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Wir wis sen nicht, was wir wählen sollen


B.Z. am Sonntag - epaper ⋅ Ausgabe 436/2021 vom 05.09.2021

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Claus Schiffel (76), pensionierter Feuerwehrmann aus Friedrichsfelde:

„Ich gehe wählen, aber ob es was bringt, glaube ich nicht mehr. Früher habe ich die Linke gewählt, aber von denen bin ich enttäuscht. Ich wäre für Friedrich Merz gewesen, den hätte ich gewählt, aber Laschet gefällt mir gar nicht“

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Petra Wienecke (61), Verkäuferin aus Karow:

„Ich bin noch völlig ratlos. Ich will auf jeden Fall meine Stimme abgeben. Mir ist die Umwelt wichtig, aber was ich am Ende wählen werden, weiß ich noch nicht. Ich werde mich weiter informieren und hoffe, dass noch was passiert und nicht alle so ungreifbar bleiben“

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Spahic Sefik (48), Trockenbauer aus Steglitz: „Ich habe seit zehn Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft und werde wählen gehen.

Früher habe ich Grün gewählt, aber dieses Jahr weiß ich es nicht. Viele Politiker denken nur noch an sich. Für mich ist wichtig, dass etwas für Menschen mit kleiner Rente und Alleinerziehende getan wird“

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Peter Schulz (62), Hausmeister aus Marzahn:

Wirecard, Afghanistan, die Flut: unsere Politiker kommen mir wie Zombies vor, die nicht wissen, was sie tun. Ich habe früher die SPD oder die Linke gewählt, aber dieses Mal gefällt mir niemand. Dabei bin ich politisch sehr interessiert. Den Kandidaten fehlt der Mut mal anzuecken. Die haben alle keinen Arsch in der Hose“

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Ashley (19), VWL-Studentin aus Mitte:

„Ich spreche gerade viel mit Freunden über die Wahlen, fühle mich aber immer noch nicht gut informiert. So richtig hat mich noch und Wirtschaftsthemen sind mir wichtig, Pandemie. Wählen will ich auf jeden Fall, es ist ja meine erste Bundestagswahl. Das Triell habe ich als Zusammenfassung gesehen, und da fand ich Olaf Scholz am besten. Aber auch bei TikTok und Instagram gibt es gerade viele informative Videos zur Wahl“ keine Partei bisher überzeugt. Umwelt- aber auch der Umgang mit der Corona-viele informative Videos zur Wahl“

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Anita Henscheid (35), Online- Marketingexpertin aus Karlshorst:

„Ich habe früher die Grünen gewählt, bin dieses Mal aber nicht überzeugt. Ich finde es spannend, mir auch die Wahlprogramme von kleinen Parteien anzuschauen. Aber die Entscheidung macht das richtig schwer. Wahrscheinlich entscheide ich in der Kabine nach Gefühl“

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Sylvie (31), Angestellte am BER aus Siemensstadt:

„Ich finde, man weiß überhaupt nicht mehr, was man wählen soll, obwohl ich meine Stimme auch nicht verschenken will. Früher habe ich SPD gewählt, aber mittlerweile finde ich den Unterschied zur CDU nicht mehr so groß. Die Kandidaten sind mir alle zu blass. Wichtig sind mir Wirtschaftsthemen, Rente und Miete. Und die Erhöhung des Mindestlohns“

Die SPD liegt vorne, doch das Rennen ist knapp. Entschieden ist die kommende Bundestagswahl noch lange nicht.

Denn drei Wochen vor der Wahl am 26. September wissen viele immer noch nicht, was sie wählen werden. Nach jüngsten Umfragen hadern über 25 Prozent der 60 Millionen wahlberechtigten Deutschen damit, wem sie ihre Stimme geben sollen. 15 Millionen Stimmen sind in der heißen Phase des Wahlkampfs also noch zu vergeben.

Das liegt zum einen an den Kandidaten. Zu schwach, zu schwammig, zu wenig Haltung, finden auch viele Berliner und Berlinerinnen, mit denen wir gesprochen haben.

Einzig Olaf Scholz (63) macht hier ein paar Punkte. Die neueste Umfrage von infratest dimap: Eine Mehrheit von 55 Prozent sagt mittlerweile, dass der SPD-Kandidat die größte Kompetenz hat. Armin Laschet (60) kommt hier auf 14 und Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock (40) gerade mal auf sieben Prozent. Bei einer Direktwahl zum Bundeskanzler würden sich derzeit 43 Prozent der Deutschen für Scholz entscheiden, für Laschet 16 und Baerbock 12 Prozent.

Vor allem CDU- Wähler sind von ihrem Kandidaten Armin Laschet gefrustet. Die Mehrheit hätte Markus Söder (54) den Vorzug gegeben.

