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„WIR HABEN UNSERE DNA ERHALTEN“


first class - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 02.03.2020

Hannes Spanring ist seit 2016 CEO der Meininger Hotels. Im Gespräch verrät er den Erfolg der Gruppe.


Artikelbild für den Artikel "„WIR HABEN UNSERE DNA ERHALTEN“" aus der Ausgabe 3/2020 von first class. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: first class, Ausgabe 3/2020


„Im Gegensatz zu früher sind Hotels heute keine reinen Übernachtungsorte mehr.“


firstclass: Herr Spanring, die Meininger Hotels feierten 2019 ihr 20-jähriges Jubiläum. Was hat sich seitdem in der Hotellerie verändert?
Hannes Spanring: Das erste Meininger Hotel eröffnete 1999. Damals bestand das Unterkunftsangebot aus zwei gänzlich voneinander getrennten Segmenten: Hostels ohne breiten Serviceanspruch mit ständig besetzten Gemeinschaftsbädern und einer dennoch unglaublich inspirierenden Atmosphäre auf ...

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firstclass: Herr Spanring, die Meininger Hotels feierten 2019 ihr 20-jähriges Jubiläum. Was hat sich seitdem in der Hotellerie verändert?
Hannes Spanring: Das erste Meininger Hotel eröffnete 1999. Damals bestand das Unterkunftsangebot aus zwei gänzlich voneinander getrennten Segmenten: Hostels ohne breiten Serviceanspruch mit ständig besetzten Gemeinschaftsbädern und einer dennoch unglaublich inspirierenden Atmosphäre auf der einen Seite. Und einer großen Anzahl an hochpreisigen Hotels mit einem Überangebot an Dienstleistungen auf der anderen. Sie haben entweder in einem soliden Hotel übernachtet, nichts anderes als einen gewissen Service und Doppelzimmer erwartet. Oder Sie haben ein Hostel gebucht, ihre Erwartungen nach unten geschraubt, aber dafür eine einmalige Atmosphäre und große Flexibilität genossen. Heute gibt es diese strikte Trennung nicht mehr. Die Konzepte gehen ineinander über und befruchten sich gegenseitig. Im Gegensatz zu früher sind Hotels heute keine reinen Übernachtungsorte mehr. Sie sind bunte Erlebnisorte, an denen Gäste einzigartige Konzepte vorfinden möchten, nach Individualität und lokaler Verbundenheit streben, um möglichst authentische Erlebnisse zu erfahren.

Was uns heute mehr denn je beschäftigt, ist ein erhöhtes Umweltbewusstsein und die damit erforderlichen Veränderungen, v. a. im operativen Bereich. Da gibt es noch viel Potenzial in der gesamten Branche. Wir müssen auch flexibler werden, z. B. wenn es um das langfristige Bestehen auf unterschiedlichen Märkten, neuartige Konzepte, die Wahl geeigneter Vertriebskanäle und die Identifikation geeigneter Fachkräfte geht.

Sie sind seit 2016 CEO der Hotelgruppe. Was war seitdem Ihr größter Erfolg?
Der größte Erfolg ist, dass es uns trotz des starken Wachstums und der Internationalisierung über die Jahre gelungen ist, unsere DNA zu erhalten und weiterzuentwickeln. Flache Hierarchien, Diversität, Respekt, teamübergreifender Zusammenhalt und ein tiefer Gemeinschaftsgedanke verbinden uns bei Meininger bis heute über alle Ländergrenzen hinweg. Das macht unseren Teamspirit so einmalig und wird für den Gast mit der Atmosphäre in unseren Hotels hautnah erlebbar. Zahlreiche Mitarbeiter haben uns über fünf, zehn und noch mehr Jahre sehr engagiert begleitet.

Sie sind mit uns gewachsen, persönlich und beruflich. Es sind diese persönlichen Erfolgsgeschichten, die mich mit großem Stolz erfüllen.

