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„Wir müssen uns bei der WM vor keinem verstecken“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 11.01.2023
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Alfred Gislason ist seit März 2020 Bundestrainer. Zuvor gewann er als Trainer sieben deutsche Meistertitel und dreimal die Champions League ? einmal mit Magdeburg, zweimal mit Kiel. Als linker Rückraumspieler wurde er mit TUSEM Essen 1986 und 1987 Deutscher Meister

Am 11. Januar startet die Handball-WM in Polen und Schweden. Die deutsche Auswahl fliegt am 12. Januar von Hannover nach Kattowitz, trifft im ersten Gruppenspiel auf Asienmeister Katar (13.1., 18 Uhr/ZDF). SPORT BILD traf Bundestrainer Alfred Gislason (63) vor dem Abflug zum Interview.

SPORT BILD: Herr Gislason, die beiden Tests gegen den EM-Sechsten Island am Wochenende endeten mit einer Niederlage und einem Sieg. Was ziehen Sie daraus für Lehren mit Blick auf die WM?

ALFRED GISLASON: Der erste Anzug sitzt bei uns schon ganz gut, uns fehlt aber etwas die Breite. Wir haben noch viel Luft nach oben, müssen vor allem die technischen Fehler und Fehlwürfe bei der WM minimieren.

Wie groß ist die Gefahr, die Gruppengegner Serbien, Katar und Algerien zu unterschätzen?

Die Gefahr ist da, aber wir dürfen diese Gegner auf keinen Fall unterschätzen. Die Katarer sind seit Anfang Dezember bereits im ...

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... Trainingslager. Die Serben haben eine sehr gefährliche und gute Mannschaft, sie haben eine sehr gute Abwehr und sehr gute Torhüter. Diese beiden Gegner machen sich wie wir Hoffnungen auf den Gruppensieg. Wir wissen: Wenn man zu wenig Punkte in die Hauptrunde mitnimmt, hat man kaum eine Chance bei dem Turnier.

Wen sehen Sie als gefährlichsten Gegner der drei?

Schwer! Sie sind sehr unterschiedlich. Die Katarer haben eine sehr erfahrene Mannschaft, mit ehemaligen Jugoslawen, Tunesiern und Ägyptern. Gerade im Auftaktspiel ist es nicht ideal, sie zu bekommen. Mit Valero Rivera haben sie einen alten spanischen Trainerfuchs auf der Bank. Die Serben haben eine Mischung aus Alt und Jung. Vor fünf Jahren gab es noch viel Chaos bei ihnen, jetzt hat sich alles gelegt, sie sind wieder eine Mannschaft. Algerien hat gute Leute, aber das ist eine kleine Wundertüte, man weiß nicht genau, was da kommt. Sie sind extrem hitzköpfig, zerstören sich durch viele Zeitstrafen oft selbst.

Torwart Andreas Wolff hat in Kielce ein starkes Jahr hinter sich, wie sehen Sie ihn?

Andi spielt sehr gut und stabil in dieser Saison, richtig gut. Die letzten Jahre war es phasenweise anders, da hatte er ein paar Probleme. Aber diese Saison ist er sehr stark. Andi ist unser Torhüter Nummer eins.

„Wir haben eine Mannschaft, die nicht nur grün hinter den Ohren, sondern auch ziemlich abgezockt ist“

Ist die Abwehr die größte Baustelle bei der WM?

Ich bin überzeugt, dass wir eine sehr gute Abwehr hinkriegen. Aber wir haben eben nicht die Auswahl an Spielern. Wenn etwas passiert, wird es problematisch. Wir können den Ausfall gewisser Spieler nicht kompensieren.

Welcher Spieler darf Ihnen nicht wegbrechen?

Die beste Formation im Innenblock ist die, die wir jetzt in den Tests gegen Island hatten, mit Johannes Golla und Julian Köster. Golli ist ein Dauerläufer bei Flensburg, ist auch bei uns viel gefordert. Er ist für uns nicht zu ersetzen.

Was auffällt, ist, dass die Mannschaft viel Erfahrung hat, auch wenn sie neu zusammengestellt ist.

Das stimmt. Wir haben eine Mannschaft, die nicht nur grün hinter den Ohren, sondern auch ziemlich abgezockt ist. Das ist eine sehr gute Mischung von Erfahrung und frischen Leuten.

Was ist für Deutschland möglich bei der WM?

Wir wollen erst einmal unsere Gruppe gewinnen. Wir müssen uns bei dem Turnier vor keiner Mannschaft verstecken und können überraschen.

Ist die WM für Sie ein Vorbereitungsturnier auf die Heim-EM 2024?

Nein, das ist ein Turnier, in dem wir gut spielen und uns weiterentwickeln wollen. Der beste Schritt wäre, eine richtig gute WM zu spielen und Selbstvertrauen zu tanken. Wir wollen liefern. Das heißt nicht, dass wir in die Medaillen-Ränge kommen müssen. Wir wissen, dass wir nicht zu den Favoriten zählen.

Denken Sie auch an eine mögliche Olympia-Qualifikation, die einfacher wäre, wenn Sie das Viertelfinale erreichen?

Das wäre natürlich ein Traum. Darüber grüble ich aber noch nicht nach. Aber natürlich ist die Olympia-Qualifikation für uns auch ein extrem großes Ziel.

