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Wildes Tierleben: Rettet die Rehkitze!


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 17.05.2019

Tausende Kitze fallen jedes Jahr den Mähmaschinen bei der Wiesenmahd zum Opfer. Doch es gibt Hoffnung: Drohnen können die Rehkinder aufspüren und vor dem sicheren Tod bewahren


Artikelbild für den Artikel "Wildes Tierleben: Rettet die Rehkitze!" aus der Ausgabe 6/2019 von Ein Herz für Tiere. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 6/2019

Gut versteckt im Feld liegt ein etwa katzengroßes Fellknäuel. Es ist ein kleines Rehkitz, erst wenige Stunden alt und doch schon völlig auf sich alleine gestellt. Es drückt sich ins Gras und bewegt sich nicht. Das Neugeborene ist kaum zu sehen unter den hohen Halmen und hat noch keinen eigenen Geruch – so wird es von Beutegreifern nicht gewittert. Es ist eine perfekte Überlebensstrategie für die Wildnis und ein wirksames ...

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... Schutzverhalten. Das Kitz wiegt sich in Sicherheit. Doch plötzlich starten in der Ferne die Motoren eines Traktors. Die messerscharfen Klingen des Mähwerks beginnen mit mechanischer Präzision ihre Arbeit. Meter für Meter rollt die Maschine heran, scheidet ununterbrochen Gras und wird zu einer tödlichen Gefahr für das neugeborene Reh.

Hilflose Opfer

Hochrechnungen der Deutschen Wildtier Stiftung zufolge sterben jährlich rund 90.000 Rehkitze den Mähtod. Die Jungtiere laufen nicht weg, wenn sich die dröhnenden Maschinen nähern. Ihnen fehlt in den ersten vier Lebenswochen jeder Fluchtinstinkt. Droht eine Gefahr, verharren sie leise und bewegungslos auf ihrem Lager – und geraten in die Messer. Es ist ein schrecklicher Tod, oft bleiben die schwer verletzten Tiere tagelang unentdeckt, schreien nach ihrer Mutter und verenden qualvoll. Nicht nur Rehe sind betroffen: Auch Feldhasen und bodenbrütende Vogelarten wie Rebhühner oder Wachteln sterben häufig bei der Mahd oder werden schwer verletzt.

Suche nach Lösungen

Der Landwirt selbst hat kaum eine Chance, die Tierkinder zu entdecken. Sie sind zu gut versteckt, hervorragend getarnt und daher leicht zu übersehen. Doch der grausame Tod auf der Wiese ist vermeidbar. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Leid der Tiere zu verhindern. Zum Beispiel durch die Verschiebung der Mahd auf einen späteren Zeitpunkt. Hier gilt die Regel: „Je später im Jahr, desto größer die Überlebenschancen“. Häufig werden die Wiesen bereits Ende Mai oder Anfang Juni gemäht, also genau während der Setz- und Brutzeit vieler Tierarten. Durch einen späteren Termin lassen sich daher viele Tierleben retten. Zusätzlich kann die Fahrt- und Mähtechnik angepasst werden. Felder sollten immer von innen nach außen bearbeitet werden. Dadurch werden Wildtiere nicht eingekesselt und die Fluchtchancen erhöhen sich. Auch das intensive Absuchen des Feldes am Morgen vor den Mäharbeiten durch Freiwillige mit oder ohne speziell ausgebildete Hunde kann Leben retten. Doch oft sind die landwirtschaftlichen Felder viel zu groß, um sie vollständig abzuschreiten, die Arbeit ist zeitintensiv und so manches Wildtier entgeht den Blicken der fleißigen Helfer.

Hauptgefährdungszeiten einzelner Tiere

Hightech-Hilfe

Eine vielversprechende Rettungsmethode kommt aus der Luft: Um Flächen weiträumig und effektiv abzusuchen, hat sich in den letzten Jahren der Einsatz von Flugdrohnen bewährt. Zahlreiche Vereine, Privatpersonen und Organisationen im ganzen Land nutzen in Zusammenarbeit mit Landwirten und örtlichen Jägern bereits die ferngesteuerten Flugmaschinen, um Kitze vor dem sicheren Mähtod zu retten. Auch Carsten Kemna und Sven Pots von der Initiative „Rehkitzrettung Osnabrücker Land“ setzen auf die moderne Technik. Seit 2017 retten der Reha-Techniker aus Melle und der Ingenieur für Energie- und Umwelttechnik aus Bissendorf ehrenamtlich Kitze. „Wir nutzen Drohnen mit Wärmebildkameras, um vor Beginn der Mäharbeiten die Tiere in Feldern und Wiesen aufzuspüren und anschließend in Sicherheit bringen zu können“, erklärt Sven Pots. Gefundene Rehe werden dann mit einem schützenden Korb gesichert oder von der Fläche getragen. Natürlich nur mit Gummihandschuhen oder mit Grasbüscheln, damit sich kein menschlicher Geruch auf das Tier überträgt. „Wir konnten auf diese Weise in den Jahren 2017 und 2018 circa 400 Hektar Fläche absuchen und insgesamt 57 Rehkitze retten“, so Sven Pots. Ein sensationeller Erfolg. Carsten Kemna und Sven Pots wünschen sich, dass noch mehr Menschen ihrem Beispiel folgen und stehen Nachahmern gerne mit Rat und Tat zur Seite. Denn zum Rehkitz-Retter kann jeder werden, der sich für den Schutz unserer Wildtiere einsetzten möchte und das nötige Startkapital von circa 2.500 Euro für die Ausrüstung mitbringt. „Vorkenntnisse sind nicht nötig“, erklärt Sven Pots, „den Umgang mit Drohne und Wärmebildkamera kann man innerhalb weniger Stunden erlernen.“ Die ersten Nachwuchskräfte sind auch schon gefunden und werden in den nächsten Tagen das erste Mal auf den Feldern aktiv mithelfen. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn nur mithilfe solcher Rettungsaktionen kann es gelingen, dass unsere Wiesen wieder zu dem werden, was sie vor der modernen Landwirtschaft waren: eine geborgene Kinderstube für kleine Rehkitze.

IN SICHERHEIT Gefundene Kitze werden vorsichtig vom Feld getragen


ALLES IM BLICK Sven Pots (links) und Carsten Kemna spüren Wildtiere mit Flugdrohnen auf


Fotos: Adobe Stock, Mark Honerkamp, Rehkitzrettung Osnabrücker Land

Weitere Infos:
Die Rehkitzrettung Osnabrücker Land ist eine ehrenamtliche Initiative, die sich aktiv für den Schutz von Wildtieren, insbesondere von Rehkitzen, einsetzt. Dabei fokussieren sich die Gründer Carsten Kemna und Sven Pots nicht allein auf den eigenen Einsatz im Feld, sondern auch auf die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Suche und Anleitung von Nachahmern. Sind Sie neugierig geworden und wollen mithelfen? Dann kontaktieren Sie die Wildtierhilfe Osnabrücker Land unter:
www.rehkitzrettung.eu
E-Mail: rehkitzrettung.os@gmail.com
Telefon: 0172/13 00 474