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WILDKRANKHEITEN IM BILD (TEIL 1): Würmer & mehr


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 17.05.2018

Auf Wildkrankheiten könnten wir Jäger getrost verzichten. Nichtsdestotrotz müssen wir sie erkennen – spätestens beim Aufbrechen oder Zerwirken. Um Ihnen dies zu erleichtern, stellt ExperteMichael Freiherr von Keyserlingk-Eberiusim ersten Teil Lungenwurmbefall, Pasteurellose, EBHS und RHD in Bild und Wort vor.


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Krank erscheinendes Stück Rehwild: Von den hier vorgestellten Wildkrankheiten könnte Lungenwurmbefall oder aber Pasteurellose die Ursache sein.


FOTO: JOACHIM ARP

Die Fotos wurden überwiegend dem im Ulmer-Verlag erschienenen Buch des Autors „Farbatlas Wildkrankheiten“ entnommen.
ISBN: 978-3800159840 ...

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Die Fotos wurden überwiegend dem im Ulmer-Verlag erschienenen Buch des Autors „Farbatlas Wildkrankheiten“ entnommen.
ISBN: 978-3800159840

Das sieht ja ganz anders aus“, wird sich mancher Jäger beim Betrachten des Aufbruchs eines erlegten Stücks gedacht haben. Und tatsächlich sind erste Hinweise auf ein krankhaftes Geschehen häufig erst an den vorliegenden Organveränderungen zu erkennen, die sich, je nach Krankheitsstadium und Ursache, in durchaus unterschiedlicher Ausprägung darstellen können. Um vorhandene Kenntnisse aufzufrischen oder zu vertiefen, möchte ich in der Folgezeit die häufig vorkommenden Wildkrankheiten in komprimierter Form erläutern und mit Schwerpunkt auf die bildliche Darstellung der vielfältigen, möglichen Veränderungen am Wild und den Organen zeigen. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass die vorgestellten Bilder nur durch die Mithilfe engagierter und interessierter Jäger aus Niedersachsen in den vergangenen 25 Jahren durch Einsendungen von Fallwild oder krank erlegtem Wild entstehen konnten. Fallwild hat also durchaus auch seinen Wert! Zu Beginn wird jeweils eine Erkrankung parasitären, bakteriellen und viralen Ursprungs vorgestellt.

BAKTERIEN am Beispiel Pasteurellose

(auch Hasenseuche, Wild- und Rinderseuche, Geflügelcholera)

Wesen der Erkrankung
Die Pasteurellose zählt zu den „klassischen“ bakteriell bedingten Krankheiten bei Haar- und Federwild. Insbesondere bei Hasen und Wildkaninchen kann die Erkrankung einen seuchenhaften Verlauf mit zum Teil erheblichen Besatzverlusten nehmen. Infiziertes Wild stellt eine Ansteckungsquelle für landwirtschaftliche Nutztiere dar. Begünstigend für das Infektionsgeschehen wirken Immunsystem-schwächende Faktoren wie nasskalte Witterung, Äsungsmangel oder ein starker Parasitenbefall.

Vorkommen
Wiederkäuendes Schalenwild, Schwarzwild, Hasen, Wildkaninchen und einige Wildvogelarten.

Krankhafte Veränderungen
Am lebenden Stück Wild können zwei voneinander unterschiedliche Krankheitsverläufe beobachtet werden: Die akute Krankheitsform verläuft schnell, weist keine spezifischen Krankheitsanzeichen auf und endet häufig mit dem Verenden des betroffenen Wildes. An der chronischen Form erkranktes Wild zeigt Abmagerung, Mattigkeit und mangelhaftes Fluchtverhalten in Verbindung mit einer deutlichen Atemwegssymptomatik. Am verendeten Wild zeigt sich beim an der akuten Form verendeten Tier häufiger eine blutige Durchtränkung der Luftröhrenschleimhaut sowie vermehrte Blutfülle der Lunge, während bei der chronischen Verlaufsform bei allen Wildarten eine eitrige Herzbeutel-Brustfell-Lungenentzündung mit zum Teil flächigen, membranartigen Auflagerungen auf den Brusthöhlenorganen nachgewiesen werden kann.

Beurteilung
Sinnfällig verändertes Wildbret ist auch ohne Erregernachweis unschädlich zu beseitigen, Kleinwild zur Untersuchung einzusenden oder zumindest tief zu vergraben.

Abb. 1: Vergleiche vereinfachen das Erkennen von Wildkrankheiten. Deshalb hier die Lunge eines Feldhasen ohne nennenswerte krankhafte Befunde.


Abb. 2: Relativ frühes Krankheitsstadium mit aber schon deutlich sichtbaren Entzündungen und Verklebungen der Brusthöhlenorgane mit dem Brustfell.


Abb. 3: Chronische Pasteurellose beim Hasen mit ausgeprägten Verwachsungen von Organen der Brusthöhle mit dem Brustfell. Herz und Herzbeutel werden von einer gelbfarbenen, membranartigen Ummantelung umgeben.


Abb. 4: Herausgelöste Brusthöhlenorgane, die fest miteinander verwachsen waren, und der Brustkorb des Hasen aus Abbildung 3 (Hb = Herzbeutel).


Abb. 5: Auch beim Rehwild ist die Pasteurellose bekannt. Eitrige Lungenentzündungen gehören zum Krankheitsbild.


PARASITEN (Innen- und Außenparasiten)

am Beispiel Lungenwurmbefall

Wesen der Erkrankung
Lungenwürmer parasitieren in der Luftröhre sowie vor allem in den Bronchialästen der Lunge, wo sie bei starkem und länger andauerndem Befall massive Gewebsschädigungen hervorrufen können.

