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WIRBELLOSE:TIGERGARNELEN: Pflege, Herkunft, Zuchtformen


aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 18.12.2019

Unter den Zwerggarnelen ist die tigergarnele eine beliebte und variantenreiche art, die sich nicht nur im artenaquarium pflegen lässt, sondern auch gut vergesellschaftet werden kann


Artikelbild für den Artikel "WIRBELLOSE:TIGERGARNELEN: Pflege, Herkunft, Zuchtformen" aus der Ausgabe 1/2020 von aquaristik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 1/2020

Die „Super Tiger“ genannte Farbvariante ist eine Wildform.


Die Tigergarnele (Caridina mariae) wurde früher – wie die Bienengarnele (Caridina logemanni) übrigens auch – als Caridina cf. cantonensis geführt, bis sie 2014 von Werner Klotz als eigene Art beschrieben wurde. Wilde Tigergarnelen kommen aus Südchina, genauer gesagt aus der Nähe von Hongkong. Dort leben sie in kleinen Bergbächen und zum Teil sogar in ...

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... überschwemmten Wiesen. Sie sind in der Regel transparent bis leicht bläulich und haben die typischen schmalen schwarzen oder dunkelbraunen Streifen, die ihnen ihren Namen gegeben haben. Manchmal haben wilde Tigergarnelen einen gelblichen bis orangefarbenen Kopf und einen ebenso gefärbten Schwanzfächer. Sind die dunklen Tigerstreifen sehr breit und ist diese Färbung besonders stark ausgeprägt, spricht man von der Farbform „Super Tiger“.

Eine sehr schöne „Rusty Tiger“ mit orangefarbenen Augen.


Auch die Rote Tigergarnele kann orangefarbene Augen besitzen.


Infobox

WORAN ERKENNT MAN TIGERGARNELEN?

Von anderen gestreift en Garnelen kann man Tigergarnelen recht leicht unterscheiden: Während bei den anderen Arten die Streifen meist ziemlich senkrecht verlaufen, sind die hinteren drei Tigerstreifen nach vorne geneigt, während die vorderen beiden Streifen nach hinten weisen.

SIND TIGERGARNELEN MIT ORANGE EYES BLIND?

Von der Tigergarnele gibt es Farbformen, die teilweise auch in der Natur vorkommen: Rote und Blaue Tigergarnelen, darunter auch Tiere mit orangefarbenen Augen. Dass diese blind seien, wurde 2018 übrigens in einer wissenschaft lichen Studie widerlegt. Sie ergab, dass die Tiere zwar bei Dämmerung besser als Garnelen mit dunklen Augen sehen. Durch starkes Licht werden sie jedoch geblendet, was ihr Sehvermögen bei Tag einschränkt.

ZUCHTFORMEN

Bei Schwarzen und Royalblauen Tigergarnelen sind die Streifen so stark verbreitert, dass sie idealerweise den gesamten Panzer bedecken und damit nicht mehr als Streifen erkennbar sind. Mit Bienengarnelen sind Tigergarnelen sehr eng verwandt, sodass sich interessante Hybriden von Caridina mariae und C. logemanni züchten lassen. Unter anderem sind die beliebten Taiwangarnelen vermutlich durch eine solche Verpaarung entstanden und es gibt die Theorie, dass bereits die Schwarze Tigergarnele ein Hybride ist. Der für blaue und schwarze Exemplare typische rostrote Schleier, der sich bei den Weibchen abzeichnet, wurde züchterisch verstärkt, sodass es nun die Farbform „Red Rusty“ gibt.

Deutlich sichtbar: Die typische Streifenverteilung bei den Tigergarnelen und die Eier des tragenden weiblichen Tieres.


Royalblaue Tigergarnelen wurden früher in Deutschland manchmal auch als „Preußischblaue Tiger“ bezeichnet.


Die Supertigergarnele kommt nur in einem kleinen, sumpfigen Gebiet von wenigen Hundert Quadratkilometern vor.


NATÜRLICHE BIOTOPE

In der Natur findet man Caridina mariae in Biotopen mit weichem Wasser, in denen überhaupt keine Wasserhärte nachzuweisen ist. Die Wassertemperaturen liegen zwischen 13 °C und 28 °C, die elektrische Leitfähigkeit des Wassers beträgt nur etwa 3045 μS/cm. Im Hobby dagegen hat sich gezeigt, dass Tigergarnelen mit einer geringen Karbonathärte im Aquarium fast etwas besser zurechtkommen als mit vollständig weichem Wasser.

