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WILD: ASP-PROPHYLAXE: Üben für den Notfall


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 16.01.2020

Beim Ausbruch der ASP hat der Sauenjäger eine immense Verantwortung. Denn es gilt, eine weitere Verbreitung der Seuche zu verhindern. Mit diesen acht Tipps kann sich jeder jetzt schon vorbereiten.


Artikelbild für den Artikel "WILD: ASP-PROPHYLAXE: Üben für den Notfall" aus der Ausgabe 2/2020 von Wild und Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Michael Stadtfeld

Um nicht zusätzlich eine ansteckende Schweißfährte zu legen, sollten Sauen in einer Wanne oder auf einer Plane geborgen werden.


Foto: Wolfram Osgyan

Dass die ASP irgendwann nach Deutschland kommen wird, halten viele Veterinäre nur für eine Frage der Zeit. Erfahrungen aus dem Baltikum und aus Weißrussland zeigen, dass zwar fast 100 % der Schwarzwildpopulation verenden wer- den, aber es ...

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Dass die ASP irgendwann nach Deutschland kommen wird, halten viele Veterinäre nur für eine Frage der Zeit. Erfahrungen aus dem Baltikum und aus Weißrussland zeigen, dass zwar fast 100 % der Schwarzwildpopulation verenden wer- den, aber es werden auch einige Schwarzkittel die Seuche überleben und weiterhin das Virus in sich tragen. Nachdem die Pest über das eigene Revier gerauscht ist und die Sauen dezimiert hat, wird jeder Jäger weiter jagen und auch sicherlich den ein oder anderen Borstenträger erlegen und verwerten. Warum auch nicht? Schließlich ist das Wildbret für den Menschen ungefährlich.

Doch um das Virus nicht in andere Gegenden zu verschleppen, müssen die Waidmänner darauf achten, so wenig wie möglich vom kontaminierten Schweiß und Wildbret zu verteilen. Denn eines muss man sich vor Augen halten: Ein Schweißtropfen kann mehrere 10 Millionen hochansteckende Viren enthalten, und die sind 60 bis 100 Tage in der freien Natur infektiös. Rohesser und ungebrühte Wildschweinbratwurst darf es deshalb ab dem ASP-Ausbruch nicht mehr geben.

Wer jedoch wartet, bis die ASP erst mal da war bzw. ist, kann unnötig Geld in falsches oder überflüssiges Equipment investieren und vermeidbare Fehler machen. Bei letzteren sind häufig Automatismen wichtig. Ähnlich bei der ersten Fahrstunde ist alles sehr aufregend, hektisch und unüberschaubar: kuppeln, schalten, lenken, Gas geben, Schulterund Tachoblick, blinken. Nach ein bisschen Fahrpraxis konnte man sich besser auf die anderen Verkehrsteilnehmer konzentrieren, denn die Bewegungsabläufe im Auto liefen schon intuitiv und automatisch.

Vergleichbar ist es dann mit dem Schutz vor den ASP-Viren. Utensilien, wie Wannen, Planen und Desinfektionsmittel usw., müssen bei geeigneter Vorbereitung nicht ad hoc gekauft und verwendet werden, denn sie lassen sich jetzt schon im jagdlichen Alltag einsetzen. Sicher, man kann auch damit nicht alles verhindern, wie die Schweißfährte, den Ausschuss etc., doch das Risiko wird mit den folgenden acht Tipps zumindest reduziert. Auf die Entsorgung etwa von Aufbruch und Schwarte wird nicht eingegangen, hierzu werden Entsorgungsvorschriften von den jeweiligen Unteren Jagdbehörden erlassen.

So nicht mehr: Der infektiöse Schweiß tropft einfach auf den Feldweg oder die Straße!


Foto: Tanja Brandt

Tipp 1: Bergen

Nutzen Sie zum Ziehen von Wildschweinen eine Wanne oder eine Plane. So wird keine zusätzliche Schweißspur gelegt. Bewährt haben sich sogenannte Lkw-Planen aus PVC mit einer Stärke von über 650 g/m2 (mit verstärkten Ösen, Größe: 2 x 3 m, etwa 35 €). Auch ohne ASP-Vorfall ist die Vorgehensweise sinnvoll, denn so lässt sich jede Wutz vergleichsweise einfach aus dem Wald oder vom Feld ziehen. Sogenannte Bergewannen helfen auch, aber nur, wenn das Stück klein genug ist und komplett hineinpasst – ansonsten kann der Schweiß auf den Boden tropfen.

