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WIR LASSEN UNS DEN SPAß NICHT VERDERBEN!


AnlegerPlus - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 10.04.2021

FOKUS

SPORT- & FREIZEITBRANCHE Kontaktverbote, Lockdown, #WirBleibenZuhause – damit hat die Covid-19-Pandemie massive Auswirkungen auf Aktien aus der Sport- & Freizeitbranche. Doch offenbar haben neben politischen auch „Pandemie-Börsen“ kurze Beine.

Artikelbild für den Artikel "WIR LASSEN UNS DEN SPAß NICHT VERDERBEN!" aus der Ausgabe 3/2021 von AnlegerPlus. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: AnlegerPlus, Ausgabe 3/2021

Überall dort, wo das gesellschaftliche Leben normalerweise zusammen mit vielen Menschen stattfindet, schlägt Corona voll ein: Veranstaltungen, Kinos, Sportstadien, Vereine, Fitnessstudios, all das leidet unter den Lockdownmaßnahmen. Bei Freizeitaktivitäten dagegen, die in den eigenen vier Wänden stattfinden, hat die Pandemie einen regelrechten Boom ausgelöst: ...

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... Streaming, Gaming, Home-Gym oder Onlineglücksspiel.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Kein Wunder also, dass die Aktien aus der Sport- und Freizeitbranche, die von „stay at home“ profitieren, in den letzten zwölf Monaten durch die Decke gegangen sind. Doch selbst bei Titeln, die erheblich unter Covid-19 leiden, sah man zuletzt eine erstaunlich positive Kursentwicklung. Hier setzen die Anleger auf Nachholeffekte, wenn die Impfkampagnen demnächst wieder Öffnungen erlauben sollten. Im englischen Sprachraum hat sich dafür bereits die Bezeichnung „Reopening Trades“ eingeführt.

Ganz deutlich wird diese Entwicklung beim Index für Reise- und Freizeitaktivitäten, dem STOXX Travel & Leisure (siehe Chart Seite 23). Dieser war zu Beginn des weltweiten Ausbruchs der Pandemie im März 2020 deutlich heftiger eingebrochen als beispielsweise der Kurs-DAX, hat den Rückstand inzwischen aber fast wieder aufgeholt.

Home-Gym boomt

Bei den Gewinnern der Pandemie hat man den Eindruck, die Investoren halten #WirBleibenZuhause für einen Dauertrend selbst nach Corona. Die Aktie von Peloton Interactive, die im Herbst 2019 an die Börse ging, hat sich z. B. seit dem IPO mehr als vervierfacht. Die Firma stellt Fitnessfahrräder und Laufbänder fürs Home-Gym her und bietet passende Fitnesskurse via Internet an. Wegen Corona wird man nun schon weit früher als erwartet die Profitabilitätsschwelle erreichen, das für 2021 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 300 scheint aber „übertrainiert“.

Eine Alternative wäre da die italienische Technogym, die seit 2017 schon Dividenden zahlt. Die Italiener stellen zwar vor allem größere Fitnessgeräte her, die von Studios gekauft werden. Und da herrscht momentan Flaute, sodass die Konzernumsätze im vergangenen Jahr um 24 % sanken. Der Umsatz mit Geräten fürs Home-Gym stieg dagegen um rasante 71 %. Die Aktie könnte ein „Reopening-Blick“ wert sein.

Onlinehandel schürt Wachstumsfantasie

Die Bekleidungs- und Schuhhersteller für Freizeitaktivitäten leiden nicht nur an geschlossenen Fitnessstudios und Sportstätten. Sie trifft auch der Lockdown im Einzelhandel. Die Aktienkurse lässt das dennoch ziemlich kalt: Platzhirsch Nike hat zum Jahreswechsel sogar ein neues Rekordhoch markiert, Branchenvize adidas scheiterte daran nur knapp. Dabei mussten beide Firmen für 2020 deutliche Umsatz- und Gewinneinbußen vermelden. Doch als Lehre aus Corona wollen beide jetzt massiv in den Onlinehandel investieren und das entfacht an der Börse neue Wachstumsfantasie. Bei adidas kam als Kurstreiber noch hinzu, dass man sich nun endlich vom Dauersorgenkind Reebok trennen möchte.

