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Wildcampen ganz legal


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Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 11.11.2021

Deutschlands erstes Campingdorf

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Herrlicher Platz in den Weinbergen oberhalb von Wiebelsberg, einem Ortsteil von Oberschwarzach

DIE UR-IDEE DES CAMPINGS IST JA, von zu Hause aufzubrechen und irgendwo in der Natur, dort wo es schön ist, sein Zelt aufzuschlagen. Das ging so lange gut, solange es nur ein paar Leute taten, die sich zudem noch zivilisiert verhielten. Inzwischen ist Wildcampen in Deutschland verboten. Da fährt man also an den herrlichsten einsamen Plätzen vorbei und guckt ganz sehnsüchtig, wahlweise bedröppelt.

Seit Kurzem gibt es einige Startups, die das zu ändern versuchen: „Landvergnügen“, „Hinterland“, „Road-Surfer“ und „Alpacacamping“. Wie wäre es, sagten die sich, wenn man die Eigentümer von Grund und Boden einfach mal fragt, ob sie es erlauben, bei ihnen zu campen? Und siehe da, das tun inzwischen viele und verdienen auch ein bisschen damit.

Der Hotspot dieser Privatcamping-Bewegung befindet sich jetzt in Unterfranken in der Gemeinde Oberschwarzach, die aus neun Dörfern ...

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... besteht. Dort hat das Portal Alpacacamping mithilfe der lokalen Autoritäten plus Winzern, Bauern und Vereinen inoffiziell das erste Campingdorf Deutschlands gegründet.

”Statt konzentrierter Reise- mobil- Ghettos verteiltes, individuelles Campen.

Rund 50 über das Gebiet von Oberschwarzach verteilte Einzelstellplätze stehen zur Verfügung, auf denen man legal campen darf. Allerdings gibt es an den Plätzen meist keine Infrastruktur, also weder Wasser, Strom, Toiletten noch Duschen. Das Womo sollte autark sein, und das sind ja die meisten heutzutage. Für die Entsorgung der bordeigenen Grau- und Schwarzwassertanks entsteht gerade eine zentrale Anlage am Recyclinghof.

Gratis ist das Campen nicht, jedoch günstig. Die Stellplätze in den Weinbergen, an Spielplätzen und Wiesen kosten meist zehn, besonders gefragte Orte auch 15 oder 25 Euro pro Nacht. Gebucht wird das alles online auf der Website alpacacamping.de. Mit ihrer Initiative in Oberschwarzach möchte Alpaca auch andere Gemeinden für die Idee gewinnen. Statt konzentrierter Reisemobil-Ghettos also verteiltes und individuelles Campen.

Dahinter stecken die Alpaca- Gründer Dominik Quambusch (32) und Simon Illner (36) aus Oberschwarzach und zwei weitere Mitstreiter, die den Bürgermeister von der Idee begeistern konnten. Die Region ist weitgehend unbekannt, liegt daher touristisch im Dornröschenschlaf. Die Gemeinde hofft nun, dass mithilfe des Alpaca-Portals Touristen in ihr hübsches Weinbaugebiet kommen.

Quambusch kaufte sich 2019 einen VW T3 Westfalia-Camper und träumte von der großen Freiheit, also davon, sich einfach irgendwo hinzustellen und zu übernachten. „Aber das ist nicht das, was ich suchte“, erklärt er, „man traut sich nicht, den Campingstuhl auszupacken, man ist halt illegal, hat Angst, Probleme zu kriegen, außerdem ein schlechtes Gewissen. So entstand unsere Idee.“

Illner ergänzt: „Die Reisemobilhersteller verkaufen ein Gefühl von Freiheit und Individualität, aber so ist es ja gar nicht. Man steht dann doch wieder in einer Art Reihenhaussiedlung mit lauter Regeln. Im Grunde ist das eine Mogelpackung. Als wir einige Hersteller mit unserer Idee konfrontiert hatten, sagten die spontan, wir würden genau das umsetzen, was sie andauernd versprächen. Man muss sich ja nur mal die Prospekte angucken: Da steht das Womo immer allein an einem See, gerne mit einem Lagerfeuerchen, aber nie auf einem Campingplatz mit 20-Quadratmeter-Parzelle.“

Quambusch: „Wir haben nun so etwas wie Airbnb, wir bringen Camper und Landbesitzer zusammen, die irgendwo eine ungenutzte Fläche haben, die sie nun noch vermarkten können. Meistens Landwirte. Die können ihre Produkte dann auch verkaufen. Hofläden etwa, eine Käserei, Imkerei, Winzer.“

Illner: „Unser Winzer hier, der Hermann Ebert, bietet drei Plätze an, und er schenkt jedem, der bei ihm campt, eine Flasche Wein. So lernen die Urlauber seinen Wein kennen und kaufen vielleicht noch mehr. Und wenn der Wein schmeckt, dann sind sie vielleicht für die nächsten zehn Jahre bei ihm Online-Kunde.“

”Die Reisemobilhersteller verkaufen ein Gefühl von Freiheit und Individualität.

Auch Ingrid Behringer, Chefin eines renommierten Weingutes der Region, macht beim Alpaca-Projekt begeistert mit: „Warum soll denn in unseren Weinbergen nicht mal ein Wohnmobil stehen können?“, fragt sie rhetorisch, und sie zerstreut Ängste bezüglich Vandalismus, illegaler Müllentsorgung und Fäkalien. „Nach meiner Erfahrung sind Camper gescheite Leute, die so etwas nicht tun.“

Auch Illner sieht die Gefahr des Missbrauchs als gering an: „Jeder muss den Platz online buchen, mit Namen und persönlichen Daten. Wenn er dann Dreck hinterlässt, können wir das nachverfolgen. Bislang gab es aber keinerlei Beschwerden.“

Warum das Portal Alpaca heißt? Quambusch: „Das war ursprüng- lich bloß unser Projektname. Doch da wir auch Alpaka-Höfe auf der Liste haben, blieb es einfach dabei.“

Wir haben das Campingdorf live ausprobiert. Wenn man online bucht, kriegt man sofort die Koordinaten des Stellplatzes per E-Mail zugeschickt. Mithilfe von Google Maps wird man dann direkt hingeführt, auch über eigentlich gesperrte Wege, die man als gebuchter Camper aber benutzen darf. Am Stellplatz steht dann noch mal ein Schild, sodass man sicher sein kann, auch am richtigen Punkt zu sein. Unser Campingplatz in den Weinbergen war jedenfalls großartig, die Ruhe himmlisch. So sollte Camping sein.

Bernhard Schmidt