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Wildbaden


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Bio - natürlich gesund leben - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 13.07.2022
Artikelbild für den Artikel "Wildbaden" aus der Ausgabe 4/2022 von Bio - natürlich gesund leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Wenn im Sommer die Luft vor Hitze flirrt, gibt es wohl kaum etwas Schöneres als eine Erfrischung im kühlen Nass – sei es im Lieblingsweiher aus Kindheitstagen oder unter einem Wasserfall, zufällig entdeckt auf einer Wanderung. Mit ihren verschlungenen Flüssen, strahlenden Seen und lauschigen Gumpen (das sind Becken, die Bergbäche in den Fels geschliffen haben) lockt die Natur Abenteuerlustige und Freiheitsliebende an ihre wilden Ufer.

Seit einigen Jahren erlebt diese besonders ursprüngliche Form des Badens ein echtes Revival, was mitunter an der verbesserten Wasserqualität und dem Wunsch nach mehr Naturverbundenheit liegt. Vorreiter der modernen Wildbadebewegung war Roger Deakin, der innerhalb eines Jahres sämtliche Gewässer Großbritanniens durchschwamm, um diese neu zu vermessen. In seinem 1999 erschienenen Buch „Waterlog“ (dt. „Logbuch eines Schwimmers“) schildert er die Schönheit, aber auch die ...

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... Strapazen seiner Expedition und setzt damit ein Zeichen gegen Wasserverschmutzung sowie die Privatisierung der Natur. Dass das Wildbaden so geschätzt wird, liegt auch an den selbst im Hochsommer vergleichsweise kühlen Wassertemperaturen, die der hohen Fließgeschwindigkeit, großen Tiefe oder schattigen Lage mancher wilder Gewässer zuzuschreiben sind. Die anfängliche Überwindung lohnt sich besonders aus gesundheitlicher Sicht.

Durch das Kaltwasser werden nicht nur das Immunsystem und der Fettstoffwechsel angekurbelt, sondern auch das Herz-Kreislaufsystem gestärkt sowie die Haut besser durchblutet und gestrafft.

Sogar Wechseljahresbeschwerden, Verstimmungen und chronische Entzündungen können gemildert werden – Glücksgefühle inklusive.

LAACHER SEE

Baden über dem Vulkan

Als einzige mit Wasser gefüllte Caldera Deutschlands, eine kesselförmige Oberflächenform mit vulkanischem Ursprung, ist der Laacher See nicht nur der größte See von Rheinland-Pfalz, sondern geologisch betrachtet wohl auch der interessanteste. Er befindet sich in der Vulkaneifel nahe der Benediktinerabtei Maria Laach und bietet ein breites Freizeitangebot. Das Baden ist innerhalb eines kostenpflichtigen Abschnitts am Campingplatz des Sees erlaubt.

Anfahrt: Ob von Norden oder Süden kommend, nehmen Sie auf der A 61 die Abfahrt 34-Mendig und folgen der L 113 bis zum Ziel.

TAUBER BEI CRAINTAL

Naturpool unter Bäumen

Im beschaulichen Dörfchen Craintal nahe Creglingen in Baden-Württemberg befindet sich versteckt zwischen Wald und Lesesteinwällen eine Flussbadestelle mit ganz besonderem Charme, an der auch Sportschwimmer*innen auf ihre Kosten kommen. Die Tauber hat an dieser Stelle ein kleines Becken gebildet, das im Schatten alter Bäume kaum idyllischer gelegen sein könnte. Zu Recht ist der Ort Teil der Romantischen Straße, die sich von Würzburg bis nach Füssen erstreckt und bezaubernde Urlaubsdestinationen umfasst.

Anfahrt: Auf der A7 nehmen Sie die Abfahrt Bad Windsheim, danach geht es über die St 2414 nach Tauberschenkenbach und über die St 2268 weiter nach Craintal.

