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WILDSCHADEN GRÜNLAND: Schwarzwildland statt Grünland?


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 30/2019 vom 15.02.2019

Jedes Revier mit Schwarzwild und Grünland kennt das jährlich wiederkehrende Problem: Alle Wiesen und Weiden schwarz! Wie damit umzugehen ist und was das finanziell bedeutet, erklärt RevierjagdmeisterRoman von Fürstenberg.


Artikelbild für den Artikel "WILDSCHADEN GRÜNLAND: Schwarzwildland statt Grünland?" aus der Ausgabe 30/2019 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: JÄGER, Ausgabe 30/2019

Bache mit Frischlingen bei der Grünlandschädigung. Insbesondere ihre über die Fläche verteilten Grubberarbeiten kommen dem Jagdpächter teuer zu stehen.


Das Bürgerliche Gesetzbuch sagt zum ersatzpflichtigen Schaden: „Wer zum Schadenersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre.“ Die ...

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... ersatzpflichtigen Wildschäden sind also so zu ersetzen, als hätte es sie nie gegeben. Das bedeutet einerseits, dass Grund und Boden wieder in einen Zustand versetzt werden müssen, der identisch mit jenem vor dem Schadenseintritt ist. Andererseits bedeutet der Ersatz auch, dass alle monetären Schäden in Form von Naturalersatz oder Geld zu ersetzen sind.

KOMPLEXE RECHNUNG

Wildschaden an sich, egal an welcher Kultur oder Fläche, ist schon nicht einfach, korrekt festzustellen und zu beziffern. Stellt sich die Situation bei Getreide und Mais noch relativ problemlos dar, weil Schadflächen gut ausgemessen und der Ertrag am Erntetag einfach errechnet oder gewogen werden kann, sieht’s bei Grünland ganz anders aus. Hier beginnt die Ertragseinschätzung bereits mit der Lage der Flächen, weiter geht es über Beschattung, Niederschlag, Pflege, Düngung, Aufwuchszusammensetzung, mögliche Erträge, Tiefe der Wühlschäden und den Schadenszeitpunkt. Weiterhin stellt sich die Frage der möglichen Wiederherstellung und der noch verbleibenden Nutzungsmöglichkeiten, um einen finanziell korrekten Ausgleich berechnen zu können. Bei Schäden auf Grünland gibt es also mehr zu berücksichtigende Punkte als bei Getreide oder Hackfrüchten.

PRAXISFERNE FRISTEN

Es ist immer sinnvoll, Wildschäden einvernehmlich zu begleichen. Die gesetzlichen Meldefristen sind gerade bei Grünland nicht sehr praxisnah, kommt es doch oft von Herbst bis ins Frühjahr hinein permanent zu neuen Schäden auf ein und derselben Fläche. Diese Schäden müssen im Frühjahr beseitigt werden, eine Heilung im Winter ist wenig praktikabel, ebenso wöchentliche Meldefristen, welche hier nur zu einem bürokratischen Aufwand führen. Die Frage, ob es tatsächlich Wildschäden sind und durch welche Wildart diese entstanden sind, stellt sich bei Grünlandschäden nicht – ist alles umgedreht, kommt nur Schwarzwild in Frage.

Luftbild einer Schadfläche: von einer Drohne aufgenommen. Über Google Earth lässt sich per Messtool die Schadfläche nun genau herausmessen.


Um die Schadflächen noch einfacher ermitteln zu können, wurde die Aufnahme dahingehend bearbeitet, dass die Kontraste stärker herausstechen.


Die Farbmarkierungen zeigen, wo maschinell nachgesät werden müsste. Genau das ist die Fläche, die dem Schadenersatz zugrunde gelegt wird.


FOTOS: ROMAN V. FÜRSTENBERG

WENIG, VIEL SCHADEN

Vereinzelte kleine Aufbrüche, oft flach, lassen sich einfach, schnell und kostengünstig von Hand zulegen und festtreten. In diesem Fall ist meist keine große Wiederherstellungsarbeit notwendig, somit entfällt hier auch ein großer Kostenpunkt. Anders sieht es aus bei großflächigen Schäden. Hier ist die Wiederherstellung mit der Maschine notwendig. Flache Placken entstehen meist auf junger Grasnarbe, tiefgründige auf alter Grasnarbe.

WAS IST SCHADEN?

Insbesondere im Grünland lassen sich die Schadflächengrößen nicht immer so klar abgrenzen wie bei Getreide. Grundsätzlich ist das „gewühlte Loch“ ersatzpflichtig. Die umgedrehten Placken der Grasnarbe, die außenherum liegen, zählen jedoch wegen des notwendigen Wiederherstellungsaufwands und der möglichen Ertragseinbußen ebenfalls zur Schadfläche. Doch damit nicht genug! Die maschinelle Wiederherstellung funktioniert nicht „lochgenau“, vielmehr handelt es sich um Geräte mit Arbeitsbreiten von 2,5 bis drei oder mehr Metern. Daraus ergibt sich der Umstand, dass auch die ungeschädigten Flächen zwischen größeren Schadstellen nicht einfach ausgelassen werden können. Sie müssen mitbearbeitet werden und zählen somit zur ersatzpflichtigen Schadfläche!

