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„Wir werden mit dem BVB richtig attackieren!“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 18.05.2022

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "„Wir werden mit dem BVB richtig attackieren!“" aus der Ausgabe 20/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 20/2022

SPORT BILD: Herr Süle, seit Sie in der Bundesliga spielen und in der Saison 2012/13 für Hoffenheim debütierten, wurde immer der FC Bayern Meister. Hatten Sie bei der Schalen-Übergabe zuletzt mal den Gedanken: Das Ding halte ich vielleicht zum letzten Mal in den Händen?

NIKLAS SÜLE (26): Den Gedanken hatte ich nicht, nein. In dem Moment, in dem ich die Schale in Händen hielt, haben einige Mitspieler von hinten aber schon gerufen: „Niki, das ist deine letzte!“

Was haben Sie geantwortet?

Das werden wir noch sehen!

Damit stellt sich die nächste Frage von selbst: Sie glauben an einen Meister-Titel mit Ihrem künftigen Klub Borussia Dortmund?

Natürlich glaube ich daran, dass ich mit Dortmund Meister werden kann. Ich habe die Entscheidung im vollen Bewusst-sein und der Überzeugung getroffen, dass wir mit dem BVB im Kampf um die Meisterschaft richtig attackieren werden!

Wäre ein ...

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... Meistertitel mit Dortmund wertvoller als die fünf, die Sie beim FC Bayern in fünf Jahren eingesammelt haben?

Wirklich: Jede Meisterschaft ist einzigartig. Ich habe mich auch über diesen fünften Titel extrem gefreut – genauso, wie ich mich gefreut habe, dass Dortmund den Titel in dieser Saison nicht geholt hat. Auch wenn mein Wechsel zum BVB früh kommuniziert wurde, wollte ich allen beweisen, dass ich mit Bayern noch mal alles gewinnen wollte und auch alles dafür getan habe. Ich denke, das ist mir geglückt. Ich wurde bei Bayern fünfmal Meister, zweimal Pokal-und einmal Champions-League-Sieger. Jetzt hoffe ich, dass ich diese Erfolge mit Dortmund wiederholen kann. Was heißt hoffen: Daran glaube ich fest!

„Es wurden Dinge über mich behauptet, die nicht passten. Nicht mit nach Wolfsburg zu fahren war eine Entscheidung des Trainerteams“

Was fasziniert Sie am BVB?

Den Verein gibt es in dieser Art nur einmal in Deutschland. Die Gelbe Wand, das Stadion – allein die Vorfreude auf diese Spiele in Dortmund waren bei mir immer riesig. Ich habe mein zweites Bundesliga-Spiel in Dortmund gemacht, da war ich 17 Jahre alt und kam noch ein paar Minuten rein. Seitdem ist Dortmund etwas Besonderes für mich. Darum herrscht bei mir eine riesige Vorfreude.

Gibt es etwas, das Sie bei Ihrem Abschied aus

München bedauern?

Was mir richtig wehgetan hat, war, dass ich die heiße Saisonphase durch einen Muskelfaserriss und eine Grippe verpasst habe. Unter Julian Nagelsmann hatte ich mich in die Mannschaft zurückgekämpft, war absoluter Stammspieler – und dann der Ausfall. Diese Zeit, die ich unbedingt erleben wollte, gibt mir keiner zurück. Vielleicht hätte ich der Mannschaft helfen können, dass auch in der Champions League mehr drin gewesen wäre als das Viertelfinale. Das hat mich tagelang sehr beschäftigt.

Warum haben Sie sich dann geweigert, das letzte Bundesliga-Spiel in Wolfsburg zu absolvieren?

Das stimmt so nicht. Da wurden am vergangenen Wochenende Dinge über mich behauptet, die einfach nicht passten. Wissen Sie: Am vergangenen Donnerstag hat mich Julian Nagelsmann gefragt, ob es für mich in Ordnung sei, wenn ich gegen Wolfsburg nicht im Kader wäre. Er wollte junge Spieler, die in der kommenden Saison bei Bayern sind, belohnen und den Vortritt lassen. Für mich sei daher kein Platz im Kader. Das habe ich hingenommen und akzeptiert, weil ich Verständnis für die Entscheidung hatte. Es war also eine Entscheidung des Trainer-Teams, die mich aus nachvollziehbaren Gründen nicht im Kader haben wollten. Am Freitag hieß es dann von einem unserer Co-Trainer, als sich Marcel Sabitzer verletzt hatte, kurz vor der Abfahrt, dass ich nun doch mitkönne, wenn ich wollte. Aber es sei auch okay, falls nicht. Das war die Geschichte. Vor der Meisterfeier am Sonntag, als wir alle beisammen waren, hat Julian Nagelsmann übrigens vor der gesamten Mannschaft gesagt, dass ich nichts falsch gemacht habe und dass es ihm leidtue, was aus dieser Geschichte nun mit mir gemacht werde. Alle aus der Mannschaft und aus dem Team drumherum wissen, dass ich sie nie im Stich gelassen hätte.