Vorkommen
Wiederkäuendes Schalenwild, Schwarzwild, Hase, Wildkaninchen und Haarraubwild.

Krankhafte Veränderungen
Am lebenden Wild sind Lungenbeschwerden wie Husten, in fortgeschrittenem Krankheitszustand auch schleimig-eitrige Entzündungen, Abgeschlagenheit sowie Abmagerung und Kümmern bei Jungtieren zu beobachten. Am verendeten Wild fallen entzündungsbedingte Farb- und Konsistenzveränderungen des Lungengewebes mit oftmals eitriger Lungen-Brustfellentzündung und der Nachweis zahlreicher Lungenwürmer in den aufgeschärften Bronchialästen ins Auge. Die im Verlauf der Erkrankung auftretenden sogenannten Lungenwurmbrutknoten stellen einzelne oder zusammenfließende, gelbgraue oder bräunliche Gewebeareale von speckiger Konsistenz dar.

Beurteilung
Bei ausgeprägten, mehrere Organe und das Wildbret betreffenden Veränderungen sind der Tierkörper und die Organe unschädlich zu beseitigen.

Abb. 6: Aufgeschärfte, große Bronchien vom Reh mit geringgradigem Lungenwurmbefall.


Abb. 7: Aufgeschärfte, große Bronchien – ebenfalls von einem Stück Rehwild – mit einem hochgradigen Befall mit Lungenwürmern.


Abb. 8: Der Lungenquerschnitt desselben Stück Rehwilds zeigt auch in den kleineren Bronchialästen ein massives Auftreten der Parasiten.


Abb. 9: Lunge eines Frischlings mit deutlichen entzündungsbedingten Verfärbungen beider Flügel. Grund: Lungenwurmbefall.


Abb. 10: Aus dem angeschnittenen Lungenflügel desselben Frischlings aus Abbildung 9 quellen reichlich Lungenwürmer hervor.


Abb. 11: Einzelne (rechter Lungenflügel) und miteinander verbundene (linker Lungenflügel) Lungenwurmbrutknoten (Pfeile) bei einem Stück Rehwild.


Abb. 12: Braun verfärbte, vom Lungengewebe scharf abgegrenzte und verfestigte Lungenwurmbrutknoten (Pfeile) bei einem Stück Rehwild.


VIREN am Beispiel Calici-Virusinfektionen der Hasen und Wildkaninchen

(EBHS (European Brown Hare Syndrome) und RHD (Rabbit Hemorrhagic Disease) „Chinaseuche“)

Wesen der Erkrankung
Beide Viruserkrankungen werden am häufigsten unter dem Sammelbegriff „Chinaseuche“ genannt und treten nur bei Hasen (EBHS) sowie Kaninchen (RHD) auf, in deren Besätzen sie zu plötzlichen, schweren Verlusten führen können.

Vorkommen
Ausschließlich Hasenartige.

Krankhafte Veränderungen
Am lebenden Wild ist die Variante RHD der Kaninchen durch ein symptomloses, plötzliches Verenden äußerlich völlig unauffälliger Kaninchen gekennzeichnet, während für an EBHS erkrankte Hasen eher unspezifische Krankheitsanzeichen wie Verlust der Scheu mit mangelndem Fluchtverhalten, Apathie und Orientierungslosigkeit angegeben werden. Verendete Wildkaninchen zeigen in Einzelfällen blutigen Nasenausfluss. Ansonsten können am verendeten Wild eine unterschiedlich stark ausgeprägte, blutige Durchtränkung der Luftröhrenschleimhaut, teils einhergehend mit einem schaumigen Ödem sowie punktförmige bis kleinflächige Blutungen ins Lungengewebe nachgewiesen werden. Ebenfalls häufig anzutreffen sind eine Schwellung und Verfärbung des brüchig erscheinenden Lebergewebes.

Beurteilung
Kleinwild sollte bei unklarer Todesursache oder bei Vorliegen der beschriebenen Veränderungen von Organen entweder zur Untersuchung eingeschickt oder unschädlich beseitigt werden.

Abb 13: Der hier abgebildete blutige Nasenausfluss bei einem an RHD (Rabbit Hemorrhagic Disease) verendeten Wildkaninchen ist nicht regelmäßig zu beobachten und in diesem Fall lagerungsbedingt verstärkt.


Abb. 14: Dagegen sind fast regelmäßig eine geschwollene Leber (rechts) und Milz (links unten) sowie vor allem Blutungen in das Lungengewebe bei der sogenannten Chinaseuche anzutreffen.


Abb. 15: Typisch geschwollene Leber eines an RHD verendeten Kaninchens; Ränder erscheinen nicht mehr scharf, sondern abgerundet.


Abb 16: Die Leber von einem gesunden Hasen ohne krankhafte Veränderungen, die sich in Farbe, Form sowie Konsistenz deutlich von …


Abb. 17: … den hier abgebildeten Lebern von an EBHS verendeten Hasen unterscheidet. Links mit kleinsten Spritzerblutungen auf der Leberoberfläche, rechts mit unregelmäßiger, rauer Oberfläche.


Abb. 18: Lungenveränderungen bei EBHS. Rechts Blutungen ins Lungengewebe und ein schaumiges Ödem in der Luftröhre, links nur mit vereinzelten Spritzerblutungen, dafür mit blutig durchtränkter und dunkler Luftröhrenschleimhaut.


FOTOS: MICHAEL FREIHERR VON KEYSERLINGK-EBERIUS

FOTOS: MICHAEL FREIHERR VON KEYSERLINGK-EBERIUS