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„Wir fangen auf, was die Kinder verpasst haben“


schule - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 28.05.2020

Auf der Webkonferenz von leben-und-erziehen.de beantworten Experten Fragen rund um das Thema Homeschooling – und geben einen Ausblick, wie Schule nach Corona aussehen könnte


Artikelbild für den Artikel "„Wir fangen auf, was die Kinder verpasst haben“" aus der Ausgabe 3/2020 von schule. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: schule, Ausgabe 3/2020

Konzentriertes Wissen vermitteln: „Leben & erziehen“-Chefredakteurin Claudia Weingärtner im Gespräch mit den Experten Stephan Kyas (oben links), Rolf Kosakowski (oben rechts) und Florian Nuxoll (unten rechts)


Es war einer der ersten Tage, an dem sich unsere Redaktion am Rande der Hamburger HafenCity wieder nach ein bisschen Leben anfühlte: Wochenlang hatten auch wir von Junior Medien, zu denen auch SCHULE gehört, im Rahmen des ...

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... Lockdowns von zu Hause aus gearbeitet. An diesem Mittwoch im Mai aber erweckten wir das Büro mit einem neuen Format aus dem Corona-Schlaf: Unsere erste „Leben & erziehen“- Webkonferenz organisierten wir – natürlich mit Abstand – erstmals wieder von unseren Schreibtischen aus.

Eingeladen hatten wir drei Experten, die aus ganz Deutschland zugeschaltet waren: Lehrer und Lehrer- Trainer Florian Nuxoll aus Tübingen, Stephan Kyas vom Schulbuchverlag Westermann in Braunschweig und Rolf Kosakowski, der in Hamburg eine Agentur für Kinder- und Familienmarketing leitet.

Mehr als 60 Teilnehmer hatten sich registriert, stellten während der 60-minütigen Veranstaltung rund 20 Fragen. Für die SCHULE-Leser haben wir eine Auslese zusammengestellt:

Viele Eltern verzweifeln am digitalen Überangebot: hier noch ein neues Tool, da noch eine Plattform. Wie ist dieses Problem langfristig lösbar?

Florian Nuxoll: Am Anfang war das Chaos tatsächlich groß, aber unvermeidbar. Wir Lehrer mussten uns ja auch erst einmal orientieren. Jetzt sind wir an der Reihe, das besser abzusprechen und es hinzukriegen, dass im ersten Schritt wenigstens in einer Klasse dieselben Wege genutzt werden, im zweiten ganze Schulen, im dritten Gemeinden und Kreise. Langfristig sollte die Politik eingreifen: Ein zentraler Login für alle Tools würde Sinn ergeben und könnte auch Datenschutzprobleme lösen.

Was ist mit Kindern, deren Eltern keinen Computer haben?

Florian Nuxoll: Wir versuchen, die Angebote so zu gestalten, dass sie zur Not auch mittels Smartphone funktionieren – denn das ist ja inzwischen in nahezu jedem Haushalt vorhanden. Glücklicherweise gibt es lokal viele Angebote für Familien aus sozial schwachen Verhältnissen. Mittelfristig ist auch da wieder die Politik gefragt, darüber nachzudenken, wie man jedem Schüler zu Hause das digitale Arbeiten ermöglicht. Was bleibt nach der Corona-Krise von der plötzlichen

Zwangsdigitalisierung des Unterrichts übrig?

Stephan Kyas: Ich hoffe, dass wir wegkommen vom PDF-Unterricht, den viele Lehrer ja gerade betreiben: Sie verschicken einfach per E-Mail Stoff ohne Ende, da ist dann aber leider nur der Weg der Verbreitung digital. Wünschenswert wäre eine Art „blended learning“: Die Präsenzphasen im Unterricht sind und bleiben wichtig, der Erklärbär hat noch immer nicht ausgedient, manche Dinge können sich Kinder schlicht nicht alleine erschließen. Aber wenn sie durch digitale Medien ergänzt werden, die niveau- und inhaltsdifferenziert sind, dann ist das nicht nur für Schüler eine Bereicherung, sondern auch für Lehrer: Die KindBdBdleinr dleterxnte, nX Xin, ihrem Tempo, können einüben und vertitisite Bfelinnd –te uxnt fdü rf üVro ldksiwe iLrteshchraeftftr selenhtrfeä llt z.B. die lästige und iaiamn dmeer rU wnivieerdseiträkt eEhssreexn de Korrekturarbeit.


„Am Anfang war das Chaos tatsächlich groß, aber unvermeidbar. Wir Lehrer mussten uns ja auch erst einmal orientieren“


Welche neuen digitalen Konzepte wären für die Schule der Zukunft sinnvoll?

Rolf Kosakowski: Was einfach zu integrieren wäre, ist Audio. Wir haben gerade erst eine Podcast-App für Kinder gelauncht („Hearooz“, Anmerkung der Redaktion), die kindersicher und werbefrei ist – und da gibt es schon jetzt erstaunlich viele Wissensformate und Audio-Inhalte von Lehrern. Audio ist leichter zu produzieren als Video, entlastet Eltern enorm, weil sie nicht alles vorlesen und erklären müssen. Außerdem kann man mit Audio gedanklich so gut reisen – das kann die Kreativität der Kinder zusätzlich ankurbeln.

Was ist der größte Elternfehler beim Homeschooling?

Florian Nuxoll: Ich glaube, wir müssen mit aller Kraft versuchen, nicht zu viele Frusterlebnisse entstehen zu lassen. Im Zweifelsfall priorisieren, die Hauptfächer vorziehen, also Mathe, Deutsch, Fremdsprachen. Natürlich sind auch die Nebenfächer wichtig, aber da ist es weniger schlimm, wenn einzelne Themen mal unter den Tisch fallen. Das Gute ist: Wir Lehrer werden einiges wieder auffangen können, was die Kinder in den Wochen der Schulschließung verpasst haben und mit ihren Eltern schlicht nicht schaffen konnten. Vielleicht beruhigt das ja einige.


Foto: Junior Medien