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„WIR WOLLEN DAS SO!“


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L-MAG - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 24.08.2022
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„Honey & Spice“ ist der Name einer Berliner „Playparty“ – das heißt einer BDSM-Party. Cat gehört zum Orga-Team und ist seit vielen Jahren Teil der Szene. L-MAG sprach mit ihr über die Veranstaltungsreihe, intime Räume und die wichtigsten Tipps für BDSM-Neulinge.

L-MAG: Cat, du bist Teil des Orga-Teams der „Honey & Spice“. An wen richtet sich eure Party?

CAT: An alle FLINTA*, also Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Leute, die Interesse an BDSM haben.

Für Newbies kurz erklärt: Was passiert auf einer „Playparty“?

Auf fast jeder Playparty gibt es zwei Bereiche. Im Barbereich wird gequatscht, was getrunken, gegebenenfalls geflirtet. Und dann gibt es die „Spielräume“. Die sind bei uns teilweise vom Barbereich aus sichtgeschützt. Dort kann man theoretisch das gesamte Spektrum von BDSM finden: Fesseln, Hauen, Kratzen, Beißen, Machtspiele, temporäres Piercing oder Cutting, Rollenspiele mit ...

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... oder ohne passende Outfits, alle möglichen Fetische … Alles, was geht, ist dort möglich. Sex kann, muss aber nicht Teil dieser Aktivitäten sein.

Was ist für dich das Besondere an der „Honey & Spice“?

Als ich 2018 zum Orga-Team dazugekommen bin, war sie die am häufigsten stattfindende FLINTA*-BDSM-Playparty in Berlin. Das Team ist fast genauso bunt gemischt wie das Publikum. Das Alter umspannt mehrere Jahrzehnte, die Geschlechter und Sexualitäten sind unterschiedlich, ebenso die Interessen, Berufe und sonstigen Hintergründe. Was ich an der Honey super finde, ist die freundliche Atmosphäre. Die Eintrittsschwelle ist niedrig, weil man einfach vorbeikommen kann. Zugleich ist sie nie oberflächlich, sondern immer toll und intensiv.

Manchmal fast kuschelig.

Das liegt auch daran, dass die Honey selbst und die FLINTA*-BDSM-Szene klein ist. So entsteht schnell das Gefühl, sich untereinander zu kennen. Es ist keine anonyme Menschenmenge, sondern ein überlappendes Netzwerk von Freundeskreisen oder Beziehungsnetzwerken.

Wenn ich noch nie auf so einer Party war – was sollte ich wissen?

Es gibt die Partyregeln, die auch auf der Webseite verlinkt sind. Darin stehen grundlegende Dinge, die einerseits etwas mit Selbstverantwortung zu tun haben: dass man seine eigenen Grenzen kennen und achten sollte. Dass man wegguckt oder geht, wenn etwas zu viel ist oder nicht gefällt. Und dann gibt es die Gemeinschaftsverantwortung. Dazu zählt der Umgang mit Räumen, Ausstattung, Hygiene, Rücksicht aufeinander, Diskretion. Es gibt einige Regeln und Empfehlungen zu Safer Sex. Und es gibt ein Party-Safeword: „Rot“. Wenn dieses Wort benutzt wird und die Beteiligten an einer „Session“ (eine gemeinsame BDSM-Erfahrung, Anm. d. Red.) nicht sofort darauf reagieren, haben die Leute in der Nähe eine Eingreifverpflichtung. Ich kenne zwar keinen Fall, bei dem das nötig geworden wäre. Aber es macht etwas aus, dass diese Regel existiert. Und natürlich steht in den Partyregeln auch, dass alles, was stattfindet, einvernehmlich sein muss. Dass man nicht andere Menschen oder deren Eigentum anfasst oder einfach irgendwo mitmacht, ohne vorher zu fragen – und dass Zuschauen nicht auf eine Art stattfindet, die störend ist. Insgesamt ist auch wichtig, dass sämtliche „Ismen“ nicht geduldet werden. Wir nehmen es sehr ernst, einen möglichst diskriminierungsfreien Raum schaffen zu wollen.

Eure Party findet in den Räumen des Berliner BDSM-Vereins „Quälgeist“ statt. Wie sieht es da aus?

Der Quälgeist hat verschiedene Spielbereiche. Da findet sich eine große Vielfalt an Mobiliar: Fesselgelegenheiten – Liegen mit Ösen, um jemanden festzubinden – oder Andreaskreuze, an die man sich stellen kann, wenn man zum Beispiel mit längeren Schlagwerkzeugen spielen will, die Platz brauchen. Es gibt Käfige, eine gepolsterte „Gummizelle“, einen Bereich mit Matte und Turnbock oder verschiedene thematische Ecken wie etwa ein Schulzimmer.

Warum ist es euch wichtig, explizit eine Party für FLINTA* zu machen?