BAGGERSEE ZEHDENICK

Baden in der Tonstichlandschaft

Neben Bibern, Eisvögeln und Seeadlern fühlt sich auch der Mensch pudelwohl in einem der vielen kleinen, klaren Seen rund um das brandenburgische Zehdenick.

Früher wurde hier für die zahlreichen Ziegelbrennereien rund um die kleine Stadt in mächtigen Gruben Ton gestochen – eine einzigartige Landschaft entstand. Nach der Stilllegung der Stiche drang das Grundwasser in die Senken ein und rund 60 Seen entstanden. Abwechslung garantiert!

Anfahrt: Auf der B 109 durch Zehdenick in Richtung Norden fahren, an der Stadtausfahrt links in die Burgwaller Landstraße abbiegen und dieser folgen.

OTTENSTEINER STAUSEE

Skandinavisches Flair in Österreich

Mit seinen dicht bewaldeten steinigen Ufern mutet der Ottensteiner Stausee im niederösterreichischen Waldviertel wie ein skandinavischer Fjord an. Die zahlreichen kleinen Buchten rund um den See, die teilweise nur vom Wasser aus zu erreichen sind, laden zum Erkunden ein und sind ideale Rückzugsorte für Menschen, die Ruhe und Erholung suchen. Mit seiner hervorragenden Wasserqualität, einer durchschnittlichen Sommertemperatur von 22 Grad Celsius und einem fabelhaften Ausblick auf die Burg Ottenstein sowie die Ruine Lichtenfels bietet der Stausee ein Badeerlebnis der Extraklasse.

Anfahrt: Von Zwettl nehmen Sie die B 38 Richtung Rastenfeld, hinter der Brücke Ottensteiner Stausee befindet sich ein Parkplatz.

ISARAUEN MÜNCHEN

Erfrischende Auszeit in der Metropole

An den wildromantischen Isarauen im Herzen Münchens sind die Gedanken an die Großstadt schnell vergessen. Flache Ufer und ausgedehnte Kiesbänke zeichnen das Naherholungsgebiet in der bayerischen Landeshauptstadt aus. Der beliebteste Flussabschnitt, der Flaucher, be- findet sich im Stadtteil Sendling nahe dem Tierpark. Hier darf nach Herzenslust gegrillt werden, weshalb es oft etwas lauter zugeht. Weniger Trubel herrscht am Abschnitt um die Großhesseloher Brücke, die sich im Süden der Stadt befindet.

Anfahrt: Schnell an der innerstädtischen Isar sind Sie, wenn Sie in München an den U-Bahnhaltestellen Fraunhoferstraße, Kolumbusplatz oder Thalkirchen aussteigen.

Das kleine 1x1 des Wildbadens

Unter Wildbaden wird generell das Baden in der freien Natur verstanden. Das Spektrum reicht dabei von populären Seen mit breitem Gastronomie- und Unterhaltungsangebot bis hin zu völlig abgeschotteten Orten, die nur über einen Fußmarsch zu erreichen sind. Doch so einladend eine wildromantische Badestelle auch sein mag: Nicht jedes Gewässer und dessen Umgebung dürfen aus rechtlicher Sicht frei betreten werden. Kleinere Seen befinden sich häufig in Privatbesitz oder sind an Angler- oder Sportvereine verpachtet.

Andere Stellen liegen in Naturschutzgebieten oder dienen dem Kiesabbau. Auch besonders gefährliche Gewässerabschnitte können aus Sicherheitsgründen für Badende gesperrt sein. Entsprechende Schilder und Schranken weisen vor Ort auf die geltenden Regeln und Verbote hin, bei Missachtung können Bußgelder in Höhe von mehreren Tausend Euro fällig werden. Nicht zuletzt deshalb lohnt es sich, vorab aktuelle Informationen zum jeweiligen Gewässer und dessen Status einzuholen. Verlässliche Quellen sind dabei die Webseiten der betreffenden Bezirke, Landkreise oder Gemeinden. Sollten dennoch Zweifel aufkommen, ist es ratsam lieber Abstand zu halten.

