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WINTER-WALLER: NICHTS FÜR WEICHEIER


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 07.12.2018

Vereiste Ringe, klamme Finger und knietiefer Matsch – Welsangeln im Winter zählt zu den härtesten und erbarmungslosesten Vorhaben überhaupt. Wels-FlüstererStefan Seuß weiß, was Winterwaller wollen.


Artikelbild für den Artikel "WINTER-WALLER: NICHTS FÜR WEICHEIER" aus der Ausgabe 10/2019 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Zelt statt Iglu – wenn andere vor dem Kamin sitzen, harrt Stefan Seuß lieber draußen aus.


FOTOS: S. SEUSS

Nehmen Sie sich besser einen Akku mehr mit. Bei diesen Temperaturen machen die Batterien schnell schlapp.


Biegen bis zum Brechen: Bei solchen Drills werden selbst klamme Finger wieder warm.


Viele Angler glauben, dass man Welse nur in den warmen Monaten des Jahres fangen kann, aber das ist falsch. Der Wels ...

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... ist ein Räuber, der das ganze Jahr frisst, sogar im Winter bei Minustemperaturen. Natürlich sind bei kaltem Wasser sein Energieumsatz und die Verdauung des Wallers deutlich gedrosselt. Daher muss man oft lange auf einen Biss waren, aber das Ausharren lohnt sich, denn die Chancen auf kapitale Fische sind enorm hoch.

In den vergangenen Jahren habe ich öfter die Winterzeit am Wasser verbracht und versucht, Welse bei Wassertemperaturen unter fünf Grad an den Haken zu bekommen. Eis und Schnee waren meine Begleiter und ich musste Probleme bewältigen, die es bei der Sommerfischerei nicht gibt. Angefangen vom Versagen des Gasbrenners durch Minustemperaturen, über gefrorene Lebensmittel bis hin zu komplett vereisten Angelrollen und steif gefrorenen Schnüren. In der Winterzeit verfolge ich zwei Methoden, mit denen ich meinen Tagesablauf am Wasser perfekt ausfüllen kann. Tagsüber versuche ich die Räuber aktiv mit kleinen toten Köderfischen oder Gummifischen am Vertikalsystem direkt am Grund zu beangeln. Bei Sonnenuntergang suche ich Schutz im Zelt und wähle eine passive Angelmethode: Ich biete meine Köder knapp über Grund mit Hilfe einer Unterwasserpose an. So habe ich rund um die Uhr meine Köder im Wasser und kann perfekt die aktiven Zeiten der Räuber als Angler ausnutzen.

An den meisten Gewässern, die ich im Winter beangelt habe, fand ich die Fische in den tiefsten Bereichen des Gewässers und habe Welse in Wassertiefen bis 28 Meter fangen können. Natürlich variieren die Wassertiefen mit den entsprechenden Gewässern, in einem flachen Fluss wie zum Beispiel der Elbe kann schon eine vier Meter tiefe Rinne ein Hotspot sein, wenn ringsherum der Fluss nur zwei Meter tief ist. Ein Flussangler sollte sich dabei auf Angelplätze wie zum Beispiel Rinnen, Hafengebiete, Oberwasser von Stauwehren, Brückenpfeiler und tief abfallende Steinpackungen konzentrieren. In Seen dagegen sind die tief abfallenden Uferkanten die Hot Spots. Die Winterfischerei im Fluss ist deutlich einfacher als in stehenden Gewässern, da die Welse in der Strömung mehr Energie aufbringen müssen als in einem stehenden Gewässer. Demnach muss ein Flussfisch öfter auf Beutefang gehen als ein Seewaller.

GRUPPEN-DYNAMIK

Die Fische bilden in der kalten Jahreszeit oft größere Gruppen an den Hotspots, andere Gebiete sind fischleer. Am richtigen Platz besteht also immer die Möglichkeit, mehrere Welse hintereinander zu fangen. Tagsüber liegen die Waller in der kalten Zeit inaktiv am Grund und lassen sich mit einer aktiven Köderführung fangen, vorausgesetzt man schafft es, den Köder dem Wels direkt vors Maul zu platzieren. Eine sehr gute Zeit für den aktiven Ködereinsatz vom Boot waren die Morgenstunden, wenn die Sonne aufging und die Mittagszeit. In den Abendstunden und zur Dunkelheit hin, hatte ich weniger Bisse und vermute, dass die Fische auf Raubzug waren und deshalb auf die grundnahen Köder nicht reagiert haben.

