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Wir schlafen jetzt durch


Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 06.11.2019
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Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 12/2019

Zu den Dingen, die sich ändern, wenn ein Baby geboren wird: Eltern bestimmen nicht mehr alleine, wie viel und wie gut sie schlafen. Der Weg zu ruhigen Nächten auch für Mama und Papa? Ganz einfach: ein Baby, das schlafen kann


Vier von fünf Deutschen schlafen schlecht. Das ist ein gewisser Trost, denn das können nicht alles junge Eltern sein. Und doch: Schlafmangel ist bei jungen Müttern und Vätern Thema Nummer eins. Das ist wenig verwunderlich, denn Säuglinge haben noch keinen Tag-Nacht-Rhythmus und sind öfter hungrig. Die gute Nachricht: Es ist nur eine Phase. Die schlechte Nachricht: Manchmal dauert sie ...

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... gefühlte Ewigkeiten. Doch es gibt ein paar Tricks, wie Kinder leichter schlafen lernen.


Feste Zeiten – wann immer es geht


Auch wenn Neugeborene immer und überall wegpennen, leuchtet es ein, dass ein bisschen Struktur langfristig eine gute Idee ist. Schon Klitzekleine müssen lernen, dass es so etwas wie Tag und Nacht gibt. Und viele Größere müssen das manchmal wieder lernen. Der Trick ist immer derselbe: Wer auf die Nacht schielt, muss auf den Tag gucken. Je klarer der Tag strukturiert ist, desto leichter finden sich Kinder zurecht. Frühstücken um acht, spielen bis zehn, einkaufen, Nickerchen machen, Mittagessen. Und so weiter.

Setzen Sie sich nicht unter Druck, das klappt nicht von heute auf morgen. Vielleicht ist Ihr Tagesablauf auch zu variabel, um immer alles gleich machen zu können. Zunächst geht es vor allem um eine Bestandsaufnahme: Wann schläft das Kind wie viel? Wann wird es müde, wann hat es Hunger? Wo lassen sich Muster finden? Wie könnten die in Ihre Abläufe passen? Und wie kann man beides in die richtige Richtung drehen?

Wenn Sie die einzelnen Bausteine jeden Tag um ein Viertelstündchen verschieben, kommen Sie Ihrer gewünschten Bettgehzeit langsam näher. Ein klar strukturierter Tag signalisiert Kindern aber noch etwas viel Wichtigeres: Verlässlichkeit. Gut möglich, dass die Mama beim Einschlafen nicht mit sich handeln lässt. Dafür ist sie morgen wieder für mich da. Ganz sicher.

Die große Macht der Gewohnheit

Einfacher wird das Ganze mit einem Einschlafritual. Schöner können Eltern und Kind die Zeit vor dem Einschlafen ohnehin kaum verbringen. Und nichts hilft besser dabei, Schlafzeiten einzuschleifen. Vorausgesetzt: Das Ritual hat die richtige Länge. Weniger als fünf Minuten sind zu kurz, um sich auf die Trennung vorzubereiten, mehr als 30 Minuten sind oft ein Zeichen, dass man sich nicht trennen kann oder will.

Mit dem Einschlafritual wird der Tag verabschiedet. Wenn das auf immer gleiche Weise passiert, wissen Kinder: Schicht im Schacht, jetzt ist Schlafenszeit. Vordergründig ist ein Ritual ein nettes Spiel: Vergisst die Mama auch nicht, dass sie zuerst den Hasen und dann den Sohn aufs linke Ohr küssen muss? Dass sie ein Lied singen und dann die Spieluhr aufziehen soll? Dass sie sich jeden Abend an diesen festen Ablauf hält, gibt dem Kind jedenfalls Sicherheit.

Zur Ruhe kommen Aufgedrehte Kinder können nicht gleich einschlafen. Womit sie zur Ruhe kommen? Ausprobieren!


Spätestens mit einem halben Jahr ist so ein Ritual wichtig. In dem Alter verändert sich vieles, die Kinder werden mobiler, erobern die Welt, fremdeln. Das alles muss verarbeitet werden. Wer schläft, muss loslassen, und weil den Kindern das jetzt bewusster wird, fällt das Einschlafen oft schwerer. Dabei hilft ein Ritual, mit dem Familien auch ihre eigenen Traditionen setzen können: Die einen erzählen vor dem Schlafen eine Geschichte, andere singen, wieder andere beten.

Wichtig ist das Signal: Ich bin für dich da

Ganz wichtig: Mama oder Papa ist in diesem Moment ganz beim Kind. Das Einschlaflied, der Kuss aufs Ohr, die sanfte Stimme signalisieren: Ich bin für dich da, und zwar auch, wenn du schläfst. Nur mit diesem Grundvertrauen können Kinder sich beruhigt in den Schlaf verabschieden.

