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„Wir brauchen Köpfe in der Liga – und das ist Max Eberl“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 38/2022 vom 21.09.2022

ROLAND VIRKUS

BUNDESLIGA

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„Bei Yann Sommer versuchen wir gerade, uns anzunähern“

SPORT BILD: Herr Virkus, als Sie im vergangenen Februar Sportdirektor wurden, steckte die Borussia in der Krise: Abstiegskampf, ständige Diskussionen um Trainer Adi Hütter, Ärger mit den Fans, viele Spieler wollten weg. Haben Sie den Klub im Sommer vor dem Zerfall gerettet?

ROLAND VIRKUS (55): Der Klub ist so alt und gewachsen, so ein Verein zerfällt nicht. Und ich allein würde das schon gar nicht verhindern können. Aber klar: Die Situation war schwierig und gefährlich. Es hat ein paar Körner gekostet, den Verein wieder auf Kurs zu bringen. Aber wir haben es als Team hingekriegt. Das ist bis hierhin eine schöne Geschichte, die aber noch nicht zu Ende ist.

Die auslaufenden Verträge von Alassane Plea und Jonas Hofmann konnten Sie bis 2025 verlängern. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch Torhüter Yann ...

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... Sommer einen neuen Vertrag unterschreibt und nicht ablösefrei geht?

Es gibt einen natürlichen Rahmen bei Borussia. Und obwohl Yann seit langer Zeit eine absolute Stütze dieser Mannschaft ist, muss man sagen, dass es Dinge im Leben gibt, die man sich nicht so einfach leisten kann. Wir würden ihn unheimlich gerne halten, sind in regelmäßigen Gesprächen. Jetzt müssen wir schauen: Kommen wir zusammen?

Den Rahmen kennt Yann Sommer, da er einen Dreijahresvertrag vorliegen hat.

Mögliche Vertragsinhalte werde ich hier nicht bestätigen. Nur so viel: Wir versuchen, uns gerade zu strecken. Man kann immer versuchen, sich anzunähern. Da sind wir gerade dabei.

Strecken heißt: finanziell nachbessern?

Wir müssen vielleicht überdenken, ob wir auf der einen Seite etwas mehr geben, woanders etwas abziehen.

Hat auch Stürmer Marcus Thuram ein Angebot vorliegen?

Marcus Thuram weiß auch Bescheid, was wir wollen. Er ist ein sehr guter Stürmer. Wir haben eine klare Idee, wie wir ihn noch weiter verbessern können.

Und Ramy Bensebaini?

Alle Spieler, deren Verträge im kommenden Sommer auslaufen, würden wir gerne verlängern. Weil es Leistungsträger dieses Klubs sind. Das eine wird funktionieren, das andere wird nicht funktionieren. Weil auch die Spieler für sich vielleicht andere Ziele haben.

Eine weitere Überraschung schafften Sie, als Sie Julian Weigl für ein Jahr von Benfica Lissabon ausgeliehen haben. Ist es überhaupt möglich, dass Borussia die Kaufoption in Höhe von 15 Millionen Euro im kommenden Sommer ziehen kann?

Nein, eine solche Summe wäre nicht möglich. Es war nun so: Wir haben Julian eine klare Perspektive für diese Saison aufgezeigt, er hat auf sehr viel verzichtet. Somit war die Leihe darstellbar. Was danach passiert, kann ich noch nicht sagen.

Klingt sehr danach: Entweder der Preis muss deutlich gesenkt werden – oder Julian Weigl spielt nur ein Jahr in Gladbach.

Manchmal entwickelt sich ein Spieler bei einem Klub so sehr, dass man eine neue Lösung findet, weil der Wunsch des Spielers auch so groß ist, dass er bleibt. Aber das hat natürlich Benfica mitzuentscheiden. Wenn Julian sich hier gut entwickelt, werden wir alles versuchen, ihn langfristig zu binden. Aber klar ist auch: Wir können im Moment keine großen Millionen-Summen mehr für Spieler investieren. Das war mal eine Phase, die der Verein sich erarbeitet hatte. Wir sind aber nach Corona in der Normalität angekommen, es geht für uns wieder sehr stark darum, Spieler zu entwickeln.

Und sie dann zu verkaufen?

An jedem Gipfel, den ein Spieler bei uns erreicht hat, gilt es zu akzeptieren, dass man ihn möglicherweise verkaufen muss. Um das Geld neu investieren zu können. Dieser Prozess war wegen Corona unheimlich gestört, weil der Markt für solche Spieler nicht da war. Unsere Schlaufe wurde unterbrochen, jetzt müssen wir sie wieder starten.

Mit einem Verkauf von Manu Koné?

Ich würde lügen, wenn ich mich festlege: Wir verkaufen ihn niemals. Es gab jetzt schon Anfragen für Manu. Aber wir müssen ihn noch nicht verkaufen. Vor allem: Wir wollen ihn noch nicht verkaufen.

Waren die Angebote nicht gut genug?

Die Angebote waren gar nicht schlecht. Aber Manu hat ja gerade erst eine Saison bei uns gespielt. Aber dann muss es zu einer Win-win-Situation kommen: Der Junge muss seinen nächsten Schritt gehen wollen. Bei einem Verein, der deutlich größer ist als Gladbach. Und: Wir müssen auch zufrieden sein.

Wie viele Tage haben Sie nach den turbulenten Monaten die Füße hochgelegt?

Keinen. Ich war am nächsten Morgen wieder hier. Es geht ja weiter. Im Bundesliga-Fußball kannst du kaum genießen. Wenn du genießt, fehlt dir später die Zeit. Aber natürlich waren wir zufrieden, wie der letzte Transfertag verlaufen ist. Mit Julian Weigl und auch mit Jordan Beyer. Ein Eigengewächs darf nicht auf der Bank sitzen, zumindest nicht über Wochen. Das haben wir mit der Leihe zum FC Burnley verhindert.