„Alle aus der Mannschaft wissen, dass ich sie nie im Stich gelassen hätte“

Bei Ihrem letzten Heimspiel in München feierten Sie die Bayern-Anhänger, baten Sie auf den Zaun der Südkurve – und dann folgten „BVB-Hurensöhne“-Sprechchöre. Passte diese zwiespältige Reaktion zu Ihrer Beziehung mit den Fans?

Als ich in die Gesichter der Bayern-Fans sah, merkte ich, dass da viel Galgenhumor mit dabei war. Deshalb kann ich das schon sehr gut einordnen. Das war nicht böse gemeint, ein bisschen ironisch. Im Februar kam raus, dass ich nach Dortmund gehe. In mein erstes Heimspiel danach ging ich mit gemischten Gefühlen, was mich erwarten würde. Doch auch damals riefen die Fans meinen Namen, es gab keine Pfiffe. Von dieser Reaktion war ich überwältigt. So war es auch auf dem Zaun: Für mich war es nicht selbstverständlich, dass mir die Fans so einen Abschied bereitet haben.

Was glauben Sie, warum das so war?

Als ich als junger Spieler zum FC Bayern kam, hatte ich mit Mats Hummels und Jérôme Boateng ein Weltmeister-Duo als Konkurrenz vor der Brust. Fünf Jahre später sitze ich hier und habe mit dem Klub alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Ich habe für den FC Bayern fast 170 Pflichtspiele gemacht – trotz eines Kreuzbandrisses, durch den ich viele Monate und Spiele verpasst habe. Ich möchte jetzt nicht das Thema aufmachen, aber ich finde schon, dass ich mich durchgesetzt habe bei Bayern.

Das Thema, das Sie nicht aufmachen wollen, war, dass Sie Ex-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge rückwirkend als „brauchbaren Spieler“ bezeichnet hatte ...

Ich finde schon, dass ich zeigen konnte, dass ich mit 14 Titeln meinen Teil zu der erfolgreichen Geschichte des FC Bayern beitragen konnte. Man darf bei der Gesamtbetrachtung auch die schwierigen Momente nicht vergessen: Ich kam im Champions-League-Finale 2020 gegen Paris (1:0; d. Red.) in der 25. Minute nach einem Kreuzbandriss rein. Hansi Flick schenkte mir als Trainer sein Vertrauen. Dieses Vertrauen spürte ich nicht auf allen Ebenen im Klub. Zu der Zeit habe ich schnell gemerkt: Okay, du hast ein gewisses Standing in der Mannschaft, bei den Klub-Angestellten und den Fans – aus der Klub-Führung habe ich das nicht verspürt. Das ist, was mir ganz wichtig ist, kein Nachtreten. Und auch keine Abrechnung. Ich möchte nur erklären, wie ich mich gefühlt habe. Damals merkte ich nur, dass mir die Wertschätzung fehlt und ich etwas Neues machen will.

„Die Gelbe Wand, das Stadion – die Vorfreude auf Dortmund ist riesig“

„Von der Reaktion der Bayern-Fans war ich überwältigt“

„Aus der Klub-Führung habe ich das Vertrauen nicht verspürt“

„Karim und Nico haben genauso viel Bock, beim BVB Gas zu geben, wie ich“

Ausschlaggebend für Ihren Wechsel war angeblich ein Geheimtreffen mit den BVB-Verantwortlichen in Köln. Damals rückten mit Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc, Sebastian Kehl und Trainer Marco Rose alle Entscheidungsträger an, um Sie vom Wechsel zu überzeugen ...

Mir hat nicht nur gefallen, dass der BVB mit allen Verantwortlichen angerückt ist, sondern vor allem das, was mir bei dem Treffen gesagt wurde. Wie der Klub mich sieht und wie er mit mir plant. Was der BVB in den nächsten vier Jahren – für die ich unterschrieben habe – vorhat, hat mich sofort beeindruckt. Dortmund will den nächsten Schritt gehen, und genau das will ich auch. Das sind große Ziele, bei dessen Umsetzung ich Verantwortung tragen soll. In diesem Gespräch ging es nicht eine Sekunde ums Geld. Da merkte ich schnell, was ich machen will.

Der FC Barcelona, der FC Chelsea, Real Madrid, Juventus Turin, Paris St-Germain – nahezu alle Topklubs in Europa suchen für die kommende Saison Innenverteidiger. Sie hätten woanders sicher mehr Geld verdienen können, wenn Sie noch ein wenig gepokert hätten ...

