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WILD ODER GEZÄHMT


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 17.10.2018

Die dornigen Zweige der Berberitzen schützen nicht nur vor unliebsamen Gästen. Zum Jahresende schmücken sich die Gehölze mit buntem Laub und reichem Fruchtbehang.


Artikelbild für den Artikel "WILD ODER GEZÄHMT" aus der Ausgabe 6/2018 von Landlust. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust, Ausgabe 6/2018

Viele Arten färben sich im Herbst bunt.


Kompakte Sorten fassen Beete ein.


Berberitzen wachsen zu dichten Hecken heran.


An kurzen Stielchen leuchten die roten Beeren der Gewöhnlichen Berberitze Berberis vulgaris. Die kleinen, länglichen Früchte hängen in dichten Trauben zwischen gefärbtem Herbstlaub und langen, spitzen Dornen. Oft haften die Beeren bis in den Winter hinein am Strauch und dienen daheimgebliebenen Vögeln als Nahrung.

Auf flacher ...

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... Wurzel

Das Wildgehölz ist bei uns heimisch und kommt in Mitteleuropa, den USA, Ost-Kanada und dem Kaukasus vor. In lichten Wäldern und am Waldrand fühlt sich die Gewöhnliche Berberitze wohl. Dort wächst sie als einzelner Strauch oder in gemischten Wildhecken an sonnig warmen oder halbschattigen Plätzen. Kalkhaltige, frische bis trockene Böden mit gutem Wasserabzug sind für den Flachwurzler perfekt, denn auf Staunässe reagiert er empfindlich. Gelegentlich treibt die Berberitze einzelne Ausläufer, richtet aber durch ihr recht feines Wurzelwerk keine Schäden an.

Ausladender Wuchs

Der Strauch wird etwa 1 bis 2,50 Meter hoch und bis 1,50 Meter breit. Wer das Wildgehölz im Garten pflanzen möchte, sollte dieses Ausmaß im Kopf haben; im Jahr wächst die Berberitze etwa 50 Zentimeter. Sie eignet sich zum Unterpflanzen von größeren Bäumen, passt vor höhere Sträucher oder dient als lockere Sichtschutzhecke. Inmitten des dornigen Zweiggewirrs finden kleine Tiere und Vögel einen geschützten Unterschlupf oder Nistplatz. Im Vergleich zu anderen Arten trägt die heimische Variante relativ große, eiförmige Blätter mit leicht gezähntem Blattrand. Sie ist sommergrün und verliert im späten Herbst die Blätter.

Insektenmagnet

Auch im Frühjahr sind Berberitzen hübsch anzusehen. Im Mai öffnen sich die nektarreichen gelbgrünen Blüten.

Sie hängen in kleinen Trauben kopfüber an graubraunen Zweigen. So sind sie vor Regen geschützt und werden zum Ausflugsziel für verschiedene Insekten. Im Laufe des Sommers entwickeln sich zunächst kleine, grünliche Beeren, die mit der Zeit ein immer intensiveres Rot annehmen – die Früchte der Wildform sind essbar.

Arten für den Garten

Ganz einig ist man sich nicht, aber vermutlich gibt es über 500 Arten der Berberitze. Wer eine Pflanze für den Garten sucht, kann neben der Wildart zwischen etwa 15 verschiedenen Arten und zahlreichen Sorten wählen. Die meisten stammen aus Asien oder Südamerika. Je nach Verwendungszweck hält das Sortiment kleinwüchsige Formen für niedrige Hecken, Beeteinfassungen oder als Bodendecker bereit. Hochwachsende Berberitzen werden zu großen Hecken, wachsen überhängend vor Mauern oder in Einzelstellung. Einige Arten verlieren im Herbst ihre leuchtend gelben, orangen oder roten Blätter, andere schmücken das ganze Jahr über mit immergrünem Laub. Die meisten tragen reichen Beerenschmuck aus länglichen oder kugeligen Früchten, die rot bis fast schwarz gefärbt sind.

Pflegeleicht

Allen Berberitzen gemeinsam ist ihre extreme Winterhärte. Die Gehölze sind robust, pflegeleicht und kommen mit fast jedem durchlässigen Gartenboden zurecht. Immergrüne Arten bevorzugen Halbschatten, sommergrüne mögen am liebsten sonnige Standorte – dann bildet sich die Herbstfärbung intensiver aus.