Der Erfolg der Meininger Hotels basiert laut Eigenwerbung auf einem Hybrid-Konzept, das den Service und Komfort eines internationalen Budgethotels mit außergewöhnlicher Ausstattung kombiniert. Hat sich dieses Konzept seit der Gründung verändert?
Das Konzept ist noch das gleiche wir vor 20 Jahren, hat sich in der Zwischenzeit aber natürlich extrem weiterentwickelt und professionalisiert. Mit anhaltender Expansion und dem starken Wachstum der vergangenen Jahre haben wir Prozesse optimiert und Standards geschaffen, die uns erlauben, dynamischer zu arbeiten und ein Team von fast 1.000 Mitarbeitern über zehn Länder hinweg für unseren Spirit zu begeistern. Unser Produktkern, d. h. eine Gästeküche, Game Zone und vor allem die verschiedenen Zimmertypen - vom Doppelzimmer bis zum 8-Bettenschlafsaal - sowie der Fokus auf ein solides Serviceangebot ist bis heute der gleiche. Einen höheren Anspruch denn je haben wir heute an das Interior Design unserer Häuser, das war nicht immer so. Wenn Sie sich unsere neuesten Häuser in Frankreich ansehen, werden Sie feststellen, welchen immensen Veränderungsprozess wir durchlaufen haben, ohne dabei unsere Einzigartigkeit einzubüßen. Darauf sind wir sehr stolz.

Das Konzept ist noch das gleiche wir vor 20 Jahren, hat sich in der Zwischenzeit aber natürlich extrem weiterentwickelt und professionalisiert. Mit anhaltender Expansion und dem starken Wachstum der vergangenen Jahre haben wir Prozesse optimiert und Standards geschaffen, die uns erlauben, dynamischer zu arbeiten und ein Team von fast 1.000 Mitarbeitern über zehn Länder hinweg für unseren Spirit zu begeistern. Unser Produktkern, d. h. eine Gästeküche, Game Zone und vor allem die verschiedenen Zimmertypen - vom Doppelzimmer bis zum 8-Bettenschlafsaal - sowie der Fokus auf ein solides Serviceangebot ist bis heute der gleiche. Einen höheren Anspruch denn je haben wir heute an das Interior Design unserer Häuser, das war nicht immer so. Wenn Sie sich unsere neuesten Häuser in Frankreich ansehen, werden Sie feststellen, welchen immensen Veränderungsprozess wir durchlaufen haben, ohne dabei unsere Einzigartigkeit einzubüßen. Darauf sind wir sehr stolz.

Andere Hotelgruppen bieten ein ähnliches Konzept im Budgetbereich an. Was machen Sie besser bzw. anders?
Das stimmt, der heutige Markt adaptiert Hybridmodelle mehr und mehr. Der Grund dafür ist einfach und plausibel: Das Konzept fördert die Gemeinschaft, Diversität und steht für absolute Flexibilität - Werte unserer Generation. Jedoch gibt es ein Merkmal, das Meininger Hotels maßgeblich vom klassischen Hotelmarkt unterscheidet, und das ist unser sehr flexibles Zimmerformat. Flexibel bedeutet: Wir bieten Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmer sowie Schlaf säle an und unsere Gäste können sowohl Zimmer, als auch einzelne Betten buchen. Flexibilität bedeutet für uns auch: Wir können jedes Zimmer in einen Schlafsaal verwandeln. Wir haben keine festen Schlafsäle, wir wählen die Zimmer und ihre Funktion entsprechend den Buchungen. So kann ein Mehrbettzimmer als Schlafsaal, aber auch als privates Mehrbettzimmer für Familien und Gruppen dienen. Ein Doppelzimmer kann auch in ein Zweibettzimmer umgewandelt werden, denn nahezu all unsere Doppelbetten sind trennbar. Und lassen Sie mich betonen, dass alle Zimmerformate über Bäder en suite verfügen. Bei Zimmern mit sechs Betten sind Toilette und Dusche getrennt. Beide Standards sind bis heute weder im Hostel-, noch im Hybridhotelbereich eine Selbstverständlichkeit.

ZUR PERSON Hannes Spanring kam 2013 als Head of Projects und Geschäftsführer zu den Meininger Hotels. Seit 2016 ist er CEO. Zuvor war er in der Immobilienentwicklung tätig. Als Geschäftsführer eines niederländischen Unternehmens zählten die Akquisition und Entwicklung von Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie das Projektmanagement auf internationalen Märkten zu seinen Verantwortungsbereichen. Die Entscheidung, von der Immobilienbranche in die Hotellerie zu wechseln, war für ihn der nächste logische Schritt. Damals standen die Ziele der Hotelgruppe auf beschleunigtes Wachstum, es sollten weitere Märkte erschlossen und die Bettenanzahl immens erhöht werden. Seine Erfahrung aus der Immobilienbranche war und ist in Zeiten der Expansion von großem Vorteil, da er die Bedürfnisse und Interessen der Eigentümer bestens kennt.