FLÄCHENERMITTLUNG

Die Schadflächen lassen sich bei einem gemeinsamen Begang grob in Prozenten einschätzen, sehr genau ist dies jedoch nicht. Besser ist ein gemeinsames Abschreiten. Geht es um größere Summen und Flächen, muss genau gearbeitet werden. Hierzu lassen sich die Flächen per Maßband oder Messrad vermessen. Die Maßbandmethode erfordert zwei Personen und dauert lange, das geht mit dem Messrad deutlich schneller. Heute ist GPS in nahezu jedem Handy und Hundeortungsgerät Stand der Technik. Durch das Umlaufen der Schadflächen lassen sich alle Schäden genau ermitteln. Noch leichter wird es, wenn eine Drohne zur Verfügung steht. Ein Bild aus der Luft, gerade nach unten auf etwa einen Hektar Fläche, lässt sich leicht in das kostenlose Google Earth importieren und dort georeferenzieren. Georeferenzieren bedeutet, das Foto lässt sich flächengenau auf die Karte legen und somit im Maßstab anpassen. Nun können per Messtool (Polygon Pfad) die Schadflächen herausgemessen werden. Wichtig hierbei ist es, etwa die Arbeitsbreite der Maschine mit einzubeziehen und auch die gesunden Stege mit einzurechnen. Noch einfacher lassen sich die Flächen ermitteln, wenn das Foto zuvor mit einer einfachen Fotobearbeitung dahingehend bearbeitet wurde, dass die Kontraste stärker herausstechen. Auch die Veränderung des Farbspektrums kann helfen, die Schäden deutlich von der ungeschädigten Fläche abzuheben. Stellen sich großflächige Schäden wie im Beispiel dar, kann der Schaden auf rund 70 Prozent der Fläche beziffert werden. Eine „Reparatur“ der ungeschädigten Flächen ist hier nicht notwendig. Sind jedoch etwa 70 Prozent einer Fläche in Form von vielen kleinen, flächigen Einzelschäden gleichmäßig geschädigt, ist durch die notwendige maschinelle Bearbeitung von einem 100-Prozent-Schaden auszugehen.

DER AUFWUCHSWERT

Über den Wert einer Grünlandfläche entscheidet in erster Linie die Pflanzenzusammensetzung und der daraus resultierende Energiegehalt. Stehen auf der Wiese neben 85 Prozent bester Futtergräser noch zehn Prozent Klee und fünf Prozent Löwenzahn, ist von einem sehr hohen Futterwert auszugehen. Besteht die Wiese hingegen neben zehn Prozent hochwertigen Gräsern nur aus 60 Prozent minder- oder mittelwertigen Gräsern und zu weiteren Teilen aus Ampfer, Diestel und Brennnessel, ist von einer sehr niedrigen Qualitätsklasse und somit von einem geringen Futterwert bzw. Energiegehalt auszugehen. Diese Werte lassen sich mittels Tabellenwerken der Landwirtschaftskammern genau ermitteln. Diese Tabellen geben auch Aufschluss über begrenzende Faktoren wie Düngung oder Niederschlag, welche die Hektarerträge schnell deutlich von der 100-Prozent-Erwartung herabsetzen können. Weiterhin ist die Nutzungsform unbedingt zu berücksichtigen. Handelt es sich um eine einfach Weide, liegen die Erträge je nach Ertragsstufe zwischen 25.000 und 55.000 Mega-Joule Netto-Energie-Laktation (MJ NEL – Nährwertangabe aus der Landwirtschaft) je Hektar. Diese sind mit 0,023 Euro je MJ NEL zu ersetzen. Somit kann der Ersatz zwischen 0,06 bis 0,13 Euro pro Quadratmeter liegen. Der Ertrag einer Mähweide (50 % Silage, 50 % Beweidung) liegt je nach Ertragsstufe zwischen 30.000 und 67.500 MJ NEL je Hektar. 0,024 Euro sind hier je MJ NEL anzusetzen, was zu einer Spanne von 7 bis 16 Cent je Quadratmeter führt. Das teuerste sind Wiesen. Hier liegt der Preis eines MJ NEL bei 0,05 Euro. Die Energiegehalte je Hektar liegen je nach Ertragsstufe zwischen 20.000 und 50.000 MJ NEL. Hierdurch kommt es zu einer Spanne von 10 bis 25 Cent je Quadratmeter.

