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Wir verstehen uns


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 20.08.2021

Titelthema

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Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 9/2021

Minka weiß genau: Auf dem Tisch habe ich nichts zu suchen. Dennoch hüpft die Katzendame geschickt hinauf und balanciert fröhlich mauzend zwischen Tellern, Gläsern und Lebensmitteln, während Frauchen zornig wettert. Dackel Paulchen gräbt lieber weiter sein Loch am Feldrand, anstatt zu seinem inzwischen fluchenden Besitzer zurückzukommen. Und Kaninchen Klopfer ergreift blitzschnell die Flucht, wenn seine junge Halterin den kleinen Kerl begrüßt und zum Knuddeln aus dem Gehege nehmen möchte. In einer solchen oder ähnlichen Situation findet sich wohl jeder Haustierbesitzer eines Tages wieder. Und der ein oder andere fragt sich: Machen das unsere tierischen Freunde absichtlich – oder verstehen sie einfach nicht, was wir uns von ihnen wünschen? Die Tatsache, dass wir unsere Vierbeiner lieben, bedeutet nicht automatisch, dass wir sie auch verstehen. Immer wieder kommt es zu Missverständnissen in ...

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... der Mensch-Tier-Kommunikation – aus Unwissenheit, Bequemlichkeit oder weil wir unsere menschlichen Verhaltensweisen auf das Fellknäuel übertragen.

Fremdsprache „Tierisch“

Stellen Sie sich vor, Sie könnten wirklich mit Tieren sprechen! Für viele Tierfreunde ginge sicher ein Traum in Erfüllung. Und die überraschende Aussage des internationalen Verhaltensforschers Dr. Immanuel Birmelin ist: „Sie können es! Einige Menschen sprechen ,Tierisch‘ von Natur aus, andere wiederum müssen es erst lernen. Doch die Fähigkeit dazu ist in jedem Menschen veranlagt.“

Für uns Zweibeiner ist die Stimme der Inbegriff der Sprache. Wir sind fixiert auf Laute, wenn wir mit anderen in Beziehung treten. Tiere hingegen tauschen sich über eine Vielzahl von Signalen aus: lautlich, optisch durch ihre Mimik und Gestik, aber auch durch Farben und Muster. Tintenfische und Chamäleons beispielsweise zeigen durch ihre Hautfarbe an, wie sie gerade drauf sind. Ja, man kann sogar regelrecht sehen, was sie denken! Was für uns Menschen oft nur Redensarten sind – sich schwarz ärgern, grün vor Neid oder rot vor Wut werden – ist im Leben der Chamäleons Realität. Durch ihre unterschiedlichen Färbungen drücken die Reptilien verschiedene Stimmungen wie Wut, Kampfbereitschaft, Angst oder Unterwerfung aus. Protzig sind Männchen, die Rivalen einschüchtern oder Weibchen anlocken wollen. Wenn sie in Regenbogenfarben schillern, wollen sie um jeden Preis gesehen werden – ähnlich wie Vogelherren in der Balz. Die im Kampf Unterlegenen hingegen sind an ihrer blassen Haut zu erkennen. Auch Weibchen ergrauen, wenn sie vom lüsternen Gegenüber wieder ihren Frieden haben wollen.

Sprache hat einen Zweck

Informationen, Gefühle, Stimmungen, Wünsche und Bedürfnisse werden so permanent untereinander ausgetauscht. Sprache hat im Tierreich immer einen Zweck, während sie bei uns auch für sich existieren kann – in Musik, Literatur und Poesie. Je intelligenter und sozialer eine Art veranlagt ist, desto mehr Unterhaltung brauchen Lebewesen. Kommunikation ist lebenswichtig – für den Austausch, zum Beispiel, wo sich geeignetes Futter befindet, um einen Fortpflanzungspartner zu finden oder um sich in einer Herde oder einem Schwarm gegenseitig vor Fressfeinden zu warnen.

Wölfe oder Großkatzen stellen sich auf die Ballenspitzen, machen einen Buckel, zeigen die Zähne und sträuben die Haare, um Rivalen zu verdeutlichen: Das ist mein Revier! Verzieh dich, sonst setzt’s was! Das laute Fauchen ist meist nur ein kleiner Zusatz, um auch dem begriffstutzigsten Tier klarzumachen, was Tiger, Löwe & Co. meinen.

Ängstliche Tiere ducken sich, bekommen große Augen, legen die Ohren an und ziehen – im wahrsten Sinne – den Schwanz ein. Das signalisiert: Okay, ich habe verstanden. Du bist der Stärkere, ich gebe auf. Bitte lass mir mein Leben.