Deshalb kann es keine gute Idee sein, ein Kind einfach schreien zu lassen. Babys weinen und schreien nicht zum Spaß, auch nicht, um ihre Eltern zu ärgern, sondern weil ihnen etwas fehlt. Was, gilt es herauszufinden: roter Po, Zahnen, Bauchweh, schlecht geträumt, Angst. Das Kind braucht Hilfe, und wir müssen ihm zeigen, dass es uns wichtig ist.

Was allerdings nicht heißt, dass man den Zwerg bei jedem Mucks in den Arm nehmen muss. Oft ist weniger mehr, manchmal reicht es, wenn Mama nur kommt, für ein paar Minuten die Hand hält oder Babys Bäuchlein streichelt, ein Lied singt und einfach nur da ist. Wenn sich das Kind beruhigt hat, sagt Mama: „Schön, dass es dir wieder besser geht. Schlaf gut, mein Schatz. Ich gehe jetzt, aber ich bin ganz nah im Wohnzimmer.“

Natürlich klappt das nicht immer. Manchmal hilft es, wenn das Abendprogramm der Papa übernimmt, den finden viele Kinder rund um den ersten Geburtstag nicht ganz so attraktiv. Klingt gemein, ist aber praktisch, weil sich die Kinder leichter trennen. Oder die Eltern ziehen sich Schritt für Schritt zurück, bleiben auf einem Stuhl im Kinderzimmer sitzen, bis das Baby schläft. Jeden Abend wandert der Stuhl näher zur Tür, bis es das Kind aushalten kann, wenn die Eltern gehen. Bei hartnäckigen Einschlafproblemen können Eltern sich professionelle Hilfe suchen. Eine Psychologin, ein Schlafcoach, ein Kinderarzt, eine Hebamme: Für Außenstehende ist das Problem oft viel leichter zu erkennen, weil sie nicht mittendrinstecken.

Unsere Stimme – ein Wundermittel

Oft sind es dann kleine Schritte, die zum Ziel führen – besagte Rituale, die wie Leitplanken zeigen, wo der Weg in den Nachtschlaf führt. Schon Babys lieben zum Beispiel Reime – und vor allem die Stimme ihrer Eltern. Die sanften Töne beruhigen den Herzschlag und lassen Ihr Kind zur Ruhe kommen. Eine Spieluhr oder eine Kinderlieder-CD kann auch helfen, aber niemals so gut wie Mamas oder Papas Stimme, wenn sie das Kind mit dem Lieblingslied in die Nacht singt. Um welches Lied es sich dabei genau handelt, ist übrigens unwichtig – Hauptsache, es ist schön ruhig und einschläfernd vorgetragen.

Das Gleiche gilt für eine kurze, vorgelesene Passage aus einem Einschlafbuch: Nicht spannend oder aufregend sollte es sein, sondern beruhigend und gern immer gleich.

Mit der Fantasie kommt manchmal die Angst

Mit Verlässlichkeit und Ritualen gelingt es den meisten Kindern, ruhig in den Schlaf zu finden – solange sie noch klein sind. Denn oft folgt im Alter von zwei, drei Jahren eine Phase, in der das Zubettgehen sich plötzlich wieder endlos zieht. Das kann damit zusammenhängen, dass die Kinder nun mehr verstehen als früher und sich mehr Gedanken machen.

In diesem Alter arbeitet die Fantasie auf Hochtouren: Die Kinder erfinden unsichtbare Freunde, sehen Gespenster unterm Sofa und fürchten sich vor der Dunkelheit, weil da ja die Monster rauskommen. Dabei ist es schon gut, wenn sie das immerhin klar benennen können. Leider müssen Eltern oft erst wie Detektive herausfinden, dass hinter dem Einschlaftheater Angst vor dem Dunkeln steckt.

Ein kleines Nachtlicht (rotes Licht stört den Schlaf weniger) kann in diesem Fall Wunder wirken und wird heute von den meisten Augenärzten bedenkenlos durchgewunken. Die Sorge, dass Licht in der Nacht eine angeborene Kurzsichtigkeit verstärken kann, ist nach heutigem Wissensstand unbegründet.

Doch noch wichtiger, als ein Nachtlicht anzustöpseln, ist es, mit dem Kind über seine Ängste zu reden. Weil man dann gemeinsam oft noch auf ganz andere Lösungen kommt: etwa die Tür einen Spalt breit offen zu lassen, damit das Kind noch etwas von den Geräuschen der Eltern hört und sich nicht so allein fühlt. Oder das Lieblingskuscheltier wird zum Schlafbewacher ausgebildet.


FOTOS/ILLUSTRATIONEN: GETTY IMAGES