NEU IST TEUER

Der volle Ertragsausfall einer Wiese höchster Ertragsstufe würde somit bei 0,25 Euro je Quadratmeter mit 2.500 Euro zu Buche schlagen. Hinzu kommen noch die Kosten der Wiederherstellung, die vom angewandten Verfahren abhängig sind. Hierfür sollten die Richtsätze der örtlichen Maschinenringe zugrunde gelegt werden. Weiterhin muss der Landwirt so arbeiten, als müsse er es selbst bezahlen. Die Wiederherstellung des Schadens durch den Landwirt birgt den Vorteil, dass eventuelle Nachforderungen aufgrund von Saat- oder Verfahrensfehlern nicht haltbar sind. Für die genaue Einschätzung sollten immer die Tabellen der Landwirtschaftskammern genutzt werden.

KOMPENSIERUNGEN

Ist nun die teure, fünf Hektar große Wiese im Herbst/Winter geschädigt worden und das auch noch auf einem Hektar verteilt, sind dann tatsächlich 2.500 Euro fällig? Nein! Hierbei handelt es sich um den kompletten Aufwuchsschaden eines ganzen Jahres. Wird der Schaden jedoch bereits im zeitigen Frühjahr repariert und die Fläche nachgesät, können noch Schnitte erfolgen. Je nach Nutzungsintensität variiert die Anzahl der Schnitte zwischen einem und fünf. Liegt die Fläche auf einem sehr günstigen Standort und wird fünf Mal im Jahr gemäht, entfallen auf den ersten Schnitt etwa 30 Prozent der Gesamtleistung (siehe Tabelle). Dieser Schnitt entfällt komplett! Der zweite Schnitt macht etwa 20 Prozent aus, dieser kann teils – je nach Wetterlage – entweder komplett oder gar nicht genutzt werden. Als Mittel lassen wir die Hälfte des zweiten Schnitts nutzbar, es ist somit ein Ausfall von 40 Prozent des Gesamtaufwuchses zu ersetzen. Das sind immer noch 1.000 Euro plus Maschinen- und Personalkosten! Ähnlich sieht es bei einer Weide aus. Zwar liegen die Aufwuchsschäden hier nur zwischen 600 und 1.300 Euro je Hektar, jedoch sind auch die Aufwüchse dieser Flächen nicht gänzlich verloren. Je nach Jahreszeit, Wetter und Wiederherstellungszeitpunkt kann hier von etwa 30 bis 70 Prozent Verlust ausgegangen werden. Zuzüglich der Wiederherstellungskosten natürlich. So liegt der Quadratmeterpreis inklusive Aufwuchsschaden und Wiederherstellung einer einfachen Weide mit niedrigem Ertragsniveau in einer beschatteten Waldlage bei etwa 7 Cent je Quadratmeter. Kommt es im Jahr der Neuaussaat zu witterungsbedingten Ausfällen, sind auch diese ersatzpflichtig. Das Saatgut wäre ja nicht an der Bodenoberfläche vertrocknet, hätte es den Schaden nicht gegeben. Ebenso ist der Ertrag des Folgejahres zu beobachten, liegt dieser auf der nachgesäten Fläche unterhalb des normalen Ertragsniveaus, liegt auch hier eine Ersatzpflicht vor.

Grünlandschädiger beim nächtlichen Treiben. Damit dies nicht lange unentdeckt bleibt, sind gefährdete Flächen oft zu kontrollieren.


FOTO: ROMAN V. FÜRSTENBERG

Grasmahd: nicht eingeebnete Schwarzwildschäden können hierbei zu verunreinigtem Erntegut führen. Auch dies ist ersatzpflichtig!


FOTO: ARCHIV JÄGER

Wiesenhobel im Einsatz, um die Wühlschäden der Sauen in einem Arbeitsgang einzuebnen und nachzusäen. Die hier anfallenden Kosten hat der Revierpächter neben dem Ertragsausfall zu ersetzen.


FOTO: JENS KRÜGER

Das Schaubild zeigt die möglichen Verfahrenswege bei dem Auftreten eines Wildschadens. Diese reichen von gütlicher Einigung bis hin zum Gerichtstermin.


UND BEI NEUPACHT?

Steht die Neupacht eines Feldreviers an, sind nicht nur die möglichen Ackerschäden, sondern auch die Wiesenschäden in die Kalkulation einzubeziehen. So können Wildschäden in einem 200-Hektar-Revier bei einem hohen Wildbestand und idealen Wuchsbedingungen jährlich schnell fünfstellig werden. Sind dann die Rücklagen zu gering, kann rasch die Privatinsolvenz drohen. Besser ist es, im Vorwege einen gedeckelten Pachtvertrag mit der Jagdgenossenschaft abzuschließen, hierbei sind auch Staffelungen möglich. Grundlage, dass solche Modelle funktionieren, ist jedoch eine dem Wildbestand angepasste Bejagung, die übermäßige Schäden reduziert!

Grünland ist keinesfalls gleich Grünland, die Flächenerträge variieren stark.


FOTO: KARL-HEINZ VOLKMAR

SCHAUBILD UND TABELLEN: ROMAN V. FÜRSTENBERG