Ein solches Verhalten zeigt sich auch bei unseren Stubentigern und Sofawölfen. Mimik dient Tieren vor allem der Verständigung über kurze Distanzen, während die Gestik auch aus der Ferne wahrzunehmen ist. Laute wie Bellen, Winseln, Knurren oder Fauchen sind nur Ergänzungen, wenn ihr Gegenüber nicht auf die Körpersprache reagiert. „Wichtig ist immer, die Gesamtsituation zu betrachten“, erklärt der Verhaltensbiologe.

Unser Experte

... ist Verhaltensforscher von internationalem Rang und war jahrelang Mitglied der Fachgruppe für Verhaltensforschung der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft. 2007 hat er den Verein für Verhaltensforschung bei Tieren e.V. gegründet mit dem Ziel, eine tiergerechtere Haltung zu ermöglichen. Zusammen mit Volker Arzt dreht er erfolgreiche Filme wie „Wenn die Tiere reden könnten“ oder „Kluge Vögel. Kluge Pflanzen“. Immanuel Birmelin lebt mit seiner Frau Sylvia, dem Bernhardiner Momo und einer fröhlichen Schar Wellis in Freiburg.

”Tiere lesen ihr Gegenüber mit vielen Sinnen gleichzeitig. Tun Sie es ihnen gleich“

Koppelung der Sinne

Tiere drücken sich nicht nur mit beinahe jeder Faser ihres Körpers aus, sie nehmen auch mit verschiedenen Sinnen, die perfekt gekoppelt sind, ihr Gegenüber wahr. „Eine solche Verschaltung der Sinne, ein gemeinsames Wahrnehmen und Verarbeiten mehrerer Sinneseindrücke, ist womöglich die biologische Erklärung für das, was wir als ‚sechsten oder siebten Sinn‘ bezeichnen“, erklärt der Experte. „Unsere Sprache ist konkret und abstrakt. Viele verstehen nur Worthülsen, aber nicht ihren Sinn. Sie haben nicht gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen.“ Der Homo sapiens hat sich im Laufe der Evolution zunehmend akustisch orientiert – und ein wenig optisch, doch die anderen Sinne sind bei den meisten weitgehend eingeschränkt. Vögel sind ebenso akustisch orientiert. Die meisten Tiere jedoch verwenden ihren ganzen Körper, um zu verstehen und zu sprechen. „Man weiß noch gar nicht, wie viele Faktoren in der Kommunikation von Tieren eine Rolle spielen, da die Wissenschaft längst (noch) nicht alles erforschen kann“, gesteht Dr. Birmelin. Es sind „Fremdsprachen“, die wir mit dem Kopf, unserem hochgepriesenen Verstand vermutlich noch gar nicht ansatzweise verstehen.

Inzwischen schreitet die Forschung auch bei der Kommunikation von Pflanzen heran. Sie unterhalten sich untereinander, aber auch mit Insekten über chemische Prozesse, senden beispielsweise Duftstoffe aus, um nützliche Insekten anzulocken oder sich vor Fressfeinden zu warnen. „Man weiß, Gerüche spielen bei vielen Lebewesen eine entscheidende Rolle. Beispielsweise nehmen Hunde ihr Gegenüber vor allem olfaktorisch wahr. Da hinken wir rein biologisch mehr als hinterher“, so Dr. Birmelin. Das Entscheidende jedoch: Tiere kombinieren all ihre sensorischen Eindrücke und verknüpfen sie zu einem Gesamtbild – und das nie ohne einen weiteren wichtigen Bereich: die Emotionen.

„Zu Sprache gehören nicht nur künstlich geschaffene Lauthülsen“, weiß Dr. Immanuel Birmelin, „sondern auch die Gefühle, die in einer Situation mitschwingen.“ Auch einige Menschen verfügen über diese Fähigkeit besser als andere. Sogenannte Synästheten besitzen völlig gesunde, jedoch an-geboren neuronal viel stärker verknüpfte Gehirne – hinsichtlich der Verbindung der Sinnesbereiche, Emotionen und bereits gespeicherter Informationen, die sie Situationen vielschichtiger und mit großem Einfühlungsvermögen wahrnehmen lassen. Auch in der Kommunikation können sie so subtilste Signale lesen. „Womöglich sind bei solch tiefen Wahrnehmungen auch die Spiegelneuronen stark aktiviert, die uns in unser zwei- oder vierbeiniges Gegenüber einfühlen lassen“, erklärt der Verhaltensforscher. „Als ich eine Herzoperation hatte und Ruhe brauchte“, erzählt er weiter, „kam mein draufgängerischer Bernhardiner Momo nicht angeschossen wie sonst, sondern hat sich instinktiv vorsichtig genähert und mich behutsam abgeschleckt. Er hat die Situation sofort richtig erkannt und entsprechend reagiert. Tiere stellen sich auf uns ein. Er konnte mich lesen, ohne dass ich sprechen musste.“

