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WIR STECKEN IN DER: STAU-FALLE


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 26/2019 vom 27.06.2019

Unsere Straßen sind voll, zu voll. Kilometerlange Staus sind die Folge. Welche Auswege gibt es?


Artikelbild für den Artikel "WIR STECKEN IN DER: STAU-FALLE" aus der Ausgabe 26/2019 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 26/2019

WAS HABEN HAMBURG, Berlin, Bremen, Nürnberg, Stuttgart und München gemeinsam? Sie sind Spitzenreiter in Sachen Stau. Laut dem Traffic Index des Navigationsspezialisten TomTom stehen Autofahrer in diesen deutschen Städten am längsten im Stau.

TomTom vergleicht für den Index die über seine OnlineNavis gemessene tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit mit dem auf derselben Strecke bestmöglich erreichbaren Tempo. Für Hamburg heißt das: Eine Fahrt dauert morgens 46 statt 30 Minuten. Abends sind es 48 statt 30 ...

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... Minuten. Und in vielen anderen Städten sieht es eben nicht besser aus.

Problem: Kurzfristige Änderungen sind wohl nicht in Sicht. Denn laut Professor Michael Schreckenberg, Phys iker und StauExperte an der Universität DuisburgEssen, entstehen zwei von drei Staus, weil die Strecken überlastet sind. Anders gesagt: Es gibt einfach zu viele Autos auf zu engen Straßen.

Die Folge: Jeder Deutsche steht etwa 60 Stunden pro Jahr im Stau. Bei 80 Millionen Menschen sind das rund 550 000 Jahre. Volkswirtschaftlicher Schaden: 80 Milliarden Euro pro Jahr.


„Wir stehen pro Jahr 60 Stun den im Stau. Das kostet die Volks wirtschaft rund 80 Milli arden Euro im Jahr.“
Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Stauforscher, Uni Duisburg-Essen


Spannendste Frage: Wie entsteht ein Stau? Für Forscher Schreckenberg ist das ganz einfach: Sind zu viele Autos auf einer Straße und bremst dann eines von ihnen vorn ab, bremsen die nachfolgenden Fahrer natürlich auch. Das geht so lange, bis das erste Auto steht. Dieses Auto löst wiederum eine Stauwelle aus. Diese Wellen pflanzen sich mit etwa 15 km/h in der Autoschlange fort. Und zwar zwischen 30 und 60 Minuten lang, rückwärts über alle Zufahrten und Rampen hinweg.

Aber nicht nur zu viele Autos sind ein Stauproblem, auch die Tagesform der Fahrer entscheidet über Stau oder kein Stau. Nach dem Urlaub etwa brauchen Autofahrer zwei bis drei Tage, um sich wieder an die vielen Mitfahrer und unsere engen Straßen zu gewöhnen. Außerdem müssen sie vom Urlaubsmodus auf die Alltagsroutine umschalten.

Auch das Wetter hat seinen Einfluss. Nach einem Schauer zum Beispiel sind die Fahrer vorsichtiger unterwegs. Sie haben entweder Angst vor rutschigen Straßen, oder das Licht der Scheinwerfer anderer Autos spiegelt sich auf der nassen Straße und blendet sie. Sind dann noch die Scheiben beschlagen, sind die Fahrer zögerlicher unterwegs – und der Verkehr stockt.

Leider ist die Staugefahr auch dann nicht gebannt, wenn man gerade einen Stau hinter sich gelassen hat. Die Fahrer geben zwar scheinbar befreit wieder Gas. Weil sie sich entspannen – aber auch unkonzentrierter sind –, reagieren sie auf plötzliche Ereignisse hektischer, bremsen oft unnötig ab, neue Staus entstehen.