Die Pritsche des Pick-ups sollte zukünftig auslaufsicher sein. Eine Lkw-Plane hilft.


Foto: Bildagentur Schilling

Tipp 2: Transport aus dem Revier

Grundsätzlich transportiert der Jäger seine Beute im Auto wahrscheinlich sowieso in der Wanne o. Ä., um den Teppich zu schützen. Wer allerdings einen Heckträger verwendet, sollte entweder das Wild auslaufsicher in der oben genannten Lkw-Plane einwickeln oder sich hierfür eine passende Wanne (etwa Mörtelkasten, 90 l, ab 5 bis 6 € im Baumarkt) zulegen. So wird keine kilometerlange und hochinfektiöse Schweißfährte auf der Straße gelegt. Zudem verhindert es für Passanten den Blick auf das erlegte Stück, und – im Fall des Anhängers oder Heckträgers – das hochwertige Lebensmittel Wildbret liegt nicht während der Fahrt in den Abgasen oder wird mit Schlamm etc. bespritzt. Gleiches gilt für Anhänger und Pick-ups. Aufgebrochen wird natürlich in der Wildkammer.

Tipp 3: Reinigung Auto und Anhänger

Bevor Sie mit dem Hochdruckreiniger den Schweiß sorglos verteilen, sollten Sie Anhänger, Ladefläche, Lkw-Plane, Reifen oder Heckstoßstange mit einem Reinigungsmittel (s. Tipp 8) einsprühen, auch wenn kein Schweiß anhaftet, denn selbst der Speichel der Wutzen enthält Erreger. Der Reiniger benötigt eine gewisse Einwirkzeit, während der die Gegenstände mechanisch mit einer Bürste gesäubert werden. Hierfür eigenen sich Schrubber (ab 2 € ohne Stiel) oder etwa für die Radkästen eine Toilettenbürste (ab 0,50 €). Die Reinigungsbürste der Waschanlage ist nicht optimal, da dort nachher Wildbretreste anhaften könnten. Es gelangen so keine aktiven Viren ins Abwasser, und der nachfolgende Nutzer der Anlage – im schlimmsten Fall der Schweinebauer um die Ecke – wird so nicht zum Multiplikator.

Vor dem Einsatz des Hochdruckstrahls sollten Auto, Heckträger, Pritsche und Anhänger mit Reinigungsmittel behandelt werden.


Eine Broschüre des DJVs zum Thema ASP ist unter djv-shop.de erhältlich.


So zerstört man das ASP-Virus sicher: Westen, Leinen, Messer etc. für 30 min. im Backofen bei 70 °C.


Tipp 4: Stiefel und Aufbrechwerkzeug

Damit nicht Ihr eigenes Auto zur Brutzelle für Viren wird, sollten Sie Ihre Schuhe oder Stiefel bei der Fahrt ausziehen und in einer wasserdichten PVC-Tragetasche – bei jedem Supermarkt für weniger als 5 € zu haben – lagern. Darin findet auch das Werkzeug, wie Messer, Säge, Schere oder Handtücher, Platz. Bis auf die Handtücher sollte alles schon im Wald mit einer Ladung Desinfektionsmittel (erhältlich in der Apotheke für knapp 15 €/l) besprüht werden. Anschließend können Sie die Sachen zu Hause in der Spüle mit Seifenlauge oder in der Waschmaschine gründlich reinigen. Das findet auch so schon im jagdlichen Alltag statt, allerdings sollte bei ASP-Ausbruch zusätzlich immer das Schuhwerk gründlich gereinigt werden und nicht einfach in der Garage etc. stehen bleiben.