Konflikte und Missverständnisse

Auch Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat in einem Modell veranschaulicht, dass die sprachliche Kommunikation von der Beziehung der beiden Gesprächspartner und von ihren Gefühlen beeinflusst wird. Zu Missverständnissen kommt es, wenn nur ein kleiner Teilbereich der Vielschichtigkeit beachtet wird. Er sagt zum Beispiel: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Damit verdeutlicht er, dass sich jedes Lebewesen in jeder Situation auf irgendeine Art und Weise mitteilt – nicht nur durch das, was man sagt, sondern auch nonverbal über jede Art von Verhalten. Beobachten Sie Ihre Katze: Verharrt sie mucksmäuschenstill an Ort und Stelle und würdigt Sie keines Blickes, während Sie sie zu sich rufen, könnte man annehmen, sie würde nicht kommunizieren. Doch sie tut es. Und das sogar sehr deutlich: Über ihren verwehrenden Blick und ihre Körpersprache teilt die Katze mit, dass sie gerade keinerlei Kontakt möchte. Übergeht man das Bedürfnis der Mieze nach Ruhe, wird es zum Konflikt kommen. Auch Kleintiere, die durch Flucht oder Abwenden deutlich zeigen „Jetzt nicht!“, werden aus Angst oder Wut womöglich zubeißen, wenn Sie sie dennoch packen.

DIE KÖRPERSPRACHE VON KATZEN & HUNDEN

WIE SAGE ICH: „Ich liebe dich“

Durch langsames Blinzeln können Sie einer Katze „Ich liebe dich“ sagen. Versuchen Sie Augenkontakt zu ihr herzustellen, starren Sie sie dabei aber nicht an. Bleiben Sie entspannt und gelassen. Bei Hunden ist eine Umarmung der falsche Weg. Sie bewirkt oft das Gegenteil und führt zu Bedrängung. Streicheln Sie Ihren Vierbeiner sanft, blicken Sie ihm kurz und liebevoll in die Augen, wenn er den Blickkontakt sucht, und säuseln Sie in entspannter Stimmung. Dabei wird im Gehirn von Hund und Halter das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Bei Kaninchen, Meerlis, Vögeln & Co. kommt es ganz auf den Charakter an: Einigen zeigen Sie Ihre Liebe, wenn Sie sie ganz in Ruhe lassen und gut versorgen. Andere mögen es, behutsam gestreichelt zu werden oder einen Leckerbissen zu bekommen.

Watzlawick sagt auch: Jede Aktion von uns ruft eine Reaktion bei unserem Gegenüber hervor und umgekehrt. Oder anders ausgedrückt: Kommunikation hat keinen Anfangspunkt, sie verläuft kreisförmig. Beispiel: Sie schreien nach Ihrem Hund (Wirkung), weil er Sie nicht hört (Ursache). Nachdem Sie noch lauter schreien, sich dabei groß machen und allmählich wütend werden (Ursache), kommt ihr Hund erst recht nicht (Wirkung). Ein Teufelskreis.

Reflektieren Sie, wie Ihr momentanes Verhalten auf Ihr Tier womöglich wirkt. Versetzen Sie sich in seine Lage. Ändern Sie Ihr Handeln gegebenenfalls, um den Konflikt zu entschärfen. Ihr Vierbeiner wird mit Wohlwollen zu Ihnen kommen, wenn Sie ihn in ausgeglichener Stimmung oder – noch besser! – freudig mit leichter Stimme und säuselnd hoher Tonlage rufen und mit offenen Armen empfangen.

Kommunikation ist Beziehung

Wichtig ist, eindeutig zu kommunizieren. Verbal, aber auch nonverbal sollten alle Signale zusammenpassen. Stellt Ihr Stubentiger etwas an, was er zwar nicht darf, doch dabei so urkomisch aussieht, dass Ihnen zum Lachen zumute ist, sollten Sie ihm dennoch mit einem ruhigen, strengen „Nein“ klarmachen, dass dieses Verhalten unerwünscht ist. „Singen“ Sie das Verbot und krümmen sich vor Lachen, wird das bei der Samtpfote nicht ankommen. Sie wird sogar merken, dass Sie das Ganze amüsiert und ihr Verhalten beim nächsten Mal wiederholen.

