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„Wir wollen unsere Kunden anhalten, den Stecker zu benutzen“


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 29/2021 vom 22.07.2021

MENSCHEN

VINCENT COBÉE

Artikelbild für den Artikel "„Wir wollen unsere Kunden anhalten, den Stecker zu benutzen“" aus der Ausgabe 29/2021 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 29/2021

Der Citroën-Chef mit einem ë-C4, der vorm Adam Opel Haus in Rüsselsheim parkt. Beide Marken gehören zu Stellantis

ES IST IMMER NOCH ein bisschen ungewohnt. Wer den Chef von Citroën treffen will, muss nach Rüsselsheim fahren. Ins Adam Opel Haus gehen, die Rolltreppe hoch – und dann ist man da: in der Deutschland-Zentrale der französischen Traditionsmarke. Citroën und Opel gehören seit Anfang des Jahres zum Stellantis-Konzern. Genau wie Peugeot, Fiat, Jeep, Maserati und wie sie nicht alle heißen.

Citroën-Chef Vincent Cobée ist für einen Tag aus Paris eingeflogen. Er ist in Nancy aufgewachsen, rund 100 Kilometer südwestlich von Saarbrücken, Deutsch war seine erste Fremdsprache. Aber im Englischen fühlt er sich trotzdem sicherer.

Monsieur Cobée, Sie sind seit Anfang 2020 Chef von Citroën – haben also mit Beginn der Pandemie den Job begonnen. Wie war das?

„Hinzu kommt ja noch, dass ich erst Mitte 2019 aus Asien zurück nach Europa gekommen bin. Und dann gab es plötzlich ...

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... diese Pandemie. Jeden Morgen um 7.30 Uhr hatten wir im damaligen PSA-Führungsteam eine zweistündige Telefonkonferenz. Sieben Tage die Woche! Da ging es darum, wie wir trotz der Einschränkungen weiterhin produzieren und verkaufen, wie wir Arbeitsplätze sichern und gleichzeitig unsere Mitarbeiter schützen. Das ist so oder so eine große Herausforderung. Und erst recht, wenn Sie aus Japan kommen, wo traditionell sehr akribisch geplant wird und Flexibilität vielleicht einen anderen Stellenwert hat.“ (lacht)

Sie haben zuvor bei Mitsubishi gearbeitet, bei Nissan und Datsun. Was haben Sie mitgebracht aus Asien?

„Ich habe in Singapur gelebt, in Manila und dann 15 Jahre in Japan. Davor in den USA, Kanada und Dschibuti. Meine Kinder sind 15-mal umgezogen, mit ihnen spreche ich Englisch, meine Frau ist Amerikanerin. Wenn man so viel herumkommt, hat man vielleicht ein größeres Verständnis dafür, dass wir Menschen nicht gleich sind. Wir alle wachen morgens auf, lieben unsere Familie und brauchen Hoffnung. Aber dann kommen die Unterschiede: Sagen Sie, was Sie denken? Oder sagen Sie, was Ihr Boss Ihnen gesagt hat, was Sie sagen sollen? Sind Sie pünktlich oder nicht?“

Zur Person

VINCENT COBÉE

Geboren in Lothringen (Frankreich), begann 1991 im öffentlichen Bauwesen in Frankreich und in Singapur, ging 1996 nach Kanada, 1997 auf die Philippinen. Seit 2002 in der Automobilindustrie. Zunächst bei Nissan, ab 2010 Direktor der Marke Datsun. Ab 2017 bei Mitsubishi. Lebte 15 Jahre in Japan.

CITROËN IN DEUTSCHLAND

Von wegen Französisch! Ab 1927 wurden die Citroën- Modelle B14, C4, C6 und Rosalie sowie das „Gangster- Mobil“ Traction Avant auch in Köln gebaut (Ford kam erst 1929 an den Rhein). 1935 endete die Produktion bereits wieder – nach insgesamt 18 710 Personenfahrzeugen (daneben entstanden 1541 Omnibusse, Pritschenwagen, Sattelschlepper, Viehtransporter und Halbkettenfahrzeuge Citroën-Kégresse P17).

Haben Sie Japan verstanden?

„Vielleicht zu fünf oder zehn Prozent. In Japan gibt es ein paar Grundsätze. Erstens: Sie planen!“

… da hätten Sie auch nach Deutschland kommen können …

„In der Tat, es gibt ja einen Grund, warum Deutsche und Japaner im Geschäftsleben so gut miteinander klarkommen. Planen und Pläne akzeptieren – das ist in beiden Ländern gleich.“

Jetzt sind Sie Chef von Citroën. Was sind Ihre Pläne?

Privileg, der aktuelle Beschützer der Marke zu sein. Ich bin da japanisch. Die Firma ist größer als ihre Mitarbeiter und Führungskräfte! Wussten Sie, dass man sich in Japan zuerst mit seiner Firma und erst dann mit seinem Namen „Moment! Ich habe das vorstellt? Sogar bei privaten Treffen. Ich komme von Citroën und heiße … Warum? Weil einen die Firma definiert! Man kann das merkwürdig finden, aber das ist historisch bedingt: In Japan haben die Menschen in den 1950er-Jahren gehungert. Damals plante die Regierung den industriellen Aufbau. Die Firma zählte mehr als der einzelne Mitarbeiter. Daher kommt diese Gruppenmentalität.“

Okay, wohin wollen Sie als Arbeiter im Weinberg die Marke Citroën führen?

