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Wilde Kinderstube


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 32/2021 vom 06.08.2021

NATUR

Artikelbild für den Artikel "Wilde Kinderstube" aus der Ausgabe 32/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 32/2021

VERTRAUEN Nach 300 Tagen verlassen Graue Riesenkängurus den sicheren Beutel der Mutter. Im Alter von einem Jahr passen sie schon nicht mehr hinein, doch sie werden weiterhin gesäugt und betreut

Was ist das denn? Kann man das essen? Und wie klettert man eigentlich auf einen Baum? Für Tierkinder der Wildnis bringt jeder Tag ein neues Abenteuer. Die US-Fotografin Suzi Eszterhas hält solche ersten Schritte ins Leben mit ihrer Kamera fest. Das Schimpansenbaby, das mit der Mutter kuschelt. Die Mini-Erdmännchen, die ausgelassen toben. Es sind Fotos, die anrühren.

„Tierbabys sind einfach unwiderstehlich süß“, sagt Suzi Eszterhas. Das Wort klingt arg nach Kitsch. Aber: „Süß steht auch für Unschuld und Verletzlichkeit.“ Obwohl die Tierkinder so niedlich sind, wirken die Fotos nie schmalzig, es sind vielmehr intime, respektvolle Porträts. Die Bilder dokumentieren ein Verhalten, das in der Natur gar nicht so häufig ist, wie wir meinen. Egal ob Insekten, Fische, Reptilien oder Amphibien – in der Regel muss der Nachwuchs selbst sehen, wie er klarkommt. In den Genen steckt schon alles, was die ...

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... Tiere zum Leben brauchen. Meeresschildkröten etwa schlüpfen aus dem Ei, krabbeln vom Strand ins Meer und schwimmen los. Den „Luxus“, ihren Nachwuchs winzig, hilflos und verletzlich zur Welt zu bringen, leisten sich nur die meisten Vögel und Säugetiere.

Auf den ersten Blick wirkt das unsinnig, im Lauf der Evolution erwies es sich jedoch als Erfolgsrezept. Je weniger Nachkommen ein Tier zeugt, umso wertvoller ist jedes einzelne Junge – also wird es liebevoll umsorgt. Liebevoll? Da hätten Verhaltensbiologen früher nur den Kopf geschüttelt.

Mama ist die Beste

Sehen wir wirklich Mutterliebe, wenn ein Koala das Baby fürsorglich umarmt – oder nur den Instinkt, den Erhalt der Art zu sichern? „Alle Mütter der Wildnis, die ich erlebt habe, gingen zärtlich mit ihrem Nachwuchs um“, erinnert sich Naturfoto- grafin Suzi Eszterhas. „Berggorilla-Mütter sind die zärtlichsten. Sie wiegen ihre Babys genau wie Menschen. Ebenfalls wie Menschen pf legen sie den Säugling, pf lücken Insekten und Blätter aus den Haaren, tun alles für seine Gesundheit. Und der Kleine genießt diese Fürsorge sichtbar.“

Tiere im Blick

US-Fotografin Suzi Eszterhas begeistert sich schon seit frühester Kindheit für Tiere und Natur. Lieblingsmotiv der Anfang 40-Jährigen sind Tierbabys.

Bisher hat sie 21 Bücher veröffentlicht, die Erlöse gehen zum Teil an von ihr unterstützte Naturschutzorganisationen. Suzi Eszterhas verkauft ihre Bilder auch an Magazine oder als Prints und bietet Fototouren an, etwa in die Antarktis oder nach Indien (Infos: suzieszterhas.com). Die Fotos auf diesen Seiten stammen aus ihrem Bildband New on Earth (Earth Aware Editions, 352 S., ca. 26 €)

Tierkinder der Wildnis machen dieselben Lebensphasen durch wie wir. Vielleicht kommt uns deshalb sogar der Nachwuchs gefährlicher Raubtiere zutiefst menschlich vor. Erst wird gekuschelt und beschützt, dann steht Unterricht auf dem Plan. Der Jagdinstinkt etwa ist angeboren, doch Feinheiten müssen die Kleinen erst lernen – durch Beobachten, Nachahmen und viel Üben. Wo findet man die beste Beute? Wie schleicht man sich an?

In der Schule des Lebens

Erdmännchen lernen, Skorpione zu erbeuten, ohne sich dabei zu verletzen. Schimpansen schauen sich von den Älteren einen cleveren Trick ab: Sie knacken Nüsse mit einem Stein! Die ersten Versuche scheitern meist kläglich. Da hilft nur üben, üben, üben. „In Afrika konnte ich junge Wildhunde dabei beobachten, wie sie mit einem ‚Ball‘ aus Elefantenmist spielten“, berichtet Suzi Eszterhas. „Die Welpen waren sechs Wochen alt, ihr Spiel diente dazu, das Fangen von Nagetieren zu trainieren.“

Wer später Chef sein will, muss früh anfangen. Auch das erlebte die Fotografin hautnah: „Berggorillas lernen, indem sie ihre Eltern beobachten und nachahmen.

Ein kleiner Kerl schlug sich plötzlich wild auf die Brust. Diese berühmte Geste hatte er bei seinem Vater, einem Silberrücken, gesehen. Was später eine Demonstration von Stärke und Aggression sein soll, wirkte bei ihm einfach noch bezaubernd.“

Manchmal versuchen es die Großen mit gezielten Lektionen. Für Füchse etwa beginnt der Praxisunterricht, indem Mama den Welpen gefangene Mäuse vor die Pfoten legt – lebende Beute, die erhascht werden muss. Auch bei Familie Puma stehen Lektionen auf dem Lehrplan, die für uns grausam anmuten: Die Mutter überlässt den Kindern ein lebendes Guanakofohlen. Kleine Tatzen reißen das Tier immer wieder zu Boden, die jungen Raubtiere kratzen und schlagen ihre Zähne in die Beute, bis endlich ein tödlicher Biss das Guanako erlöst. Nur so sind sie später gewappnet fürs Leben. Dagegen mutet der Praxisunterricht der Orang-Utans harmonisch an. „Auf einem Foto sieht es so aus, als würde die Affenmutter ihr zwei Jahre altes Kind küssen“, sagt Suzi Eszterhas. „In Wirklichkeit bringt sie ihm bei, welche Nahrung sicher ist. Sie liefert den Geschmack direkt aus ihrem Mund. Denn im Dschungel wächst vieles, das für Orang-Utans giftig ist.“ Viel Aufwand für den besten Start ins Leben!

KAI RIEDEMANN, SUSANNE KOHL

SA 14.8. TV-TIPP

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TIERBABYS DOKU Die ersten Schritte. Wie die Kleinen lernen, was sie fürs Leben brauchen