In der Stadt haben Staus andere Ursachen. Hier beeinflussen Ampeln, Kreuzungen und Abbiegevorgänge den Verkehrsfluss. Dazu kommen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Autos, Radfahrern und Fußgängern. Kommen dann noch Baustellen dazu, geht schnell nichts mehr. Zudem ist jedes dritte Auto in der Stadt nur zur Parkplatzsuche unterwegs. Eine oft diskutierte Idee gegen den Stau: Man richtet Umweltspuren ein oder gibt Busspuren für E-Autos, EBikes, E-Roller und Fahrgemeinschaften frei. „Das bringt nichts, im Gegenteil“, sagt Professor Schreckenberg.

„Die Fahrzeuge behindern sich gegenseitig, weil sie unterschiedlich schnell unterwegs sind. Außerdem brauchen diese Sonderspuren Platz.“ Der den normalen Fahrspuren dann fehlt. Die Folge: Auf den Reststraßen fließt der Verkehr langsamer – oder steht. Bleibt die Erkenntnis: Wir haben zu viele Fahrzeuge auf zu engen Straßen, stehen in der Staufalle. Keine Frage: Unsere Mobilität ist in Gefahr.

VERHALTEN IM STAU

– Halten Sie ausreichend Abstand zum Vordermann. So haben Sie Platz und Zeit, um bei Gefahr rechtzeitig zu bremsen. Hektisches Bremsen begünstigt Staus.
– Bleiben Sie möglichst in Ihrer Fahrspur. Fahrspurwechsel führen zu unnötigen Bremsmanövern anderer Verkehrsteilnehmer und können Staus auslösen
– Schwimmen Sie harmonisch im Verkehrsfluss mit. Häufige Tempowechsel irritieren die anderen Verkehrsteilnehmer und führen zu Bremsmanövern und Staus.
– Beim Auffahren auf eine andere Straße, etwa eine Autobahn, das Tempo anpassen. Fügen Sie sich in den Strom ein, um den Fluss nicht zu stören.

KOMMENTAR STEFAN SZYCH


Zu viele Fahrzeuge auf zu engen Straßen – und kein nationales Verkehrskonzept. Ob Bund, Länder und Gemeinden, Verkehrsbetriebe oder Bahn: Jeder wurschtelt vor sich hin. Die Folgen: marode Straßen und Züge, Stau ohne Ende. Liebe Politiker, macht endlich was, sonst steht die Republik bald still.

„WIR BRAUCHEN EIN NATIONALES VERKEHRSKONZEPT“

FOTOS: S. HABERLAND, PICTURE ALLIANCE/DPA, PRIVAT

Wir haben zu viele Fahrzeuge in den Städten. Könnte hier eine Citymaut helfen?

„Nicht wirklich. Sie würde die kleineren Autos aus der Stadt verbannen. Fahrer großer Autos und SUV könnten sich die Maut gut leisten und führen weiter in die Stadt und die Parkhäuser, die für ihre Autos nicht gemacht sind.“

Was ist die Alternative?

„Wir müssen den öffentlichen Personennahverkehr stärken. Er ist das Rückgrat unserer Mobilität und könnte die Straßen entlasten. Leider ist er zu teuer.“

Also sollen die Verkehrsbetriebe ihre Preise senken?

„Das wäre ein erster Schritt. In Wien etwa kostet eine Netzkarte 365 Euro pro Jahr, also einen Euro pro Tag, für alle Linien. Das hat schon einiges gebracht. Günstiger ÖPNV führt dazu, dass Menschen vom Auto umsteigen. Am besten wäre ein kostenloser ÖPNV. Dann wären wahrscheinlich deutlich mehr Menschen zum Umsteigen bereit. Tatsächlich brauchen wir jedoch andere Lösungen.“

Wo würden Sie ansetzen?

„Wir brauchen ein nationales Verkehrskonzept, müssen die Anbieter vernetzen. Aktuell wissen die Stadtplaner nicht, was die regionalen Verkehrsbetriebe planen. Und die wissen nicht, was die Bahn vorhat. Oder nehmen Sie die Citymaut: Es gibt kein nationales Konzept, weil jede Stadt mehr verdienen will als die andere.“