Tipp 5: Kleidung und Ausrüstung

Sollten Schweißtropfen, Speichel oder Wildbret an Ihre Kleidung geraten sein, diese unbedingt waschen. Wichtig ist, sie mit 60 °C über einen langen Waschgang zu reinigen, 70 °C sind besser. Wäsche, die diese Temperaturen nicht aushält, gehört zumindest bei der Schwarzwildjagd ab ASP-Ausbruch lieber in den Schrank. Auch Ihr Hund braucht nach einer Nachsuche oder dem Stöbern Aufmerksamkeit. Leine, Halsungen und Westen nach Kontakt mit Schwarzwild in einem wasserdichten Plastiksack (reißfester 120-l-Müllsack, 15 Stk. ab etwa 2,50 €) nach Hause transportieren. Lederwaren anschließend gründlich unter fließendem Wasser mit Seifenlauge abbürsten. Hundeschutzwesten sollten bei mind. 60 °C in der Maschine gewaschen werden. Wenn 60 °C beim Waschen nicht möglich sind, zumindest bei 40 °C waschen – auch händisch mit Seife. Anschließend alles bei 70 °C im Umluft-Backofen 30 min. desinfizieren. Wichtig: Vorher mit dem Hersteller abklären, ob die Hundeweste die Temperatur aushält.

Tipp 6: Hund

Durch Schwarzwildschweiß im Fell und an den Pfoten könnte ihr Vierläufer ebenfalls zum Überträger werden. Bevor Sie ihn in die Hundebox sperren, sollte er deshalb gereinigt werden. Ansonsten wird die Box zum möglichen Brutherd. Mit Hundeshampoo und fließendem Wasser aus einer Outdoordusche (auch Campingdusche mit 20 l Inhalt, ab 10 € erhältlich) den Hund sorgfältig reinigen und abtrocknen. Achtung: Die verwendeten Handtücher sollten ebenfalls in der Stiefeltasche landen, da auch hier Wildbret oder Schweiß anhaften können. Zu Hause den vierläufigen Jagdhelfer nochmals mit Hundeshampoo sorgfältig abduschen. Die Outdoordusche ist jetzt schon bei dreckigen Stiefeln oder matschigen Pfoten hilfreich – einfach an der Kofferraumklappe anhängen und abbrausen.

Auch Hundewesten können das Virus verschleppen. Deshalb müssen sie nach der Jagd desinfiziert werden.


Foto: Alicja Warguła/istockphoto

Gerade wenn die Wildkammer von mehreren Revieren genutzt wird, muss höchsten Wert auf Sicherheit durch Sauberkeit gelegt werden.


Foto: Hersteller

Tipp 7: Wildkammer

Eine gründliche Reinigung der Aufbrech- und Zerwirkkammer ist sowieso Pflicht. Nur „dünn-drüber“ verbietet sich erst recht, wenn die Räumlichkeiten von mehreren, eventuell noch ASP-freien Revieren genutzt werden. Deshalb empfiehlt es sich zum Abschluss der Verwertungsarbeit, ein Desinfektionsmittel aus dem medizinischen Bereich über alle Flächen und Böden zu sprühen und danach sorgfältig mit Trinkwasser abzuspülen. Bitte die Fleischhaken nicht vergessen!

Tipp 8: Reinigungs- und Desinfektionsmittel

ASP-Viren werden laut Friedrich-Loeffler-Institut mit einem pH-Wert von 4 oder weniger sowie einem Wert über 10 relativ sicher zerstört. Geeignete Reinigungsmittel wirken auf Basis von Chlor, Jod, Alkohol, Detergenzien oder Lipidlösungsmitteln – also etwa der normale Chlorreiniger fürs Bad oder das Spüli reichen schon aus. Für kontaminierte Wäsche sollte ein Vollwaschmittel genutzt werden. In der Ausstattung eines jeden Schwarzwildjäger-Autos sollte bei ASP-Ausbruch Folgendes zu finden sein: Je eine Sprühflasche mit Desinfektionsund Chlorreinigungsmittel, Wasserkanister mit Ablaufhahn (10 l Fassungsvermögen, ab 10 €), Spülmittel und eine Reinigungsbürste. Bei den medizinischen Desinfektionsmitteln aus der Apotheke unbedingt auf das Verfallsdatum und die Haltbarkeit nach dem Öffnen achten, am besten auf dem Etikett notieren.

Gewöhnliche Reinigungsund Desinfektionsmittel helfen schon, das Virus zu zerstören.


Foto: carlosalavarez/istockphoto.com

Unter wildundhund.de finden Sie weitere Informationen zum ASP-Virus und Anleitungen, wie Sie eine Ausbreitung verhindern können.