Es gibt dort eine andere, persönlichere Atmosphäre im Vergleich zu cis-hetero-zentrierten Playpartys oder gemischten queeren Partys, die für alle Geschlechter offen sind. Das ist, zumindest für mich, die Hauptmotivation. Und es gibt in Deutschland eine lange Tradition einer separaten FLINTA* BDSM-Szene seit mindestens den 1990ern.

… also im Gegensatz zur heterosexuellen oder schwulen BDSM-Szene?

Genau. Auf cis-hetero-zentrierten Partys habe ich mich persönlich nie wohlgefühlt. Ich sage immer „zentriert“, weil nicht alle Leute, die dorthin gehen, cis und hetero sind. Trotzdem ist das aber die spürbare Norm. Dort habe ich immer das Gefühl gehabt, mich dafür wappnen zu müssen, dass mir Leute auf eine Art zugucken, bei der mir unwohl ist. Dass Leute mit Grenzen unsensibel umgehen. Dass mir Erwartungen entgegengebracht werden, denen ich nicht entsprechen möchte. Das begegnet mir in FLINTA*-Räumen erheblich weniger.

Wie definierst du BDSM für dich? Was begeistert dich daran?

In meinem Kontext und dem der Honey bedeutet BDSM für mich, dass erwachsene Menschen einvernehmlich und in einem abgesprochenen Rahmen mit Machtunterschieden, Schmerzen und/oder Fetischen spielen. Die Vokabel „spielen“ meint dabei, dass es keine realweltlichen Machtverhältnisse sind, denen man sich nicht entziehen kann, sondern dass wir sagen: Wir wollen das so! Und auch sagen können: Wir wollen das jetzt nicht mehr. Dadurch entsteht im BDSM ein temporärer Raum, in dem Dinge möglich sind, die sonst im Alltag keinen Platz haben. Oder auch keinen Platz haben sollen. Emotionale Intimität ist für mich ein anderer wichtiger Faktor. Im BDSM zeigen wir uns auf eine Art, die sehr intim ist – egal, ob man dabei nackt ist, Sex hat oder nicht. Wir tun Dinge, die in vielen Bereichen der Gesellschaft tabuisiert sind. Das macht alle Beteiligten verletzbar. Wir teilen diese Verletzlichkeit miteinander, würdigen und respektieren sie. Das finde ich faszinierend und schön.

Hast du Tipps für die BDSM-Einsteiger:in?

Stammtische, Workshops und andere Kennenlernveranstaltungen sind ein guter Einstieg. Freundschaftliche Kontakte können mir erklären, wie alles funktioniert, wie ich mich und andere schützen kann. Im Internet ist das Netzwerk FetLife ein Ort, um Leute und Veranstaltungen zu finden – aber glaub nicht alles, was auf FetLife steht! Wenn du die Wahl zwischen Veranstaltungen hast, geh lieber erst auf eine kleinere Party. Weil du da weniger von allem überwältigt bist und die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass jemand von der Orga Zeit hat, dir Sachen zu erklären. Informier dich über die Dinge, die du tun möchtest. Jede Info, die du bekommst, solltest du noch mal woanders verifizieren. Das Einzige, was zu hundert Prozent in allen Situationen wichtig ist: Einvernehmlichkeit. Alles andere ist Verhandlungssache.

Wie finde ich raus, worauf ich stehe?

Schau dir deine Fantasien an. Was stellst du dir vor, in welcher Rolle bist du da? Was findest du interessant, wenn du Leuten auf einer Party zuschaust, wenn du erotische Geschichten liest oder Pornos siehst? Wo zieht es dich hin? Und, ganz einfach: ausprobieren. Es ist absolut okay, auf einer Playparty zu jemandem zu sagen: Ich würde gern rausfinden, ob ich es mag, gehauen zu werden oder dich zu hauen. Können wir das mal probieren? Idealerweise kriegt man dann von der anderen Person gleich die Infos, wie man das richtig machen sollte.

Was ist das Subversive an Kink?

Für mich: sich aktiv für das Spiel mit Machtverhältnissen und/oder Schmerzen entscheiden zu können, anstatt die ungewollt aufgedrückt zu kriegen. Dass ich sagen kann: Ich möchte das jetzt eine Weile lang machen – und jenseits dieses Rahmens hört es wieder auf. Ich möchte vielleicht speziell diese Art von Schmerzen an dieser Körperstelle. Und nicht – was etwa für viele chronisch kranke Leute Thema ist – die ganze Zeit Schmerzen haben, die ich mir nicht ausgesucht habe. BDSM gibt mir die Eigenmächtigkeit, eine Entscheidung über meinen Körper und meine Gefühlswelt zu treffen. Subversiv ist auch das offene Sprechen über Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen. Wer bist du, was willst du? Wer bin ich und was will ich? Wo sind deine Grenzen, wo meine? Was können wir zusammen machen, das für uns beide interessant oder lustvoll ist? Also müssen wir rausfinden, was wir wollen. In anderen Bereichen des Lebens sehe ich wenig, dass das gefordert und gefördert wird.

// Interview: Kittyhawk

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