Auch die Beziehung zwischen zwei Gesprächspartnern beeinflusst, wie die Information verstanden wird. Finden sie ein Tier sympathisch, ist die Beziehung vertrauensvoll, die Bindung eng, wird die Kommunikation automatisch besser gelingen. Wir können unser Gegenüber mit seinen Bedürfnissen besser lesen, wenn wir es kennen und ihm gerne unsere Aufmerksamkeit schenken.

Stets auf Augenhöhe

Laut Watzlawicks Kommunikationsmodell wäre die Kommunikation mit Tieren komplementär. Das bedeutet, dass die Gesprächspartner nicht auf Augenhöhe miteinander sprechen, sondern sich stark unterscheiden (z. B. wie zwischen Eltern und Kindern, Lehrern und Schülern, Chef und Angestellten). Doch Kommunikation, die auf Gegensätzen beruht, funktioniert meist nicht so gut wie eine symmetrische. Bei Letzterer „vergessen“ die Partner ihre Unterschiede und konzentrieren sich auf ihre Gemeinsamkeiten. Tiere sind unsere Mitgeschöpfe, unsere Basiskommunikation ist nach wie vor gleich, wir können uns intuitiv verstehen. Im Laufe der Evolution haben wir uns lediglich auf verschiedene Sinne spezialisiert. Doch so verschieden die Ausdrucksformen auch sein mögen: Körpersprache ist eine Weltsprache, die selbst Kleintiere und Exoten verstehen – und selbst anwenden. Voraussetzung für eine gute Kommunikation ist, zu wissen, wie die jeweilige menschliche oder tierische Persönlichkeit Informationen und Reize aufnimmt und ihre Gefühle und Bedürfnisse ausdrückt. Nähern wir uns dieser ganzheitlichen Verständigung wieder an, die in uns allen veranlagt ist, kommen wir uns auch sprachlich wieder näher.

WIE SAGE ICH: „Lass das“

Stellt ein Vierbeiner etwas an, sind viele Worte, Erklärungen und ausgedehnte Schimpftiraden wenig effektiv. Besser eignen sich einfache Ansagen in strengem Tonfall – und auch das funktioniert nur bei Hunden. Katzen reagieren eher mit Protestverhalten, Kleintiere bekommen Angst. Denn sie wissen überhaupt nicht, was Tadel ist. Schreien und drohende Gesten sind bei jedem Tier kontraproduktiv und verängstigen gerade sensible Fellnasen und Federträger bloß.Ein erhobener Zeigefinger und sich groß zu machen, erkennen die meisten Tiere bereits als Tadel.

WIE SAGE ICH: „ Komm zu mir“

Sagen Sie nicht nur, was Sie von Ihrem Liebling möchten, sondern zeigen Sie es ihm gleichzeitig über Ihre Stimmmelodie, Tonlage, Mimik und Gestik. Schreien müssen Sie nicht: Hunde und Katzen hören prima, wenn Sie sich mit Ihnen im Zimmer befinden. Wer ein scheues, vielleicht unbekanntes Tier anlocken möchte, sollte ruhig, leise und mit eintöniger Stimme sprechen. Will man sein vertrautes Haustier zum Spielen auffordern, ist Säuseln sinnvoll, um Aufmerksamkeit zu erregen oder um Freude und Zuneigung auszudrücken. Für Aufforderungen sind wenige klare, freundlich-bestimmte Worte am wirkungsvollsten. LangesHerumreden verstehen Tiere nicht. Geben Sie spannung oder Stress heraus.

Kopf und Herz erreichen

Dr. Birmelin empfiehlt, sich gut über die Art seines Haustiers zu informieren und darüber hinaus viel gemeinsame Zeit zu verbringen, sich in diversen Situationen kennenzulernen. „Es gibt kein Rezept. Jedes Tier hat seine eigene Persönlichkeit. Ich muss mich auf jedes Lebewesen einlassen“, so der Verhaltensforscher. Kommunikation bedeutet für ihn nicht, einem Tiere eigene Bedürfnisse klarzumachen und durchzusetzen, sondern gegenseitig Bedürfnisse äußern zu können. Erziehung ist dem Verhaltensbiologen daher oft zu mechanisch: „Man bringt Signale bei – aber sein Tier richtig zu lesen, lernt man selten. Viele super erzogene Hunde und ihre Besitzer wirken wie zwei, die sich verstehen. Doch oft handelt es sich um einseitige Kommunikation.“ Der Halter spricht, hört aber nicht zu, wie es seinem Tier dabei geht, was es denkt und fühlt. „Wir müssen weg von der einseitigen Erziehung hin zur gegenseitigen Beziehung“, betont er. „Im Optimalfall erreicht Sprache beides – Kopf und Herz.“