DAS AQUARIUM FÜR TIGERGARNELEN

Die geselligen Tiere brauchen eine Gruppenstärke von mindestens zehn Artgenossen, um sich wohl und sicher zu fühlen. Ein Aquarium von 20 Litern reicht für die Haltung bereits aus. Neutraler Bodengrund oder aktiver Soil, dicht bepflanzt oder nur sparsam mit wenig Moos – das ist der Tigergarnele relativ egal. Für Exemplare mit orangefarbenen Augen sollte das Aquarium mit Schwimmpflanzen ein wenig abgedunkelt werden.

FÜTTERUNG

Caridina mariae ernähren sich in der Natur überwiegend von mikrobiellem Aufwuchs (aus dem sie unter anderem ihren Proteinbedarf decken), von Algenbelägen, verrottenden Pflanzenresten und sonstigem Detritus, von Laub, das ins Wasser fällt, sowie sicherlich auch von der einen oder anderen Insektenlarve und anderen kleinen Wassertieren wie Würmern oder Kleinkrebsen. In einem gut eingefahrenen Gesellschaftsaquarium mit kleinen, sehr friedlichen Fischen findet eine Gruppe Ti gergarnelen neben Biofilmen normalerweise ausreichend Futterreste. Noch ein oder zwei braune Herbstblätter dazu, dann muss man sich über eine ausreichende Ernährung der Tiere keine großen Gedanken machen. Faustregel: Ist der Darmfaden gut sichtbar, finden die Garnelen genügend Futter.

Im Artaquarium dagegen sollten Tigergarnelen je nach Besatzstärke zugefüttert werden. Grundsätzlich sollte die Fütterung aber eher sparsam erfolgen und überwiegend aus pflanzlicher Kost bestehen. Zweibis dreimal die Woche sollten sie jedoch proteinhaltiges Futter erhalten, da es bei zu wenig Eiweißanteil in der Nahrung dazu kommen kann, dass schwächere oder frisch gehäutete Artgenossen und auch Jungtiere gefressen werden.

Basiswissen

Weibliche Blaue Tigergarnele mit typischer Rostf ärbung auf Rücken und Kopfpanzer.


Männchen von Boraras brigitt ae aus Borneo.


Foto: Ingo Seidel

Ulli Bauer schreibt und übersetzt für diverse Magazine und Webseiten und widmet sich dabei besonders den aqua ti len Wirbellosen. Sie lebt mit ihrer Familie in Weinstadt

VERGESELLSCHAFTUNG MIT FISCHEN

Obwohl man wilde Tigergarnelen gut mit friedlichen, nicht zu neugierigen Fischen und vor allem bei passender Aquariengröße auch mit sogenannten Nanofischen wie etwa Boraras brigitt ae halten kann, bevorzugen viele Garnelenzüchter Artbecken für ihre Krabbler. In Fischgesellschaft brauchen vor allem die Jungti ere genügend Rückzugsmöglichkeiten, die man ihnen in Form von feinfiedrigen Pflanzen oder Moosen bieten kann. Auch eine Schicht braunes Herbstlaub dient ihnen als Versteck. Die Hochzuchten unter den Tigern sind recht stressanfällig und sollten daher ausschließlich im Artbecken gehalten werden.

FORTPFLANZUNG

Wenn die Bedingungen passen, zeigt sich die Tigergarnele als vermehrungsfreudiges und robustes Aquarienti er. Die Weibchen entlassen nach ungefähr drei bis vier Wochen Tragezeit 2040 Jungti ere, die sofort selbstständig unterwegs sind. Die Eier wer den bis zum Schlupf unter dem Hinterleib getragen, befächert und gepflegt. Um wachsen und sich fortpflanzen zu können, müssen Tigergarnelen ihre alte Haut abstreifen und sich regelmäßig häuten.

KREUZUNG MIT ANDEREN GARNELEN

Tigergarnelen kreuzen sich mit Bienengarnelen und auch mit allen anderen Garnelen aus der Gruppe um Caridina serrata, wie Tangerine Tiger oder Aura Blue. Aus diesen Kreuzungen erschaff en engagierte Züchter interessante neue Farben und Muster, und gerade Tigergarnelen spielen in der Hybridgarnelenzucht eine große Rolle.