SCHOSSRINN-WASSERFALL

Magischer Kraftplatz

Mitten im Wald bei Aschau im Chiemgau stürzt über 90 Meter an der Schoßrinn entlang Wasser nach unten in ein kreisrundes Auffangbecken. Der Wasserfall gilt als Pilgerstätte und Kraftort, der – der Legende nach – Frauen mit Kinderwunsch neue Energie schenken soll. Erfrischt fühlt sich jede*r, der oder die eintaucht in die eiskalte Gumpe. Dort, wo sich das Becken im weiteren Verlauf zu einem von Farn und Laubbäumen gesäumten Bach verjüngt, können auch weniger Wagemutige neue Energie tanken.

Anfahrt: Auf der Straße von Aschau nach Sachrang ist auf der rechten Seite der Parkplatz Schoßrinn ausgeschildert. Von dort aus sind es 15 Minuten zu Fuß durch den Wald.

So baden Sie sicher

Viele naturbelassene Badestellen werden nicht oder nur zeitweise von Rettungsorganisationen und Prüfstellen überwacht.

Mit diesen Tipps wird das Wildbaden trotzdem zum sicheren Vergnügen:

Auch wenn ein Sprung ins Wasser vom Ufer oder einem Felsen aus den größten Frischekick verspricht, birgt dieser gleich mehrere Risiken: Neben einer zu geringen Wassertiefe können auch versunkene Schrottteile, Baumstämme oder Gesteinsbrocken zu Verletzungen führen.

Wer überhitzt ins kalte Nass springt, überfordert durch den plötzlichen Temperaturunterschied den Kreislauf. In fließenden Gewässern, zu denen neben Flüssen auch Gumpen zählen, sind gute Schwimmkenntnisse unabdingbar, denn Strudel und Unterströmungen sind nicht immer vom Ufer aus zu erkennen und können auch bei niedrigem Wasserstand unvermittelt eine reißende Wirkung entfalten. Um im Notfall gut für andere sichtbar zu sein, empfiehlt sich Badebekleidung in Signalfarben.

Ein wichtiges Sicherheitskriterium ist außerdem die Wasserqualität des Badeorts. Informationen zu den Prüfergebnissen an offiziellen Badestellen sind in den Badegewässer-Atlanten der Bundesländer im Internet zu finden. Generell weisen die meisten Gewässer eine gute bis exzellente Qualität auf. An nicht registrierten Badestellen entscheiden Ihre eigenen Sinne: Ist das Wasser stark getrübt oder riecht muffig bis faulig, sollten Sie besser nicht darin baden.

BAYERSOIENER SEE

Wellness für Körper und Geist

Anders als zunächst vermutet, ist die leicht bräunliche Färbung des Bayersoiener Sees nahe Garmisch-Partenkirchen ein Zeichen für dessen hervorragende Wasserqualität. Der See liegt im Moorgebiet des Kurortes Bad Bayersoien und erhält seine Farbe durch Huminstoffe im Wasser, die sanft pflegend auf die Haut einwirken. Mit seiner geringen Tiefe von etwas über zwei Metern und überdurchschnittlich hohen Temperatur ist der malerische See auch ideal für Familien mit kleineren Kindern geeignet.

Trotz seines Freizeitangebots gilt der See noch als Geheimtipp.

Anfahrt: Von der Stadtmitte in Bad Bayersoien kommend fahren Sie auf der Dorfstraße Richtung Südosten, biegen links in den Seeweg ab und ein weiteres Mal links, um auf dem Seeweg zu bleiben.

KRAI-WOOG-GUMPEN

Wildbaden in der Gletschermühle

Krai-Woog, das heißt auf alemannisch so viel wie „laut rauschender Wasserfall“. Der Name ist Programm: Das Wasser des Schwarzenbächles stürzt bei Görwihl im Schwarzwald spektakulär über einige Meter in die Tiefe und hat als Gletschermühle seit der Eiszeit ein kesselförmiges Becken geschaffen, das erst im Jahr 1952 durch den Botaniker und Geologen Erwin Litzelmann wiederentdeckt wurde. Besonders an heißen Sommertagen lockt die eher schattig gelegene Gumpe zum Wildbaden und Staunen über die Kräfte der Natur.

