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WILDKRANKHEITEN IM BILD (TEIL 4): Milben & mehr


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 17.08.2018

Wir Jäger sollten die geläufigsten Wildkrankheiten erkennen – allein schon deshalb, weil manche auch uns Menschen gefährlich werden können. Um Ihnen das zu erleichtern, stellt ExperteDr. Michael Freiherr von Keyserlingk-Eberiusim vierten Teil Räude und Tuberkulose vor.


Artikelbild für den Artikel "WILDKRANKHEITEN IM BILD (TEIL 4): Milben & mehr" aus der Ausgabe 90/2018 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

An Räude erkrankter Keiler. Statt Borsten weist er bereits an den meisten Körperpartien Borken auf. Die fortgeschrittene Abmagerung zeugt davon, wie sehr die Sau unter der Krankheit leidet.


FOTO: MICHAEL BREUER

BAKTERIEN am Beispiel Tuberkulose und Geflügeltuberkulose

Allgemeines
Die Tuberkulose ist eine seit vielen Jahrhunderten bekannte ...

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Allgemeines
Die Tuberkulose ist eine seit vielen Jahrhunderten bekannte und gefürchtete Infektionskrankheit bei Mensch und Tier. Seit 1997 gilt Deutschland als frei von der Rindertuberkulose, bei Wildtieren kann die Infektion an Fallwild oder krank erlegtem Wild sporadisch nachgewiesen werden.

Wesen der Erkrankung
Die Tuberkulose ist eine in der Regel schleichende, chronisch verlaufende Erkrankung bei Wild-, Nutz- und Haustieren, der Vögel und des Menschen. Der Erreger ist sehr widerstandsfähig und kann monatelang in der Außenwelt überleben.

Erreger
Als wichtigste Vertreter gelten Mycobakterium-Arten (M.) wie M. tuberculosis, M. bovis und M. avium.

Vorkommen
Beim Wild (Rot-, Reh-, Damsowie Schwarzwild, Hase), Nutz- und Haustieren sowie beim Menschen mit allen drei Erregertypen. Wild- und Hausgeflügel (nur M. avium). In England gilt insbesondere der Dachs als Erregerreservoir.

Übertragung
Tuberkelbakterien werden mit allen Ausscheidungen (Speichel, Lungenauswurf, Blut, Kot, Milch, Nachgeburt) in die Umwelt abgegeben und können auf diese Weise Nahrung kontaminieren und dadurch anderes Wild infizieren.

Krankhafte Veränderungen
Das Anfangsstadium der Infektion ruft beim noch lebenden Wild keine spezifischen Veränderungen hervor. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium zeigt sich Abmagerung, struppiges Haarkleid und, je nach Sitz des Erkrankungsherds, trockener Husten (Lunge) oder chronischer Durchfall bei Darmtuberkulose. Beim verendeten Tier lassen sich zahlreiche stecknadelkopfbis walnussgroße, tuberkulöse Herde mit verkäsendem bis krümeligem Inhalt nachweisen. Auf dem Brust- und Bauchfell finden sich perlschnurartig aufgereihte, etwa erbsengroße Tuberkel (sogenannte Perlsucht). Wildvögel scheiden große Mengen des (für diese Wildart) spezifischen Erregers (M. avium) mit dem Kot aus und stellen ein natürliches Infektionsreservoir für Zuchtgeflügel (z.B. Fasanerien) dar.

Beurteilung
Bei entsprechenden Veränderungen ist eine Fleischuntersuchung durchzuführen.

Bekämpfung
Abschuss sichtbar kranker Stücke. Hygienemaßnahmen bei Gatterwild und in Fasanerien.

Perlschnurartige Anordnung der Tuberkel (Pfeile) auf dem Brustfell bei Tuberkulose.


Zahlreiche Tuberkel in der Leber eines Fasans.


Lungentuberkel.


Geflügeltuberkulose: zahlreiche verkäsende Herde in Leber und Niere sowie verschieden große Tuberkel im Darm (Pfeile).


AUSSENPARASITEN am Beispiel der Räude

Extreme, räudebedingte Borkenbildung (Pfeile) in der Schwarte.


Allgemeines
Die Räude ist den meisten Jägern insbesondere durch ihr häufiges Auftreten in der Rotfuchspopulation wohlbekannt. Die Ausprägung der Krankheitssymptome kann dabei sehr unterschiedlich sein. Weniger bekannt dürften die räudebedingten Veränderungen der Haut bei anderen Wildarten sein.

Wesen der Erkrankung
Die Räude ist eine durch Milben hervorgerufene, mit starkem Juckreiz und ausgeprägten Entzündungserscheinungen einhergehende Hauterkrankung, die speziell beim Fuchs, aber auch bei Sauen und anderem Wild eine generalisierte Form annehmen kann und in der Regel unter fortschreitender Abmagerung und Erschöpfung zum Tode führt.

Erreger
Der Erreger der „klassischen“ Räude ist die Grabmilbe Sarcoptes, deutlich seltener werden je nach Wildart noch Milben der Gattungen Otodectes und die Haarbalgmilbe Demodex sowie die Herbstgrasmilben angetroffen.

Vorkommen
Sarcoptes-Milben werden beim Haarraubwild, Schwarzwild und bei Rot-, Reh- sowie Gamswild in der jeweiligen wirtsspezifischen Art angetroffen. Die Larven der Herbstgrasmilben kommen als blutsaugende Parasiten auf vielen Wildarten vor, häufiger werden sie bei Hasen und Wildkaninchen nachgewiesen.

Übertragung
Die Sarcoptes-Räude wird in erster Linie durch Kontakt zwischen infiziertem und nicht befallenem Tier übertragen. Daneben kann auch die Nutzung gleicher Scheuerstellen oder Lager eine Übertragung begünstigen. Eine Übertragung zwischen artfremden Individuen ist regelhaft nicht gegeben. Beim Menschen kann es über die ungeschützte Haut zu einer sogenannten „Scheinräude“ kommen, die aber auch ohne Behandlung nach wenigen Tagen abklingt.

Krankhafte Veränderungen
Beim lebenden Tier zeigen sich Abmagerung und stark ausgeprägter Juckreiz mit – wie ebenfalls beim verendeten Wild sichtbar – je nach Krankheitsstadium unterschiedlich stark ausgebildete Borken auf der Haut von Kopf, Rücken und Flanken mit im Endstadium großflächigem Verlust des Haarkleids. Bakterielle Sekundärinfektionen verschlimmern das Krankheitsbild.

Beurteilung
Liegen sinnfällige Veränderungen am Wildbret (Abmagerung, bakterielle Infektionen) vor, ist eine Fleischuntersuchung einzuleiten oder das Wildbret unschädlich zu beseitigen.

Dieser Frischling weist einen massiven Verlust der Beborstung an Brust, Rücken und Keulen auf.


Deutlicher Borstenverlust mit einhergehender Hautverdickung im Keulenbereich.


Hochgradige Ohrräude mit teils schmierigen Belägen an den Löffeln eines Hasen.


Ausgeprägte Hautborkenbildung im Augenbereich (Pfeil) sowie an Rücken und Lende beim Fuchs.


Räude im Endstadium bei einem Rotfuchs.


FOTOS: DR. MICHAEL FREIHERR VON KEYSERLINGK-EBERIUS

FOTOS: DR. MICHAEL FREIHERR VON KEYSERLINGK-EBERIUS