Pflanzzeit

Berberitzen werden in Töpfen oder wurzelnackt angeboten. Beim Pflanzen sollte man unbedingt derbe Handschuhe tragen, um sich vor den Dornen zu schützen. Den Boden mit etwas Kompost vermischen. Bei wurzelnackten Berberitzen werden die Wurzeln ausgebreitet ins Pflanzloch gesetzt. In den ersten Wochen brauchen die Pflanzen eine gute Wasserversorgung. Sind sie eingewachsen, sind weder zusätzliche Wassergaben noch Dünger nötig. Eine Mulchschicht schützt den Boden vor dem Austrocknen und unterdrückt Unkraut – denn das Jäten ist durch die spitzen Dornen recht unangenehm.

Die säuerlich schmeckenden Früchte der Wildform sind essbar.


Viele spitze Dornen sitzen einzeln oder zu mehreren unterhalb der Blätter.


VITAMINREICHE FRÜCHTE

Nach der Blüte wachsen kleine Früchte am Strauch. Die erst grüngelben Beeren färben sich im Laufe des Sommers immer stärker rot und sind meist ab Oktober oder nach dem ersten Frost erntereif. Sie enthalten viel Vitamin C und schmecken roh verzehrt säuerlich; daher wird das Wildgehölz auch Sauerdorn genannt. Die vollreifen, tiefroten Früchte werden von den Stielen wie Johannisbeeren abgerebelt. Durch den hohen Pektingehalt lässt sich ihr Saft gut für Marmeladen verwenden. Seit dem 16. Jahrhundert liefern Sauerdorne vor allem in Frankreich Früchte für die Marmeladenproduktion. Getrocknete Beeren schmecken im Früchtetee oder im Müsli, in orientalischen Ländern sind sie oft in Reis- oder Fleischgerichten verarbeitet. Aber Achtung, nur die Früchte der Gewöhnlichen Berberitze sind essbar. Alle anderen Pflanzenteile sind leicht giftig. Die Früchte anderer Berberitzen gelten zum Teil als ungenießbar oder sogar giftig.

Berberis thunbergii ’Aurea‘


Rot gefärbt: Berberis julianae


Berberis thunbergii ‘Golden Ring’


Blühende Wildform im Frühjahr


GETREIDEROST

Die Gewöhnliche Berberitze dient als Zwischenwirt für den Getreiderost. Im Sommer erkennt man den Befall an orangeroten Pusteln auf der Blattunterseite. Vor über hundert Jahren wurde der Anbau von Sauerdorn in Ackerbauregionen verboten und die Sträucher wurden großflächig abgeholzt. Heute, in Zeiten der modernen Landwirtschaft, geht von Berberitzen keine Gefahr mehr für das Getreide aus.

BEZUGSQUELLEN

Baumschule Eggert 25594 Vaale, Tel.: 0 48 27/93 26 27, www.Eggert-Baumschulen.de
Baumschule Horstmann 25560 Schenefeld, Tel.: 0 48 92/89 93-400, www.baumschule-horstmann.de

Für Hecken

Berberitzen sind tolle Heckenpflanzen. Wer eine dichte Hecke pflanzen möchte, greift anstatt zur Wildart besser auf eine der Gartenarten zurück – sie wachsen dichter und gleichmäßiger. Für einen dichten Wuchs sollte zwischen den einzelnen Pflanzen ein Abstand von etwa 25 bis 50 Zentimetern gelassen werden. Nach dem Einpflanzen profitieren die Berberitzen davon, wenn sie um etwa ein Drittel zurückgeschnitten werden – dann bauen sie sich von Anfang an verzweigt auf.

Schnittverträglich

Berberitzen sind sehr schnittverträglich. Regelmäßiges Schneiden ist jedoch gar nicht immer notwendig. Hecken bekommen im Spätsommer einen Formschnitt. Damit die unteren Triebe auch genügend Licht bekommen, sollte die Hecke im unteren Bereich etwas breiter stehen gelassen werden. Beim Schneiden kommt die ungewöhnliche gelbe Holzfarbe zum Vorschein. Falls Berberitzen zu groß werden, kann durch einen Sommerschnitt der Wuchs etwas eingedämmt werden; die Pflanze steckt ihre Energie dann in den Verschluss der Schnittstellen und nicht in erneutes Wachstum. Soll der Wuchs gefördert werden, empfiehlt sich ein Schnitt nach dem Laubabwurf, bei immergrünen nach der Blüte. Dadurch wird das Triebwachstum im kommenden Frühjahr angeregt. Stören alte Triebe, schneidet man sie bodentief ab.