Solide Rollen, schwere Bleie: Die beiden Cat Balls im Vordergrund sind mit Gummi überzogen, damit sie keinen Lärm beim Auftreffen auf den Grund erzeugen.


„WELSE FANGEN IM WINTER GEHÖRT FÜR MICH ZU DEN HÄRTESTEN VORHABEN ÜBERHAUPT!“


Diesen Wels von 230 Zentimetern Länge überlistete Stefan mit der Vertikalrute.


Fischen: vertikal. Schnee: horizontal. Wels-angeln im Winter ist nicht jedermanns Sache.


VERTIKALE KÖDERFÜHRUNG

Das Vertikal Angeln ist eigentlich sehr einfach: Man treibt mit dem Boot, lässt dabei seinen Köder senkrecht zum Grund ab und hält diesen knapp 20 Zentimeter über Grund. Dabei ist es wichtig das Gewicht des Vertikal-Systems exakt der Driftgeschwindigkeit des Bootes anzupassen. Meist setze ich Bleiköpfe zwischen 80 uns 250 Gramm ein. Bei der vertikalen Führung wird der Köder über Stunden präzise am Grund oder kurz über Grund geführt und ein geübter Angler hat die Möglichkeit in Verbindung mit einem leistungsstarken Echolot und einem E-Motor, welcher die Drift verzögert, die am Grund liegenden Welse sehr präzise zu beangeln.

Auf die Rollen muss Verlass sein, auch wenn sie total vereist sind.


Ich haben viele Jahre nach dem perfekten und vor allem unauffälligen Vertikalsystem gesucht, das auch leise am Grund (bei kiesigem Untergrund ist ein herkömmlicher Bleikopf lauter als bei schlammigen Boden) aufgesetzt werden kann und haben den voll gummierten und mit einer stabilen Edelstahlachse versehenen Cat Ball entwickelt. Dieses System ermöglicht auch eine geradlinige Köderpräsentation von toten Köderfischen direkt hinter dem Cat Ball.
Die Farbe Schwarz kommt bei sehr klarem Wasser zum Einsatz, die Farbe Glow-inthe-Dark in trübem Wasser.

DREI ANGELTECHNIKEN

Bei der vertikalen Fischerei ist die Rute der verlängerte Führungsarm des Anglers. Sie sollte eine Länge von 180 bis 210 Zentimetern haben, einen straffen Blank und eine schnelle Aktion.

Die Angeltechniken sind sehr unterschiedlich und richten sich immer nach den jeweiligen Situationen. Die wichtigsten sind:

Toter Köderfisch: Hier wird der Köder kurz über Grund gehalten und nicht bewegt. Diese Methode ist sehr anstrengend, da ständig das Echolot beobachtet werden muss, damit der Angler sehr konzentriert den Köder über weite Drift-Strecken circa 20 Zentimeter über Grund präsentieren kann. So wird gerade eben über den Köpfen der Waller gefischt. Oft ändert sich der Untergrund des Gewässers sekundenschnell und es besteht eine große Hängergefahr.

Dieser Januar-Waller biss bei einer Wassertemperatur von nur vier Grad.


Schlammschlacht: Wenn der Schnee getaut ist, herrscht um das Zelt herum eine einzige Matschwüste.


Jigging: Unter Jigging versteht man das Hüpfenlassen des Köders am Grund oder kurz darüber. Diese Angelart ähnelt dem Pilken auf Dorsch und Co. – der Angler bewegt permanent die Rute in kürzeren oder höheren Zügen und lässt so seinen Köder im Wasser springen. Besonders in Zeiten, wenn die Welse aktiv sind, ist diese Köderführung sehr fängig.

