Lesezeit ca. 10 Min.
arrow_back

„Wir brauchen Verlässlichkeit“


Logo von f & w - führen und wirtschaften im Krankenhaus
f & w - führen und wirtschaften im Krankenhaus - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 01.11.2022

Finanzen

Herr Vollrath, auch in diesem Jahr hat das Klinikum Südstadt Rostock an die erfolgreiche Entwicklung der letzten Jahre angeknüpft: Ihr Haus machte einen Überschuss von 7,14 Millionen Euro – wie schaffen Sie das in Zeiten von Krisen und als Nachbar eines Uniklinikums?

Das Klinikum Südstadt hat mit der Universitätsmedizin Rostock tatsächlich einen starken Wettbewerber vor der Tür, mit dem wir auf fachlicher Ebene und in Kooperationen aber auch eng zusammenarbeiten. Unseren Vorteil sehen wir darin, neben der Grund- und Regelversorgung auf bedarfsgerechte Schwerpunkte und Angebote für die Rostocker setzen. Ein bedeutender Schwerpunkt ist die in Trägerschaft unseres städtischen Klinikums betriebene Universitätsfrauenklinik mit der Gynäkologie und der Frauenheilkunde – eine Klinik mit einem angedockten Perinatalzentrum des Levels 1 mit rund 3.000 Geburten jährlich. Außerdem entwickeln wir ...

Artikelbild für den Artikel "„Wir brauchen Verlässlichkeit“" aus der Ausgabe 11/2022 von f & w - führen und wirtschaften im Krankenhaus. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Weiterlesen
epaper-Einzelheft 18,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von f & w - führen und wirtschaften im Krankenhaus. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Herbst der Entscheidungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Herbst der Entscheidungen
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Bedingt auf Blackouts vorbereitet. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bedingt auf Blackouts vorbereitet
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von „Wir sind keine Impfgegner“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Wir sind keine Impfgegner“
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Nebendiagnosen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nebendiagnosen
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Gut aufgestellt für die Zukunft
Vorheriger Artikel
Gut aufgestellt für die Zukunft
Die Reformen der Anderen
Nächster Artikel
Die Reformen der Anderen
Mehr Lesetipps

... Schwerpunkte unter anderem in der Kardiologie, der Gastroenterologie, Rheumatologie, der Orthopädie und insbesondere der Viszeral- und Gefäßmedizin. Schon seit vielen Jahren setzen wir auf Zentrumsstrukturen, wie das onkologische Zentrum mit den Organzentren, das Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung, das Adipositaszentrum und das Rheumazentrum und bauen diese kontinuierlich aus. Dies schlägt sich auch auf die wirtschaftliche Situation nieder. Ein Teil der generierten Überschüsse soll in Abstimmung mit unserem Träger, der Stadt Rostock, zur Finanzierung gemeinnütziger Projekte wie Museen, die Bibliothek, das Konservatorium und die Volkshochschule genutzt werden. Das waren in den vergangenen Jahren zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro. Mit dem restlichen Teil der Überschüsse setzen wir unsere investiven Vorhaben um.

"Wir sehen aber eine Fusion mit dem Universitätsklinikum sehr kritisch.

Steffen Vollrathist Verwaltungsdirektor des Klinikums Südstadt Rostock. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und war dann zunächst in einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. Der 56-Jährige leitete später das Controlling und die Innenrevision an der Universitätsmedizin Rostock. Im Jahr 2001 wechselte Vollrath zum Asklepios Konzern, bis er im Februar 2017 ans Klinikum Südstadt Rostock wechselte.

Das Demis-Register ist Mitte September verpflichtend gestartet: Wie sind Ihre ersten Erfahrungen mit der Meldeplattform? Schon seit Dezember 2021 melden wir digital unsere Coronapatienten mittels der in Mecklenburg-Vorpommern entwickelten Meldeoberfläche Smartimer360 der Universitätsmedizin Greifswald – das ist ein ähnliches System. Die jetzige Umstellung auf die Meldeoberfläche Demis fällt uns daher leicht, da diese eine nahezu identische Bedienung hat und die Mitarbeiter schon daran gewöhnt sind. Es ist gut, dass sie systemisch von allen Arbeitsplätzen abrufbar ist. Allerdings zeigt das Programm nicht bereits gemeldete Patienten selbstständig im System an, sodass wir die erfolgte Demis-Meldung als Nachweis leider extra in unserer Krankenhauskurve dokumentieren müssen und somit doppelten Aufwand generieren.

Haben Sie Fördermittel im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) beantragt? Ja, aus der Reihe der beantragten Projekte werden nun drei – Digitalisierung der Prozesse in der Notfallaufnahme, Beschaffung eines OP-Roboters sowie Schaffung von Systemen für die IT-Sicherheit – mit einer Gesamtsumme von circa vier Millionen Euro gefördert. Alle Projekte befinden sich derzeit in der Umsetzung und sollen bis Ende 2023 abgeschlossen sein.