Gewinnexplosionen

Ein weiterer Freizeitbereich, der seit Corona boomt, ist die Gamingbranche. Exemplarisch hierfür steht Spielehersteller Activision Blizzard, der 2020 ein Umsatzwachstum von 24 % und beim Gewinn sogar ein Plus von 45 % verbuchen konnte.

Spielekonsolen verkaufen sich im Lockdown ebenfalls prächtig: Nintendo hat die Prognosen für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr schon zwei Mal angehoben, weil den Japanern die neue „Switch“ aus den Händen gerissen wird. Jetzt rechnen sie mit einem Gewinnplus von mehr als 50 %. Trotzdem ist die Aktie spürbar günstiger bewertet als Activision und besticht durch eine deutlich höhere Dividendenrendite.

Streamingfantasie

Und natürlich stehen angesichts von Lockdown und Ausgangssperren Streamingdienste auf der „Sonnenseite der Pandemie“. Die Aktie vom Pionier Netflix hat seit Anfang 2020 um fast 60 % zugelegt. Aber auch die altehrwürdige Walt Disney Company, gegründet noch in der Stummfilmzeit, ist mit Disney+ plötzlich zum gehypten Streamingwert geworden: Trotz Dividendenstreichung erreichte die Aktie im März ein neues Allzeithoch.

Streamingfantasie und hohe Dividende gibt’s bei RTL. Hier soll das Streamingportal „TVnow“ der zukünftige Wachstumstreiber sein. Die hohe Dividendenrendite resultierend aus dem Kursniveau verdeutlicht allerdings die Befürchtung der Börse, RTL könnte die Zugewinne beim Streaming beim klassischen Fernsehen verlieren.

Hoffen auf Nachholbedarf

Zu den größten Corona-Verlierern gehören Konzertveranstalter und Kinobetreiber. Trotzdem hat die Aktie von CTS EVENTIM schon fast wieder ihr altes Rekordhoch erreicht. Denn die Bremer erweisen sich während der Pandemie als findig: Ihr Ticketing-System wird in einigen Kommunen für die Impfterminvergabe eingesetzt. Allerdings ist der größte Kurstreiber die Hoffnung auf Nachholeffekte der Konzertjunkies, sobald Großveranstaltungen wieder erlaubt sind. Das sieht man auch an der Aktie des globalen Marktführers Live Nation Entertainment. Die hat unlängst bei über 90 US-Dollar sogar ein neues Allzeithoch markiert.

Nennenswertes Erholungspotenzial gemessen an den Vor-Corona- Kursen gibt es noch bei der Kinokette Kinepolis. Die Aktie steht nach wie vor 27 % unter dem Stand von Anfang 2020. Gründe dafür waren nicht nur die massiven Einnahmeausfälle während der Pandemie, sondern außerdem hohe Wertberichtigungen in der Bilanz, die vorzunehmen waren, weil die Kinos der Kette selber gehören.

Neuer Glücksspielriese

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen die Anbieter von Onlineglücksspielen die Pandemie. Einerseits profitieren sie von geschlossenen Wettbüros und Daddelhallen, die Zocker ins Internet treiben. Andererseits war die Verschiebung der Fußball-EM ein herber Schlag ins Umsatzkontor. Letzteres konnte der irische Glücksspielriese Flutter aufgrund seiner breiten Aufstellung aber gut abfedern. Durch den Zusammenschluss der beiden Vorgängerunternehmen Paddy Power Betfair und The Star Group hatte sich der Umsatz im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, fusionsbereinigt ist man um 27 % gewachsen.

Schlechter lief es beim kleinen deutschen Konkurrenten bet-at-home, der zusätzlich unter den neuen Restriktionen im deutschen Glücksspielsektor litt. Unterm Strich stand für die Düsseldorfer 2020 ein Gewinnrückgang von 12 %. Aber ihre anlegerfreundliche Dividendenpolitik aufgrund des hohen Cashbestands setzt die Firma mit einer geplanten Dividende für 2020 von 2,50 Euro je Aktie fort.


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