Grüne Hecken-Berberitze: ‘Red Carpet’ und ‘Orange Beskid’


Die Grüne Polster-Berberitze erinnert an Buchs.


FÜR DEN GARTEN

SOMMERGRÜNE BERBERITZEN

GRÜNE HECKEN-BERBERITZE
B. thunbergii

Mit dicht verzweigtem, aufrechtem Wuchs eignen sich die Sträucher für frei wachsende Hecken und zum Formschnitt. Sie kommen mit vielen Standorten im Garten zurecht. Bereits ab April öffnen sich die gelb-roten Blüten. Die kleinen grünen Sommerblätter färben sich im Herbst leuchtend rot, dazwischen hängen gelbe Früchte. Die Grüne Hecken-Berberitze wird 150 bis 200 cm hoch und 60 bis 220 cm breit, kann aber durch Schneiden problemlos klein gehalten werden. Es gibt zahlreiche Sorten, darunter ‘Atropurpurea’ mit dunkelroten Blättern, Höhe 2 bis 3 m, Breite etwa 1,5 m, früher Laubaustrieb im April, gelbe Blüte im Mai, scharlachrote Herbstfärbung.

OTTAWA-BERBERITZE
Berberis x ottawensis
Die Kreuzung aus Gewöhnlicher Berberitze und Grüner Hecken-Berberitze trägt nur wenige, weiche Dornen an den Zweigen. Sie wird etwa 130 cm hoch. Im Mai blüht sie gelb, trägt rote Früchte und färbt sich im Herbst gelbbunt. ‘Silver Miles’: rote Blätter mit weißer Panaschierung, hellrote Früchte, bis 2 m hoch; ‘Superba’: dunkelrot glänzendes Laub, gelbe Blüte, kleine hellrote Beeren, bis 4 m hoch.

IMMERGRÜNE BERBERITZEN

IMMERGRÜNE BERBERITZE
B. julianae
Die immergrüne Variante wächst sehr dicht und trägt größere, ledrige Blätter. Mit bis zu 3 m Wuchshöhe und -breite ist sie eine ausladende Art, der ausreichend Platz zur Verfügung gestellt werden sollte. Sie blüht in gelben Blütenbüscheln und trägt blau bereifte Beeren und rote Blätter im Herbst. Auffallend sind die bis zu 4 cm langen Dornen.

KISSEN-BERBERITZE
B. candidula
Die zierlichste unter den immergrünen Berberitzen wächst langsam und erreicht eine Höhe von bis zu 80 cm. Die Unterseite der glänzend grünen Blätter ist schneeweiß gefärbt, daher auch ab und zu die Bezeichnung Schnee-Berberitze. Im Winter teils gelbrot gefärbte Blätter. Nach der gelben Maiblüte entwickeln sich blau bereifte Früchte. Gut geeignet für kleine Hecken.

SCHMALBLÄTTRIGE BERBERITZE
B. stenophylla
Die immergrüne Art wächst erst aufrecht, später überhängend. Sie erreicht eine Wuchshöhe und -breite von 1,5 bis 2 m. An warmen, sonnigen Plätzen blüht sie reich in Gelborange und trägt später kleine, fast schwarze Früchte. Dekorativ ist das schmale, glänzende Laub. Schön für kleine Hecken oder in Einzelstellung.

GRÜNE POLSTER-BERBERITZE
Berberis buxifolia ‘Nana’
Durch die kleinen immergrünen Blätter und den kompakten, dichtbuschigen Wuchs eignet sich diese Art als Buchsersatz. Sie erreicht eine Wuchshöhe von etwa 75 cm und wächst zu niedrigen Hecken heran. Wenn nicht zu oft geschnitten wird, blüht die Berberitze im Frühjahr orangegelb.

■ Text: Ulrike Strothmann Bilder: Marion Nickig (3), Flora Press (5), GAP (2), Botanik Foto (1), Friedrich Strauß (1), Mauritius Images (1)