Wie begegnen Sie jetzt den steigenden Energiepreisen? Wie die meisten anderen Krankenhäuser ist auch unser Klinikum ein Energiegroßverbraucher. Die Beheizung von Großimmobilien und die Vielzahl der erforderlichen Klima- und Lüftungsanlagen dieser Branche erfordern enorme Energiemengen. Unser Klinikum hat derzeit Energiekosten für Strom und Fernwärme in Höhe von circa 1,6 Millionen Euro pro Jahr zu finanzieren. Nach den derzeitigen Bewertungen des örtlichen Versorgers ist hier trotz einiger aktueller Entspannungen weiter mit sehr hohen Preisen zu rechnen. Um den Energiebedarf zu senken, reduzieren wir die Beheizung der Immobilien differenziert und senken in reinen Arbeitsbereichen die Beheizung entsprechend der gesetzlichen Vorgabe. Unser Bewegungsbad für den ambulanten Bereich mit bisherigen jährlichen Kosten von 25.000 bis 30.000 Euro haben wir bereits vom Netz genommen, was uns aber auch erhebliche Kritik von ambulanten Nutzern einbrachte. Die Betreibung wäre bei den prognostizierten Kostensteigerungen nicht zu stemmen. Zudem regeln wir beispielsweise die Klimatisierung, Beheizung und Befeuchtung unserer OP-Bereiche und die Anlagen der Zentralsterilisation sensibler nach Bedarf. Hier haben wir beispielsweise verschiedene Meldeketten aufgebaut, wann welche OPs abweichend von der üblichen OP-Belegung nicht benötigt werden – das haben wir bisher so noch nicht nachverfolgt.

Gibt es Nachhaltigkeitsprojekte in Ihrem Haus?

Durchaus, unser Haus beschäftigt sich seit Jahren mit der Thematik. Seit vielen Jahren verfügt das Klinikum über großflächige Solaranlagen. Steuerungsoptimierung bei Energieverbräuchen, der Einsatz von frequenzgeregelten Pumpen und LED-Technik sind schon lange Routine. Dazu kommen zum Beispiel die Installation von dezentralen Fernwärme-Übergabestationen zur Vermeidung von Leitungsverlusten, die Wärmerückgewinnung aus Abluft in einem Gebäudeteil und die Energierückgewinnung in Aufzugsanlagen. Die Einsparungen liegen aktuell zwischen 60.000 und 90.000 Euro jährlich. Zusätzlich planen wir energieoptimierte Küchensysteme, die im entstehenden Neubau zum Einsatz kommen sollen.

"Auch die größeren Kliniken und Maximalversorger werden es nicht mehr schaffen, weiterhin als „Vollsortimenter“ zu agieren.

Zahlreiche Bauprojekte setzt das Klinikum Südstadt Rostock um (siehe Kasten). Seit Jahren ist auch ein Eltern-Kind-Zentrum im Gespräch. Wie ist der aktuelle Stand dazu?

Das Eltern-Kind-Zentrum ist ein Projekt mit einer Geschichte in verschiedenen Nuancen. Vor langer Zeit hatte das Klinikum Südstadt Rostock die Universitätsmedizin eingeladen, gemeinsam ein Eltern-Kind-Zentrum zu schaffen, das aus unserem Haus die Geburtsmedizin sowie die Neonatologie und aus der Universitätsmedizin die allgemeine Pädiatrie sowie die Kinderchirurgie vereinen würde. Das hätte den Vorteil, dass das pränatale Zentrum erhalten bleibt und die Neonatologie, über die die Universitätsmedizin nicht verfügt, sehr eng mit der Kindermedizin dieser zusammenarbeiten könnte – sozusagen Wand an Wand. Dieses Projekt gibt es seit mehreren Jahren. Wir hatten es zwischenzeitlich auch gemeinsam mit der Universitätsmedizin nachgeschärft, dem Land vorgestellt und sogar angeboten, die betreffenden Einheiten beider Häuser in eine gemeinsame GmbH zu überführen und damit ein neues Geburts- und Kinderkrankenhaus zu schaffen. Diese gemeinsamen Planungen wurden dann aber nach einem Wechsel in der Führungsetage der Universitätsmedizin nicht mehr mitgetragen. Aber wir halten weiter daran fest und hoffen darauf, dass es in nächster Zeit doch eine positive Entscheidung des Landes gibt. Ein solches Eltern-Kind-Zentrum sehen wir als sehr wichtig an. Es ist eine Finanzierungsfrage und eine strategische Frage, wo das Eltern-Kind-Zentrum angesiedelt ist. Wir würden das Projekt auch allein ohne den Partner Universitätsmedizin umzusetzen. Allerdings hätten wir für die Umgebung einen deutlich größeren Nutzen gesehen, wenn an dem ursprünglichen gemeinsamenKonzept festgehalten wird. Nach langen Jahren der Diskussion muss endlich eine Lösung her.