Anfahrt: Das Schwarzenbächletal ist via Ibach oder Dachsberg-Vogelbach über die K 6591 erreichbar, am Wasserfall können Sie das Auto in einer kleinen Parkbucht stehenlassen.

BRUCHSEE

Verstecktes Juwel im Wald

Wer in den kleinen Ort Duingen im Landkreis Hildesheim kommt, ahnt nicht, was für ein Schatz sich hier inmitten einer idyllischen Waldlandschaft versteckt. Der etwa zehn Hektar große Bruchsee enstand während des Braunkohletagebaus und wird heute als Bade- und Angelsee genutzt. Ein flach abfallendes Westufer ermöglicht einen seichten Einstieg ins Wasser und bietet sich daher besonders für Familien mit Kindern an. Ruhigere Plätze lassen sich aber ebenfalls finden.

Anfahrt: Von Duingen folgt man der B240 und biegt bei der entsprechenden Beschilderung rechts ab auf einen Parkplatz. Von hier aus führt ein Pfad durch den Wald zum See.

OESCHINENSEE

Baden vor atemberaubender Bergkulisse

Auf 1.578 Metern gelegen ist der Oeschinensee oberhalb von Kandersteg im Berner Oberland ein idealer Wildbadeort für Bergwandernde. Der Alpensee zählt seit 2007 zum erweiterten UNESCO-Weltnaturerbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch und wartet mit erfrischenden Temperaturen und türkisblauem Wasser in sehr guter Qualität auf. Eingerahmt von den Dreitausendern Blüemlisalp, Oeschinen-, Dolden- und Fründenhorn erstreckt sich der See über eine Fläche von über einem Quadratkilometer und zählt somit nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den größten schweizerischen Bergseen.

Anfahrt: Von Bern fahren Sie auf der A6 bis Spiez. Über Frutigen und Kandergrund gelangen Sie nach Kandersteg, von wo Sie der Schützenweg bis zum Ziel bringt.

Was gehört in die Badetasche?

Anders als in klassischen Badebetrieben verfügen viele Wildbadestellen weder über Verpflegungsmöglichkeiten noch über gemähte Rasenflächen, Liegen oder Sonnenschirme. Das macht sie nicht weniger reizvoll, es bedarf lediglich einer guten Vorbereitung. Für das leibliche Wohl gilt: lieber eine Flasche Wasser mehr einpacken und zu hitzeverträglichen Speisen greifen, sofern keine Kühltasche vorhanden ist. Badeschuhe sind zwar optisch wenig reizvoll, bieten jedoch den nötigen Schutz vor Schnittverletzungen. Scherben von zerbrochenen Glasflaschen können dem entspannten Naturerlebnis ein jähes Ende setzen.

Sonnenschutzlotionen enthalten häufig Nanopartikel und für Wasserorganismen schädliche Stoffe. Da das Abduschen vor dem Baden entfällt, gelangen sämtliche Kosmetikrückstände auf der Haut ins Wasser. Zum Schutz vor Sonne bieten sich daher mineralische Bio-Sonnencremes an, deren Hersteller angeben, keine Nanopartikel zu nutzen (vgl. auch unseren Artikel über Sonnenschutz in BIO 3/2019).

Eine Alternative sind UV-Shirts aus Filament, weil diese kein Mikroplastik abgeben. Sinnvoll ist natürlich die Mittagssonne zu meiden und von 11 bis 15 Uhr lieber ein kühles, schattiges Plätzchen vorzuziehen. Um einem Sonnenstich vorzubeugen, sollten auch eine luftige Kopfbedeckung und Wechselkleidung in Ihrer Badetasche nicht fehlen. Für mehr Komfort sorgen wasserundurchlässige Picknickdecken und Isomatten.

BUCHTIPPS