Doch auch das kann sich noch ändern. Zweimal trifft das Kandidaten-Trio in Fernsehe-Duellen noch aufeinander. Und spätestens in der Wahlkabine muss dann jeder sein Kreuz machen.

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Laura-Jane (24), Molekularbiologin aus Marzahn:

„Keine der großen Parteien deckt ab, was ich möchte. Die großen Themen werden nicht so richtig angegangen. Ich habe mir das Triell angeschaut, aber überzeugt hat mich niemand, und den Umgang der drei miteinander fand ich sehr kindisch. Ich war deshalb sehr lange unschlüssig, werde jetzt aber vielleicht die ÖDP wählen, weil mir Klimaschutz wichtig ist“

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Heidemarie Rinkau (77), Bürokauffrau in Rente aus Reinickendorf:

„Ich wusste früher immer, was ich wähle, nämlich die CDU. Aber dieses Mal zweifle ich zum ersten Mal. Laschet gefällt mir nicht. Er hat kein Charisma, Söder wäre mir deshalb als Kandidat lieber gewesen. Auch Scholz wirkt mir zu unnahbar, von ihm würde ich mir mehr Klartext wünschen. Mir ist Umweltschutz wichtig, wir haben eine 3-jährige Enkelin, die soll keine kaputte Erde erben. Aber wir haben auch noch ein Auto, das wollen wir auch weiter fahren dürfen. Zumindest bis wir es freiwillig abgeben. Generell würde ich mir wünschen, dass die Politiker ehrlicher sind und sagen, welche Kosten auf uns alle zukommen“

Harry Rinkau (81):

„Ich würde dieses Jahr am liebsten gar nicht wählen, weil die Auswahl so schlecht ist. Wählen werde ich am Ende wieder CDU, aber wegen der Partei, nicht wegen des Kandidaten“

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Nadine Müller (44), Krankenschwester aus Lichtenberg:

„Ich bin ratlos. In der Corona-Krise hat sich niemand hervorgetan. Ich arbeite auf Intensivstationen und habe dort die Leichen in Säcke gepackt, das darf nicht noch mal passieren. Früher war ich die klassische SPD- Wählerin, aber da fehlt mir gerade das Profil. Ich werde eher eine linke Partei wählen. Mein Mann ist Fahrradmechaniker und bekommt den Mindestlohn, er arbeitet sechs Tage die Woche, hat kaum Urlaub. Daran muss sich einfach etwas ändern“

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Pius (20), BWL- Student aus Mitte:

Es ist meine erste Wahl, und es fällt mir echt schwer. Meine Eltern sind beide in der SPD, das hat mich schon geprägt. Aber ob ich sie wähle, weiß ich noch nicht. Klar ist für mich, wen ich nicht wähle: die Linke, die Grünen und natürlich die AfD“

Wie bilde ich mir eine eigene Meinung?

Das rät der Berliner Politologe Thorsten Faas

Es ist in diesem Jahr schwieriger denn je: Die Deutschen sind unentschlossen, woran mag das liegen?

Es ist einfach eine sehr besondere Situation auf vielen Ebenen. Personen – Merkel weg, aber wer kommt? Themen – Corona, Flut, Afghanistan, Gerechtigkeit, Umwelt, Klima. Koalitionen – wohin geht die Reise? Überall herrscht Dynamik und Unsicherheit und das in diesem besonderen Jahr noch stärker als wir das von früher schon kannten.

Wie schaffe ich es, mir da trotzdem eine Meinung zu bilden?

Erst einmal gibt es genau dafür den Wahlkampf – Orientierung bieten, Personen und ihre Positionen kennenlernen. Und es gibt ja auch genau dafür gute Angebote, um einen „niedrigschwelligen“ Einstieg zu schaffen. Wir haben bereits ein Triell gehabt, der Wahl-O-Mat ist online und die Menschen fangen auch verstärkt an, über den Wahlkampf zu sprechen. Die richtig heiße Phase, die ist jetzt.

Sind wir gerade deshalb so kritisch und verunsichert, weil die Pandemie uns gezeigt hat, welchen unmittelbaren Einfluss politische Entscheidungen auf unser Leben haben können?

Ja, keine Frage – hinter uns liegen sehr politische Zeiten, in denen wir auch ganz unmittelbar die Möglichkeiten, die Politik hat, erlebt haben. Zugleich haben wir aber auch erlebt, dass sich an vielen Stellen Parteien und Politiker*innen, auch über Parteien hinweg, sehr einig waren, was zu tun ist.

Was denken Sie, würde es den Wählern vereinfachen? Was brauchen sie?

Man sollte Wählerinnen und Wähler auch nicht unterschätzen. Die haben schon ein gutes Gespür, oft auch gestützt durch den Austausch in ihrem Umfeld, was für sie eine gute Entscheidung ist. Wichtig ist nur, dass viele zur Wahl gehen am Ende …

Interview: Inna Hemme

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