Wiesel nutzen das Loch für Ausbruchsversuche, können sich festkeilen und/oder verletzen.

Und wenn wie aktuell in Nordrhein-Westfalen Fangmelder auch für den Wieselfang vorgeschrieben sind, schreckt das viele potenzielle Fänger ab. Der finanzielle Aufwand wird dadurch zu groß und die Erleichterung ist, im Gegensatz zu anderen Fallentypen, die nicht so oft kontrolliert werden müssen, zu gering. Trotzdem sollten wir Niederwildheger und Artenschützer den Wieselfang auch in Zukunft erhalten und wieder intensivieren. Denn nur wenn wir an möglichst vielen Schrauben drehen, können wir die Niederwildjagd auch noch in der Zukunft ausüben!

Eine weitere Art, Wieselfallen aufzustellen: im rechten Winkel zu Ackerfurchen oder Wasserläufen.


Wiesel schnappen sich auch Beutetiere, die größer und schwerer sind als sie selbst. Im Niederwildrevier können sie für großen Schaden sorgen.


Fotos: Sven-Erik Arndt

Bauanleitung

Die Seitenteile der Wieselwippbrettfalle sind hinten höher als vorn, um einen größeren Fangraum zu gewährleisten. Je nach Bundesland muss die Falle 80 anstatt 50 cm lang sein, dann müssen die Teile entsprechend verlängert werden. Die Achse für die Wippe bildet ein stabiler Nagel, der durch jeweils ein Loch in den Seitenteilen sowie zwei Krampen an der Unterseite des Wippbrettes geführt wird. Das Wippbrett wird auf der Eingangsseite abgeflacht. DIe Rückseite bildet ein Lochblech. An der Eingangsseite wird auf der Unterseite der Wippe ein dünner Drahtstift, der senkrecht genau bis zum Fallenboden reicht, so angebracht, dass er Spiel hat und sich frei bewegen kann. Im fängisch gestellten Zustand liegt er auf dem Fallenboden. Klappt die WIppe hoch, stellt er sich senkrecht und arretiert die Wippe.

Material Bauanleitung

1 cm starkes Nadelholz (Jahrringbogen stets nach außen zeigend verbauen) oder Siebdruckplatten (raue Seite nach innen bzw. bei der Wippe nach oben).


Fotos: Elmar Eickhoff