„Fünf Jahre lang haben wir an unserer Wettbewerbsfähigkeit gearbeitet. Jetzt starten wir in Phase zwei der Erholung. Mit neuem Design, neuen Produkten, modernster Technologie. Seit 2020 bieten wir Autos, die innovativer und vorausschauender sind. Nehmen Sie den Ami, den C4, den C5 X. Und die alle haben wir während der Pandemie präsentiert! Normalerweise starten Sie keinen Wettbewerb, indem Sie den OP verlassen und sofort losrennen.“

Ihre Autos basieren auf Plattformen, auf denen auch Opel und Peugeot entstehen. Wie können Sie sich da abgrenzen?

„Es gibt da klare Abgrenzungen für jede Marke. Sie werden etwa unsere komfortablen Sitze und unsere Advanced-Comfort-Federung in keinem anderen Fahrzeug unseres Konzerns finden. Wozu das führt? Nennen Sie mir in der gleichen Klasse ein Auto, egal von welchem Hersteller, das komfortabler ist als ein Citroën – Sie werden keines finden. Dafür steht die Marke, und über den Preis habe ich noch gar nicht gesprochen. Wir sind der Meinung, dass neue Technologien bezahlbar sein müssen. E-Autos sollten keine 70 000 Euro kosten, sondern eher 7000 Euro. Dafür bauen wir den Ami oder auch den ë-C4. Ich sehe unsere Rolle übrigens nicht nur darin, Autos zu bauen. Sondern den Kunden auch zu erklären, wie man sie richtig nutzt.“

Wie das?

„Aktuell werden viele Plug-in- Hybride verkauft – und teilweise kritisiert, weil sie nicht ökonomisch seien. Ich sehe das anders: Ein Plug-in-Hybrid ist dann sinnvoll, wenn er regelmäßig geladen wird. Alle verkauften Plug-in-Hybride der Ex-PSA-Marken sind bislang 170 Millionen Kilometer gefahren. Und die verbrauchen im Schnitt 1,5 bis zwei Liter weniger als ein normaler Verbrenner.“

FRANZÖSISCHE IKONEN

Seit 1919 baut Citroën Fahrzeuge. Bereits 1921 waren die Franzosen erster Anbieter von Leasingund Leihfahrzeugen, ab 1923 gab es feste Reparaturpreise, ab 1929 eine einjährige Neuwagengarantie. Zu den legendären Fahrzeugtypen des Konzerns gehörte der Transporter HY („Schweineschnauze“, 1947 bis 1981), der 2 CV („Ente“, 1949 bis 1990), die DS mit hydropneu - matischer Federung (1955-1975) sowie das Freizeitauto Méhari (1968-1987). 1975 übernahm Peugeot den Konkurrenten, seit Januar 2021 gehört die Marke zum Stellantis-Konzern (u. a. Fiat, Opel). Weltweit verkauft Citroën etwa eine Million Autos pro Jahr.

„Ein E-Auto sollte nicht 70 000 Euro kosten, sondern 7000 Euro. Jeder sollte sich neue Technologien leisten können.“

Vincent Cobée, Citroën-Chef

Aber viele Kunden laden nie und fahren trotzdem die leere und schwere Batterie spazieren.

„Auch das ist eine wichtige Aufgabe: Wir wollen unsere Kunden anhalten, den Stecker zu benutzen. Wir können etwa mit Fuhrparkmanagern sprechen: ‚Du hast 100 Autos bestellt, aber keines wird geladen. Warum lädst du nicht?‘ Ich möchte helfen, das Verhalten unserer Kunden in dieser Beziehung zu verändern. Das ist eine gesellschaftliche Verpflichtung.“

Warum verscherbeln Sie Ihre Autos eigentlich? Aktuell bieten Sie etwa den ë-C4 Gewerbekunden für 75 Euro im Monat an.

„Ich bestreite nicht, dass wir ein solches Image in vielen Ländern haben, auch wenn es das Angebot nur für sehr kurze Zeit gab. Um was es uns geht: Unsere Autos soll sich jeder leisten können, auch E-Autos. Und gleichzeitig müssen wir profitabel sein. Sind wir perfekt darin? Sagen wir, wir arbeiten daran. Wir wollen keine Discount-Marke sein.“

Franzosen haben ja ihren Nationalstolz. Welches ist Ihr Lieblingsland? Frankreich? Japan? USA?

„Australien! Perth ist einfach wunderbar.“

(lacht)

CITROËN C5 X

TRÈS CHIC, DIESER KOMBI-SUV!

CITROËN TRAUT SICH ENDLICH WIEDER WAS – MIT EINEM CROSSOVER

Kennen Sie den Wolpertinger? Jenes Fabeltier, das als Hase mit Entenflügeln und Geweih durch die Welt hoppelt? So was Ähnliches ist der neue Citroën C5 X.

Natürlich in schön, wie sich das für die Franzosen gehört. Oder wie es die Reklame-Abteilung fabuliert: „… verbindet die Eleganz einer Limousine mit der Dynamik eines Kombis und der erhöhten Karosserieform eines SUV.“

In Zahlen: 4,80 m lang, 1,86 m breit und 1,48 m hoch. Das Platzangebot im Fond soll dank des großzügigen Rad- stands (2,79 m) üppig sein. Die Ausstattung: erweitertes Headup-Display, 12-Zoll-Touchscreen, Assistenten für halbautonomes Fahren der Stufe 2. Ins hübsche Heck passen 545 l (bis zu 1640 l bei umgeklappter Rückbank). Drei Motorisierungen wird es im größten Citroën geben: zwei Benziner und einen Plug-in-Hy- brid. Start soll im zweiten Halbjahr sein. Die Preise beginnen vermutlich bei ca. 40 000 Euro.