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WINDOWS 7: Windows 7 – Das Ende einer Ära


Chip - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 03.01.2020

Schluss mit lustig: Windows 7 war ein durchschlagender Erfolg. Leider hat Microsoft aus dieser Version nicht die richtigen Lehren gezogen und erschwert so den Abschied


Artikelbild für den Artikel "WINDOWS 7: Windows 7 – Das Ende einer Ära" aus der Ausgabe 2/2020 von Chip. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Chip, Ausgabe 2/2020

Wenn Microsoft am 14. Januar 2020 den Kundendienst für Windows 7 einstellt, geht eine Ära zu Ende: So erfolgreich, nutzerfreundlich und auf der Höhe der Zeit wird wahrscheinlich kein Windows mehr sein. Aber es wirft auch eine Frage auf: Wie erfolgreich muss ein Produkt sein, dass es nicht mehr eingestellt werden darf?

Als Microsoft im Oktober 2009 Windows 7 auf den Markt brachte, war das ein Befreiungsschlag. An den Vorgänger Windows ...

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... Vista (2006) hatte Microsoft große Erwartungen geknüpft. In großen Werbekampagnen wurde es als „einfachere, sicherere, vernetztere und unterhaltsamere“ Alternative beworben: die Zukunft jederzeit ans Internet angeschlossener Computer. Aber nach einem tollen Verkaufsstart entpuppte sich Vista als Katastrophe. Die neue Oberfläche sorgte für Verwirrung – Kompatibilitätsprobleme mit Treibern sowie hohe Hardware-Anforderungen vermiesten vielen Aufrüstern die Lust am neuen Betriebssystem. Und jeder zweite Klick, so schien es, führte zum Sperrbildschirm der Benutzerkontensteuerung (UAC): Wollen Sie das wirklich tun?

Mit Bedeutungsverlust konfrontiert, musste Microsoft nun zeigen, dass es auch besser geht: Unter einer modernen, aufgeräumten Oberfläche namens Windows 7 lief ein erstaunlich flinkes, stabiles System. Dass es so gut ankam, lag aber auch am niedrigen Verkaufspreis und den günstigen Umgebungsbedingungen: Seit der Einführung von Vista waren drei Jahre vergangen. In dieser Zeit wurden nicht nur alte Treiber und Programme an das neue System angepasst, auch Computer machten Riesenschritte nach vorn.

Waren zum Vista-Start 2006 ein Gigabyte Arbeitsspeicher noch eine Seltenheit, gehörte das 2009 schon zur Minimal- austattung neuer Computer. Windows 7 wurde sofort ein Erfolg. Fünf Jahre nach Einführung hatte Windows 7 einen weltweiten Marktanteil von 50 Prozent erreicht. Windows XP, einst auf neun von zehn Internet-Computern installiert, war auf Platz 2 mit rund 25 Prozent – mehr als Windows 8 und 8.1 zusammen. Und Windows 7 blieb so erfolgreich! Erst im Januar 2019 konnte Windows 10 (Veröffentlichung 2015) seinen Vorvorgänger knapp überholen. Im Oktober dieses Jahres lief noch auf jedem vierten Computer Windows 7.

Das letzte gute Betriebssystem

Solche Zahlen bedeuten nichts Gutes. Wenn Windows 7 im Januar sein letztes Sicherheitsupdate erhält, könnten Millionen dann unzureichend geschüzte Installationen ans Internet angeschlossen bleiben. Microsoft bietet zwar bestimmten Firmenkunden gegen Geld eine Supportverlängerung um drei Jahre an. Aber das hilft Privatnutzern nicht. Die müssen darauf hoffen, dass ihnen Microsoft wenigstens bei außerordentlich großen Gefahren außer der Reihe ein Sicherheitsupdate zuspielt. So veröffentlichte Microsoft noch im Mai 2019 einen Antiwurm- Patch für Windows XP. Das reicht aber nicht.

Doch wer trägt die Verantwortung dafür? Die Millionen Kunden, die nicht auf ein modernes, sichereres Produkt aktualisieren möchten, oder das Unternehmen, dessen Produkt zu erfolgreich war? Die Situation wird kniffliger, wenn man in Microsofts Update-Vergangenheit blickt: Zwar zeigten die Redmonder mit Windows 7, wozu ein modernes Betriebssystem in der Lage sein kann. Aber gleich mit der nachfolgenden Version ließ es alle Hoffnungen auf eine goldene OS-Zukunft wieder platzen: „Schrott“, „ein Desaster“, „unbrauchbar“ lautete die Kritik an der verkorksten Nutzerführung und dem ungewohnten Touchdesign von Windows 8. Selbst als Microsoft nach nur einem Jahr mit Windows 8.1 die schlimmsten Usability-Eingriffe zurückdrehte, half das auch nicht mehr, die Kundschaft zum Update zu überreden.

Updatezwang und Dauerüberwachung

Und mit Windows 10 zeigte Microsoft, dass ein Betriebssystem nicht nur seinen Nutzern und Nutzerinnen im Weg sein, sondern dass es mit ihnen auch über Kreuz liegen kann. Erst versuchte es Microsoft mit Zwangsupdates von Stammkunden auf Windows 10 – ein Gebaren, für das sich das Unternehmen in Deutschland eine Unterlassungserklärung und weltweit Gerichtsverfahren einfing. Dann platzierte Microsoft ungefragt immer mehr Werbeanzeigen in Windows-Anwendungen wie zum Beispiel dem Explorer, dem Lockscreen und dem Startmenü. Die letzte Grenze der Vertrauenswürdigkeit überschritt Microsoft aber mit der nach und nach verschärften und vielfach auch erschlichenen Erhebung sogenannter Telemetriedaten. Und das sind nur die Funktionen, die es in die finalen Fassungen von Windows 10 geschafft hatten. Mit einem (deinstallierbaren) Update wollte Microsoft diese Datenerhebung auch auf Windows 7, 8 und 8.1 ausweiten.

Wer einen modernen Computer mit moderner Hardware betreiben will, kommt an einem modernen Betriebssystem nicht vorbei. Das ist Windows 7 leider nicht mehr. Trotzdem sollte man nicht dessen symbolische Bedeutung unterschätzen: Aus der Not geboren war es vielleicht das letzte Betriebssystem, das einfach nur machte, was man von ihm verlangte. Man könnte auch sagen, das einfach funktionierte. redaktion@chip.de


Einfachheit, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit“
Steve Ballmer, Ex-Microsoft-CEO über die richtigen Zutaten für Windows 7 auf der CES 2009


Bewegte Erfolgsgeschichte

Ein übermächtiges XP, ein katastrophales Vista: Windows 7 war ein Befreiungsschlag. Mit seinem immensen Erfolg rechnete niemand – und dass es Microsoft eine halbe Millarde Euro Strafe kosten würde


ILLUSTRATION: SUSANNE RÖHRIG FOTO: JESÚS GORRITI/CC BY-SA 2.0