Mecklenburg-Vorpommern hat eine ländliche Versorgungsstruktur – welche Vor- und Nachteile sehen Sie darin? Wie kann eine gute Versorgungsstruktur künftig funktionieren?

In Mecklenburg-Vorpommern leben 1,6 Millionen Einwohner, es gibt wenige Oberzentren. Circa 25 Prozent der Einwohner des Landes leben in und um Rostock. 37 größere und kleine Krankenhäuser stellen die stationäre Versorgung sicher. Teilweise existieren zwischen den Klinikstandorten größere Entfernungen. Wir müssen Angebote für komplexe medizinische Leistungen und Maximalversorgung in erreichbarer Entfernung aufrechterhalten werden. Sofern Kliniken in einzelnen Fachabteilungen oder ganz das Geschäft einstellen müssen, können Versorgungslücken in der Fläche drohen. Auch die größeren Kliniken und Maximalversorger werden es nicht mehr schaffen, weiterhin als „Vollsortimenter“ zu agieren. Sie werden sich anders aufstellen und sich noch mehr auf die Schwerpunkte konzentrieren müssen. Die Kapazitäten müssen dort verortet werden, wo diese den größten Nutzen für Patienten und das Haus bringen können. Das heißt im Umkehrschluss, dass andere Bereiche reduziert werden müssten.

Wie gehen Sie den Fachkräftemangel an?

Wir haben im ärztlichen Dienst die eine oder andere Baustelle, bei der wir Spezialisten suchen. Grundsätzlich haben wir hier glücklicherweise wenig Probleme. Das heißt aber nicht, dass das so bleibt. Durchaus haben wir schon eine größere Herausforderung im Pflegebereich zu bewältigen, den wir für einen stabilen Geschäftsbetrieb und auch einen teilweise geplanten Leistungsausbau benötigen. Um Pflegekräfte, die man gefunden hat, auch zu halten, versuchen wir, die Dienstorganisation sowie Arbeitsplätze möglichst attraktiv zu gestalten, und arbeiten an weiteren Angeboten für Teilzeit, flexiblere Einsatzgestaltung, Weiterbildungen und natürlich Teambildung. Wir bieten schon lange Zeit verschiedenste interne und externe klinikfinanzierte Weiterbildungen an. Zudem gibt es jedes Jahr Teamfeiern sowie ein Sommerfest als Highlight.

Jahrelang haben Sie in Rostock auf eine recht konservative Notfallversorgung gesetzt. Seit Oktober setzen Sie auf ein neues Konzept. Wie funktioniert das?

Rund 50 Jahre haben die beiden Krankenhäuser Rostocks nach einem abgestimmten Verfahren des Dienstwechsels in der Notfallversorgung für die von beiden Häusern überschneidend angebotenen Fachrichtungen Innere Medizin, Chirurgie und Orthopädie sowie Unfallchirurgie verfahren. Jeweils an ungeraden Kalendertagen stellte die Universitätsmedizin für Notfallpatienten dieser Fachrichtungen den primären Anfahrtspunkt für Rettungsfahrzeuge dar. Dagegen übte das Klinikum Südstadt diese Funktion an den geraden Kalendertagen aus. In beiden Häusern gab es hierfür sogenannte „heiße und kalte Dienste“ und mit verschiedenen absichernden Dienstorganisationen versehen. An einem heißen Tag verzeichneten wir auch teilweise deutlich mehr als 100 Patienten im Verlauf von 24 Stunden. Nun haben wir mit der Universitätsmedizin und dem Brandschutz- und Rettungsamt den täglichen Wechsel der Dienstbereitschaften der beiden Krankenhäuser in der Notfallbehandlung in den überschneidenden Fachrichtungen zum 30. September beendet und bieten eine tägliche Dienstbereitschaft beider Einrichtungen.

"So wichtig das Feld ambulanter Leistungen ist, der Fokus liegt weiterhin auf der stationären Versorgung.

Welche Rolle spielt die Ambulantisierung in Ihrem Haus?

Auch unser Haus beschäftigt sich seit Jahren mit der Entwicklung ambulanter Angebote, zum Teil verbunden mit einer Verschiebung der Leistungen aus dem vollstationären Bereich. Der Druck zur Ambulantisierung wird sich aus unserer Sicht nochmals verstärken, weil Patienten auf der einen Seite ambulante Behandlungen wünschen. Auf der anderen Seite erhöhen Kataloge und Abrechnungsverfahren den Druck. Wir werden unseren Bereich für ambulantes Operieren erweitern. Zudem planen wir den Ausbau unserer jetzt schon recht umfangreichen teilstationären Angebote, also der Tageskliniken. Aktuell haben wir vier Tageskliniken mit jeweils 20 Plätzen an Bord. Aber so wichtig das Feld ambulanter Leistungen ist, der Fokus liegt weiterhin auf der stationären Versorgung.