Ich hatte meinem Berater gesagt: Wenn ein Klub kommt, der mich überzeugt und die gegenseitigen Erwartungen passen, dann ist es mir egal, ob ich woanders mehr verdienen kann oder nicht. Da muss ich dann nicht noch drei Monate irgendwo rumpokern. Ich bin mir sehr bewusst, dass ich auch so als Fußballer mehr als genug verdiene und mir um meinen Lebensunterhalt keine Sorgen machen muss.

Wie hat der FC Bayern auf Ihre Entscheidung reagiert?

Mir war es ganz wichtig, so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen. Darum bin ich am 3. Januar zuerst zu Julian Nagelsmann und danach zu Hasan Salihamidzic und Marco Neppe (Technischer Direktor; d.Red.) gegangen, um ihnen mitzuteilen, dass ich den Klub im Sommer verlassen werde. Das hätte ich damals nicht machen müssen. Da bin ich durchaus ein Risiko eingegangen – auch sportlich. Damals war mit Dortmund noch nichts klar. Ab dem 3. Januar war es mir dann möglich, offiziell mit anderen Klubs zu verhandeln, und da wollte ich ganz sauber bleiben.

Mit welcher Zielsetzung für die nächsten Jahre haben die BVB-Bosse Sie überzeugt? „Bei uns wirst du Vize-Meister“ kann es ja nicht gewesen sein.

Das macht meine Situation ja so besonders. Bayern hat die letzten zehn Jahre eine super Arbeit gemacht und ist verdient Meister geworden. Jetzt gehe ich zu einem Klub, der alles dransetzen will, dass Bayern nicht ein elftes Mal Meister wird. Wenn du da so sitzt und mit den Verantwortlichen darüber sprichst, brennst du darauf wie eine Fackel. Zumindest ging es mir so.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass Dortmund kommende Saison gegenüber Bayern größere Meister-Chancen hat als zuletzt?

Man sieht ja bereits, wie der BVB auf den Abgang von Erling Haaland reagiert hat: Mit Karim Adeyemi, Nico Schlotterbeck und mir wurden bereits drei deutsche Nationalspieler verpflichtet, und es wird, denke ich, noch mehr passieren. Dem BVB haben in der Vergangenheit immer nur ein paar Prozent zu Bayern gefehlt. Die Verantwortlichen haben mir aufgezeigt, dass wir in der nächsten Saison einen Kader haben werden, mit dem es absolut möglich ist, Deutscher Meister zu werden. Ansonsten hätte ich es nicht gemacht.

Wie gerne hätten Sie Haaland in Ihrer zukünftigen BVB-Mannschaft gehabt?

Es ist ja kein Geheimnis, dass Erling mit seinen Anlagen schon jetzt einer der besten Stürmer der Welt ist. Ich habe ja ein paarmal gegen ihn gespielt: Er ist schon ein unheimliches Pferd. Ich hätte ihn tatsächlich lieber bei mir in der Mannschaft gehabt, als gegen ihn zu spielen – aber das geht wohl jedem Spieler so.

Haben Sie mit Ihren Nationalmannschafts-Kollegen Adeyemi und Schlotterbeck schon Kontakt gehabt?

Ja, ich habe mit beiden Kontakt aufgenommen und dabei gemerkt: Nico und Karim haben genauso viel Bock darauf, Gas zu geben und mit Dortmund etwas zu bewegen, wie ich. Und da reden wir natürlich nicht von der Vize-Meisterschaft. Wir haben große Ziele. Dortmund hat bereits in den vergangenen Jahren überragende Transfers gemacht. Aktuell habe ich das Gefühl, dass noch mehr darauf geschaut wird, bestimmte Typen zu bekommen. Wir müssen eine Euphorie entfachen, dass alle im Klub davon überzeugt sind: Wir können und wollen Deutscher Meister werden!

Sie sprechen von der Mentalitäts-Debatte beim BVB.

Es gibt verschiedene Formen von Mentalität. Der eine schreit viel rum, der andere hat eine bestimmte Körpersprache, ein nächster schafft das auch mit seiner Ruhe am Ball. Bei Karim, Nico und mir bringt jeder eine eigene Form von Mentalität mit, und darum könnte es wirklich sehr gut passen.

Welche Erwartungen hat Ihr zukünftiger Trainer Marco Rose an Sie?

In erster Linie: keine Gegentore zuzulassen (lacht)!

Der FC Bayern läuft Gefahr, nächstes Jahr keinen Verteidiger in der Nationalmannschaft zu haben, während der BVB mit Schlotterbeck und Ihnen die Innenverteidigung der Zukunft stellen könnte. Greift der BVB-Block auch in der Nationalelf an?

Wenn wir in der Meisterschaft eine gute Rolle spielen, werden mit Sicherheit noch mehr Nationalspieler aus Dortmund folgen. Wir müssen als Mannschaft ausstrahlen: Ob in der Liga oder in der Nationalmannschaft – an uns kommt keiner vorbei. Wenn wir Grütze spielen, lädt uns Hansi Flick auch nicht ein.