„15 Mio. für Weigl? Eine solche Summe wäre nicht möglich“

„Die Halbzeitpause auf Schalke war der bislang prägendste Moment mit Daniel Farke“

An einem Thema kommt man in Gladbach derzeit nicht vorbei: Max Eberl, der Ihr Vorgänger ist und sich dann auf eigenen Wunsch zurückzog. Können Sie nachvollziehen, dass er ausgerechnet zu RB Leipzig geht? Dem Verein, den er selbst häufig wegen des Sponsoring-Modells kritisierte?

Das ist eine persönliche Entscheidung, die wir zu respektieren haben. Dass er gesund ist, ist das Wichtigste. Max Eberl ist ein absolutes Schwergewicht als Manager – und die können wir in der Bundesliga immer gebrauchen. Wir brauchen, vor allem auch im Wettbewerb mit anderen Ligen, Köpfe in der Liga – und das ist Max Eberl. Zu welchem Klub er dann geht, ist seine persönliche Entscheidung.

Die Fans kritisierten ihn scharf, in einem Offenen Brief schrieb Borussias größter Fan-Dachverband unter anderem: „Der Öffentlichkeit dieses Bild von deiner Profifußball-Ermüdung zu vermitteln, während du gleichzeitig um deinen Abgang zu Red Bull feilschst, ist – wir können es nicht anders formulieren – schlicht und ergreifend schäbig und ein Schlag ins Gesicht eines jeden tatsächlich von Burnout betroffenen Menschen.“ Im Stadion gab es zudem beim 3:0-Sieg gegen Leipzig einige Spruchbänder, die Eberl beleidigten. Was sagen Sie dazu?

Ich möchte nicht auf einzelne Passagen oder Banner eingehen. Was ich aber einfach nicht gut finde, sind persönliche Beleidigungen und Spekulationen um Gesundheit. Das ist nicht in Ordnung. Das macht man nicht.

Als eine Ihrer ersten Amtshandlungen wechselten Sie den Trainer. Sind Sie froh, dass Lucien Favre Ihnen Ende Mai absagte?

Wieso?

Weil Sie mit Daniel Farke daraufhin einen Trainer holten, den der ganze Verein mag. Dass man in einer so schwierigen Situation zuerst an eine naheliegende Lösung, die Stabilität verspricht, denkt – und das war Lucien –, ist doch klar. Wir sind dann aber nicht zusammengekommen. Er hat nie klar gesagt: Ich komme auf jeden Fall. Die Option Nizza gab es für ihn zu jeder Zeit auch.

Hatten Sie die Nummer von Daniel Farke im Handy eingespeichert?

Eingespeichert nicht. Aber es ist keine Kunst, schnell die Nummer zu bekommen.

Wie konnte Daniel Farke Sie so schnell überzeugen?

Wir hatten ziemlich genaue Vorstellungen davon, wofür der neue Trainer stehen muss. Welche Qualitäten er haben muss. Im ersten Telefonat mit Daniel Farke hat er die Punkte von sich aus schon angesprochen, ohne dass wir ihn danach gefragt haben. Für welchen Fußball wir stehen wollen, welche Werte wir vertreten wollen. Da haben wir sehr schnell gemerkt, dass das passt.

Welche Punkte waren das genau?

Zu sagen, wir spielen Ballbesitzfußball, ist zu billig. Die Frage ist doch: Was machen wir, wenn wir den Ball haben? Er kannte unseren Kader gut, konnte schon genau sagen, welcher Spieler welche Rolle einnehmen kann.

Und welche Werte nannte er?

Ehrlichkeit, Offenheit, Gradlinigkeit.

Was war bislang Ihr prägendster Moment mit Farke?

Die Halbzeitpause beim Spiel auf Schalke. Die erste Halbzeit war aus unserer Sicht wirklich nicht gut. Trotzdem ist Daniel in der Pause ganz ruhig geblieben, total sachlich. Er hat der Mannschaft klar gesagt, was sie anders machen muss. Und das fruchtete. In dem Moment gewinnst du als Mannschaft Vertrauen.

Kann er eine Ära prägen?

Gladbach stand immer für Kontinuität. Und das gibt Stabilität. Ich hoffe, dass Daniel sehr lange für uns arbeitet.

Hat er mehr Kredit als andere Trainer?

An Kredit für Trainer hat es bei Gladbach nie gemangelt.

Bei Ihrem Antritt als neuer Sportdirektor sagten Sie, dass Ihre Kinder sich von Social Media fernhalten sollen, damit Sie über Ihren Vater keine falschen Dinge lesen. Ist dieses Verbot mittlerweile aufgehoben?

Ich habe meinen Kindern das gesagt, weil Menschen dazu neigen, Dinge zu bewerten, die sie überhaupt nicht bewerten können. Da standen dann Dinge wie: „Der kommt doch nur aus der Jugend.“ Dass die Fußstapfen erst einmal riesig sind, nachdem mit Max Eberl hier ein Schwergewicht gearbeitet hat, ist doch klar. Aber jeder Mensch hat eine Chance verdient.

Mittlerweile werden Sie von den Fans als „Rollo“ gefeiert.

Auch das liegt mir völlig fern. Ich bin keiner, der sagt: „Wunderbar, guckt euch das mal an.“ Mir ist das eher peinlich. Ich bin bodenständig, ehrlich, sauber. Solange man mich fair behandelt. Wenn nicht, dann kann ich ganz anders.