Klinikum Südstadt Rostock

Insgesamt 25.265 Patienten wurden 2021 am Südstadtklinikum stationär oder teilstationär behandelt sowie 2.919 Kinder geboren. Dazu kamen 49.295 ambulante Patienten sowie 10.691 ambulante und 7.787 stationäre Notfallpatienten. Im Durchschnitt verbrachten die stationären Patienten 5,7 Tage in dem städtischen Krankenhaus mit 464 Betten und 49 Tagesklinikplätzen. Trotz teilweise starker Einschränkungen in der Coronapandemie wurden im vergangenen Jahr 10.706 stationäre und 3.076 ambulante Operationen durchgeführt. Der am Klinikum Südstadt stationierte Intensivtransporthubschrauber (ITH) der Johanniter Luftrettung startete im Vorjahr insgesamt 430-mal zu Patientenverlegungen.

Wie stehen Sie aktuell zum Thema Fusionen? Bleibt das Klinikum Südstadt eigenständig?

Wie auch in den vorangegangenen Jahren immer wieder erlebt, kommen Ideen zur Fusion von Universitätsmedizin Rostock und unserem Klinikum auf. Aktuell wird auf ein neues Gutachten für beide Universitätsklinika des Landes verwiesen. Allerdings können wir das Fazit der Gutachter nicht teilen, dass eine Fusion mit anderen Kliniken, speziell mit unserem Haus, notwendig sei. Wir finden weder Fusionen noch Kooperationen per se schlecht. Hieraus können sinnvolle, dauerhafte und leistungsfähige Strukturen entstehen. Im Laufe der Zeit sind wir sehr viele Kooperationen eingegangen. Das sind zum Teil schon lange bestehende Partnerschaften sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich sowie in der Rehabilitation. Zudem erfolgte in einer vor 20 Jahren durch deutlich sinkende Einwohnerzahlen motivierte und politisch gewünschte Reorganisation die Abgabe unserer Kinderklinik, der Urologie und zeitgleich fusionierte die Universitätsfrauenklinik mit unserer Frauenklinik und wird seitdem in unserer Trägerschaft betrieben. Wir sehen aber eine Fusion mit dem Universitätsklinikum, wie die Gutachter dies als eine Version vorschlagen, sehr kritisch. Beide Häuser befinden sich natürlich im Wettbewerb um Patienten und Fachkräfte. Wir sehen allerdings Wettbewerb nicht als negativ an. Er fördert das Ringen um die beste Qualität und eine hohe Innovationsdynamik. Die Versorgung für Rostock und das Umland würde sich nicht, wie die Gutachter meinen, verbessern, sondern verschlechtern.

Was wünschen Sie sich für die anstehende Reform der Krankenhauslandschaft?

Strukturreformen sind im Krankenhausbereich erforderlich. Hier bedarf es aber klarer, abgestimmter und nachvollziehbarer Regelungen mit Vorlaufzeit. Krankenhäuser sind schon sehr komplexe Betriebe. Ob nun extern vorgegeben oder durch die Klinikführungen geplante Veränderungen greifen immer in eine Vielzahl von Strukturen und Prozesse ein und müssen vorbereitet werden. Die Häuser brauchen auch keine Regelungsflut wie in einer der letzten Legislaturperioden verordnet. Bei allen Veränderungen muss seitens der Politik die Finanzierung für die verbleibenden und weiter gewünschten Häuser sichergestellt werden – hier hapert es schon gewaltig. Die Kliniken befinden sich aktuell in einer ganz schwierigen Lage aufgrund der Inflation. Kostensteigerungen müssen über den zukünftigen Landesbasisfallwert oder andere Hilfsinstrumente ausgeglichen werden. Schwierigkeiten bereitet vielen Häusern zudem, dass sie beispielsweise Modernisierungen in neue Infrastruktur selbst erbringen müssen und diese nicht von den Ländern finanziert werden. Das wird dazu führen, dass die Kliniken, die diese Modernisierungsmöglichkeiten nur teilweise haben, deutlich schlechter im Wettbewerb dastehen. Das bedeutet einen erheblichen Nachteil. Wir sind selbst nicht übermäßig mit Fördermitteln bedacht worden, hatten aber durch das Vorhandensein von Überschüssen die Möglichkeit, erhebliche Modernisierungen aus Eigenmitteln zu finanzieren.

Das Interview führte Anika Pfeiffer.