Was macht Sie zuversichtlich, dass zu Weltmeister Dänemark, Olympiasieger Frankreich und Europameister Schweden nicht viel fehlt, dass Deutschland dahinter mit vielen anderen auf Augenhöhe ist?

Wir können eine sehr gute Abwehr stellen. Wir haben sehr gute Torhüter und können viel Druck nach vorn machen. Wir haben uns in den letzten zwei Jahren im Angriff taktisch weiterentwickelt, machen weniger Fehler. Wir spielen etwas ökonomischer und geduldiger als noch vor zweieinhalb Jahren. Wir müssen unsere Spielweise an unser Spielermaterial anpassen. Das heißt nicht, dass die Spieler schlecht sind. Im Gegenteil. Aber wir haben eben keinen Mikkel Hansen (Dänemarks dreimaliger Welthandballer; d. Red.) oder Dika Mem (Frankreichs Superstar; d. Red.), die Tore aus elf Metern werfen. Wir müssen es anders machen. Das kann auch sehr erfolgreich sein.

Sie sind seit 2020 im Amt. Ein normales Turnier haben Sie als DHB-Coach noch nicht erlebt. Corona, Verletzungen, Rücktritte. Was gibt es diesmal?

Ich habe die Hoffnung, dass es das erste Mal ein ganz normales Turnier wird, in dem es nur um Handball geht und nicht darum, nach jedem Spiel die Mannschaft komplett umkrempeln zu müssen. Dass ich nicht damit rechnen muss, wenn jemand an meine Zimmertür klopft, dass schon wieder einer verletzt ist. So wie zuletzt 2022 bei der EM in Bratislava.

Haben Sie sich nach den vielen Rückschlägen mal die Frage gestellt, warum Sie sich den Job eigentlich angetan haben?

Nein, eigentlich nicht. Ich liebe den Sport. Ich habe trotz allem viel Spaß gehabt mit der Mannschaft. Es sind sehr gute Jungs. Ich habe viele junge Leute reingebracht, einige aus der Vergessenheit zurückgeholt, die jetzt aufblühen. Das gibt mir unheimlich viel und macht mir tierisch Spaß.

Was ist mit den Kielern Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek. Haben Sie beide vor der WM noch mal kontaktiert und gebeten zurückzukehren?

Habe ich nicht. Bei Patrick hätte es wohl keinen Sinn, deshalb werde ich es auch nicht versuchen. „Peke“ ist ja nicht zurückgetreten. Er wollte nur seine Gesundheit in den Griff bekommen. Es scheint jetzt gut zu laufen. Ich werde ihn wohl nach der WM kontaktieren. Er muss aber auch wollen.

Was muss passieren, dass die WM für Sie ein erfolgreiches Turnier ist?

Ich kann die Frage erst nach dem Turnier beantworten. Wenn ich sehe, dass mehr drin gewesen wäre, wir die Leistungen aber nicht abgerufen haben, kann ich nicht zufrieden sein. Wenn wir aber alles abgerufen haben, dann schon.

Wer wird Weltmeister und warum?

Wieder die Dänen. Sie haben eine riesige Breite, einen Super-Kader. Allen voran zwei überragende Torhüter. Wenn man sieht, welche Torhüter nicht mitkommen dürfen, dann ist das schon eine enorme Qualität. Oder wenn man sieht, dass ein Casper Mortensen vom HSV, aktuell bester Torjäger der Bundesliga (127 Tore; d. Red.), als dritter Linksaußen nicht mitfahren darf. Wen sehen Sie noch vorn? Dänemark und dann Frankreich, sie sind das Maß aller Dinge.

Was machen diese Nationen und andere wie Schweden und Island besser als wir?

Die Schweden haben vor drei, vier Jahren eine gute Generation herausgebracht, haben jetzt eine sehr gute Mischung. Die Dänen haben eine unglaubliche Breite an Spielermaterial. Diese Mannschaften haben nie Absagen. Auch die Isländer haben eine gute Generation, sind in der Entwicklung ein, zwei Jahre vor uns.

„Wir wissen, dass wir nicht zu den Favoriten zählen“

Machen die insgesamt in der Ausbildung etwas anders? Oder liegt es vorwiegend am Übergang vom Juniorenzum Herrenbereich?

In Skandinavien gibt es allgemein eine sehr gute Ausbildung. Was es einfacher für sie macht als für die Deutschen: Ein Däne spielt nach dem Übergang in den Männerbereich im eigenen Verein drei, vier Jahre. Ein deutscher Nachwuchsspieler muss im eigenen Verein kämpfen, um überhaupt berücksichtigt zu werden.

Das ist bei den Franzosen und den Spaniern auch ein Vorteil.

Ein Nationalmannschafts-Lehrgang Anfang Dezember fiel weg. Nicht gerade förderlich für die WM-Vorbereitung …

Stimmt, aber ich bin froh, dass wir für die kommende Saison einige Vorbereitungstage dazubekommen haben. Und dass die Bundesliga-Saison 2024 nicht so lange geht.

Haben Sie das Gefühl, dass die Liga Sie mit voller Kraft unterstützt?

Ja. Liga und Vereine wissen, wie die Probleme sind. Sie wissen, dass wir alle voneinander abhängig sind. Es gibt aber schon eine gute Zusammenarbeitet zwischen Liga und DHB.