Cat Ball: Aktuell geht der Trend zu einer langsamen Präsentation von lebenden oder toten Naturködern wie Karauschen, Karpfen und Rotaugen. Diese Köderfische werden mit dem Cat-Ball-System gefischt und sehr naturgetreu präsentiert. Der montierte Cat Ball besteht aus einem Bleigewicht mit steifem Schlauch zum Einzelhaken und einem Stinger (Drilling oder Ghost Hook) am Ende des Vorfaches. Der Einzelhaken wird dem Köderfisch durch die Oberlippe gesteckt und der Drilling in der Flanke des Fisches befestigt. Das System wird mit langsamen Bewegungen der Rute geführt.

SCHLAUE WELSE

Ein großes Thema unter Vertikalspezialisten ist das Misstrauen der Waller. Dieses nimmt mit steigendem Angeldruck zu. Erfahrene Angler schaffen es, ihren Köder so zu führen und am Grund zu präsentieren, dass der Wels keinen Verdacht schöpft und zupackt. Mit einem Köderfisch ist man bestens beraten, da dieser neben einer sehr natürlichen Bewegung auch noch eine für den Wels bekannte Duftnote ins Wasser abgibt. Wird ein Köder vertikal in der Nähe eines Wallers angeboten und der Wels registriert die Bewegung und nähert sich, was man auf dem Bildschirm des Echolotes verfolgen kann, würde ein natürlicher Beutefisch sofort sein Verhalten ändern und ängstlich das Areal verlassen. Die Beute wird hektisch und versucht, zu fliehen. Angler, die ihren Gummifisch jetzt immer nur mit der gleichen Bewegung zupfen, haben dann das Nachsehen, weil der Wels das untypische Verhalten des Köders als Gefahr erkennt und desinteressiert abdreht.

ANSITZ BEI FROST

Je kälter das Wasser ist, desto tiefer ziehen die Beutefische und die Jäger folgen ihnen. Am Grund sammelt sich nun die Nahrung, das Mittelwasser und die obere Wassersäule sind weitestgehend nahrungsarm. Auch der Wels frisst jetzt vorwiegend am Grund. Deshalb sollte unser Köder auch knapp über Grund angeboten werden. Dazu wird auf das Vorfach ein Auftriebskörper aufgezogen, der den Köder leicht vom Gewässerboden abhebt. Ich verwende bei dieser Montage schwere Grundbleie oder Steine, die mit einer Reißleine oder einem Wirbel mit dem Seaboom in der Montage (siehe oben) verbunden sind. Auf diese Weise schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen ist der Köder im Fluss durch das Gewicht des Steins oder Bleis sicher an einer Stelle fixiert und treibt nicht ab. Bei einem Biss wirken Stein/ Blei als Gegengewicht und der Waller hakt sich bei der ersten Flucht selbst, wenn man einen Stopper auf der Hauptschnur befestigt. Dieser sollte sich kurz vorm Seaboom befinden. So ist ein optimaler Selbsthak-Effekt gesichert.

Der Tauwurm zählt zum Welsköder Nummer Eins im Winter. Um die Ringler lockend anzubieten, ködere ich bis zu zehn Würmer auf einem Haken an. Unter Wasser pulsiert dieses Bündel und in Verbindung mit dem Geruch der aufgezogenen Würmer bietet man dem Wels einen echten Leckerbissen. Wer möchte, kann zudem das Wurmbündel in deftige, fischige Lockstoffe tunken. An schwierigen Tagen kann das den Unterschied zwischen Fangen und Nichtfangen ausmachen.

Kleine farbige U-Posen im Mini-Format bringen beim Ansitz den großen Fang. Sie werden kurz vor den Köder geschaltet


Wer seine U-Posen zusätzlich mit einem Knicklicht ausstattet, bietet den Welsen einen zusätzlichen Reiz.


LICHT-REIZE

Seit einigen Jahren experimentiere ich mit leuchtenden Auftriebskörpern und Unterwasserposen mit Knicklichteinsatz, die direkt vor dem Köder eine Lichtquelle in der Tiefe erzeugen. Sehr oft macht dieser zusätzliche Reiz träge Winterwaller munter.


ZEICHNUNG: ULF KOCH