Lobby des Meininger Hotels in Rom Termini


ÜBER MEININGER HOTELS

Das Hybrid-Konzept der Meininger Hotels kombiniert den Service und Komfort eines internationalen Budgethotels mit außergewöhnlicher Ausstattung. Die Zimmer reichen vom klassischen Doppelzimmer über private Mehrbettzimmer bis hin zum Bett im geteilten Schlafsaal. Das individuelle Design jedes Hotels spiegelt den Charakter seiner lokalen Umgebung wider und begeistert unterschiedliche Zielgruppen durch flexible Hospitality-Lösungen. Meininger betreibt derzeit 30 Hybrid-Hotels in Europa mit insgesamt 4.647 Zimmern und 16.608 Betten. 15 Hotelprojekte befinden sich aktuell in der Entwicklung. Im Geschäftsjahr 2018/2019 verzeichnete die Hotelgruppe eine Zimmerauslastungsrate von 90 Prozent. Die Meininger Gruppe erhielt beim Treugast Investment Ranking 2018 eine AA-Bewertung und hat ihren Hauptsitz in Berlin.

Immobilien für Hotels in zentraler Lage sind immer schwerer zu finden. Wie gehen Sie mit der Herausforderung um?

Wir haben ein Team an Spezialisten, das hervorragend vernetzt ist und sehr viel Erfahrung mitbringt. Das ist ein großer Gewinn. Das Zentrum einer Stadt zählt nicht zu unserer höchsten Priorität. Für uns sind strategisch gute Lagen von größerer Bedeutung. Wir wollen unseren Gästen das Entdecken der Stadt ermöglichen, und zwar so authentisch und einfach wie möglich. Dafür ist die zentrale Lage nicht ausschlaggebend. Es kommt auf die Umgebung des Hotels an und, klar, auf den Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr. Den Jackpot landen Sie, wenn beides stimmt. Dann können Sie ein Hotel mit einer durchschnittlichen Zimmerauslastungsrate von über 90 Prozent betreiben.

Wie finanzieren Sie Ihre starke Expansion?
Wir schöpfen aus dem Erfolg eines sehr gut funktionierenden Geschäftsmodells. Das Hybridkonzept ermöglicht die Bedienung und Kombination ehemals strikt getrennter Marktsegmente. Wirtschaftlich gesehen bietet uns dies den Vorteil, ganzjährig von hoher Nachfrage zu profitieren. Zudem verkaufen wir pro Bett. Dadurch können wir Kapazitäten optimal nutzen und unser Umsatzpotenzial maximieren. Dies wiederum fördert Investitionen.

Bislang gibt es nur die Eigenmarke Meiniger. Gibt es Überlegungen weitere Marken zu kreieren bzw. zu übernehmen? Aktuell nicht, wir fokussieren uns ganz und gar auf das Meiniger-Konzept und die damit verbundene Marke. Dafür schließen wir ausschließlich Pachtverträge mit einer Mindestmietdauer zwischen neun und zwanzig Jahren.

Sie sind mit Ihrer Gruppe in ganz Europa vertreten. Welche Märkte wollen Sie zukünftig forcieren? Ist England nach dem Brexit weiter im Fokus?
Bis 2024 planen wir Neueröffnungen in 14 Destinationen, die die aktuelle Bettengesamtkapazität um über 100 Prozent auf 35.000 steigern. Wir werden bestehende Märkte wie Deutschland und Österreich ausbauen und zudem neue erschließen. Hierzu zählen die Schweiz, Island, Polen und Israel. Die Expansion nach Israel unterscheidet sich von den anderen Märkten insofern, dass wir das erste international agierende Hospitality-Unternehmen sind, welches das Hybrid-Hotelkonzept in den Nahen Osten trägt. Geplant ist zudem die Erschließung neuer Märkte wie Spanien, Portugal, Norwegen, Finnland und Rumänien. Wir sind davon überzeugt, dass unser Hybrid-Hotelkonzept noch viele Länder erobert. Dazu zählt auch Großbritannien. Unser Konzept ist auch für den britischen Markt weiterhin hochattraktiv.

Herr Spanring, vielen Dank für das Gespräch. udo


Foto: Meininger Hotels

Foto: Meininger Hotels